Flugplatz Leipheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flugplatz Leipheim
Fliegerhorst-Leipheim.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDSD (1990)
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 1,5 km südlich von Leipheim
Straße ca. 3 km zur A-8
Bahn eigener Bahnanschluss (stillgelegt)
Basisdaten
Eröffnung 1937
Schließung 2008
Betreiber stillgelegt
Fläche 254 ha
Start- und Landebahn
07/25 2000 m × 45 m Beton (geschlossen)

Der Flugplatz Leipheim ist ein ehemaliger Militärflugplatz in unmittelbarer Nähe der Stadt Leipheim im Landkreis Günzburg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Ursprünglich konzipiert als Fliegerhorst der Luftwaffe, wurde er später zuerst von der U.S. Air Force und anschließend von der Luftwaffe der Bundeswehr weiter betrieben.

Seit 2010 wird das ehemalige Flughafengelände durch einen interkommunalen Zweckverband in ein Gewerbe- und Industriegebiet umgewandelt, das mittlerweile unter der Bezeichnung Areal Pro firmiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fliegerhorst der Wehrmacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Fliegerhorsts Leipheim begann am 1. April 1936. Er entstand größtenteils auf Leipheimer (132 ha) und Bubesheimer (88 ha) Flur. Weitere 30 ha befanden sich auf dem Gebiet der Stadt Günzburg[1]. Knapp ein Jahr später wurden die ersten Flugzeuge auf den Platz verlegt. In den Jahren 1939 und 1940 waren die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 51 sowie Teile des Kampfgeschwaders 55 dort stationiert. Zur gleichen Zeit wurde auf dem Gelände auch eine Flugzeugwerft der Messerschmitt AG errichtet. Der Erstflug der Me 262, des ersten, serienmäßig hergestellten Strahlflugzeugs fand hier am 18. Juli 1942 statt. Ebenfalls wurde dort die Me 321, das größte jemals konstruierte Segelflugzeug, gebaut. Es schrieb mit seinem Erstflug am 25. Februar 1941 ein weiteres Stück Geschichte auf dem Fliegerhorst. In den letzten Kriegsjahren kam es wiederholt zu Bombenangriffen. Ende April 1945 wurde der von den Alliierten als Airfield R-59 bezeichnete Platz durch die vorrückenden amerikanischen Truppen besetzt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1945 in Leipheim auf dem Gelände ein Lager für „Displaced Persons“ eingerichtet. Das Lager, in dem bis zu 3.150 Personen untergebracht waren, wurde im Juni 1950 aufgelöst[2].

Leipheim Air Base und Fliegerhorst der Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1957 wurde der Flugplatz wieder militärisch genutzt, zunächst kurze Zeit als Leipheim Air Base durch die U.S. Air Force und ab 1959 als Fliegerhorst durch die Luftwaffe der neuen Bundeswehr. Zwischen Mitte der 1960er und Mitte der 1970er Jahre war mit dem Leichten Kampfgeschwader 44 ein fliegender Verband der Luftwaffe stationiert. Dies wurde 1975 außer Dienst gestellt und Elemente des Geschwaders verstärkten das Deutsche Luftwaffenkommando Beja. Im Verteidigungsfall wären die fortan in Portugal stationierten Jets nach Leipheim zurückverlegt worden.

Leipheim wurde anstelle dessen Standort der Technischen Schleuse 31, deren Aufgabe u.a. die Übernahme der neu bestellten Alpha Jet war, deren erstes Exemplar 1979 eintraf.

Seit 1980 diente der Platz daneben bis 1992 als Forward Operating Location (FOL) von A-10 der 81st Tactical Fighter Wing der USAFE, die in RAF Bentwaters (England) stationiert war.

Die deutsche Luftwaffe unterhielt ein Flugabwehrraketenregiment am Platz. Darüber hinaus war bis April 1987 das Luftwaffenausbildungsregiment 4 (I. Bataillon LwAusbRgt 4) in Leipheim stationiert, das später teilweise in die Standorte Ulm-Weststadt und Germersheim verlegt, bzw. bis September 1987 dann ganz aufgelöst wurde. Der militärische Flugbetrieb endete 1994 und die Flugabwehrraketen wurden ein Jahrzehnt später abgezogen. Im Jahr 2008 endete die militärische Nutzung.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zweckverband und die Stadt haben die Liegenschaft unter dem Titel "Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg" vom Bund übernommen und betreiben auf dem mittlerweile als Areal Pro bezeichneten Gelände die Ansiedlung zahlreicher industrieller Betriebe. An dem Verband sind Leipheim selbst, der Landkreis Günzburg, die Stadt Günzburg und die Gemeinde Bubesheim beteiligt. Unmittelbar nach dem Ende der militärischen Nutzung wurde in den alten Gebäuden der Lufwaffenwerft 33 das Fliegerhorstmuseum Leipheim eingerichtet. Im Jahr 2011 legten die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm einen Plan vor, bis 2016 für rund 900 Mio. € ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk mit 2x600 Megawatt[3] Leistung zu errichten.[4] Ein Bürgerbegehren in Bubesheim gegen den Bau des Kraftwerks wurde am 11. September 2011 bei einem Bürgerentscheid abgelehnt.[5] Im April 2014 gaben die Stadtwerke bekannt, vorrangig nur noch den Bau eines einfachen Gaskraftwerks mit etwa 600 Megawatt verfolgen zu wollen.[6] Nach einem Beschluss des Leipheimer Stadtrats[7] wurde zwischen 2012 und 2014 die Südumgehung der Leipheimer Innenstadt auf dem Gelände errichtet und am 27. September für den Verkehr freigegeben,[8] wobei die Trasse dabei größtenteils der ehemaligen Start- und Landebahn folgt. Im gleichen Jahr endete auch die Nutzung durch den Motor- und Segelfliegerclub Leipheim, der den westlichen Teil der ehemaligen Rollbahn als Start- und Landebahn und andere Gebäudlichkeiten als Vereinsheim oder auch als Flugzeughangar gebrauchte. Anfang des Jahres 2015 scheiterte die Ansiedlung eines 18 Hektar großen Ersatzteillagers des Automobilherstellers BMW, das dessen Werkstätten im süddeutschen Raum hätte beliefern sollen.[9] Auf dem Areal befinden sich heute (Januar 2016) Niederlassungen von Firmen wie AL-KO und Wanzl in bereits bestehenden Gebäuden, sowie neu errichtete Logistikzentren der Speditionen Luible und Greiwing Logistics[10], außerdem nutzt Mercedes-Benz den östlichen Teil des Areals als Testgelände für verschiedene Fahrzeugmodelle. Im Bau bzw. in Planung befinden sich der neue Hauptsitz von Britax Römer, ein Neubau des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs [11] sowie die neue Feuerwache der Feuerwehr Leipheim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach: Peter Kaufmann: Ein Dorf im Spiegel der Geschichte - Bubesheim. REAL Satz+Druck, Bubesheim 2002
  2. DP-Lager: United States Memorial Site (Englisch)
  3. Kraftwerksdaten auf der offiziellen Webpräsenz
  4. Günzburger Zeitung: Neues Grosskraftwerk auf dem Fliegerhorst
  5. Ergebnis des Bürgerentscheids in der Günzburger Zeitung
  6. Günzburger Zeitung: Planänderung: Gaskraftwerk statt GuD vom 11. April 2014
  7. Günzburger Zeitung: Baubeginn der Leipheimer Südumfahrung vom 5. April 2012
  8. Südwest Presse: Bauende der Leipheimer Umgehung vom 29. Juli 2014
  9. Günzburger Zeitung: BMW kommt nicht auf Fliegerhorstgelände vom 12. März 2015
  10. Website der Firma Greiwing zum neuen Logistikzentrum auf dem Fliegerhorst
  11. Günzburger Zeitung: Kreisabfallwirtschaftsbetrieb zieht auf den Fliegerhorst vom 11. Juli 2014