Folgore-Klasse

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Regia Marina
Folgore-Klasse
Folgore1931.jpg Der Zerstörer Folgore 1931
Überblick
Schiffstyp: Zerstörer
Einheiten: 4 auf 2 Werften gebaut:
Cantieri del Quarnaro, Fiume
Officine & Cantieri Partenopei, Neapel
Kiellegung: Januar bis Mai 1929
1.Stapellauf: 22. März 1931 Baleno
1.Indienststellung: 15. Juni 1932 Baleno
Einsatz bis: 30. April 1943
Lampo als letzte Einheit versenkt
Technische Daten
Verdrängung: 1.240 ts Standard
2.130 ts Maximal
Länge: 96,05 m
Breite: 9,20 m
Tiefgang: 3,30 m
Antrieb: 3 Thornycroft-Dampfkessel
2 Belluzo-Dampfturbinen mit Einfachgetriebe
44.000 PS (32.800 kW)
Treibstoffvorrat: 510 t Öl
Geschwindigkeit: 38 kn (70 km/h)
Reichweite: 3.600 sm bei 12 kn
Besatzung: 183
Bewaffnung: 4 × 120/50-mm-Geschütze (2×2)
2 × 40/39-mm-Pom-Poms
4 × 13,2 mm-Flugabwehr-MGs
6 × 533 mm Torpedorohre (2×3)
54 Seeminen

Die Folgore-Klasse war eine Zerstörer-Klasse der italienischen Marine. Die Klasse bestand aus vier Zerstörern, die zwischen 1929 und 1932 auf den Werften Cantieri del Quarnaro in Fiume und Officine & Cantieri Partenopei in Neapel gebaut wurden. Beide Werften hatten zuvor schon Zerstörer an die Regia Marina geliefert.
Die Schiffe wurden anfangs auch als 2.Gruppe der Dardo-Klasse bezeichnet, deren vier Schiffen auf zwei anderen Werften zwischen 1929 und 1932 fast zeitgleich entstanden.

Beim Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands im Juni 1940 bildeten die vier Zerstörer in Tarent das „VIII Squadriglia Cacciatorpediniere (8. Zerstörergeschwader)“, das mit den schweren Einheiten der Flotte eingesetzt werden sollte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Einheiten der Folgore-Klasse wurde bei Cantieri del Quarnaro in Fiume und bei Bacini e Scali Partenopei in Neapel gebaut. Ihre Kiellegung erfolgte dann in Fiume am 1. Oktober 1929 und in Neapel am 30. Januar 1930. Als erster Zerstörer der Klasse lief am 22. März 1931 vor den beiden zweiten Neubauten der Bauwerften der Dardo-Klasse die Baleno in Fiume vom Stapel, der bis zum 2. August 1931 die anderen Schiffe der Klasse folgten. Am 15. Juni 1932 wurde Baleno in Dienst gestellt, der die drei Schwesterschiffe bis zum 2. August 1931 in den Dienst bei der Regia Marina folgten.

Die Zerstörer hatten eine Standard-Verdrängung von 1220 t, verdrängten beim Kriegsbeginn durch Umbauten und Festballast zur Verbesserung der Seefähigkeit allerdings 1450 t bei Standard-Bedingungen und 2100 t bei voller Zuladung. Sie hatten eine Länge von 96,1 m über alles (94,3 m in der Wasserlinie), eine Rumpfbreite von 9,2 m und einen Tiefgang von bis zu 3,3 m. Der halbe Meter weniger Rumpfbreite war ein Versuch, höhere Geschwindigkeiten zu erzielen. Er führte zu mehr Stabilitätsproblemen als schon bei den vorangegangenen Klassen. Die Umbauten bis zum Krieg brachten nur geringfügige Verbesserungen und der notwendige Ballast verringerte die Reichweite.

Das Erscheinungsbild wurde durch einen großen, breiten Schornstein geprägt, in den die Abdampfrohre der drei Wasserröhrenkessel der Bauart Thornycroft geführt wurden. Die Kessel versorgten zwei hintereinander angeordnete, einfache Getriebeturbinensätz der Bauart Belluzzo mit dem nötigen Dampf, um bis zu 44.000 PS an die beiden Schrauben abzugeben. Unter Probefahrtsbedingungen konnten damit 38 kn erreicht werden. Nach dem notwendigen Umbauten waren unter Einsatzbedingungen nur noch maximal 32 kn zu erreichen. Der maximale Ölvorrat von 510 t gab den Zerstörern eine Reichweite von 3600 sm bei 12 kn Marschgeschwindigkeit.
Die Schiffe der Folgore-Klasse waren wie ihre Vorgänger der Sauro-, Turbine- und Dardo-Klasse mit zwei 120 mm-L/50-Zwillingsgeschützen der Bauart Ansaldo (Modell 1926), zwei 40 mm-L/39-Flak der Bauart Vickers-Terni (Modell 1917), zwei Zwillings-13,2 mm-L/76-Fla-Maschinengewehren der Bauart Breda bewaffnet. Dazu verfügten die Zerstörer über zwei 533 mm-Drillings-Torpedorohrsätze, zwei Wasserbombenwerfer und hatten die Möglichkeit im Bedarfsfall bis zu 54 Minen mitzuführen.
Bis Ende 1940 wurden die beiden 40 mm-Flak und die schweren Zwillings-FlaMG durch fünf bis sechs 20 mm-L/65-Maschinenkanonen der Bauart Breda ersetzt. 1942 gaben die noch vorhandenen Folgore und Lampo einen ihrer Torpdorohrsätze von Bord, an deren Stelle auf den beiden Zerstörern zwei 37 mm-L/54-Breda-Maschinenkanonen installiert wurden.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle vier Schiffe gehörten 1940 zum 8. Zerstörergeschwader in Tarent und gingen während ihrer Einsätze im Zweiten Weltkrieg verloren.
Kurz nach dem Kriegsbeitritt Italiens war das Geschwader mit allen vier Einheiten an einem Vorstoß fder italienischen Flotte beteiligt, die einen Konvoi nach Italienisch-Libyen sicherte un dabei auf die britische Mittelmeerflotte traf. An der entstehenden Seeschlacht bei Punta Stilo hatten die Schiffe keinen aktiven Anteil.[1] An solchen Einsätzen mit der Flotte waren die Einheiten der Klasse nur drei oder viermal beteiligt. Zum Jahreswechsel waren Folgore und Fulmine unter dem „9. Zerstörergeschwader“ an Einsätzen gegen griechische Stellungen in Albanien beteiligt. [2]
Schwerpunkt des Einsatzes der Schiffe im Krieg war die Konvoi-Sicherung nach Libyen aber auch zwischen Brindisi und Korfu.

Verbleib der Schiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. April 1941 wurde ein aus den deutschen Frachtern Adana (4205 BRT), Aegina (2447 BRT), Arta (2452 BRT) und Iserlohn (3704 BRT) sowie der italienischen Sabaudia (1590 BRT) bestehender Geleitzug für das Deutsche Afrika-Korps bei den Kerkenna-Inseln von der britischen Force K aus Malta mit den Zerstörern Jervis, Nubian, Mohawk und Janus abgefangen und vollständig vernichtet. Die Luca Tarigo konnte vor dem eigenen Untergang noch die Mohawk durch Torpedotreffer versenken. Auch die beiden anderen italienischen Sicherungszerstörer Baleno und Lampo sanken nach schweren Treffern, wobei von der der Baleno nur 37 Mann gerettet wurden und 141 Mann der 205-köpfigen Besatzung der Lampo starben. Am folgenden Tag gelang es vier italienischen Zerstörern, sieben Torpedobooten und zwei Lazarettschiffen sowie Seenotflugzeugen von den rund 3000 schiffbrüchigen Soldaten noch 1248 zu retten.[3] Die in flachem Wasser aufgesetzte Lampo konnte im August 1941 gehoben werden und kam nach Reparatur Mitte März 1942 wieder in Dienst.

Der italienische Nachschubgeleitzug »Beta« mit sieben Schiffen von Neapel nach Tripolis, gesichert durch sechs Zerstörer (darunter Fulmine und Euro) und eine Ferndeckungsgruppe mit den Schweren Kreuzern Trento und Trieste wurde am 9. November 1941 von der Force K mit den Kreuzern Aurora und Penelope sowie den Zerstörern Lance und Lively angegriffen, die sich mit Hilfe von Radar unbemerkt in eine günstige Angriffsposition manövriert hatte und die sieben Transporter (Duisburg (7389 BRT), San Marco (3113 BRT), Maria (6339 BRT), Sagitta (5153 BRT), Rina Corrado (5180 BRT) sowie die Tanker Conte di Misurata (5014 BRT) und Minatitlan (7599 BRT)) versenkte. Von den Sicherungszerstörern sank die Fulmine mit 141 Mann, Grecale und Euro wurden beschädigt.[4]

Am 2. Dezember 1942 versenkte die britische Force Q aus Bône die Folgore in der Straße von Sizilien, die mit 124 Mann sank.

Bei letzten Versuchen, Nachschub zur Deutsch-Italienischen Panzerarmee nach Afrika zu bringen, wurden am 30. April vor Kap Bon die Zerstörer Leone Pancaldo und Hermes mit je 300 Mann an Bord und Lampo mit einer Ladung Munition von alliierten Flugzeugen wiederholt angegriffen. Pancaldo und Lampo sanken nach Bombentreffern. Die Hermes wurde fahruntüchtig nach La Goulette bei Tunis eingeschleppt.[5]

Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf in Dienst Verbleib
Baleno CNQ, Fiume 1.10.1929 22.03.1931 15.06.1932 versenkt am 17. April 1941 vor Sfax durch britische Zerstörer im Kampf um den Tarigo-Konvoi
Folgore OCP, Neapel 30.01.1930 26.04.1931 1.07.1932 versenkt am 2. Dezember 1942 durch Schiffe der britischen Force Q in der Straße von Sizilien
Lampo OCP, Neapel 30.01.1930 26.07.1931 13.08.1932
18.03.1942
versenkt am 17. April 1941 vor Sfax im Kampf um den Tarigo-Konvoi, gehoben und repariert
erneut versenkt am 30. April 1943 durch Bomben vor Tunis.
Fulmine CNQ, Fiume 1.10.1929 2.08.1931 14.09.1932 versenkt am 9. November 1941 durch Schiffe der britischen Force K bei der Verteidigung des sog. Duisburg-Konvois

Die Italienische Marine hatte von 1861 bis 1907 einen kleinen Aviso mit dem namen Baleno besessen, der in Großbritannien als Fairy Queen gebaut worden war.
Den Namen Folgore hatte in der Regia Marina von 1886 bis 1900 ein in Italien gebauter Torpedo-Aviso geführt.
Den Namen Fulmine führte der erste Zerstörer der Regia Marina von 1900 bis 1921, der in Italien entstanden war.
Lampo hieß das Typschiff der ersten Zerstörer-Klasse der Regia Marina, das von Schichau geliefert wurde und von 1900 bis 1921 im Dienst war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rohwer:Seekrieg, 6.– 11.7.1940 Mittelmeer, Seeschlacht bei Punta Stilo (Kalabrien)
  2. Rohwer:Seekrieg, 6. und 9.1.1941 Mittelmeer.
  3. Rohwer: Seekrieg, 13.– 16.4.1941 Mittelmeer
  4. Rohwer: Seekrieg, 7.– 9.11.1941 Mittelmeer.
  5. Rohwer: Seekrieg, 29.4.– 13.5.1943 Mittelmeer, Endkampf um Tunis und Bizerta.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]