Flughafen Bern-Belp

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Regionalflugplatz Bern-Belp
«Flughafen Bern-Belp»
Bern Airport Overview.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LSZB / LSMB
IATA-Code BRN
Koordinaten

46° 54′ 51″ N, 7° 29′ 50″ OKoordinaten: 46° 54′ 51″ N, 7° 29′ 50″ O

Höhe über MSL 510 m  (1.673 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 6 km südöstlich von Bern
Bahn S-Bahn-Linien S3, S31, S4, S44 bis Belp
Nahverkehr Buslinie 160 von Bernmobil
Basisdaten
Eröffnung 1929
Betreiber Flughafen Bern AG
Fläche 55 ha
Terminals 1
Passagiere 16'183 (2020)[1]
Flug-
bewegungen
42'862 (2020)[1]
Beschäftigte 41 VZÄ (2020)[2]
Start- und Landebahnen
14/32 1730 m × 30 m Asphalt
14R/32L 650 m × 30 m Gras[3]

i1 i3


i7 i10 i12 i14

Standorte der 11 Schweizer Regionalflugplätze

Der Regionalflugplatz Bern-Belp (Marketing-Bezeichnung «Flughafen Bern») ist der Flugplatz der schweizerischen Bundesstadt Bern. Er wird von der 1948 gegründeten privatwirtschaftlichen «Flughafen Bern AG» betrieben. Der Regionalflugplatz war die Basis der früheren SkyWork Airlines, deren Grounding beim Flugplatz zu einem Umsatzverlust von mehr als einem Drittel führte. Zurzeit bietet die Chartergesellschaft Helvetic Airways einige Flüge während der Ferienzeit an, der Lufttransportdienst des Bundes hat zwei Geschäftsflugzeuge stationiert, die Schweizerische Rettungsflugwacht betreibt eine Basis und zwei Helikopterunternehmen sowie zwei Flugschulen (eine für Motorflug, eine für Segelflug) operieren auf dem Flugplatz.

Geographische Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz liegt sechs Kilometer südöstlich von Bern auf dem Gebiet der Gemeinde Belp. Seine Lage im Belpmoos, einer Schwemmebene im Aaretal, hat dem Flugplatz seine lokal geläufige Bezeichnung verschafft.

Die Zufahrt für den Strassenverkehr erfolgt von Süden über Vehweid von der Hauptstrasse 6 und von der Autobahnausfahrt A6 Rubigen oder von Norden auf der Flugplatzstrasse über Kehrsatz. Es stehen gebührenpflichtige Parkplätze im Freien zur Verfügung. Mit dem öffentlichen Verkehr ist der Flugplatz ebenfalls gut erreichbar: Die Linie 160 von Bernmobil fährt im Halbstundentakt zum Bahnhof Belp, von wo die S-Bahnlinien S3, S4, S31 und S44 zum Berner Hauptbahnhof verkehren. Die Reisezeit zwischen dem Flughafen und dem Bahnhof Bern beträgt 30 Minuten.[4] Ausserdem verbindet die Linie den Flugplatz Bern-Belp mit den umliegenden Gemeinden Konolfingen, Tägertschi, Münsingen, Rubigen und Belp.[5]

Eine direkte Busverbindung zwischen dem Hauptbahnhof Bern und dem Flugplatz wurde im Frühjahr 2009 eingeführt (werktags drei bis vier Verbindungen, am Wochenende sechs), 2012 jedoch zugunsten der aktuellen Lösung wieder aufgegeben.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1929 als Genossenschaft initiierte Alpar, deren Name sich auf die Alpen und die Aare bezog, war nicht nur Betreiberin des Flugplatzes, sondern auch die erste Flugverkehrsgesellschaft mit Sitz in Bern gewesen. Die Alpar hatte am 8. Juni 1929 den Flugbetrieb mit einer Fokker F XI aufgenommen, einen Monat vor der offiziellen Flugplatz-Eröffnungsfeier auf dem Flugplatz von Bern-Belp. Bis zu dreimal pro Woche beflog die Alpar die Strecke Bern–Biel–Basel mit Anschluss an die Flüge nach Paris und London. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb eingestellt. Der Flugbetrieb, eine Flugschule sowie die Rundflüge reichten nicht aus, um ohne Beiträge des Kantons und der Stadt Bern über die Runden zu kommen; deren Zuschüsse blieben «konstant hoch».[7] 1950 wurde die Genossenschaft in die «Alpar, Flug- und Flugplatz-Gesellschaft AG Bern» umgewandelt, welche gerade wegen der Unbekanntheit ihres damals über 60-jährigen Namens seit Mai 2014 unter dem Namen «Flughafen Bern AG» auftritt.[8]

2000 hat der Flughafen Bern-Belp schadstoffabhängige Landegebühren eingeführt, mit dem Ziel die Emissionen aus dem Luftverkehr zu senken.[9] Um für mehr Umsatz zu sorgen, gab die Flughafengesellschaft Ende 2019 bekannt, über eine Crowdfunding-Aktion eine eigene, virtuelle Fluggesellschaft mit dem Namen FlyBair gründen zu wollen, welche zunächst von German Airways hätte betrieben werden sollen. In die entstandene Lücke trat im Februar 2020 Helvetic Airways.[10] Während des Novembers 2019 konnten über die Aktion mehr als 1,1 Millionen Schweizer Franken zusammen, etwa 2,5 Millionen werden benötigt, um den Flugbetrieb zu starten.[11] FlyBair plant auch Flüge ab dem Flughafen Sitten,[12] der Zeitpunkt zur Aufnahme von Flügen musste jedoch wegen der COVID-19-Pandemie von Mai 2020 auf mindestens Sommer 2020 verschoben werden. Dazu stationierte Helvetic Airways eine Maschine des Typs Embraer E-190-E1 auf dem Berner Flughafen.[13] Nach einem Verlust im ersten Geschäftsjahr, werden 2021 voraussichtlich keine Flüge angeboten.[14] Grösste Aktionärin der flyBAIR AG[15] ist mit einem Anteil von 15 Prozent die Flughafen Bern AG.[16] Per Ende März 2022 verlässt FlyBair-Geschäftsführer José González das Unternehmen.[17]

Im Jahr 2021 hat die Stadt Bern das seit längerem leer stehende Flughafenhotel samt Bodengrundstück an den Investor Hans-Ulrich Müller und Christian Müller verkauft, welche unter dem Namen C+H Flughafen Gastro AG auftreten. Nach einer umfassenden Sanierung soll es voraussichtlich im Jahr 2023 als Hotel-Restaurant wiedereröffnet werden.[18][19]

Flughafendirektor ist Urs Ryf, als Verwaltungsrats-Präsident der Flughafen Bern AG wurde im Mai 2021 der ehemalige Berner Gemeinderat Alexandre Schmidt gewählt.[19]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz verfügt über eine befestigte Start- und Landebahn 14/32 von 1'730 m Länge und eine (zur Zeit inoperable) Graspiste sowie eine Segelflugschlepp-Startpiste und ein Segelflug-Landefeld das auch als Helisquare dient. Die Hartbelagpiste wurde im Jahr 2008 um 220 m ausgebaut, um den neuen Sicherheitsbestimmungen im europäischen Luftverkehr zu genügen. Ein neu installiertes Instrumentenlandesystem auf der Bahn 14 ist per September 2008 offiziell in Betrieb gegangen, zudem ein GPS-Anflugverfahren geplant.[20] Dies stösst aber bei den Anwohnern im Süden auf starken Widerstand, sie fürchten sich von vermehrtem Fluglärm.[21] Auch die allgemeine Luftfahrt wehrt sich gegen das Projekt, da die Kontrollzone des Flugplatzes bis nach Thun ausgedehnt werden soll.[22]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bern-Belp war die Heimatbasis der SkyWork Airlines, die von hier aus die meisten Ziele anbot. Sie flog, nebst saisonalen Warmwasserzielen rund ums Mittelmeer, auch mehrere europäische Städteziele an. Ziele in Deutschland waren Berlin-Tegel, Hamburg, München und Usedom. Zum Sommerflugplan 2018 wurde Graz neu ins Streckennetz ab Berlin aufgenommen. Für den Flugplatz machte SkyWork 60 Prozent der Flüge und ein Drittel der Einnahmen aus.[23]

Germania und Helvetic fliegen Bern ganzjährig oder saisonal an. Zudem finden sich am Flugplatz Segelflug- und Helikopterbetriebe, darunter eine Basis der Schweizerischen Rettungsflugwacht und war Hauptsitz der ehemaligen Heliswiss, sowie Wartungseinrichtungen. Auf dem Flugplatzgelände gibt es auch eine Flugschule mit Rundflugbetrieb, die alpaviation AG, sowie eine Segelflugschule.

Zum Sommerflugplan veröffentlichte der Airport neue Ziele: Mit Helvetic werden Heraklion und Palma de Mallorca, mit Lübeck Air Stuttgart und Lübeck angeflogen. Alle Routen werden auch über das Label FlyBair vermarktet.[24]

Lufttransportdienst des Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Swiss Air Force Falcon 50 vor dem Luftwaffenhangar in Bern-Belp

Auf dem Regionalflugplatz Bern-Belp sind auch die Flugzeuge des Lufttransportdienstes des Bundes der Schweizer Luftwaffe sowie des BAZL stationiert.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild des Flughafens Bern-Belp
Vorfeld und Tower des Flughafens
Jahr Flugbewegungen Veränderung Flugbewegungen Passagiere Veränderung Passagiere
2020 42'862 16'183
2019 41'396 −7,4 % 35'787 −76,4 %
2018 44'706 −6,2 % 151'621 −17,1 %
2017 47'659 −5,1 % 182'917 −0,2 %
2016 50'199 −1,9 % 183'320 −3,5 %
2015 51'144 −5,9 % 190'032 −1,5 %
2014 54'300 −0,5 % 192'846 −26 %
2013 54'666 −10,5 % 260'555 −4,1 %
2012 59'669 −3,9 % 271'111 +46,6 %
2011 62'101 +10,7 % 184'831 +82,5 %
2010 56'093 −0,2 % 101'285 −5,9 %
2009 56'201 +14,9 % 107'626 +0,3 %
2008 48'901 −4,5 % 107'287 +0,6 %
2007 51'217 −0,1 % 106'614 +8,3 %
2006 51'279 −1,3 % 98'398 +3,1 %
2005 51'963 95'420
2000 69'049 224'064
1990 79'147 120'560
1980 98'133 53'954
1970 77'104 70'977
1960 47'647 14'033
1950 15'416 10'764
1940 747 285
1930 3'280 2'817

Quelle: Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern[25]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Biderhangar (2009)
  • Der im Berndeutschen «Bäupmoos» genannte Flugplatz wurde zum Namensgeber eines der berühmtesten Lieder der Band Patent Ochsner.
  • Der «Biderhangar», ein Hangar des Flugpioniers Oskar Bider, ist als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung klassifiziert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Ellwanger: Bern airport gestern und heute. Die Geschichte des Flughafens Bern-Belp. Gümligen 1999, ISBN 3-905531-04-6.
  • Sandro Fehr: Die Erschliessung der dritten Dimension. Entstehung und Entwicklung der zivilen Luftfahrtinfrastruktur in der Schweiz, 1919–1990. Chronos Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1228-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flughafen Bern-Belp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fussnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschäftsbericht 2020. (PDF) Flughafen Bern AG, abgerufen am 12. April 2021.
  2. Reduktion um 10 Vollzeitstellen – Flughafen Bern-Belp schreibt Verlust von 1,4 Mio. Franken. In: bernerzeitung.ch. 12. April 2021, abgerufen am 12. April 2021.
  3. AIP Switzerland. S. LSZB AD 2 - 5 (online [abgerufen am 12. November 2015] letzte Berichtigungen: AIRAC AIP-Berichtigung 010/2015 (Inkrafttretungsdatum: 12. November 2015), AIP-Berichtigung 012/2015 (Inkrafttretungsdatum 12. November 2015)). online (Memento vom 3. Januar 2016 im Internet Archive)
  4. Tür-zu-Tür-Fahrplan. In: bernmobil.ch. Abgerufen am 23. Dezember 2019.
  5. Linie 160 Zubringer Flughafen Bern. In: bernmobil.ch. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  6. Mit dem Bus direkt zum Flughafen (Memento vom 14. September 2009 im Internet Archive) aufgerufen am 16. Februar 2014
  7. Benedikt Meyer: Im Flug. Schweizer Airlines und ihre Passagiere, 1919–2002. Chronos, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1238-6
  8. AG Antrag zum Namenswechsel an der GV 2014 (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)
  9. Schadstoffabhängige Landegebühren. Bundesamt für Zivilluftfahrt, abgerufen am 16. November 2020.
  10. German Airways steigt bei Flybair aus, aerotelegraph, 11. Februar 2020
  11. dk: FlyBair erreicht Crowdfunding-Ziel – Ticketverkauf kann starten. In: airliners.de. 29. November 2019, abgerufen am 30. November 2019.
  12. Die FlyBair-Flugtage stehen fest. In: travelnews.ch. 8. Dezember 2019, abgerufen am 23. Dezember 2019.
  13. Schrittweise Wiederaufnahme des Flugbetriebs bei Helvetic Airways. In: helvetic.com. 3. Juli 2020, abgerufen am 30. März 2021.
  14. Berner Fluggesellschaft FlyBAIR führt 2021 keine Flüge durch. In: neo1.ch. 4. März 2021, abgerufen am 4. März 2021.
  15. flyBAIR AG. Handelsregisteramt des Kantons Bern, abgerufen am 30. März 2021.
  16. Julian Witschi: Berner Fluggesellschaft FlyBAIR führt 2021 keine Flüge durch. In: bernerzeitung.ch. 4. März 2021, abgerufen am 30. März 2021.
  17. José González verlässt Flybair und den Flughafen Bern. In: abouttravel.ch. 1. Oktober 2021, abgerufen am 4. Oktober 2021.
  18. Bern Airport: Flughafenhotel verkauft. In: bern.ch. Direktion für Finanzen, Personal und Informatik der Stadt Bern, 5. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.
  19. a b Berner Flughafen-Hotel soll 2023 wiedereröffnen. In: htr.ch. 5. Mai 2021, abgerufen am 5. Mai 2021.
  20. LSZB – BERN-BELP. In: Skyguide (Hrsg.): AIP Switzerland. 8. November 2018.
  21. Blick: GPS löst Berner Fluglärmstreit aus
  22. Stellungnahme des Aeroclubs der Schweiz (Memento vom 1. Februar 2014 im Internet Archive)
  23. Flughafen Bern sucht Skywork-Ersatz, abgerufen am 12. September 2018
  24. Destinationen. Abgerufen am 11. Mai 2021.
  25. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern. (PDF; 16,8 MB) Berichtsjahr 2019. Statistik Stadt Bern. 2020