Flussbegradigung

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Fluss­buhnen stei­gern bei be­gra­dig­ten Flüs­sen die Schiff­bar­keit durch Fahr­rinnen­ver­tief­ung

Bei einer Flussbegradigung werden die natürlicherweise vorkommenden Mäander eines Flusses an ihren Hälsen durchstochen. Der Flussverlauf wird dadurch kürzer und gerader; das Wasser fließt schneller. An Stellen, wo ein Fluss in zwei Armen verläuft, wird oft ein Arm stillgelegt. Flussbegradigung ist eine Maßnahme des Flussbaus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz des Baus von Wasserleitungen und Aquädukten griffen die Römer noch nicht direkt in die Flusslandschaften ein. Erst im Mittelalter begannen die Menschen mit der Korrektur von Gewässern, unter anderem durch Flussbegradigungen.[1]

Hauptartikel: Gewässerkorrektion

Im Jahre 1391 wurde die erste Flussbegradigung in Deutschland dokumentiert, als eine Schleife des Rheins beseitigt wurde.[1]

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der begradigte Rote Main in Bayreuth.
Die begradigte Weschnitz bei Biblis (Südhessen).

Häufig dienen Flussbegradigungen dazu, den Fluss für die Schifffahrt nutzbar zu machen. Manchmal steht auch die Landgewinnung oder die dauerhafte Festlegung von Landes-, Gemeinde- und Grundstücksgrenzen im Vordergrund. Wird der Flusslauf baulich festgelegt, kann – bei entsprechenden wasserbaulichen Maßnahmen, wie beispielsweise geplante Retentionsflächen – auch ein Hochwasserschutz erreicht werden. Durch Verlandung, infolge von Flussbegradigungen und sonstigen Trockenlegungen von Sümpfen, konnte die Malaria in den 1960er Jahren in Deutschland ausgerottet werden.

Üblicherweise wurde bei sedimentreichen Flüssen neben dem Durchstechen der Flussschleifen bzw. Umlaufberge erst eine verhältnismäßig niedrige Uferbefestigung mittels Faschinen vorgenommen, die unterhalb der Hochwasserlinie lagen. Bei Hochwasser konnte sich der Fluss über das Überschwemmungsgebiet ausbreiten, verringerte die Geschwindigkeit, das Geröll sedimentierte und erhöhte das Land hinter dem Damm. Erst wenn so eine hinreichende Erhöhung des Hinterlandes erreicht wurde, wurde ein Hochwasserdamm angelegt.

Anwendungsbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Beispiele für eine Flussbegradigung sind die Juragewässerkorrektion im Schweizer Seeland und die Begradigung einiger Rhein-Abschnitte.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwassergefahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Flüsse im Flachland haben eine natürliche Tendenz zur Bildung von Mäandern und daher zum langsamen Fließen, was bei seitlichen Brachflächen eine natürliche Dämpfung von Hochwasser mit sich bringt. Die Flussbegradigung verschlechtert die Hydromorphologie und führt dazu, dass stromabwärts die Überschwemmungsgefahr steigt. Durch die höhere Fließgeschwindigkeit kommt es vor, dass nun mehrere Nebenflüsse ihr (rascher kommendes) Hochwasser gleichzeitig in den Unterlauf abgeben. Aus ähnlichen Gründen werden auch Begradigungen in den quellnahen Gebirgsgebieten maßgeblich für Hochwasser verantwortlich gemacht. Mancherorts laufen daher Bemühungen zur Renaturierung um diese rückgängig zu machen, was leichter gelingt als bei den großflächigen Regulierungen im Mittel- oder Unterlauf.

Absenkung des Grundwasserspiegels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine historische Wiesenwässerungssperre an der Tauber, die im 19. Jahrhundert aufgrund einer Flussbegradigung errichtet werden musste

Manche Flussbegradigungen führen zu einem absinkenden Grundwasserspiegel, beispielsweise bei der Begradigung der Tauber in den 1890er Jahren. Die Landwirte konnten in der Folge weniger Grünfutter für die Nutztiere erzeugen und wurden gezwungen, einzelne Wiesenabschnitte durch künstlich angelegte Gräben und Wassersperren zu bewässern.[2]

Beeinträchtigung des Ökosystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus ökologischer Sicht werden Flussbegradigungen negativ bewertet, weil sie das Ökosystem eines Fließgewässers beeinträchtigen, verkleinern oder sogar vernichten. Das in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie formulierte Ziel einer hohen Gewässergüte ist bei begradigten Flussläufen nicht zu erreichen, da viele in den Flüssen oder den angrenzenden Auen lebende oder sich dort fortpflanzende seltene Tierarten wie Fische, Otter, Muscheln oder Wasservögel und viele Pflanzenarten durch Flussbegradigungen und die Vernichtung der Altarme ihren Lebensraum verlieren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flussbegradigung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Zeit: Hochwasser: "Die Leute sollten aus Flutgebieten wegziehen". 14. Juni 2013. Online auf www.zeit.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  2. Fränkische Nachrichten: Die Tauberwiesenwässerungsgenossenschaft: Ein Unikat im Taubertal aus dem 19. Jahrhundert. Kulturdenkmal entlang der Tauber. 15. August 2015. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.