Flughalle im Rinnsal (Höchst)

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Koordinaten: 47° 28′ 35,8″ N, 9° 36′ 24,4″ O

Flughalle im Rinnsal
Flughalle Rinnsal
Südansicht
Ort Höchst, OsterreichÖsterreich Österreich
Lage 47° 28′ 35,8″ N, 9° 36′ 24,4″ O
Höhe 401 m ü. A.
ObjektID 75450
Eigentümer Konkurrenzverwaltung
Höchst, Fußach, Gaißau
Bauwerk
Errichtung 1941–1942
Art Bogenhalle
Zweck Segelflughangar
Nachnutzung landwirtschaftliche
Lagerhalle
Abmessungen
Länge 22 m
Breite 33 m
Firsthöhe 7 Meter

Die Flughalle im Rinnsal in der Gemeinde Höchst (Vorarlberg) ist ein ehemaliger Hangar für Segelflugzeuge, die heute unter Denkmalschutz steht.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baulich zeichnet die Halle eine Dachkonstruktion aus bogenförmigen Fachwerkbindern aus, die ein Gewölbe von rund 30 m Breite und 8 m Höhe aufspannen und in den Drittelpunkten von einfachen Holzstützen getragen werden. Als Baustoff für die Konstruktion wurde Holz gewählt, weil Stahl in der Kriegszeit Mangelware war. Die Eindeckung des Daches wurde aus Blechbahnen auf einem hölzernen Unterdach erstellt.

Auf der Längsseite der Halle ruhen die Dachbinder auf massiven Fundamentsockeln aus Stahlbeton mit dreieckigem Querschnitt, die eine vertikale Innenfläche und eine schräge Außenfläche haben.

Die Fassaden an den beiden Stirnseiten sind mit einer horizontalen Holzschalung versehen. Nordseitig verfügt die Halle über eine kleine Eingangstüre sowie großflächige Holz-Schiebetore, die auf geschmiedeten Rollen laufen und der Fassade unter einem ein Meter breiten Vordach vorgehängt sind. In die Südfassade sind fünf Fenster und ein zweiflügeliges Tor eingelassen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde in den Jahren 1941 und 1942 vom NS-Fliegerkorps für einen Segelflugbetrieb erbaut. Gleichzeitig wurde nördlich ein heute nicht mehr existierendes Flugfeld in einer Richtung Bodensee verlaufenden ehemaligen Hochwasser-Entlastungsrinne des Alten Rheins angelegt. Die Anlage diente als Segelflugschule für junge Piloten zur Absolvierung der Stufen A bis C für den Erwerb des Luftfahrerscheins Klasse I.

Die im Schulungsbetrieb eingesetzten Segelflugzeuge wurden im Werk von Walter Kittelberger hergestellt, das sich am heutigen Standort des Werkes 3 der Firma Blum in Höchst befand.[1][2][3]

Flugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Start der Segelflugzeuge erfolgte auf einer Graspiste in nördlicher Richtung zum Bodensee hin. Anfangs wurden die Segelflugzeuge mit einer Schleppwinde gestartet, die auf einem ausrangierten LKW montierter war. Der Rücktransport des Schleppseiles zum Startplatz erfolgte zu Fuß oder mit einem Jeep. Später wurde ein Schleppbetrieb mit einem motorisierten Schleppflugzeug zugelassen und eingerichtet.[3]

Episode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1944 erlebte das Flugfeld die Notlandung eines viermotorigen B-24-Bombers der US Air Force. Die Maschine war im Luftkampf über Innsbruck angeschossen worden. Die Piloten wollten sich in die neutrale Schweiz retten. Durch eine Verwechslung mit dem Neuen Rhein wähnte sich der Pilot bereits jenseits des Alten Rheins in Schweizer Luftraum und landete irrtümlich auf dem Flugfeld im Rinnsal statt auf dem nur rund 3 Kilometer entfernten Flugplatz Altenrhein. Die Besatzung wurde folglich in Kriegsgefangenschaft genommen und vor zahlreichen Schaulustigen durch Höchst zur NS-Kommandantur geführt, kam jedoch nach Kriegsende frei. Dem Flugzeug wurden zunächst Gegenstände als „Souvenirs“ entwendet, darunter die Munition und der Treibstoff. Im folgenden Winter wurde es wieder so weit flugtüchtig gemacht, dass es bei gefrorenem Boden starten und das Flugfeld im Rinnsal verlassen konnte.

Flugballe im Rinnsal
Nordansicht der Flughalle im Rinnsal

Nachnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg ging die Flughalle 1945 in den Besitz der Republik Österreich über. Im Jahr 1952 konnte die Rheinwuhr-Konkurrenz (Konkurrenzverwaltung der drei Rheindelta-Gemeinden Fußach, Höchst und Gaißau) die Anlage erwerben. Seit 1973 ist die Halle mit Umland an einen Landwirt verpachtet und wird als Kuhstall und Scheune für Maschinen und Heu genutzt.[1]

Im Jahr 2006 wurde die in die Jahre gekommene und teilweise baufällige Tragkonstruktion mit Mitteln des Landes Vorarlberg saniert,[4] die Halle befindet sich jedoch weiterhin in einem vernachlässigten Zustand.[1][3][2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flughalle im Rinnsaal, Höchst (Vorarlberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Fliegerhalle im "Rinnsal". In: vol.at. (vol.at [abgerufen am 11. Oktober 2018]).
  2. a b Notlandung B-24 in Höchst - Vorarlberg. Abgerufen am 10. Oktober 2018 (deutsch).
  3. a b c Hermann Gmeiner: Erinnerungen an meine Soldatenzeit. In: http://www.gemeindearchiv-bildstein.at/. Gemeindearchiv Bildstein, November 2007, abgerufen am 10. Oktober 2018 (PDF).
  4. Abteilung Kultur: Vorarlberger Kulturbericht 2006,p. 13. In: https://www.vorarlberg.at/. Land Vorarlberg, Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Kultur, Juni 2007, abgerufen am 10. Oktober 2018 (PDF).