Fluterschen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Fluterschen
Fluterschen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Fluterschen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 40′ N, 7° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Altenkirchen (Westerwald)
Verbandsgemeinde: Altenkirchen (Westerwald)
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 3,37 km²
Einwohner: 649 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 193 Einwohner je km²
Postleitzahl: 57614
Vorwahl: 02681
Kfz-Kennzeichen: AK
Gemeindeschlüssel: 07 1 32 033
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstraße 13
57610 Altenkirchen
Webpräsenz: www.fluterschen.de
Ortsbürgermeister: Ralf Lichtenthäler
Lage der Ortsgemeinde Fluterschen im Landkreis Altenkirchen (Westerwald)
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Über dieses Bild

Fluterschen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsgemeinde liegt auf 250 bis 300 m Höhe ca. 2,5 km südlich von Altenkirchen. Nachbarorte sind Almersbach im Norden, Oberwambach im Südosten und Schöneberg im Westen. Fluterschen ist von drei Seiten vom Staatsforst Altenkirchen umgeben.

Zu Fluterschen gehört der Wohnplatz Forsthaus Fluterschen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In saynischen Abgabenlisten wird der Ort 1568 als Flodersann erstmals urkundlich erwähnt.

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war Fluterschen landesherrlich ein Teil der Grafschaft Sayn. Die Einwohner wurden nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn erst lutherisch und später reformiert.[3] Nach der im 17. Jahrhundert erfolgten Landesteilung der Grafschaft Sayn gehörte Fluterschen zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Innerhalb der Grafschaft zählte Fluterschen zum Kirchspiel Almersbach, das auch eine weltlichen Verwaltungseinheit darstellte und die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. 1787 wurden in Fluterschen 28 Haushaltungen gezählt. Sayn-Altenkirchen und auch Fluterschen kamen 1791 im Erbgang an das Königreich Preußen und wurden 1803 im Reichsdeputationshauptschluss dem Fürstentum Nassau-Usingen zugesprochen, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging. Infolge der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Beschlüsse sowie aufgrund eines zwischen Nassau und Preußen abgeschlossenen Vertrages wurden die beiden vormals saynischen Grafschaften an das Königreich Preußen abgetreten.

Unter der preußischen Verwaltung gehörte Fluterschen zur Bürgermeisterei Altenkirchen im 1816 neu gebildeten gleichnamigen Landkreis im Regierungsbezirk Koblenz, der von 1822 an zur Rheinprovinz zählte.

Infolge des durch die Nationalsozialisten propagierten Zentralismus des Staates gab es in den 1930er Jahren Planungen zur Zusammenlegung der Gemeinden Almersbach und Fluterschen, die aufgrund des beginnenden Zweiten Weltkrieges aber nicht zustande kam.

Anfang 2011 brachte die Aufdeckung eines Missbrauchsfalls Fluterschen bundesweit in die Schlagzeilen.[4] Der Täter wurde am 22. März 2011 vom Landgericht Koblenz zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Urteil ist seit dem 30. September 2011 rechtskräftig, nachdem der Bundesgerichtshof die Revision des Angeklagten als unbegründet verworfen hatte.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Im Jahr 1582 wurden in Fluterschen 17 Räuche (= Häuser, Haushalte, Herde), 1787 schon 28 Haushalte gezählt.

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Fluterschen seit der preußischen Zeit; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[6][1]

Jahr Einwohner
1815 132
1835 227
1871 341
1905 444
1939 468
1950 597
Jahr Einwohner
1961 572
1970 635
1987 646
1997 843
2005 742
2015 649

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Fluterschen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens der Ortsgemeinde Fluterschen lautet: „Unter goldenem Wellenschildhaupt mit einem blauen Pflug in rot ein blaubewehrter und -gezungter goldener Leopard mit doppeltem Schwanz über silbernem Wellenschildfuß mit einem waagerecht liegenden schwarzen Mühleisen.“[8]

Bedeutung: Der Name der Ortsgemeinde Fluterschen, der sich auf eine Siedlung am Gewässer beziehen lässt, wird in einem redenden Wappen versinnbildlicht. Durch Wellenschildhaupt und Wellenschildfuß lebt der Leopard symbolisch zwischen fließendem Gewässer, was den Ortsnamen im Wappen symbolisch darstellt. Der Leopard mit doppeltem Schwanz ist das Wappentier der Grafen von Sayn und stellt einen Bezug zur Grafschaft Sayn und zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen her, denen Fluterschen einst angehörte. Der Pflug im Wellenschildhaupt symbolisiert die Westerwälder Landwirtschaft und das Mühleisen im Wellenschildfuß spielt auf die ehemalige Ölmühle in Fluterschen an, die neben dem Mühlenhandwerk zusätzlich noch mal die Bedeutung der Landwirtschaft hervorhebt. Die Tingierung des Wappens bezieht sich auf die territoriale Zugehörigkeit der Ortsgemeinde Fluterschen seit der Gründung der Siedlung im Mittelalter. Der goldene Leopard auf rotem Grund steht für die Grafschaften Sayn und Sayn-Altenkirchen, der blaue Pflug auf goldenem Grund steht für Nassau und das schwarze Mühleisen auf silbernem Grund steht für Preußen, denen Fluterschen angehörte. Die blau-goldene Gestaltung im vornehmen Teil des Wappens nimmt darüber hinaus die Farben des örtlichen Fußballvereins auf und spielt auf das Vereinsleben und die Gemeinschaft in Fluterschen an.[9]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der „MGV Concordia Fluterschen“ kann auf eine über 125-jährige Tradition zurückblicken.
  • Den „Frauenchor Concordia Fluterschen“ gibt es seit 1982.
  • Der Fußball-Verein SSV Almersbach-Fluterschen spielt in der Saison 2015/2016 in der Kreisliga B (Fußballverband Rheinland – Kreis Westerwald-Sieg).
  • Der Hobby-Fußball-Club FC Fluterschen 79 spielt nur Turniere und einige Freundschaftsspiele im Jahr.
  • Der Westerwald-Verein, Zweigverein Fluterschen, gegründet 1932, pflegt die Wanderkultur durch Halbtages- und Ganztageswanderungen, jeweils einmal im Monat.
  • Verein für Heimat- und Brauchtumspflege Fluterschen. Zweck des Vereins ist die Heimat- und Landschaftspflege einschließlich des Umweltschutzes sowie die Pflege des alten Brauchtums.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Fluterschen – Entstehung und Bedeutung, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald), 58. Jahrgang, 2015, S. 41–45.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fluterschen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 7 (PDF; 2,3 MB).
  3. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald), 58. Jahrgang, 2015, S. 74-80.
  4. Missbrauchsfall Fluterschen 2011 bei Spiegel Online.
  5. Pressemitteilung des BGH Bundesgerichtshof.
  6. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  8. Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Fluterschen, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald), 58. Jahrgang, 2015, S. 42.
  9. Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Fluterschen, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald), 58. Jahrgang, 2015, S. 42-43.