Flugplatz Roth

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Heeresflugplatz Roth
Roth Airfield Aerial.jpg
Kenndaten
ICAO-Code ETHR
Koordinaten
49° 13′ 3″ N, 11° 6′ 1″ OKoordinaten: 49° 13′ 3″ N, 11° 6′ 1″ O
387 m (1270 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km südlich von Roth
Straße bundeseigene Privatstraße zur Bundesstraße 2
Basisdaten
Eröffnung 1938
Schließung 2014 (militärischer Flugbetrieb)
Start- und Landebahn
09/27 535 m × 30 m Asphalt

Der ehemalige Heeresflugplatz Roth mit der Otto-Lilienthal-Kaserne ist eine Liegenschaft der Bundeswehr in Mittelfranken und liegt rund 30 km südlich von Nürnberg. Mit der Stadt Heideck besteht die erste Kasernen-Patengemeinschaft in Deutschland.

Der Flugplatz Roth (ehemals ETHR) ist ein Sonderlandeplatz, der innerhalb der Otto-Lilienthal-Kaserne liegt. Landungen von Luftfahrzeugen sind nur mit PPR durch die Kasernenkommandantur möglich. Der militärische Flugbetrieb wurde 2014 eingestellt.

Allgemeine Luftfahrt (General Aviation) findet an diesem Flugplatz nicht statt. Ausnahmen sind private Flüge durch die Bundeswehrflugsportgruppe Otto Lilienthal e.V. und dem privaten Segel-Flieger-Club Roth e. V. an Wochenenden.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz liegt etwa vier Kilometer südlich des historischen Ortskernes von Roth zwischen den Ortsteilen Kiliansdorf, Ober- und Untersteinbach sowie Eckersmühlen auf einer Höhe von 386 m ü. NN.

Zu erreichen ist der Flugplatz mit der Kaserne über zwei bundeseigene Privatstraßen, die von der Verlängerung der Staatsstraße 2409 über die Bundesstraße 2 hinaus abzweigen. An der südlichen der beiden Straßen, die Kilianssorf-Siedlung heißt, befinden sich auch zahlreiche Wohnhäuser für Soldaten und deren Familien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bau bis zum Ende des 2. Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Wurzeln hat der Rother Flugplatz und die Kaserne in den 1930er-Jahren, als der Wunsch nach einem Militärflugplatz in Roth bestand. 1935 begann die Planung des Militärflugplatzes unter der Federführung des Reichsluftfahrtministeriums, gegen den Widerstand der örtlichen Bauern. Die Grundstückseigentümer reichten eine Beschwerde beim Reichsnährstand gegen das Bauvorhaben ein. Anfang 1936 wurde die Beschwerde vom Luftkreiskommando 5 München abgelehnt und die Bauleitung für die Flieger-Übungsstelle Roth-Kiliansdorf in einem Bauernhaus in Kiliansdorf eingerichtet. Im Frühjahr 1937 begann der Bau, der zu diesem Zeitpunkt bereits als Kaserne geplant war. Als erstes wurden Flugzeughallen, Unterkunfts-/Wachgebäude und das Stabsgebäude mit Offizierkasino errichtet. Erster Truppenteil in Roth war die Flugzeugführerschule Kiliansdorf, die aus Erding verlegt wurde. Im Mai 1938 wurde der Flugbetrieb durch die Flugzeugführerschule auf dem Flugplatz Roth aufgenommen. Die Fliegerhorst-Kommandantur hatte die Bezeichnung 9/XIII und unterstand dem Flughafen-Bereichs-Kommando 1/XIII in Fürth.

Während des Zweiten Weltkrieges war Roth ab Juli 1939 Standort eines Transportfliegerverbandes für den Polenfeldzug. Oktober 1939 war ein Sturzkampfgeschwader mit Junkers Ju 87 dort stationiert und ein Aufklärungsgeschwader (Aufklärungsgruppe 123) mit Dornier Do 17 flogen von Roth aus Einsätze über Frankreich.

Vom 8. April 1945 an wurde der Fliegerhorst Roth von der 91 Consolidated B-24 Bombern des 20. Combat Wings der 2nd Air Force Division mit mehrfach angeflogen und bombardiert, wobei mehr als 210 t Bomben abgeworfen wurden. Dem Angriff ging eine umfangreiche Aufklärung und Klassifizierung der Amerikaner voraus. Bis auf wenige Flugzeugunterstände wurde der Fliegerhorst zerstört. Bereits am nächsten Tag wurde eine sog. Entfestigung des Flugfeldes mit Vier-Pflug-Traktoren durchgeführt, um es für die vorrückenden US-Truppen unbrauchbar zu machen.[1] Am 20. April 1945 wurde der Fliegerhorst von amerikanischen Truppen eingenommen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1946 wurde von der US-Army auf dem Gelände des Flugplatzes Roth eine Dienststelle zur Entschärfung von Bomben und Munition aus dem Krieg eingerichtet. Tausende Tonnen Bomben und Munition wurden dort gelagert und entschärft. Die Munition wurde zunächst mit Lkw, später mit der Bahn über einen eigens verlegten Gleisanschluss zum Gelände transportiert.

Karte der US-Airforce aus dem Jahr 1943

Der Flieger-Club Roth erhielt 1954 die Genehmigung, den Flugplatz nutzen zu dürfen, was bis heute gilt. Am 8. Februar 1956 wurde das Flugplatzgelände von US-Amerikanern an deutsche Dienststellen übergeben und im August 1956 rückten die ersten 350 Rekruten des Luftwaffenausbildungsregiments 3 in die Kaserne ein. Bis 1961 nutzten allein die Rother Sportflieger den Platz fliegerisch. Im September 1961 wird der Fliegerhorst Heeresflugplatz mit der Verlegung der Heeresfliegerstaffel 4 mit Hubschraubern Alouette II und Flächenflugzeugen vom Typ Dornier Do 27 dorthin. 1962 wurden eine Flugleitung, Wetterberatung und Flugplatzfeuerwehr eingerichtet und das neue Towergebäude in Betrieb genommen.

Im November 1964 erfolgte die Umbenennung der Kaserne in „Otto-Lilienthal-Kaserne“ eines deutschen Pioniers der Flugzeug-Entwicklung.

Seit dem 30. Mai 1974 ist die Polizeihubschrauberstaffel Bayern mit der Außenstelle für Nordbayern auf dem Heeresflugplatz untergebracht, anfangs mit einer Bölkow Bo 105 und einer Belegschaft von nur vier Beamten, mittlerweile jedoch mit der Eurocopter EC 135 im 24-stündigen Schichtdienst und rund 30 Beamten inklusive Wartung und Verwaltung.

2011 entstanden neue Wartungshallen und andere Gebäude für die geplante Stationierung des Kampfhubschraubers Eurocopter Tiger. Aus diesem Grund wurden dort zwei identische Wartungshallen, die Wartungsgebäude I und II für jeweils 16 Hubschrauber errichtet. Beide Hallen mit ihren umgebenden Nebenräumen verfügen über eine Grundfläche von 151 m × 90 m und eine Höhe von knapp 16 m.

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde jedoch im Oktober 2011 bekanntgegeben, dass das Hubschrauberregiment im Jahr 2014 aufgelöst wird, alle für die Bundeswehr bestimmten Tiger-Hubschrauber werden beim Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar, Hessen stationiert.

Das II. Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments wurde Ende des Jahres 2012 aufgelöst. Das Luftwaffenausbildungsregiment selbst und die Heeresfliegerstaffel 269 wurden mit Wirkung zum 31. März 2013 aufgelöst. Das Kampfhubschrauberregiment 26 „Franken“ veranstaltete am Sonntag den 28. Juli 2013 zum letzten Mal einen Tag der offenen Tür, deren Angehörige wurden an andere Standorte versetzt. Die formelle Auflösung des Regiments erfolgte mit Wirkung zum 1. Juli 2014. [2]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflösung des Rother Luftwaffenausbildungsregiments wurde am 1. Januar 2013 die 7. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons aufgestellt, welche die größte Einheit am Standort ist.

Aktuell sind in Roth auch das 9./Feldjägerregiment 3 und das Sanitätsversorgungszentrum Roth stationiert.

Die Otto-Lilienthal-Kaserne Roth ist heute offizielle Dependance der zentralen Asyl-Einrichtung ZAE Zirndorf.[3] So hat die Regierung von Mittelfranken im Herbst 2014 fünf der Kasernengebäude angemietet. Seither werden dort regelmäßig bis zu 500 Asylbewerber untergebracht und versorgt.[4] Im Herbst 2015 wurden in drei zusätzlichen Leichtbauhallen weitere 850 Menschen untergebracht.[5]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Informationsbesuch des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière im Jahre 2012 gab dieser bekannt, dass bis 2018, nach einigen erforderlichen Umbauten, die Offizierschule der Luftwaffe von Fürstenfeldbruck nach Roth umziehen werde. Dadurch blieben 500 Dienstposten erhalten. Hinzu kämen noch gut 800 bis 900 Lehrgangsteilnehmer. Später wurde bekannt, dass der Umzug der Offiziersschule wegen notwendiger Bauarbeiten erst 2019 erfolgen könne.[6] Die Errichtung der Offiziersschule sollte zunächst 114 Mio Euro kosten.[7] Inzwischen geht man von einem Umzug im Jahr 2020 und Baukosten von etwa 200 Mio. Euro aus.[8]Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren

Stationierte Einheiten und Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald G Dill, Karlheinz Hetz: Luftkrieg von Aschaffenburg bis Zwiesel: Militärisch-technisches Feature zur Heimatgeschichte Nordbayerns, Verlag Heinz Späthling

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. → Literaturangabe: Dill, Hetz
  2. 10.000 Besucher beim Tag der offenen Tür am Heeresflugplatz Roth. In: Bundeswehr.de, 1. August 2013, abgerufen 21. August 2013
  3. Zelte für Flüchtlinge in Rother Kaserne aufgestellt (Memento vom 20. Januar 2016 im Internet Archive), www.br.de, 23. Februar 2015
  4. Asylantenunterkuft in der Otto-Lilienthal-Kaserne (Memento vom 3. Oktober 2014 im Internet Archive), www.br.de (offline)
  5. Flüchtlingskrise: „So kann es nicht weitergehen“, Bayernkurier, 22. Oktober 2015
  6. Gerhard Eisenkolb: Luftwaffe bleibt bis 2019. In: sueddeutsche.de, 12. Juni 2012, abgerufen am 25. März 2013.
  7. Marco Seliger: Harte Landung. www.faz.net, 8. August 2014, abgerufen am 8. August 2014
  8. Von Bruck ins fränkische Roth: Der Umzug der Offizierschule wird teuer. Münchner Merkur, 4. Februar 2016, abgerufen am 11. Juni 2018.
  9. Germersheim: Luftwaffenausbildungsbataillon hat neue Kompanie in Roth. In: Pfalz-Express. 16. Juli 2018 (pfalz-express.de [abgerufen am 18. Juli 2018]).