Fokker D.VII

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fokker D.VII
Fokker D.VIIF
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland: Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Hersteller: Fokker Flugzeugwerke, Schwerin
Erstflug: Januar 1918
Indienststellung: April 1918
Produktionszeit: 1918–1928
Stückzahl: 3.200

Die Fokker D.VII war ein Jagdflugzeug der deutschen Fliegertruppe während des Ersten Weltkrieges. Die Konstruktion der Fokker Flugzeugwerke in Schwerin galt als das beste Jagdflugzeug seiner Zeit. Die ausgezeichnete Steuerfähigkeit auch in großen Höhen und seine stabile Struktur – beides war 15 Jahre nach den Gebrüdern Wright keine Selbstverständlichkeit – stellte einen Großteil der alliierten wie auch der eigenen Maschinen in den Schatten. Die Überlegenheit der Fokker D.VII – insbesondere der Version D.VIIF mit dem BMW IIIa-Motor – schien so groß, dass die Alliierten nach Kriegsende die Herausgabe bzw. Verschrottung aller Flugzeuge dieses Typs verlangten.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spät im Jahr 1917 hatten die gegnerischen Luftstreitkräfte mit ihren neuen SPAD S.XIII- und S.E.5-Jägern die Luftüberlegenheit über der Westfront errungen. Die deutsche Regierung schrieb daraufhin einen Wettbewerb für einen neuen leistungsstarken Kampfeinsitzer aus. Im Januar 1918 wurde ein Vergleichsfliegen in Berlin-Adlershof abgehalten. An diesem Wettbewerb nahmen 31 neue Flugzeuge teil. Die Wahl fiel auf den Fokker-Prototyp V.11, der später als Fokker D.VII bezeichnet wurde. Konstruiert wurde die D.VII von Reinhold Platz, dem Chefkonstrukteur der Fokker-Werke.

Das Flugzeug war konventionell aufgebaut – ein verstrebter Doppeldecker mit starrem Fahrwerk, einem wassergekühlten Motor und zwei synchronisierten Maschinengewehren MG 08/15. Unter der Stoffbespannung des Rumpfes steckte ein stabiler, geschweißter Stahlrohrrahmen wie er auch in früheren Fokker-Konstruktionen schon Verwendung fand. Die Flügel waren aus Holz gefertigt, ebenfalls mit Stoff bespannt und gegeneinander sowie zum Rumpf hin abgestrebt (die Verstrebungen zwischen den Tragflächen hätten angeblich nur eine „psychologische“ Funktion gehabt). Seiten- und Höhenleitwerk waren ebenso aus Stahlrohren aufgebaut und stoffbespannt.

400 Maschinen wurden bestellt und da Fokker die Produktion nicht alleine in der geforderten Zeit bewältigen konnte, produzierte auf Anweisung des Inspekteurs der Flieger (IdFlieg) sein großer Konkurrent Albatros die Maschine in Lizenz, dabei auch eine Version mit Holz- statt Stahlrohrrahmen.

Insgesamt sollen etwa 3200 D.VII gefertigt worden sein – davon 1000 bei Fokker in Schwerin und zusammen 2200 bei den Albatros Flugzeugwerken in Berlin-Johannisthal und den Ostdeutschen Albatros Werken (OAW) in Schneidemühl.[1]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fokker D.VII zählte aufgrund ihrer guten Flugeigenschaften, die auch für weniger versierte Flugzeugführer gut zu beherrschen waren, zu den besten Jagdflugzeugen des Ersten Weltkrieges. Angetrieben wurde das Flugzeug von einem Mercedes D III- oder BMW IIIa-Motor. Der BMW-Höhenmotor, der von seinem Konstrukteur Max Friz mit einem neuen Höhenvergaser ausgestattet worden war, brachte wesentlich bessere Leistungen als alle anderen im Ersten Weltkrieg eingesetzten deutschen Flugmotoren. Die Bezeichnung der Maschinen mit BMW-Motor wurde mit einem „F“ für den Motorenkonstrukteur Friz ergänzt, also Fokker D.VIIF. Dabei besaß der BMW-Motor den Nachteil, dass er erst ab einer Höhe von 3200 m mit voller Leistung betrieben werden konnte, aber den Vorteil, in großer Flughöhe noch hohe Reserven zur Verfügung zu haben. Das Flugzeug war leicht und stabil, im Kurvenkampf äußerst wendig und bot dem Piloten sehr gute Sichtverhältnisse.

Im April 1918 tauchten die ersten D.VII an der Westfront auf – Maschinen vom Jagdgeschwader I (JG I) – und bewährten sich hervorragend. Zuerst hatten die alliierten Piloten keinen allzu großen Respekt vor dem neuen Flugzeug, da es, gerade im Vergleich zu den eleganten Linien der Albatros-Maschinen, einen eher wenig ausgefeilten Eindruck hinterließ. Sehr bald stellten sich jedoch seine hervorragenden Kampffähigkeiten heraus, die ihm sehr schnell den Ruf eines gefürchteten Gegners verschafften.

Manfred von Richthofen, der Kommandeur des JG I, hatte die Maschine zwar noch testweise geflogen, kam aber in einem Dreidecker Fokker Dr.I ums Leben, bevor die D.VII zum Fronteinsatz kam. Die Steigleistung der D.VII war derart, dass auch in großen Höhen bei langsamem Steigflug und bei extremen Manövern die Strömung an den Tragflächen erst relativ spät abriss. Besonders gefürchtet war die D.VII für ihre Fähigkeit, scheinbar „am Propeller zu hängen“ und den Gegner von unten unter Beschuss zu nehmen.

Man sagte, die D.VII sei in der Lage, aus „mittelmäßigen Piloten Asse zu machen“. Tatsächlich erzielte eine große Zahl der deutschen Spitzenpiloten ihre Abschüsse mit der D.VII, obwohl diese erst im letzten halben Kriegsjahr zum Einsatz kam. Einer der Piloten mit den zahlreichen Abschüssen auf der D.VII war Ernst Udet.

Mit Fortschreiten des Jahres 1918 kamen allerdings neue alliierte Flugzeugmodelle an die Front, die stärkere Motoren besaßen, was den Vorteil der D.VII relativierte. Piloten versuchten nun, eine der D.VIIF mit dem 185 PS starken BMW IIIa-Motor zu bekommen. Allerdings wurde dieses Modell nur in geringen Stückzahlen gefertigt.

Im September 1918 waren etwa 800 Fokker D.VII in 48 Jastas im Fronteinsatz. Etwa 800 D.VII und 200 D.VIIF sollen die Front vor dem Waffenstillstand erreicht haben. Acht Maschinen wurden im September 1918 der bulgarischen Flugzeugabteilung geliefert.

Leistungsvergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungsvergleich von Jagdeinsitzern im Fronteinsatz zum Ende des Ersten Weltkriegs:

Name Land Erstflug Motorstärke max. Geschwindigkeit Startgewicht Bewaffnung Gipfelhöhe Stückzahl
S.E.5a Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-11-22 200 PS 222 km/h 880 kg 2 5.185 m 5205
Sopwith Camel Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-12-31 130 PS 185 km/h 659 kg 2 und vier 11,3-kg-Bomben 5.791 m 5490
SPAD S.XIII Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich 1917-04-30 220 PS 222 km/h 820 kg 2 6.650 m 8472
Sopwith Dolphin Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-03-23 200 PS 211 km/h 890 kg 2 6.100 m 2072
Sopwith Snipe Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-10-31 230 PS 195 km/h 955 kg 2 6.100 m 497
Siemens-Schuckert D.IV Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-12-31 160 PS 190 km/h 735 kg 2 8.000 m 123
Fokker D.VII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 180 PS 189 km/h 910 kg 2 6.000 m 800
Fokker D.VIIF Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 226 PS 205 km/h 910 kg 2 7.000 m 200
Pfalz D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 160 PS 190 km/h 740 kg 2 7.500 m 120
Pfalz D.XII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-03-31 160 PS 180 km/h 902 kg 2 5.640 m 750
L.F.G. Roland D.VIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-11-30 160 PS 190 km/h 820 kg 2 5.500 m 353
Fokker D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-05-31 110 PS 204 km/h 605 kg 2 6.300 m 289

Nachkriegsverwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige D.VII dienten dem United States Army Air Service noch viele Jahre lang als Trainingsflugzeuge. (D.VII 1920 über Lower Manhattan)

Im Waffenstillstand von Compiègne ist die Fokker D.VII als einziges Flugzeug speziell erwähnt in der Bestimmung, dass alle Flugzeuge dieses Modells an die Sieger auszuliefern seien – ein Beweis dafür, wie sehr es gefürchtet wurde. Die meisten Flugzeuge gingen an die USA, einige auch in die Schweiz. Viele der ausgelieferten Flugzeuge wurden vernichtet, andere dienten dem United States Army Air Service noch viele Jahre lang als Trainingsflugzeuge.

Unmittelbar nach Deutschlands Niederlage verlegte Fokker seine Geschäfte in die Niederlande. Er schleuste Teile für 120 Maschinen D.VII und C.I sowie 300–400 Motoren über die Grenze und baute dort die D.VII weiter. Das Flugzeug fand Verwendung in mehreren Luftwaffen, u. a. der Niederlande, Litauens, Polens, der Tschechoslowakei, Ungarns, der Sowjetunion, Dänemarks und der USA. Die belgischen Streitkräfte nutzten Beuteflugzeuge, zu Zweisitzern umgebaut, bis 1926 als Schulflugzeuge. Die niederländischen Luftstreitkräfte flogen sie bis 1931, und noch 1928 bestellte die Schweiz acht neue Maschinen dieses Musters.

Erhaltene Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sieben Fokker D.VII sind erhalten und in Museen ausgestellt[2], so im

Daneben existieren weitere Nachbauten der Fokker D.VII, z.B. im Militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Fokker D.VII Fokker D.VIIF
Baujahr: 1918 1918
Einsatzzweck: Jagdflugzeug Jagdflugzeug
Länge: 6,95 m 6,95 m
Spannweite: 8,90 m 8,90 m
Höhe: 2,75 m 2,75 m
Flügelfläche: 20,20 m² 20,20 m²
Leergewicht: 684 kg 684 kg
Startgewicht: 910 kg 910 kg
flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Reihenmotor: Mercedes D IIIa
Startleistung 130 kW/180 PS,
BMW IIIa (Höhenmotor)
Startleistung 166 kW/226 PS
Höchstgeschwindigkeit: 189 km/h in 1.000 m Höhe 205 km/h in 2.000 m Höhe
Steigzeit auf 1.000 m: 5 Minuten 48 Sekunden 2 Minuten 24 Sekunden
Steigzeit auf 3.000 m: 8 Minuten 12 Sekunden
Steigzeit auf 5.000m: 31 Minuten 30 Sekunden 15 Minuten 18 Sekunden
Gipfelhöhe: 6.000 m 7.000 m
Reichweite: 350 km 350 km
Flugzeit: 1 Stunde 30 Minuten 1 Stunde 30 Minuten
Bewaffnung: 2 LMG 08/15 2 LMG 08/15
Besatzung: 1 Mann 1 Mann

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Die Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, (Falken-Handbuch in Farbe).
  • Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs 1914 – 1918. Heyne, München 1973, ISBN 3-453-00404-3.
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910 – 1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge. Jagd- und Schulflugzeuge 1914 – 1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1976, ISBN 3-280-00824-7, (Flugzeuge der Welt in Farben), S. 24, 121–122.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914 – 1918. Lehmanns, München 1959.
  • A. R. Weyl: Fokker. The Creative Years. Reprint. Putnam, London 1987, ISBN 0-85177-817-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fokker D.VII – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vermutlich deutlich überhöhte Zahlengabe
  2. RAF Museum Aircraft Collection: INDIVIDUAL HISTORY FOKKER DVII OAW 8417/18 /9207M
  3. Deutsches Museum: Fokker D.VII, abgerufen am 13. Februar 2013
  4. NASM: Fokker D.VII
  5. Brome County Museum: Fokker D VII
  6. Canada Aviation and Space Museum: Fokker D.VII