Flughafen Tokio-Narita

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Narita Kokusai Kūkō
Narita Int'l Airport Logo.svg
Terminal im Flughafen
Kenndaten
ICAO-Code RJAA
IATA-Code NRT
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 66 km nordöstlich von Tokio
Bahn JR Narita Express (N'EX), JR Airport Narita, Keisei Hauptlinie, Keisei Narita Sky Access
Nahverkehr Taxi, Airport Limousine Bus
Basisdaten
Eröffnung 1978
Fläche 940 ha
Terminals 3
Passagiere 35.594.965 (2014)
Luftfracht 2.043.372 t [1] (2014)
Flug-
bewegungen
229.581 [1] (2014)
Beschäftigte 46.000
Start- und Landebahnen
16R/34L 4000 m × 60 m Asphalt
16L/34R 2500 m × 60 m Asphalt

i1 i3


i7 i10 i12

i14

Der Flughafen Tokio-Narita (jap. 成田国際空港 Narita Kokusai Kūkō, dt. „Internationaler Flughafen Narita“; offiziell Narita International Airport, ehemals New Tokyo International Airport; IATA Flughafen-Code: NRT, ICAO Flughafen-Code: RJAA) ist einer der internationalen Flughäfen von Tokio und gilt nach der japanischen Gesetzgebung als Flughafen 1. Klasse. In Japan wird er meist als Flughafen Narita (jap. 成田空港 Narita Kūkō) bezeichnet, da der Flughafen in der Stadt Narita in der Präfektur Chiba etwa 60 Kilometer nordöstlich von Tokio liegt. Mit rund 36 Millionen Fluggästen im Jahr 2014 ist er der zweitgrößte Flughafen Japans und belegt im weltweiten Vergleich Rang 45. Zudem gilt er mit einem Frachtaufkommen von rund zwei Millionen Tonnen im Jahr 2013 als zehntgrößter Frachtflughafen der Welt.

Der Flughafen dient den Fluggesellschaften All Nippon Airways, Japan Airlines, Nippon Cargo Airlines, Air Japan, Delta Air Lines, United Airlines, Peach Aviation, Jetstar Japan, Vanilla Air und Spring Airlines Japan als Drehkreuz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der Sicherheitskontrollen, die bis 2015 jeden Besucher überprüften, hier bei der Einfahrt "Gate 2"...
...und an einem Eingang des Terminal 2

In den 1950er- und 1960er-Jahren wuchs Japans Wirtschaft stark, und entsprechend stiegen auch die Fluggastzahlen auf dem 1931 eröffneten Tokioter Flughafen Haneda. 1962 wurde entschieden, einen neuen Flughafen für die Hauptstadt anzulegen, den New Tokyo International Airport, der den internationalen Verkehr von Haneda übernehmen sollte, der Inlandsverkehr sollte auf dem relativ innenstadtnahen alten Flughafen bleiben.

Der Bau begann 1971, stieß jedoch aufgrund von in Japan unüblichen Landenteignungen auf heftigsten Widerstand der Bevölkerung. Um 1966 bildeten Anwohner, Bauern, Studenten und linke Parteien die in Japan berühmte "Sanrizuka-Shibayama Rengo Kūkō Hantai Dōmei" (jap. 三里塚・芝山連合空港反対同盟, dt. Sanrikuza-Shibayama-Vereinigung gegen den Flughafen), welche bis 1983 währte. Sie protestierte immer wieder gegen den Bau des Flughafens und errichtete beispielsweise 1967 Straßensperren, sodass das Transportministerium an der Vermessung des Flughafens gehindert wurde. Die Organisation Zengakuren entsendete zudem Studenten, um die Bauern bei ihren Protesten zu unterstützen. Das erste Terminal wurde 1972 fertiggestellt, die Fertigstellung der Start- und Landebahn jedoch verzögerte sich um einige Jahre, da sich mehrere Bauern weigerten, ihre Grundstücke zu verlassen. Der Eröffnungstermin wurde schließlich auf den 30. März 1978 bestimmt, musste aber verschoben werden, weil eine Gruppe von Aktivisten am 26. März den Tower stürmte und wichtige Teile der Anlage zerstörte. So konnte der Flughafen erst am 20. Mai 1978 mit nur einer Start-/Landebahn eröffnet werden.[2] Der Flughafen wurde an diesem Tag eingezäunt und von 14.000 Polizisten bewacht. 6000 Gegner attackierten die Polizei mit Steinen und Brandbomben, woraufhin diese sich mit Wasserwerfern wehrte. Am anderen Ende Tokios kappten Aktivisten die Energieversorgung einer Bezirkskontrollstelle in Tokorozawa. Dadurch wurde der Flugverkehr in der Kantō-Region für einige Stunden stark beeinträchtigt. Erst 2002 (nachdem die Entscheidung dafür schon 1986 getroffen wurde) konnte eine zweite Bahn in Betrieb genommen werden. Diese Bahn konnte allerdings nur teilweise geöffnet werden, da man diesmal auf Landenteignungen verzichtete und ein lokaler Geflügelzüchter sich weigert, die Farm, die auf dem Gebiet der neuen Bahn liegt, zu verlassen.

Anfangs war die neue Bahn nur 2100 Meter lang. Im September 2008 begannen Bauarbeiten, um die Bahn auf 2500 m zu verlängern und die Rollwege und Abstellplätze zu erweitern, die seit Oktober 2009 abgeschlossen sind. Die Planungen für eine dritte Bahn mit 3200 Meter Länge wurden bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Narita gilt infolge der Proteste beim Bau als einer der teuersten Flughäfen der Welt, die noch heute an den immer noch stattfindenden Demonstrationen zu spüren sind. Bis 2015 fanden zudem beim Betreten des Flughafengeländes Sicherheitskontrollen statt, um mögliche Angriffe von Gegnern zu verhindern. Einst betrugen die Landegebühren für eine Boeing 747 beispielsweise 948.000 Yen (etwa 7600 Euro), wurden am 1. Oktober 2005 jedoch auf 730.750 Yen (5800 Euro) gesenkt. Zum Vergleich: Die Landegebühren für dieses Flugzeug kosten beim Flughafen Kansai 825.600 Yen (6600 Euro), beim Flughafen Incheon (Südkorea) jedoch nur umgerechnet 322.000 (2600 Euro) und in Hongkong nur 374.000 Yen (3000 Euro). Daher konnten diese Flughäfen ihre Stellung als ostasiatisches Drehkreuz in den letzten Jahren sehr stark ausbauen, während Naritas Passagierzahlen seit 2004 praktisch stagnieren.

Der Flughafen Narita wurde am 1. April 2004 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (vorher staatliches Sondervermögen), die zu 100 Prozent im Besitz des Staates ist. Eine spätere Privatisierung ist geplant. Gleichzeitig wurde der Flughafen an diesem Tag umbenannt von „New Tokyo International Airport“ in „Narita Airport“.

Infolge hoher Kosten, langer Umstiegszeiten (1,5 h bis zum Inlandsflughafen Haneda und ins Stadtzentrum von Tokio) und der hohen Treibstoffkosten sowie der Wirtschaftskrise 2008 kam es in dieser Zeit zu einem Rückgang der Passagierzahlen von über 35 Mio. im Jahr 2007 auf 33,8 Mio., wobei der Flughafen dennoch seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Besonders stark ging in dieser Zeit der Frachttransport zurück. Aus diesem Grund wurden eine Modernisierung der Terminals für den Airbus A380 durchgeführt und mehr Stellplätze für die Flugzeuge geschaffen. Im Juli 2010 wurde die Schnellbahnlinie Narita Sky Express eröffnet, über die seither die Skyliner-Züge der Eisenbahngesellschaft Keisei Dentetsu ins Stadtzentrum fahren.

Flughafenanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen besitzt drei Terminals. Das Terminal 1 wurde 1978, das Terminal 2 1992 und das Terminal 3 2015 eröffnet. Tokio-Narita war einer der ersten Flughäfen, der nach den drei Luftfahrtallianzen Star Alliance, Oneworld Alliance und SkyTeam gegliedert wurde.

Blick über die Startbahn 16R hin zum Flughafengebäude.

Terminal 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Terminal 1 ist in die Bereiche "North Wing", "Central Building" und "South Wing" unterteilt. Mit dem North Wing und dem Central Building sind zwei Satelliten verbunden, mit dem South Wing einer. Der North Wing wird von Fluggesellschaften der Allianz SkyTeam und der allianzlosen Aircalin genutzt. Der South Wing dient der Star Alliance sowie den Airlines Air Busan, MIAT Mongolian Airlines, Uzbekistan Airways und Etihad Airways.

Terminal 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Terminal 2 ist in ein Hauptgebäude und einen Satelliten unterteilt. Diese waren bis 2013 mit einem Peoplemover verbunden, der durch einen Gehweg ersetzt wurde. Das Terminal wird von der Oneworld Alliance und allianzlosen Fluggesellschaften wie Emirates, Philippine Airlines oder Pakistan International Airlines genutzt.

Terminal 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Terminal 3 ist 66.000 Quadratmeter groß und wird ausschließlich von Billigfluggesellschaften genutzt. Die Inneneinrichtung wurde bescheiden gestaltet und der Boden erinnert an eine Laufbahn.

Andere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frachtfluggesellschaft Nippon Cargo Airlines hat ihren Sitz im "NCA Line Maintenance Hangar" (jap. NCAライン整備ハンガー NCA Rain Seibi Hangā). Die Japan Airlines besitzt auf dem Flughafen den "Japan Airlines Narita Operation Center" (jap. 日本航空成田オペレーションセンター Nihon Kōkū Narita Operēshon Sentā), wo die ehemalige Tochtergesellschaft JALways auch ihren Hauptsitz hatte. Weiterhin befindet sich auf dem Flughafengelände derzeit die weltweit einzige vollautomatische Waschanlage für Flugzeuge.

Das Luftfahrtmuseum "Museum of Aeronautical Sciences" (jap. 航空科学博物館 Kōkū Kagaku Hakubutsukan) befindet sich im südlichen Teil des Flughafens und stellt u. a. den Prototyp der NAMC YS-11 aus.

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der "North Wing" des Terminal 1 wird bedient von Aeroflot, Aeroméxico, Aircalin, Air France, Alitalia, Aurora Airlines, China Southern Airlines, Delta Air Lines, Garuda Indonesia, KLM Royal Dutch Airlines, Korean Air, Vietnam Airlines und Xiamen Airlines; der "South Wing" von Air Busan, Air Canada, Air China, Air Japan, Air New Zealand, All Nippon Airways, Asiana Airlines, Austrian Airlines, Egypt Air, Ethiopian Airlines, Etihad Airways, EVA Air, Ibex Airlines, Lufthansa, MIAT Mongolian Airlines, Peach Aviation, SAS Scandinavian Airlines, Shenzhen Airlines, Singapore Airlines, Swiss, Thai Airways International, Turkish Airlines, United Airlines und Uzbekistan Airways.

Das Terminal 2 wird bedient von Air India, Air Macau, Air Niugini, Air Tahiti Nui, American Airlines, Asia Atlantic Airlines, Asian Air, British Airways, Cathay Pacific, Cebu Pacific, China Airlines, China Eastern, Eastar Jet, Emirates, Finnair, HK Express, Japan Airlines, Jet Asia Airways, Malaysia Airlines, Pakistan International Airlines, Philippine Airlines, Qantas Airways, Qatar Airways, S7 Airlines, Scoot, SriLankan Airlines, Thai AirAsia X, Tigerair Taiwan und TransAsia Airways.

Das Terminal 3 wird bedient von Jeju Air, Jetstar Airways, Jetstar Japan, Spring Airlines Japan und Vanilla Air.

Darüber hinaus fliegen die Frachtfluggesellschaften Air China Cargo, Air France Cargo, Air Hong Kong, AirBridgeCargo, ANA Cargo, Cathay Pacific Cargo, China Airlines Cargo, China Cargo Airlines, Atlas Air, Emirates SkyCargo, FedEx, Hong Kong Airlines Cargo, KLM Cargo, Korean Air Cargo, Lufthansa Cargo, MASkargo, Nippon Cargo Airlines, Singapore Airlines Cargo, Southern Air, Thai Cargo und UPS Airlines den Flughafen an.

Im deutschsprachigen Raum bieten Lufthansa und Japan Airlines täglich geflogene Verbindungen nach Frankfurt am Main an. Weitherhin fliegt All Nippon Airways nach Düsseldorf, Swiss nach Zürich und Austrian Airlines nach Wien.

Basisdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Satellitenaufnahme des Flughafens (2001)
Ein Lageplan des Flughafens

Fluggastaufkommen

  • 2002: 29,10 Millionen
  • 2003: 26,73 Millionen
  • 2004: 31,22 Millionen
  • 2005: 31,55 Millionen
  • 2006: 31,82 Millionen
  • 2007: 35,56 Millionen
  • 2008: 33,50 Millionen
  • 2009: 32,21 Millionen
  • 2010: 33,87 Millionen
  • 2011: 28,07 Millionen
  • 2012: 32,79 Millionen
  • 2013: 35,38 Millionen
  • 2014: 35,59 Millionen

Flugbewegungen

  • 2002: 163.131
  • 2003: 170.579
  • 2004: 185.243
  • 2005: 188.275
  • 2006: 188.820
  • 2007: 193.748
  • 2008: 193.321
  • 2009: 187.287
  • 2010: 191.459
  • 2011: 183.450
  • 2012: 208.704
  • 2013: 221.692
  • 2014: 229.581

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narita Express der East Japan Railway Company
Skyliner der Keisei Dentetsu

Verbindungen zum Flughafen Haneda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Fahrt zum Flughafen Tokio-Haneda dauert mit Bus und Bahn etwa 1,5 bis 2 Stunden. Die Keisei Dentetsu betreibt eine S-Bahn-Verbindung, welche die Strecke in 101 Minuten zurücklegt, Busse der "Airport Transport Service" erreichen Haneda in 65-85 Minuten.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tokio-Narita ist an das Schienennetz der East Japan Railway Company und der Keisei Dentetsu angeschlossen. Der Bahnhof Narita Airport Station ist mit Terminal 1 und Airport Terminal 2 Station mit Terminal 2 verbunden. Der Narita Express fährt auf den Strecken der Sōbu-Hauptlinie und der Narita-Linie zum Bahnhof Tokio. Der Zug teilt sich dort und fährt auf der Shōnan-Shinjuku-Linie nach Shibuya, Shinjuku, Ikebukuro, Ōmiya-ku und Hachiōji bzw. auf der Yokosuka-Linie nach Shinagawa, Yokohama und Kamakura. Keisei bietet mit dem Skyliner auf der Narita-Flughafenlinie mit einer Fahrzeit von 50 Minuten die schnellste Verbindung zum Bahnhof Tokio an. Der City Liner fährt auf der Keisei-Hauptlinie vom Flughafen aus ebenfalls dorthin.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Busverbindungen zu vielen Orten in der Region Kantō, die von verschiedenen Busunternehmen betrieben werden. Eine Fahrt zur Haltestelle Tokyo City Air Terminal in Nihombashi dauert vom Flughafen aus etwa 55 Minuten.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am Montag, den 23. März 2009 verunglückte die aus Guangzhou, China kommende FedEx-Frachtmaschine des Typs McDonnell Douglas MD-11 mit der Registrierung N526FE bei der Landung. Überwachungskameras dokumentierten, dass das Flugzeug zunächst hart mit dem Hauptfahrwerk auf der Landebahn aufsetzte woraufhin es noch einmal in die Luft sprang. Anschließend setzte es mit dem Bugfahrwerk zuerst auf, überschlug sich und fing Feuer. Vorläufigen Berichten zufolge gelten Sturmböen von bis zu 72 km/h als Ursache für das Unglück. Bei dem Unglück starben die beiden Piloten.[3]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein in Japan geläufiger Begriff ist „Narita-Scheidung“ (成田離婚, Narita rikon), der auf die Scheidungen anspielt, die bei japanischen Jungvermählten häufig direkt auf die im Ausland verbrachten Flitterwochen folgen, in denen die Paare oft zum ersten Mal abseits des Alltagslebens und der heimischen sozialen Kontrolle längere Zeit „aufeinanderhocken“ und dabei feststellen, dass sie doch nicht zusammenpassen. Narita Rikon ist auch der Titel einer mehrteiligen Fernsehkomödie, die in Japan im Spätherbst 1997 ausgestrahlt wurde, und dieses gesellschaftliche Phänomen zum Thema hat.
  • Ende des Jahres 2009 gelangte der Fall des chinesischen Menschenrechtlers Feng Zhenghu zu internationaler Aufmerksamkeit: China verweigerte ihm mehrfach die Wiedereinreise, worauf er den Einwanderungsbereich des Flughafens Tokio-Narita über Monate nicht mehr verließ.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ACI
  2. FlugRevue April 2009, S.63-65, Narita International Airport - Beengtes Tor zu Japan
  3. Video des Absturzes auf Spiegel-Online
  4. Chinese human rights activist stuck at Tokyo airport. In: The Guardian, 13. November 2009. 

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Narita International Airport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien