Flugplatz Flensburg-Schäferhaus

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Flugplatz Flensburg-Schäferhaus
Flugplatz Flensburg Schäferhaus 2014.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDXF
IATA-Code FLF
Koordinaten
54° 46′ 19″ N, 9° 22′ 42″ OKoordinaten: 54° 46′ 19″ N, 9° 22′ 42″ O
40 m (131 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km westlich von Flensburg
Basisdaten
Eröffnung 1911
Betreiber Flensburger Flughafen Betriebsgesellschaft mbH
Start- und Landebahnen
04/22 700 m × 45 m Gras
11/29 1220 m × 30 m Asphalt
11L/29R 1200 m × 60 m Gras

Der Flugplatz Flensburg-Schäferhaus ist ein Verkehrslandeplatz in Flensburg-Weiche. Benannt ist der drei Kilometer westlich der Flensburger Innenstadt gelegene Flugplatz nach dem angrenzenden Gebiet Schäferhaus, zugehörig zum Stadtteil Friesischer Berg und in direkter Nachbarschaft zum Stiftungsland Schäferhaus. Neben der Hauptlandebahn gibt es eine 1200 m lange Parallelbahn (Gras) und eine 700 m lange Querbahn (Gras).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende 1945 wurden hier die Maschinen der Luftwaffe gesammelt.

Im 19. Jahrhundert befand sich an der Stelle des heutigen Flensburger Flugplatzes ein großer Exerzierplatz, der nicht mit der älteren, namensgleichen, kleineren Exe zu verwechselt ist, die näher an der Innenstadt liegt.[1] Am 9. Juli 1911 führte der Rostocker Kaufmann Carl Schall (Alter Adler, Flugführer-Zeugnis Nr. 89)[2] mit seinem Grade-Eindecker den ersten Start eines Flugzeugs vom Exerzierplatz aus, um damit Schauflüge vor Publikum zu vollführen.[3][4] Im Jahr 1917 gesellte sich acht Kilometer nordöstlich von Schäferhaus am Rande von Mürwik, bei Fahrensodde noch ein Wasserflughafen für den Luftverkehr hinzu.[5] Am 10. August 1925 begann der Flugbetrieb der Fluglinie HamburgKielWesterland.[6]

Als Adolf Hitler am 23. April 1932 für seine Rede im Flensburger Stadion zur preußischen Landtagswahl der 4. Wahlperiode nach Flensburg kam, landete er in Schäferhaus und stieg im Bahnhofshotel (später: Hotel Europa) ab. Am 19. April 1936 nahm die Fluggesellschaft Lufthansa den Sommerverkehr auf.[7]

Beim Ausbau des Flugplatzes 1940 wurde dafür unter anderem der Bereich des südlich liegenden Weinberges planiert.[8] Der Name des Platzes lautete während des Zweiten Weltkrieges „Fliegerhorst Flensburg-Weiche“, die Alliierten bezeichneten ihn als Airfield B.166, das mehrfach Ziel der Luftangriffe auf Flensburg war. Zum Kriegsende war der Flughafen mit deutschen Jagdmaschinen belegt.[9] Am 6. Mai 1945 besetzte ein britisches Vorauskommando, möglicherweise unter Beteiligung amerikanischer Soldaten, das Gelände und übernahm die Kontrolle über den Flugverkehr.[10][11] Erst anschließend, vom 8. bis zum 13. Mai, wurde die eigentliche Stadt durch britische Truppen besetzt, mit Ausnahme des Mürwiker Sonderbereiches mit dem Sitz der letzte Reichsregierung, der letztlich am 23. Mai besetzt wurde.[12][13]

Nach Kriegsende nutzte die British Air Force of Occupation den Platz noch kurze Zeit weiter, so waren dort im Sommer 1945 bis zu drei Staffeln Typhoon IB der 1. Canadian Air Division, einem Einsatzkommando der kanadischen Luftstreitkräfte, stationiert. Am 20. Juli 1948 sprengten die Besatzer die Rollbahn.[14]

Am 1. August 1963 flog erstmals eine Maschine auf der Fluglinie Flensburg–Hamburg.[15] Zwei Jahre später, am 2. April 1965 richtete die Lufthansa eine Pilotenschule ein.[16] Südlich und nördlich war der Flugplatz dabei weitgehend vom Truppenübungsplatz Von-Briesen-Kaserne umschlossen. Nach Auflösung der Kaserne wurde die Landebahn verlängert.

In den 1970er-Jahren gab es eine Linienflugverbindung nach Frankfurt am Main mit Zwischenstopp in Kiel. 2003 stellte die Fluggesellschaft Northern Air Charter, die hauptsächlich Frachtflüge anbot, ihren Betrieb ein.

Flugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lufthansa Museumsmaschine JU-52 D-AQUI zu Gast beim Flugtag 2014

Heutzutage werden keine Linienflüge mehr durchgeführt. Der Flugplatz wird als Start- und Landeplatz für Motorflugzeuge, Hubschrauber, Motorsegelflugzeuge, Segelflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Fallschirmspringer und Ballone genutzt. Wasserflugzeuge, welche die Wasserflugstation Flensburg-Sonwik anfliegen, gehören einer Fluggesellschaft, die sich in Schäferhaus niedergelassen hat.[17] Ursprünglich wurden diese Flüge allein durch Clipper Aviation angeboten.[18] Im Januar 2015 übernahm Baltic Seaplane den Flugbetrieb für Wasserflugzeuge.[19]

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem Flensburger ZOB und Niebüll halten die Busse der Autokraft an der Haltestelle Schäferhaus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Bühring, Broder Schwensen (Hrsg.): Flensburg im Fluge. Eine Zeitreise durch 100 Jahre Flugplatz Flensburg-Schäferhaus (= Große Schriftenreihe. Nr. 74). 1. Auflage. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2011, ISBN 978-3-925856-65-5 (173 Seiten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flugplatz Flensburg-Schäferhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Exe
  2. F. Rasch (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Luftfahrer-Verbandes 1913. Paß & Garleb, Berlin 1913, DNB 012953865, 7. Führerliste, c) Flug-Führer, S. 126 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 9. April 2018]).
  3. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 406
  4. Gerhard Nowc: Beginn der Flugplatzgeschichte Schäferhaus: Landung des tollkühnen Piloten Schall. In: Flensburger Tageblatt. 22. August 2011, abgerufen am 9. April 2018.
  5. Baltic-Seaplane. Wasserflug in Flensburg, abgerufen am: 14. Juni 2017
  6. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 407
  7. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 409
  8. Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein 6. Neumünster 1963, Seite 194
  9. Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 211.
  10. Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 211.
  11. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 409
  12. Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 211.
  13. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 410
  14. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 410
  15. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 412
  16. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 412
  17. Wasserrundflüge mit dem Wasserflugzeug. Baltic-Seaplane, abgerufen am: 14. Juni 2017
  18. Clipper Aviation. Rundflüge über Flensburg und der Förde, abgerufen am: 15. Juni 2017
  19. Baltic-Seaplane. Über uns, abgerufen am: 14. Juni 2017