Flugplatz Nordhorn-Lingen

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Flugplatz Nordhorn-Lingen
Logo Flugplatz Klausheide.jpg
Tower des Flugplatzes
Kenndaten
ICAO-Code EDWN
Koordinaten

52° 27′ 28″ N, 7° 10′ 33″ OKoordinaten: 52° 27′ 28″ N, 7° 10′ 33″ O

27 m (89 ft) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 9 km nordöstlich von Nordhorn,
14 km südwestlich von Lingen (Ems)
Straße B 213 und A 31
Bahn IC 35, (Bahnhof Lingen)
Nahverkehr Regionalbus 165 (Nordhorn–Lingen)
Basisdaten
Betreiber Flugplatz Nordhorn-Lingen GmbH
Beschäftigte 10
Start- und Landebahn
05/23 900 m × 20 m Asphalt

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Der Flugplatz Nordhorn-Lingen, informell Flugplatz Klausheide genannt, ist ein Verkehrslandeplatz in Klausheide (Grafschaft Bentheim) zwischen den Städten Nordhorn und Lingen (Ems) in unmittelbarer Nähe des Industriegebietes Klausheide-Ost und nördlich des Ems-Vechte-Kanals.

Auf dem Flugplatz landen und starten Segelflieger, Geschäftsreisende und Privatpiloten. Zwei Flugschulen für Motorflug, zwei Segelflugvereine, eine Fallschirmspringer-Gruppe, drei Unternehmen und die größte flugfähige Flugzeug-Oldtimergruppe Europas sowie ca. 100 Flugzeuge (Segel- und Motorflugzeuge, Hubschrauber) sind hier beheimatet (Stand: 2018).

Flugplatz Nordhorn-Lingen in der Übersicht der Flughäfen und Landeplätze Niedersachsens

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1910 und 1914 kaufte die Industriellenfamilie Krupp von Bohlen und Halbach das Gelände rund um den heutigen Flugplatz, um einen Gutshof zu bauen. Bereits in seinem Urzustand bot sich das Gelände als Flugplatz an und so kam Gustav Krupp von Bohlen und Halbach oft mit dem Flugzeug, um sein Gut zu besuchen. Segelflugfreunde aus Nordhorn, Lingen und Meppen wurden auf den Platz aufmerksam und verhandelten mit Krupp von Bohlen und Halbach über eine Mitnutzung; so begannen bald die Segelflugaktivitäten in Klausheide.

1927 nahm die Lufthansa das Gelände als Notlandeplatz in ihr Streckennetz auf.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Platz erweitert und militärisch genutzt; offiziell diente der Flugplatz ab 1941 zunächst als Behelfsflugplatz. Die Luftwaffe gab dem Platz die Tarnbezeichnung „Nogat“. Bis Sommer 1944 sind keine dauerhaften Belegungen dokumentiert, dann änderte sich dies, weil zu dieser Zeit durch den Vormarsch der Alliierten im Westen viele von der deutschen Luftwaffe genutzten Flugplätze ausfielen. Klausheide bekam den Status eines Einsatzhafens (E21). Die benötigte Infrastruktur wurde aus Holz gezimmert. Südlich des Flugfeldes wurden im angrenzenden Wald Schneisen geschlagen, um getarnte Abstellplätze für die Einsatzmaschinen zu errichten. Nördlich vom Flugplatz wurden an der heutigen B 213 Arbeitsstätten für die Techniker eingerichtet. Im September 1944 bezog die Fliegerhorst-Kommandantur E (v) 223/XVII den Flugplatz. Sie blieb bis zum Kriegsende der bodengebundene Teil der Luftwaffe in Klausheide. Lediglich die 2. Gruppe des Jagdgeschwaders 26 „Schlageter“ ist als fliegender Verband dokumentiert. Die mit dem Jäger Focke-Wulf Fw 190 ausgerüstete Truppe war vom 22. November 1944 bis zum 25. März 1945 in Klausheide stationiert; dann wurde sie nach Celle-Wietzenbruch verlegt, weil der Einsatzhafen Klausheide an diesem Tag durch die US Air Force bombardiert und dadurch unbrauchbar wurde. Anfang April 1945 besetzten britische Truppen Klausheide. Die Briten bezeichneten den Flugplatz als Airfield B.107.[1]

Nach dem Krieg sollte der Platz aufgeforstet werden, aber die Luftsportler der Region bemühten sich hartnäckig um die Wiederaufnahme des Flugbetriebes. 1952 wurde der Platz erneut in Betrieb genommen, 1957 erfolgte die Gründung der Flughafenbetriebsgesellschaft Klausheide mbH.

Auf dem Klausheider Flugtag vom 15. September 1963 verunglückte der „Vogelmensch“ Gérard Masselin bei einem Sprung aus 3.000 Metern Höhe mit einem Vorläufer der Wingsuits tödlich. Schon sein älterer Bruder Guy war 1961 in Nancy bei einem dieser früher „Schwingenflug“ genannten Experimentalsprünge ebenfalls tödlich verunglückt.[2]

Erneut in die Schlagzeilen geriet der Flughafen im April 1964, als der ehemalige SS-Obersturmführer Hans-Walter Zech-Nenntwich, der nach seiner Verurteilung wegen Beihilfe zu zweifachem Mord am 23. April aus der Untersuchungshaftanstalt Braunschweig flüchtete, sich über den Flugplatz Klausheide in die Schweiz absetzte. Am Flugplatz wurde er zusammen mit einer Begleiterin von einem Zollbeamten ordnungsgemäß zollrechtlich abgefertigt und von einem ahnungslosen Wietmarscher Piloten nach Basel geflogen. Dies war möglich, weil seine Flucht erst entdeckt wurde, als er bereits in der Schweiz war.[3][4]

1987 wurde die Startbahn asphaltiert, sodass seither Motor-Flugzeuge bis maximal 10,0 t starten und landen dürfen. Am 1. Januar 1999 wurden mit einer Vorlaufzeit von fünf Jahren die „Europäische Richtlinien für die Gewerbliche Beförderung von Personen und Sachen“ in Kraft gesetzt (damals JAR-OPS 1, heute EU-OPS 1). Diese Richtlinien fordern für gewerbliche Flüge Zuschläge bei Start- und Landestrecken. Da der Flugplatz aus Richtung Westen nur über 680 Meter und aus Richtung Osten nur über 900 Meter nutzbare Landestrecke verfügt, ist er für gewerbliche Flüge nicht mehr nutzbar. Der Flugplatzbetreiber versucht seit 1996 erfolglos, eine Genehmigung zur Verlängerung von Start- und Landebahn zu erhalten.

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 wurde die Flughafenbetriebsgesellschaft Klausheide mbH mit den Städten Nordhorn (60 %) und Lingen (10 %), den Landkreisen Grafschaft Bentheim (15 %) und Lingen (10 %) sowie einigen Industriebetrieben der Region (4 %) und den Segelflugvereinen (1 %) als Gesellschafter gegründet. An der heutigen Flugplatz Nordhorn-Lingen GmbH sind als Gesellschafter nach wie vor die Städte Nordhorn und Lingen, die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland (als Rechtsnachfolger des Landkreises Lingen), die beiden Segelflugvereine sowie Privatpersonen beteiligt.

Flugbeschränkungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz befindet sich wegen der Nähe zum Luft-/Bodenschießplatz Nordhorn im Flugbeschränkungsgebiet ED-R 37A. Ist das Flugbeschränkungsgebiet aktiv, sind ausschließlich Geradeausanflüge gestattet und es gibt Pflichtmeldepunkte. An- und Abflüge werden direkt vom Tower mit dem Range Control Offizier (RCO) der Bundeswehr abgesprochen. Ab diesem Moment wird der Flugplatz zu einem „kontrollierten Platz“. Samstags, sonntags, an Feiertagen und während der Sommerferien in Niedersachsen ist das Flugbeschränkungsgebiet immer deaktiviert.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierseuchenlogistikzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. September 2014 wurde unmittelbar am Flugplatz das Tierseuchenlogistikzentrum für den Landkreis Grafschaft Bentheim und den südlichen Landkreis Emsland in Betrieb genommen. Es besteht aus einer Materiallagerhalle, Büroräumen und einem Sanitärtrakt. Im Seuchenfall werden von hier aus die Einsätze koordiniert, die Einsatzkräfte versorgt und Material und Fahrzeuge dekontaminiert und gereinigt. Die Halle dient vorwiegend der Unterstellung von Flugzeugen und wird im Bedarfsfall für die Seuchenbekämpfung freigeräumt. Die Immobilie ist im Eigentum der Flugplatz Nordhorn-Lingen GmbH.[5]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz beheimatet sechs Vereine:

  • Luftsportring Grenzland e. V. (Nordhorn)
  • Luftsportverein Lingen e. V.
  • Verein für Motorflug Klausheide e. V.
  • Vereinigung Aktiver Piloten e. V.
  • Fallschirmsportgruppe Nordhorn
  • Interessenverband historischer Flugzeuge Flugplatz Klausheide

Betriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugplatzrestaurant Wolkenlos

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klausheide auf relikte.com; abgerufen am 23. Juli 2018
  2. 125 Jahre Zeitgeschehen. Grafschafter Nachrichten, 11/1999, S. 175/76
  3. 125 Jahre Zeitgeschehen. Grafschafter Nachrichten, 11/1999, S. 177
  4. Blitz aus Braunschweig. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1964 (online).
  5. Grafschafter Nachrichten vom 17. September 2014 abgerufen am 17. September 2014