Flums

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Flums
Wappen von Flums
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Sarganserlandw
BFS-Nr.: 3292i1f3f4
Postleitzahl: 8890 Flums
8893 Flums Hochwiese
8898 Flumserberg Tannenbodenalp
UN/LOCODE: CH FLU
Koordinaten: 744540 / 217386Koordinaten: 47° 5′ 30″ N, 9° 20′ 33″ O; CH1903: 744540 / 217386
Höhe: 456 m ü. M.
Fläche: 75,03 km²
Einwohner: 4919 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 66 Einw. pro km²
Website: www.flums.ch
Flums

Flums

Karte
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Flums ist eine mittelgrosse politische Gemeinde im Wahlkreis Sarganserland im Schweizer Kanton St. Gallen. Flums besteht aus den drei Ortsgemeinden Flums-Dorf, Grossberg und Kleinberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer von 1919

Flums umfasst das Schilstal bis zur südwestlichen Grenze gegen den Kanton Glarus, einen Teil der vom Bach Seez durchflossenen Ebene, dem Seeztal, und den Westhang der Alvierkette. Flums ist vor allem durch das Ski- und Wandergebiet Flumserberg bekannt geworden; letzteres liegt auch auf dem Gemeindegebiet von Quarten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eine römische Siedlung deuten Baureste, Scherben und Münzen unter der St.-Justus-Kirche hin. Beim sogenannten Heiligenbungert wurden Spuren einer Römerstrasse entdeckt. 765 wurde Flumini erstmals erwähnt, als Bischof Tello von Chur in seinem Testament den vierten Teil des Fronhofs zu Flums vorbehalten hatte. Im Churrätischen Reichsgutsurbar um 850 wurde Flums mit einer Taufkirche und Gütern in königlichem Besitz genannt. Karl der Dicke tauschte 881 mit Bischof Ruodharius von Chur das in Unterrätien gelegene Flums gegen Güter im Elsass. Als bischöflicher Besitz wurde Flums von einem Vogt verwaltet; als Erster erschien um 1200 Sifrid von Flums. Mehrfach verpfändeten die Churer Bischöfe im Spätmittelalter die Herrschaft F. mit der 1249 erstmals erwähnten Burg Gräpplang und lösten sie wieder ein. 1528 erwarb Ludwig Tschudi der Jüngere die Festung für 2.400 Florin. Bis 1767 verblieb sie im Besitz der Familie Tschudi. 1804 wurde sie zum Abbruch verkauft; seit 1923 gehört die Ruine der Gemeinde.

Vor der Reformation bestanden in Flums eine Pfarr- und zwei Kaplaneipfründen; die Kollatur hatte der jeweilige Herr von Gräpplang inne. 1529 wurde in Flums auf Initiative von Martin Mannhart die Reformation eingeführt; der evangelische Pfarrer und Glarner Fridolin Brunner wirkte hier. Ein Jahr später erhielten die Altgläubigen unter Landvogt Aegidius Tschudi wieder die Mehrheit.

1714 trennten sich Berschis und Tscherlach kirchlich von Flums und bildeten eine eigene Pfarrei. Älteste Kirche ist die ehemalige Pfarrkirche St. Justus, unter deren spätgotischem Chor sich Reste einer frühkarolingischen Kirchenanlage befinden. 1861 bis 1863 erfolgte der Bau der heutigen Pfarrkirche St. Laurentius. Älteste Kapelle ist die romanische St. Jakobskapelle bei Gräpplang mit dem ältesten romanischen Glasgemälde der Schweiz von etwa 1180. Ein Rundbogenfenster mit einer Darstellung der Madonna mit dem Kind ist seit 1889 im Schweizerischen Landesmuseum Zürich ausgetellt; Fresken stammen aus der Zeit um 1300.

1798 kam Flums zum Distrikt Mels im Kanton Linth, 1803 zum Kt. St. Gallen; die bisherigen Ortsteile Berschis und Tscherlach wurden der Gemeinde Walenstadt zugeschlagen. 1819 wurden Ortskorporationen mit Weide- und Wälderteilung errichtet, 1832 drei selbstständige Ortsgemeinden gebildet. Die Sekundarschule Flums besteht seit 1895, sie ist seit 1900 in Flums-Berschis angesiedelt und wurde 1984 in ein Oberstufenzentrum umgewandelt.

Flums ist bis in die Gegenwart landwirtschaftlich geprägt (Viehzucht, Milchproduktion, Alpwirtschaft). Von 1400 bis 1700 spielte Flums eine wichtige Rolle in der Verhüttung des Gonzenerzes. Wegen des Rückgangs der Waldbestände wurde die Eisenschmelze dann nach Plons in die Gemeinde Mels verlegt. Wirtschaftlicher Aufschwung und Industrialisierung setzten ab 1850 langsam ein, begünstigt durch den Anschluss 1859 an die Eisenbahnlinie Zürich-Chur und die Nutzung der Wasserkraft der Schils. 1866 gründeten die Brüder Heinrich und Johann Spoerry eine Baumwollspinnerei, die noch ums Jahr 2000 der bedeutendste Fabrikationsbetrieb der Gemeinde war. Die Firma Spoerry errichtete 1900 zudem eine Karbidfabrik. Seit 1969 gibt es die Flumroc AG, die Dämmungen aus Steinwolle herstellt. Zur Flumroc-Gruppe gehören in Flums auch die ehemalige Maschinenfabrik Flums AG, die vormals 1853 gegründete Maschinenfabrik Hartmann; heute Flumec AG und die Pamag AG. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Flums und die Flumserberge zum Kur-, Ski- und Wandergebiet. Der Tourismus bildet auch heute neben Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe einen wichtigen Erwerbszweig.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flums hat zurzeit eine Bevölkerung von 4829 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015). Der Ausländeranteil von 22,9 % liegt knapp unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt.[3]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner[4]
1739 1864
1850 2577
1900 3567
1950 4833
1970 4474
2000 4882
2015 4829

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Einwohner gehört einer christlichen Religion an; 64,9 % sind römisch-katholisch, knapp 9 % sind evangelisch. Die Restlichen Einwohner gehören einer anderen Religion an oder sind konfessionslos.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flums verfügt über eine gute Verkehrsanbindung. Neben einer Anbindung an die Autobahn A3 gibt es Hauptstrassen, die in die Berge führen und mit der Walenseestrasse verbunden sind.

Darüber hinaus gibt es ein gut ausgebautes Busverkehrsnetz. Eine Buslinie führt nach Walenstadt. Eine weitere Buslinie verbindet den Bahnknotenpunkt Sargans via Flums mit dem Ferienort Flumserberg.

Etwas ausserorts verläuft die Bahnstrecke Ziegelbrücke-Chur, die bei Flums einen Bahnhof enthält. Neben der S4 der S-Bahn St. Gallen hält hier in den Abendstunden auch der RegioExpress Zürich-Chur.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besitzt einen grossen Anteil an den Flumserbergen, die im Winter und Sommer eine beliebte Touristenattraktion sind. Neben Wandertouren gibt es auch ein grosses Netz an Sesselliften und Gondelbahnen. Eine Sehenswürdigkeit ist die stattliche Ruine der Burg Gräpplang.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild der Sägerei beim Bahnhof von Walter Mittelholzer von 1934

Flums erlebte zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen industriellen Aufschwung. Dadurch entstanden viele Fabriken, darunter die schweizweit bekannte Spinnerei Spoerry & Co. AG, die Ende Januar 2009 als eine der letzten Schweizer Spinnereien ihren Betrieb einstellte.

Die Firma Flumroc stellt Produkte aus Steinwolle zur Wärme- und Geräuschdämmung her.

Die international operierende Firma Bartholet Maschinenbau AG (BMF) stellt Seilbahnen aller Art, Freizeitparkanlagen und weitere Personenbeförderungsanlagen her. Die Anlagen für Vergnügungsparks werden durch die Tochterfirma Swiss Rides AG vertrieben.

1970 wurde der Versuchsstollen Hagerbach von Ingenieur Rudolf Amberg und Partnern gegründet. Am Fuss des Eichbuel wurde ein über fünf Kilometer langer Stollen im harten und zähen Kieselkalk ausgebrochen, der inzwischen zu Europas grösster privater Forschungsanlage untertags geworden ist. Unterschiedliche technische Forschungen und Entwicklungen werden hier gemacht und verschiedene Dienstleistungen erbracht.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fasnacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Flums existieren zwei Fasnachtsgesellschaften, nämlich die Fasnachtsgesellschaft Flums und die Schwarzen Engel Flums.

Die Schwarzen Engel sind eine traditionsreiche Brauchtumsgruppe. Sie bestehen aus den männlichen Butzi, welche als Teufel verkleidet sind und den weiblichen Chrüterwyber. Das Oberhaupt der Schwarzen Engel ist der amtierende Hofnarr. Er wird jeweils im Oktober von den Alt-Hofnarren als Vorschlag gewählt und an der Käfig-Öffnete dem Fasnachtsvolk im Keller des Pöstli vorgeschlagen. Sämtliche Holzlarven (Holzmasken) der Schwarzen Engel sind von Hugo Reichlin (Hofnarr Hugo I.) geschnitzt und teilweise über 50 Jahre alt. Auf die Schwarzen Engel geht zurück, dass der Fasnachtsmontag für die Schüler von Flums seit längerer Zeit schulfrei ist.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Rothenhäusler, Dora Fanny Rittmeyer, Benedikt Frei: Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen, Band I: Bezirk Sargans. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 25). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1951. DNB 750089172.
  • Anton Müller: Geschichte der Herrschaft und Gemeinde Flums. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Sarganserlandes, Gossau 1916.
  • Anton Müller: Die Rechtsverhältnisse der Ortsgemeinden in Flums, Flums 1916.
  • J.J. Kubly-Müller: Die Tschudi - Freiherr von Flums und Schloss Gräpplang, in Jahrbuch GL 42, 1920, Seiten 1–54
  • H. Thalmann: Die Industrie im Sarganserland, 1943
  • H. Schmied-Neukomm, Le vitrail de Flums, in ZAK 47, 1990, Seiten 213–234
  • Rudolf Gadient: Das Gewerbe in Flums um 1800-1945, in Terra plana, 2001, Nr. 4, Seiten 9–14
  • Rudolf Gadient: Bettler, Frevler, Armenhäusler. Die Armen von Flums im 19. Jahrhundert. Chronos, Zürich 1991, ISBN 3-905278-72-3.
  • Flums-Gräpplang. 4000 Jahre Geschichte. Von Mathias Bugg, David Imper, Wolfgang Neubauer, Fritz Rigendinger, Martin P. Schindler. 2006 Stiftung Pro Gräpplang Flums.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flums – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Werner Vogler: Flums. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Portrait, Statistik auf der Webseite der politischen Gemeinde Flums, abgerufen am 8. Januar 2015
  4. Werner Vogler: Flums. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. Jost Auf der Maur: Diskretion unter Tag. In einem kilometerlangen Stollensystem bei Flums befindet sich Europas grösste Forschungsanlage. Hier trainiert Taiwans Feuerwehr und werkelt ein mysteriöser Autobauer. Ein Buchauszug, Tagesanzeiger, Tamedia, Zürich 6. Mai 2017, Seiten 39–40