Flugleiter

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Flugleiter sind auf unkontrollierten Flugplätzen die Vertreter des Flugplatzhalters. Sie sorgen für einen geordneten Betrieb des Platzes gemäß den Festlegungen der Genehmigungsbehörde. In der jeweiligen Betriebsgenehmigung ist die Anwesenheit eines Flugleiters in der Regel vorgeschrieben, Flugbetrieb ohne Flugleiter kann im Einzelfall und unter Auflagen genehmigt werden.

In der Schweiz gibt es grundsätzlich keine Flugleiter. Lediglich am Flugplatz Samedan leisten die dortigen Flight Information Safety Officers (FISO) einen Teil der Aufgaben eines Flugverkehrsleiters, wie man die Funktion in Deutschland kennt.

Aufgaben, Befugnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Flugleiter hat als Vertreter des Platzhalters für einen betriebssicheren Zustand des Flugplatzes und für einen ordnungsgemäßen Betrieb zu sorgen.
  • Der Flugleiter ist befugt, Luftfahrzeugführern Anweisungen nach § 23 Abs. 1 Nr. 2 LuftVO zu erteilen und Entscheidungen nach § 23 Abs. 2 LuftVO zu treffen.
  • Gegenüber den in der Luft befindlichen Luftfahrzeugführern hat der Flugleiter nur eine beratende Funktion.
Weiter muss er
  • Landegebühren erheben,
  • Start- und Landemeldungen an die DFS übermitteln,
  • Freigaben der DFS an die Piloten übermitteln (nur im Luftraum G mit einer Radio Mandatory Zone)
  • Funkverkehr durchführen: dabei Informationen über Landerichtung, Verkehrsaufkommen, Wetterinformationen und besonderen Vorkommnissen an die Piloten übermitteln,
  • Bodensignale (z. B. Lande-T) aktualisieren,
  • Anflugbefeuerung bzw.Landebahnbefeuerung bei Nachtflug und/oder auf Anforderung des Luftfahrzeugführes und Instrumentenflug (nur im Luftraum G mit RMZ) aktivieren,
  • Unterstützung bei Navigation (z. B. QDM) geben,
  • Gefahren für den Flugverkehr abwehren,
  • den Flugbetrieb dokumentieren (Führung des Hauptflugbuchs),
  • Bestätigungen durchführen,
  • Bei Unfällen die Rettungsleitstelle alarmieren sowie die flugplatzeigene Feuerlösch- und Rettungsausrüstung einsetzen.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine festgelegte Ausbildung für Flugleiter, die an einem Landeplatz im Luftraum G tätig sind, gibt es nicht. Meistens werden mindestens eine Privatpilotenlizenz oder vergleichbare Kenntnisse im Luftfahrtrecht gefordert. Auf kleinen Landeplätzen sind Flugleiter oft ehrenamtlich tätig. Je nach Art des Landeplatzes benötigt man ein Flugfunkzeugnis für VFR- (Luftraum G) oder IFR-Verkehr (Luftraum G mit RMZ).

Flugleiter, die an einem Platz im Luftraum G mit einer RMZ beschäftigt sind, benötigen eine Zertifizierung durch die DFS sowie eine Ausbildung als Wetterbeobachter für den Instrumentenflugverkehr, die vom DWD in Langen durchgeführt wird.

Für diese Flugplätze ist seit Nov. 2016 das Funkrufzeichen "AFIS" eingeführt. Es enthält den Verweis auf den "Aerodrome Flight Information Service", der hier durchgeführt wird. Der sonst übliche Landeplatz wird mit dem Rufzeichen "INFO" angesprochen.

Beauftragter für Luftaufsicht (BfL oder BfLa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Flugplätzen ist der Flugleiter häufig gleichzeitig der Beauftragte für Luftaufsicht und damit Vertreter der Landesluftfahrtbehörde am Platz. Reine Flugleiter und BfL unterscheiden sich grundsätzlich durch die Rechtsgrundlage. Für den Flugleiter gilt Privatrecht (Vertreter des Platzhalters), für den BfL gilt öffentliches Recht (Vertreter der Landesluftfahrtbehörde). Weitere Regelungen dazu findet man in NfL I 170/2001.

Gleichberechtigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1962 wurde die erste Flugleiterin Deutschlands berufen, Renate Kolde übernahm auf dem Verkehrslandeplatz der Nordseeinsel Juist ihren Dienst. Sie wurde schließlich als „Stimme des Nordens“ bekannt und war mit 34 Dienstjahren auch dienstälteste Flugleiterin Deutschlands.[1]

Fliegen ohne Flugleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugleiter sind an den meisten Landeplätzen in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Staaten immer noch vorgeschrieben. Aber auch hier gibt es Bestrebungen, den Betrieb eines Landeplatzes ohne Flugleiter allgemein oder unter bestimmten Auflagen zu genehmigen. Zur Erleichterung sind elektronische Systeme in Erprobung, die automatische Ansagen über Wetterverhältnisse, Landerichtung usw. durchführen. Außerdem werden zur Aktivierung der Landebahnbefeuerung PCL-Systeme installiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Großer Bahnhof“ für eine herausragende Juisterin. In: Ostfriesischer Kurier, 23. August 2011, auf: 1820diekunst.de, abgerufen am 6. April 2016