Flugfeld (Stadtteil)

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Koordinaten: 48° 41′ 23″ N, 8° 59′ 43″ O

das alte Flughafengebäude
Blick auf das Flugfeld

Das Flugfeld ist ein interkommunales Wohn- und Gewerbegebiet, das bis 2031 gemeinschaftlich von den Städten Böblingen und Sindelfingen erschlossen wird. Mit einer Gesamtfläche von fast 80 ha zählt dieses Projekt zu einer der größten Stadtentwicklungen Süddeutschlands. Das Flugfeld liegt unmittelbar an der Bundesautobahn 81 Stuttgart–Singen. Ein Drittel des Areals befindet sich auf Sindelfinger, zwei Drittel auf Böblinger Gemarkung. Mit der Erschließung wurde eine Brache zwischen den beiden Städten geschlossen, die früher den Flughafen Böblingen beherbergte. Einige der denkmalgeschützten Gebäude wurden in den neuen Stadtteil integriert.

Ziel der beiden Städte war es, mit dem Flugfeld ein Gewerbe- und Dienstleistungsgebiet mit einer Mischnutzung aus Produktion, Dienstleistung, Forschung, Bildung, Wohnen und Grünflächen zu entwickeln. Dazu gehört auch ein medizinisches Dienstleistungszentrum sowie ein Technologie-Kompetenzzentrum. Auf dem Flugfeld sollen so bis 2031 bis zu 7000 Arbeitsplätze entstehen, geplant ist außerdem die Errichtung von Wohneinheiten für ca. 4000 Bewohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flughafen und Militärnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Juli 1915 bis 1918 befand sich auf dem Gelände ein Fliegerhorst, nach Kriegsende wurde der Flugplatz stillgelegt und die meisten Anlagen demontiert. Ab 1924 wurde auf dem Gelände der Landesflughafen eingerichtet, unter dem Namen Flughafen Stuttgart-Böblingen wurde er ins internationale Liniennetz eingebunden. 1938 wurde der Flughafen erneut von der Luftwaffe übernommen; mit Kriegsbeginn im September 1939 wurde der zivile Flugbetrieb vollständig eingestellt. Von 1945 bis 1992 nutzte die US-Armee das Gelände unter anderem als Reparaturwerk für ihre Fahrzeuge, danach befand sich das Gelände im Eigentum der Bundesvermögensverwaltung.

Entwicklung ab 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2001 beschlossen die Städte Böblingen und Sindelfingen, die Entwicklung des Geländes in eigener Regie zu betreiben. Für die Beplanung, Sanierung, Erschließung und Vermarktung gründeten sie im Mai 2002 den Zweckverband Ehemaliges Flughafengelände Böblingen/Sindelfingen. Aus dem städtebaulichen Realisierungswettbewerb ging als erster Preisträger die Arbeitsgemeinschaft Architektenpartnerschaft AP Mory, Osterwalder und Vielmo aus Stuttgart mit der Planungsgesellschaft Freiraum + Städtebau Hans Kienle hervor.

Die Arbeitsgemeinschaft erstellte mit dem damaligen Planungsverband einen städtebaulichen Entwurf, der von den Gemeinderäten beider Städte als Grundlage weiterer städtebaulicher Planungen beschlossen wurde. Im Januar 2004 beschloss der Verband den Namen des zukünftigen Stadtquartiers, dabei fiel die Wahl auf die Bezeichnung Flugfeld. Seit Mai 2004 hat auch der Zweckverband Ehemaliges Flughafengelände seinen alten Namen abgelegt, um als Zweckverband Flugfeld Böblingen/Sindelfingen die Entwicklung und Vermarktung des Areals weiter voranzutreiben.

Städtebaulicher Entwurf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbauend auf dem Siegerentwurf eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs aus dem Jahr 2000 wurde für das Flugfeld ein städtebaulicher Entwurf entwickelt und inzwischen mehrfach fortgeschrieben. Der Charakter des Geländes wird durch das Zusammenspiel verschiedener Nutzungen geprägt. Verdichtete Bauflächen stehen größeren Freiflächen gegenüber. Das Zentrum ist eine Grünfläche mit einem 860 Meter langen See. Rund um den See wurden einzelne Teil-Quartiere mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten angesiedelt.

Zum Bereich Forum gehören unter anderem die denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Landesflughafens Württemberg. In diesen wurden in Verbindung mit Neubauten das Projekt Meilenwerk (mittlerweile Motorworld Region Stuttgart) realisiert, das Handel und Dienstleistungen insbesondere zu Oldtimern anbietet. In der Bauzeile zwischen Hanns-Klemm-Platz und Bahnhof befindet sich das Technologie-Kompetenzzentrum „Forum 1“, des Weiteren befindet sich dort das medizinische Dienstleistungszentrum „medicum“.

In der Parkstadt entstand ein Wohngebiet in Bahnhofsnähe. Neben Wohngebäuden wurden dort auch Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen und Geschäfte angesiedelt. Östlich davon soll auf rund 50.000 m² das neue Klinikum Sindelfingen-Böblingen mit rund 700 Betten entstehen.[1][2][3]

Zwischen der durch das Flugfeld führenden Hauptverkehrsstraße Flugfeld-Allee und dem Langen See sieht die Stadtplanung eine lange, aufgelockerte Gebäudezeile vor. Entlang des Seeufers entstand eine Promenade. Nördlich der Straße entsteht das Gewerbegebiet Am Wall in der Nähe der Autobahnauffahrt. Hier befindet sich seit 2008 auch die Freizeitanlage Sensapolis. Das Flugfeld wird durch einen ca. zwei Kilometer langen Erdwall von der Bundesautobahn 81 Stuttgart–Singen getrennt.

Auf dem Geländeabschnitt Campus ist der Bau von Hochhäusern für Büros und Dienstleistungsunternehmen geplant. Auf dem ca. 54.000 Quadratmeter großen Teil-Areal ist eine Bruttogeschossfläche von 90.000 Quadratmeter vorgesehen (Grundflächenzahl 1,0, Geschossflächenzahl 1,6).

Harfenbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harfenbrücke

Der Lange See wird etwa in seiner Mitte von der "Harfenbrücke", einer Fuß- und Radwegbrücke, überspannt. Sie wurde vom Büro Schlaich Bergermann und Partner konzipiert und im Oktober 2016 eingeweiht. Ihre Spannweite beträgt 50 m. Der Pylon ist 15 m hoch, seine Beine sind sowohl in der Draufsicht als auch in der Seitenansicht gekrümmt und treffen sich an der Spitze zu einem trapezförmigen Querschnitt. 28 Seile tragen die Fahrbahn. Die Gesamtkosten der Brücke betrugen 1,1 Mio Euro.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei Böblingen und Sindelfingen entsteht Klinikum für 350 Millionen Euro Südwest Presse, 30. Januar 2015, abgerufen am 13. September 2015.
  2. Der Weg zum Flugfeldklinikum | Flugfeldklinikum. Abgerufen am 10. Oktober 2017.
  3. Standort Flugfeld | Flugfeldklinikum. Abgerufen am 10. Oktober 2017.