Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung

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Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung
— FlBschftBMVg —
III
Wappen Flugbereitschaft BMVg
Aufstellung 1. April 1957
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Luftwaffe Luftwaffe
Stärke ca. 1100 Soldaten
Unterstellung Luftwaffentruppenkommando
Standort Flughafen Köln/Bonn
Flughafen Berlin-Tegel
Führung
Kommandeur Oberst Guido Henrich[1]
Luftfahrzeuge
Transportflugzeug/
-hubschrauber
Airbus A340-300
Airbus A310-300
Airbus A319CJ
Airbus A321-200
Bombardier Global 5000
Eurocopter AS532 Cougar

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung (kurz: FlBschftBMVg) ist ein Lufttransportverband der deutschen Luftwaffe in Geschwadergröße. Ihr Auftrag ist der weltweite Transport von Soldaten und Material mit Langstreckenflugzeugen sowie der Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals. Die Flugbereitschaft hat ihren Sitz am militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn (direkt angebunden an die Luftwaffenkaserne Wahn), wo alle Transportflugzeuge und die Geschwaderführung stationiert sind, und am militärischen (Nord-)Teil des Flughafens Berlin-Tegel, wo die Hubschrauberflotte beheimatet ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flugbereitschaft wurde am 1. April 1957 auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Dienst gestellt und war ursprünglich nur als kleine Lufttransportkomponente zur „Erledigung spezieller Aufträge“ im Bereich des Verteidigungsministeriums bestimmt. Im Juli 1959 wurde sie an den Flughafen Köln/Bonn verlegt und zunächst dem LTG 62 als 3. Staffel unterstellt. Seit April 1963 ist die Flugbereitschaft selbstständig, zunächst nur auf Gruppenebene, letztendlich erhielt sie 1974 Geschwaderstatus.[2]

Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier nach der Ankunft mit einer Douglas DC-3 der Flugbereitschaft auf dem Flughafen Kiel-Holtenau

Mit Auflösung des Lufttransportkommandos (LTKdo) war die Flugbereitschaft seit dem 1. Juli 2010 truppendienstlich dem Kommando 1. Luftwaffendivision (Kdo 1. LwDiv) in Fürstenfeldbruck unterstellt; seit der Auflösung der Division untersteht sie seit dem 1. Juli 2015 dem Luftwaffentruppenkommando, wobei die Einsatzführung für militärische Lufttransporte und Luftbetankungen (graue Flotte) dem European Air Transport Command (EATC) obliegt.[3]

Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin 1998 werden die Flüge für den parlamentarischen Bereich bereitgestellt, indem eine Maschine mit Besatzung von Köln/Bonn nach Berlin verlegt wird; mit Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg (IATA-Code BER) und einem militärischen Terminal werden diese Bereitstellungsflüge entfallen. Der Zeitpunkt für den Umzug ist dabei abhängig vom Betriebsbeginn am Flughafen BER, da die Flächen für den geplanten militärischen Teil aktuell noch für den Flughafen Berlin-Schönefeld genutzt werden.[4]

Im Jahr 2017 wurde durch einen Bericht der Funke Mediengruppe bekannt, dass Generäle der Bundeswehr die Flugbereitschaft für ihre Dienstreisen genutzt haben und zu diesem Zweck Ausbildungs- und Trainingsflüge arrangiert hätten. Die Bundeswehrangehörigen sind berechtigt, bei ohnehin stattfindenden Flügen mitzufliegen, jedoch nicht selbst die Flugbereitschaft kostenlos zu nutzen.[5]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standorte der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung in Deutschland

Der Aufgabenbereich umfasst zum einen die Abwicklung des Staats-, Regierungs- und Parlamentsflugbetriebes (mit A340-313X, Airbus A319CJ, Bombardier Global 5000 und Cougar AS 532) und zum anderen Lufttransporteinsätze, Passagier- und Frachtabfertigung sowie das Herstellen und Erhalten der Einsatzbereitschaft. Eine Besonderheit sind Kranken- und Verwundetentransporte und Unterstützung bei humanitären Hilfsmaßnahmen (siehe MedEvac). Sie stellt mit den grauen Langstreckentransportflugzeugen Airbus A310 einen wesentlichen Teil der strategischen Lufttransportkräfte der Luftwaffe. Vier der Maschinen sind als Multi Role Transport Tanker vorbereitet und können neben der Aufgabe als Transportflugzeug auch zum Tanker umgerüstet werden. Hiermit erlangt die Flugbereitschaft neben den Rollen Passagiertransport, Frachttransport und Verletztentransport mit der Möglichkeit, Luftbetankung durchzuführen, eine weitere Fähigkeit.

Die Inanspruchnahme der Flugbereitschaft ist in den „Richtlinien für den Einsatz von Luftfahrzeugen der Flugbereitschaft BMVg (Bundesverteidigungsministerium) zur Beförderung von Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs“ geregelt.[6] Folgender Personenkreis darf danach die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen:

Im Zusammenhang mit der Nutzung der Flugbereitschaft werden durch Medien, konkurrierende Parteien oder den Bundesrechnungshof immer wieder Vorwürfe der missbräuchlichen Nutzung erhoben. Selten lässt sich dies juristisch klar belegen. Oft führt aber bereits der Eindruck der ungerechtfertigten Privilegiennutzung zur privaten Übernahme der Kosten durch die Betroffenen.[7]

Bei der Flugbereitschaft ist außerdem die sogenannte „Drehscheibe Wahn“ für den gesamten Lufttransport angesiedelt. Von hier aus wird der Umschlag und Transport von sämtlichem Material und Personal ins Ausland koordiniert und zum Großteil abgefertigt.

Zu den Beschäftigten der Flugbereitschaft zählen auch die Lufttransportbegleiter, das militärische Gegenstück der Flugbegleiter.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stab Flugbereitschaft BMVg
    • Stab Fliegende Gruppe
      • 1. Lufttransportstaffel (A310)
      • 2. Lufttransportstaffel (A319CJ, A321, A340-313X, G5000)
      • 3. Lufttransportstaffel (AS 532 Cougar) in Berlin-Tegel
    • Stab Technische Gruppe
      • 1. Technische Staffel (A310)
      • 2. Technische Staffel (A319CJ, A321, A340-313X, G5000)
      • Flugplatzstaffel

Die dritte Staffel untersteht zwar der fliegenden Gruppe, beinhaltet aber am Standort Berlin sowohl das fliegende Personal wie auch das technische, so dass der Flugbetrieb von einer Staffel alleine sichergestellt werden kann.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name von bis Bemerkungen[8]
1 Hauptmann Perth 1. April 1957 31. März 1963
Umgliederung/Vergrößerung auf Bataillonsebene zum 1. April 1963
2 Major Hans-Georg Mally 1. April 1963 31. März 1973
3 Oberst Werner Drechsel 1. April 1973 31. März 1982
Umgliederung/Vergrößerung auf Geschwaderebene zum 1. August 1974
Oberst Werner Drechsel 1. April 1973 31. März 1982
4 Oberst Fritz Ehmann 1. April 1982 31. März 1986
5 Oberst Peter Wulf 1. Oktober 1986 31. März 1991
6 Oberst Jürgen Reiss 1. April 1991 27. Juli 1994
7 Oberst Axel Tüttelmann 27. Juli 1994 16. Januar 1998 Später Kommandeur des NATO-E-3A-Verbandes in Geilenkirchen (als Brigadegeneral) und in Folge des NATO Airborne Warning and Control Systems (als Generalmajor)
8 Oberst Joachim Mörsdorf 16. Januar 1998 30. September 1999
9 Oberst Horst Abromeit 30. September 1999 1. April 2003 Vorher Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62
10 Oberst Norbert Daniel 1. April 2003 29. September 2011 Vorher Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61
10 Oberst Helmut Frietzsche 30. September 2011 26. Mai 2014 Vorher Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63
11 Oberst Stefan Neumann 27. Mai 2014 4. September 2017 Vorher Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63
12 Oberst Guido Henrich 4. September 2017 Vorher Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62

Luftfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grauer Airbus A310 MRTT „Hans Grade“ mit MedEvac-Rüstsatz der Luftwaffe
Weiße Regierungsmaschine Airbus A340-313X VIP 16+01 „Konrad Adenauer
Weißer Airbus A319 15+01, 2013

Die Flugbereitschaft besteht aus zwei Komponenten: Der grauen A310-300-Flotte und der weißen Flotte bestehend aus A340-313X, Airbus A319CJ, Airbus A321, Bombardier Global 5000 und Cougar AS 532.

Die Regierungsmaschinen waren bis Juli 2003 weiß mit blauen Längsstreifen lackiert und trugen den Schriftzug „Luftwaffe“, danach wurden die blauen Streifen durch schwarz-rot-goldene ersetzt. Außerdem wurde die Beschriftung in „Bundesrepublik Deutschland“ geändert. „Luftwaffe“ ist jetzt kleiner auf dem Seitenleitwerk zu lesen.[9] Die beiden A340 und die A310 10+23 sind nach Politikern aus der Gründungszeit der Bundesrepublik benannt; die vier anderen A310 tragen die Namen deutscher Luftfahrtpioniere. Weder A319CJ noch Global 5000 tragen Taufnamen.

Die A340-Langstreckenjets bieten neben einer Kapazität von bis zu 143 Passagieren auch Schlaf- und Konferenzräume für Regierungsmitglieder. Die Langstreckenmaschinen wurden nach zehn Jahren im regulären Liniendienst bei der Lufthansa durch Lufthansa Technik in Hamburg in 21 Monaten zum Regierungsflieger umgebaut. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 13.350 km und damit um mehr als 3.000 km über der des Vorgängermodells A310, was Tankstopps auf Flügen z. B. nach Asien oder Südafrika überflüssig macht.[10] Die Flugzeuge verfügen neben einem Bordhospital über diverse Selbstschutzeinrichtungen.[11] Mitte 2013 wurde in den Vereinigten Staaten ein laserbasiertes Abwehrsystem gegen infrarotgelenkte Raketen nachgerüstet.[12]

Während die Großraumjets des Typs A340 primär für die Langstrecke gedacht sind, sollen die Global 5000, A319CJ und A321 eher auf kürzeren Strecken und für kleinere Delegationen zum Einsatz kommen. Die beiden Typen sind jedoch auch in der Lage, längere Strecken (bspw. Berlin – Peking) ohne Zwischenstopp zu fliegen.[13] Der erste Einsatz einer Global 5000 (14+01) für den parlamentarischen Bereich fand am 10. Oktober 2011 statt, Außenminister Guido Westerwelle wurde vom Flughafen Köln-Bonn nach Luxemburg geflogen.[14][15] An Bord des Flugzeuges haben bis zu 13 Personen Platz.[16]

Ende Mai 2013 schloss die Bundeswehr mit dem US-Hersteller Northrop Grumman einen Vertrag über die Ausrüstung der beiden A319CJ mit Selbstschutzsystemen. Das Volumen des Vertrages beträgt 26 Millionen US-Dollar.

Die A310 10+23 „Kurt Schumacher“ (frühere Kennzeichen: DDR-ABC, später D-AOAC) ist mit einer reinen Economy-Bestuhlung (214 Personen) für den Transport von Personen und Fracht ausgerüstet. Diese Maschine gehörte zu den drei von der Interflug im Zuge ihrer Liquidation an den damaligen Leasinggeber zurückgegebenen und sodann von der Flugbereitschaft übernommenen A310. Der erste Airbus der Interflug mit dem Kennzeichen DDR-ABA, später D-AOAA, sodann 10+21, war bis 2011 das offizielle Regierungsflugzeug „Konrad Adenauer“ der Bundesrepublik Deutschland. Hierfür wurde eine umfangreiche satellitengestützte Kommunikationsanlage installiert und eine spezielle, an die neuen Bedürfnisse angepasste Inneneinrichtung mit u. a. Kabinen mit Schlafplätzen und Dusche eingebaut. Zusatztanks im Frachtraum ermöglichten weltweite Langstreckenflüge. Ersatzflugzeug war die „Theodor Heuss“ (DDR-ABB, später D-AOAB, sodann 10+22).

Die vier A310 10+24 bis 10+27 sind umrüstbare Mehrzwecktransportflugzeuge. Neben der Verwendung als MedEvac-Flugzeuge können sie auch für den Truppen- oder Frachttransport oder die Luftbetankung genutzt werden. Die Fähigkeit zur Luftbetankung auf der Langstrecke durch eigene Flugzeuge war ab 2009 neu für die Bundeswehr. Die A310 tragen als Zusatzbezeichnung das Kürzel „MRTT“ für Multi Role Transport Tanker. Die MRTT-Maschinen sowie die 10+23 tragen eine graue Lackierung der Luftwaffe.

Großraumflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standardrumpfflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 15+01 Airbus A319-133X CJ (S/N 3897)
  • 15+02 Airbus A319-133X CJ (S/N 4060)[21]
  • 15+04 Airbus A321-231 (S/N 1214, ex. D-AISE Lufthansa „Neustadt an der Weinstraße“)[22]

Geschäftsreiseflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 14+01 Bombardier Global 5000 (S/N 9395)[23]
  • 14+02 Bombardier Global 5000 (S/N 9404)
  • 14+03 Bombardier Global 5000 (S/N 9411)
  • 14+04 Bombardier Global 5000 (S/N 9417)[24]

Hubschrauber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cougar AS 532
  • 82+01 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2449)
  • 82+02 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2452)
  • 82+03 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2460)

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2008 wurde bekanntgegeben, dass die Flotte für den Staatsflugbetrieb (Cougar AS 532, Global 5000, A319CJ, A321 und A340) zum Flughafen Berlin Brandenburg umziehen soll, sobald am dortigen Flughafenneubau die Voraussetzungen geschaffen wurden.[25] Dazu sollen im Norden des Flughafens in der Nähe der bestehenden Flughafenterminals des alten Flughafen Berlin-Schönefeld ein repräsentatives Terminal sowie die für die Flugbereitschaft notwendigen Infrastrukturen erstellt werden. Bedingt durch die Verzögerungen beim Bau des neuen Flughafens, mussten die für Bau und Umzug geplanten Termine aber bereits mehrfach verschoben werden.[26][27] Der Umzug nach Schönefeld sollte, mit Stand Dezember 2016, frühestens im zweiten Halbjahr 2018 stattfinden, da dann das provisorische Regierungsterminal hätte fertig sein sollen. Die Fertigstellung des 350 Millionen Euro teuren regulären neuen Regierungsairports in Schönefeld ist für 2024 geplant.[28]

Für den militärischen Lufttransport sowie Luftbetankungen werden die vier A310 MRTT weiterhin am Flughafen Köln/Bonn stationiert bleiben. Diese sollen jedoch zwischen 2020 und 2022 im Rahmen einer multinationalen Tankerflotte (sog. Multinational Multi-Role Tanker Transport Fleet, MMF) durch mehrere A330 MRTT ersetzt werden und dann nicht mehr Teil der Flugbereitschaft sein.[29][30] Diese Flugzeuge werden gemeinsam mit Norwegen beschafft und sollen von Eindhoven in den Niederlanden und Köln aus operieren.[31]

Zudem beschafft der Bund einen weiteren Airbus A319CJ (S/N 1212) zur Durchführung von eigenen Flügen im Rahmen des Open-Skies-Vertrag.[32] Dieser wird nach dem Einbau der Open-Skies-Ausrüstung durch die Flugbereitschaft betrieben.

Nach einer Pannenserie, welche unter anderem dazu führte, dass Angela Merkel mit einem Linienflug zum G20-Gipfel in Buenos Aires reisen musste, wurde am 1. Februar 2019 bekanntgegeben, dass ein neuer Airbus A350 für rund 150 Millionen Euro erworben werden soll, um die beiden A340 zu ergänzen.[33] Zwei weitere A350 sollen später folgen. Wie ihre Vorgänger sollen sie mit einer passiven Selbstschutzanlage ausgerüstet werden. Da das erste Flugzeug bereits im Herbst 2019 in Dienst gestellt werden soll, um die Flotte ab 2020 zu entlasten, ist fraglich, ob es von Anfang an dieselbe Ausstattung wie die bisherigen Kanzlerflugzeuge bieten wird, da der Einbau einer solchen Einrichtung rund ein Jahr in Anspruch nimmt und mit zusätzlichen Kosten in Höhe von rund 150 Millionen Euro veranschlagt ist.[34] Am 12. April 2019 schloss das BAAINBW mit der Firma Lufthansa Technik AG einen Vertrag über die Lieferung von drei fabrikneuen Flugzeugen Airbus A350-900.[35]

Ehemalige und aktuelle Luftfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aérospatiale AS 332
Boeing 707-307C (1968–1999)
HFB-320 Hansa Jet, 1984
Airbus A310 VIP

Während in den 1960er-Jahren Maschinen des Musters Dornier Do 28A und Douglas DC-6B eingesetzt wurden, bildeten bis spät in die 1990er-Jahre herein vier (später zwei) Boeing 707-307C das Rückgrat der Flugbereitschaft. Von 1977 bis 1998 zählten zudem drei Maschinen des Typs VFW 614 zur Flotte. Im Jahr 1996 wurden zwei Boeing 707-307C durch gebraucht beschaffte A310-304 ersetzt. Die verbliebenen B707 wurden 1999 ebenfalls durch gebrauchte A310-304 ersetzt; sie flogen noch etwa zehn Jahre als Schul- und Transportflugzeuge in Geilenkirchen für angehende AWACS-Piloten.

1990 wurden kurzzeitig Piloten und Flugzeuge des Transportfliegergeschwaders 44 (Tupolew Tu-134, Tupolew Tu-154, Iljuschin Il-62, Mil Mi-8S) übernommen. Die Tu-134 und Il-62 verließen die Flotte aber bald wieder.

Am 4. November 2011 fand der offizielle Abschiedsflug der letzten Challenger, der 12+07 statt,[36] Mitte November wurde sie dann an den Käufer übergeben. Die erste Challenger war im April 1986 übernommen worden. Insgesamt betrieb die Luftwaffe sieben Maschinen dieses Typs mit den Kennzeichen 12+01 bis 12+07.

Die damals zwei Jahre alten A310 10+21 und 10+22 wurden 1991 aus dem Bestand der liquidierten Interflug der DDR gekauft und für insgesamt 50 Millionen Mark[37] zu VIP-Maschinen umgebaut. Gegenüber den üblichen A310 besaßen diese Maschinen auf Wunsch der Interflug, für die sie gebaut worden waren, eine deutlich größere Reichweite. Die 10+21 war (bis zur Auslieferung der ersten A340 im Juni 2011) die offizielle Regierungsmaschine der Bundesrepublik, die 10+22 das Ersatzflugzeug. Die A310 10+22 verließ die Flotte zum 1. Juli 2011, während die 10+21 noch bis zum Juni 2014 weiterbetrieben wurde. Am 20. November 2011 wurde bekannt, dass die ehemalige 10+22 der Flugbereitschaft, eine A310, über einen Zwischenhändler von der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air erworben worden ist.[38] Die ehemalige 10+21 wurde mit Wirkung vom 30. Juni 2014 an die Firma Novespace verkauft, die sie nach einem Umbau für Zero G Parabelflüge einsetzen wird.[39][40]

Folgende Luftfahrzeuge der Flugbereitschaft sind seit ihrer Außerdienststellung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr auf dem Flugplatz Berlin-Gatow (ehemals: "Luftwaffenmuseum der Bundeswehr") zu besichtigen: HFB 320 Hansajet[41] in der jüngeren ECM-Ausführung (16+26) und in der älteren VIP-Ausführung (16+06, derzeit in der Restaurierung), Mil Mi-8S (ex NVA)[42] (93+51), Let L-410 „Turbolet“ VIP (53+10, derzeit verliehen an die Technische Schule der Luftwaffe 3 in Fassberg), sowie ein altes VIP-Compartment aus einer Boeing B707-307C.[41]

Mangels offizieller Quellen beziehungsweise Chroniken lässt sich die Liste der eingesetzten Luftfahrzeuge der Flugbereitschaft nur anhand inoffizieller, gegebenenfalls als Sekundärquelle zu betrachtender, Literatur[43][44] rekonstruieren:

Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convair 440 (1959–1974)
Dornier Do 28A (1961–1968)
Douglas DC-6B (1962–1969)
VFW 614 (1977–1998)
Challenger 601 (1986–2011)

Hubschrauber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 16. Januar 1968 kollidierte eine vom Flughafen Köln/Bonn kommende Lockheed JetStar C-140 der Flugbereitschaft (CA+102) mit einer Piaggio P.149D der Lufthansa Verkehrsfliegerschule (D-EJCO). Die auf einem Ausbildungsflug in der Platzrunde des Flughafens Bremen fliegende Piaggio stürzte 2 km nordnordwestlich der Landebahn ab, wobei Fluglehrer und Schüler umkamen.[47] Die JetStar wurde schwer beschädigt, konnte aber mit einer Bauchlandung auf dem Werksflughafen Lemwerder gelandet werden. Sie wurde auf Grund der starken Beschädigungen später abgeschrieben.[48]
  • Am 5. Oktober 1972 stürzte bei Berzhahn/Westerwald eine Bell UH-1D (71+22) nach einer Kollision mit einer Lockheed F-104 „Starfighter“ ab. Der Hubschrauber gehörte zum HTG 64 in Ahlhorn, die Besatzung aber war der Flugbereitschaft zugehörig.[49] Die drei Besatzungsmitglieder des Hubschraubers starben, der Kampfjet konnte beschädigt auf dem Fliegerhorst Büchel landen. Der Unfall ereignete sich, als der Hubschrauber eine Nachttiefflugstrecke kreuzte.[8]
  • 6. Juni 1996 – Beim Unglück bei der Jugendmesse YOU 1996 stürzte ein Hubschrauber des Typs Bell UH-1D (71+00) während eines Rundflugs in Dortmund in ein Waldgebiet. 13 Menschen kamen ums Leben, 1 Person überlebte.[50][51]
  • Am 13. September 1997 kollidierte die Tu-154M (11+02) bei der Flugzeugkollision vor Namibia 1997 vor der Westküste Namibias mit einer C-141B Starlifter der US Air Force (65-9405). 33 Menschen kamen ums Leben, davon 24 in der Tupolew und 9 im Starlifter.[52]
  • Am 16. April 2019 berührte eine Bombardier Global 5000 mit ihren Flügelspitzen das Vorfeld bzw. die Bahn 07L/25R des Flughafens Berlin-Schönefeld, nachdem die Maschine dort gewartet worden war und die Crew während des Rückfluges, der nach Köln führen sollte, Probleme mit der Flugsteuerung bemerkte. Sie entschied sich, nach Schönefeld zurückzukehren, wobei die Steuerung des Flugzeuges sich zeitweise so schwierig darstellte, dass die Maschine zuerst auf dem Vorfeld aufsetzte und danach über Grünflächen und einen parallel zur Landebahn verlaufenden Rollweg auf die Bahn rollte. Die dreiköpfige Besatzung wurde in einem Bundeswehrkrankenhaus behandelt. Passagiere waren nicht an Bord.[53] Der Flugverkehr musste teilweise nach Tegel, Leipzig und Hamburg umgeleitet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Andrup: Airbus. Von der A300 bis zur A380 und A350. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03330-6, S. 32 f., 77, 110 f.
  • Der Kanzler-Hubschrauber. (Titelgeschichte) In: Rotorblatt Nr. 4/2017, 24. Jahrgang, S. 24–27

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flugbereitschaft Bundesministerium der Verteidigung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Mais: Kommandowechsel bei der Flugbereitschaft BMVg. BMVg, 4. Juni 2014, abgerufen am 10. Juni 2014.
  2. http://www.geschichte.luftwaffe.de/portal/a/geschlw/start/chro/195x/1957/!ut/p/z1/hY9BC4MwDIX_kakVnT0qIpM53VDc7GUULc7hWimd7LAfv5aBN1kOD_Je8oUAhStQwZZxYHqUgk2mb2lwi8O8zjHBOG9IgjL3ePAJiXGJMTRw-TdCTYw2KkJQ9Rxaw9htMzyogALtudNJwbVVzYUejQ6KaamcWSo92eSllEmcsYcWuUmMgvWU-wnOdbT3MPKzIi0t8MEW9l53WWefhvbORD_xk-yinzE_07Ao_OELwh6XIQ!!/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922LV9D0I1MK599B2O23%7C abgerufen am 18. Dezember 2017.
  3. Die Flugbereitschaft BMVg im Wandel. In: Online-Angebot. Bundesministerium der Verteidigung, der Leiter des Presse- und Informationsstabes, 31. August 2010, archiviert vom Original am 2. Oktober 2010; abgerufen am 5. Oktober 2010.
  4. Peter Neumann: Probleme am BER Bleibt der Flughafen Tegel für Staatsgäste offen? In: Berliner Zeitung. 7. Juli 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.
  5. Bundeswehr: Verteidigungsministerium bestreitet Missbrauch der Flugbereitschaft. In: Spiegel Online. 15. September 2017, abgerufen am 9. Juni 2018.
  6. BMVg: Richtlinien für den Einsatz von Luftfahrzeugen der Flugbereitschaft BMVg zur Beförderung von Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs. Abgerufen am 28. Oktober 2018.
  7. Grundsätze einer sparsamen Haushaltsführung sind zu beachten. In: Hintergrund: Nutzungsrichtlinien der Bundeswehr-Flugbereitschaft. Handelsblatt, 2. September 2001, abgerufen am 26. Juni 2009.
  8. a b Gerhard Lang u. a.: Die Deutschen Luftstreitkräfte im Einsatz. 1956–heute. In: Luftstreitkräfte Profile. Geschichte und Einsatz der deutschen Luftstreitkräfte 1970-79. 1. Auflage. Band 3. Unitec Medienvertrieb, Stengelheim 2017, S. 6–32.
  9. Andrup: Airbus. Von der A300 bis zur A380 und A350. 2011, S. 32f.
  10. Bundeswehr will im Eiltempo neue Regierungsflugzeuge anschaffen, Aero.de, erschienen am 7. März 2008, abgerufen am 11. Oktober 2011.
  11. Flugbereitschaft übernimmt ersten A340. airliners.de, 30. März 2011, abgerufen am 31. Mai 2011.
  12. Merkels Jet trotzt künftig Raketen. In: Handelsblatt. Nr. 133, 15. Juli 2013, ISSN 0017-7296, S. 10.
  13. Feierliche Übergabe des ersten Flugzeugs Global 5000 an die Flugbereitschaft, BWB.org, erschienen am 29. September 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011. "Die Global 5000 hat eine maximale Reichweite von 8.900 Kilometer und ermöglicht mit ihrer maximalen Flughöhe von 51.000 Fuß (ca. 15,5 Kilometer) eine flexible und schnelle Flugwegplanung."
  14. Global 5000 nimmt parlamentarischen Flugbetrieb auf, Luftwaffe.de, 10. Oktober 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011. "Bundesaußenminister Guido Westerwelle war erster Gast auf der neuen Bombardier Global 5000. Das Luftfahrzeug, mit der taktischen Kennung 14+01, nahm heute seinen Flugbetrieb im politisch-parlamentarischen Bereich auf."
  15. Global 5000 nimmt parlamentarischen Flugbetrieb auf, Aero.de, 11. Oktober 2011.
  16. Timo Braam: Luftwaffe fliegt jetzt „Global“. Luftwaffe.de, 16. November 2011, abgerufen am 20. November 2011
  17. Heiko Stolzke: "Lufthansa Technik übergibt Regierungs-A340 an Flugbereitschaft". 30. März 2011, abgerufen am 31. März 2011.
  18. Andrup: Airbus. Von der A300 bis zur A380 und A350. 2011, S. 110–111.
  19. Flugbereitschaft BMVg stellt zweiten Airbus A340 in Dienst, Luftwaffe.de, erschienen am 6. Oktober 2011 - "Das Langstreckenflugzeug ist mit dem taktischen Kennzeichen 16+02 trägt den Namen „Theodor Heuss“"
  20. Flugbereitschaft stellt zweiten Airbus A340 in Dienst, flugrevue.de, erschienen am 6. Oktober 2011
  21. Start frei für neuen Regierungsjet. www.luftwaffe.de, 22. September 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011.
  22. Flugbereitschaft erhält Airbus A321. In: Flug Revue. 21. September 2018, abgerufen am 21. September 2018.
  23. luftwaffe.de: Übergabe der ersten Global 5000. Abgerufen am 28. September 2011.
  24. Volker Mais: Letzte Global 5000 an Flugbereitschaft ausgeliefert. Luftwaffe.de, 9. Januar 2012
  25. schnell und modern – die Flugbereitschaft BMVg, Luftwaffe.de, erschienen am 22. Oktober 2008, abgerufen am 11. Oktober 2011. "[Es] ist beabsichtigt, den politisch/parlamentarischen Flugbetrieb der Flugbereitschaft ab 2012 über den BBI abzuwickeln."
  26. nicht vor 2015 fertig, Berliner Morgenpost, erschienen am 20. Juni 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011
  27. Christian Wiermer: Millionen für Regierungsflüge verpulvert. Express.de, 10. Februar 2012, abgerufen am 8. Februar 2012: „Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums entgegnet auf Anfrage, dass der Komplett-Umzug der "weißen Flotte" erst dann erfolgen könne, wenn am neuen Großflughafen in Berlin-Schönefeld die notwendige Infrastruktur bereitgestellt sei. Und das ist nach unseren Informationen erst für das Ende des ersten Quartals 2016 vorgesehen.“
  28. Thorsten Metzner: Wieder Krach am BER - diesmal ums Regierungsterminal. tagesspiegel.de, 2. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  29. Bundeswehr beteiligt sich an Tank- und Transportflugzeugflotte. In: BMVg.de. 21. Juni 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  30. Multi-Role Tanker Transport Fleet expands significantly. (Nicht mehr online verfügbar.) In: OCCAR. 25. September 2017, archiviert vom Original am 22. Dezember 2017; abgerufen am 20. Dezember 2017.
  31. Multi-Role Tanker Transport Fleet (MMF) expands significantly. In: European Defence Agency. 25. September 2017, abgerufen am 21. September 2018 (englisch).
  32. Björn Müller: Neuer „Open Skies“-Flieger für die Bundeswehr. In: sicherheitspolitik-journalismus.org. 23. Dezember 2015, abgerufen am 27. Dezember 2015.
  33. tagesschau.de: Neuer Flieger für Regierungsvertreter, abgerufen am 1. Februar 2019
  34. Matthias Gebauer: Pannenserie: Bundeswehr will drei neue Regierungsflieger kaufen. In: Spiegel Online. 1. Februar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).
  35. Ergänzungs- und Ersatzbeschaffung Langstrecke Flugbereitschaft BMVg. In: https://www.baainbw.de. PIZ BAAINBW, 13. April 2019, abgerufen am 3. Mai 2019.
  36. Abschied von der Challenger. FlugRevue, Kurzmeldung, Januar 2012, S. 18.
  37. Alles im Fluge. Der Spiegel 12/1993. 22. März 1993. Abgerufen am 21. Februar 2011.
  38. Björn Hengst, Matthias Gebauer und Gerald Traufetter: Iranische Airline kauft ausgemusterten Kanzler-Jet. Spiegel Online, 20. November 2011, abgerufen am 21. November 2011.
  39. Volker Mais: Eine Ära geht zu Ende – VIP-Airbus A310 wird außer Dienst gestellt. Bundeswehr, 20. Juni 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
  40. Sebastian Steinke: Flugbereitschaft mustert VIP-A310 aus. Flugrevue, 16. Juni 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
  41. a b c d e f g h i j k l m n o Transportflugzeuge auf Bundeswehr.de, gesichtet am 9. November 2011
  42. a b Hubschrauber auf Bundeswehr.de, gesichtet am 9. November 2011
  43. Studienarbeit über alle Flugzeuge der Bw bis 2000 (PDF; 3,5 MB)
  44. Flugbereitschaft BMVg Köln-Bonn Berlin-Tegel, inoffizielle Chronik auf Mi-8 Salon, abgerufen am 25. Januar 2016
  45. Piaggio P-149D auf Bundeswehr.de, gesichtet am 9. November 2011
  46. a b Dornier Do 28 auf Bundeswehr.de, gesichtet am 9. November 2011
  47. Unfallbericht P-149D D-EJCO, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 13. Mai 2017.
  48. Unfallbericht Jetstar CA+102, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Juni 2016.
  49. Unfallbericht Bell UH-1D 71+22, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 13. Mai 2017.
  50. Starkes Schlagen. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1996 (online).
  51. Geschichte der Luftwaffe, Das Jahr 1996, Luftwaffe.de, abgerufen am 9. Oktober 2011
  52. Unfallbericht TU-154 11+02, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Juni 2016.
  53. Thomas Wiegold: Neuer Vorfall bei der Flugbereitschaft – Notlandung nach Instandsetzung (Nachtrag: PK-Video). In: Augen geradeaus! 16. April 2019, abgerufen am 24. April 2019.

Koordinaten: 50° 51′ 50″ N, 7° 7′ 15″ O