Foliot

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum englischen Bischof siehe Gilbert Foliot.
Foliot mit versetzbaren Gewichten, Spindel (mit 2 Lappen), Kronrad

Das Foliot (zitterndes Blatt [1]; deutsch: Waag, Balkenwaag oder Löffelwaag [2]) ist Teil des ältesten, seit etwa 1300 in einer Räderuhr verwendeten Mechanismus, mit dem annähernd ein gleichmäßiger Gang erreicht wird (vgl. Gangregler).

Zu ihm gehören neben dem waagerecht angeordneten Foliot die Welle (Spindel), die mit dem Foliot dreht, und die beiden an ihr befestigten Lappen, die zwischen die Zähne des Kronrad (Hemmungsrad) eingreifen. Das Kronrad ist das am schnellsten drehende Rad der Uhr. Seine Drehgeschwindigkeit bestimmt deren Gang. Ohne Hemmung durch den Foliot-Mechanismus würde die Uhr zu schnell und ungleichmäßig gehen. Durch radial verschiebbare Gewichte kann das Trägheitsmoment des Balkens verändert und somit der Gang der Uhr reguliert werden.

Erst die Erfindung der Hemmung mit Foliot ermöglichte die mechanische Uhr. Ihre anderen Bauteile, Gewichtsantrieb, Zahnräder und drehende Zeiger, waren vorher schon bekannt.

Das vom Antrieb über das Kronrad und über die an der Spindel befindlichen Lappen grob hin und her gedrehte Foliot ist kein System mit Eigenschwingungsfähigkeit und kann nicht isochron arbeiten.[3] Eine Uhr mit Foliot war bestenfalls auf 15 Minuten pro Tag genau. Die Konstruktion mit Foliot zeichnete aber den Weg für die Verwendung eines mechanischen Schwingers vor, dessen Schwingungsdauer bei freier Schwingung eine konstante Größe ist, und der allein den Takt der Uhr bestimmt. Das Foliot wurde Mitte des 17. Jahrhunderts vom mechanischen Pendel abgelöst.

Eine Variante zum Balken war ein Rad, das Unrast genannt wurde und nicht zu verwechseln ist mit der Unruh, die zusammen mit einer Spiralfeder ein mechanischer Schwinger ist und später als das Pendel in Gebrauch kam.

Bilder von Räderuhren mit Foliot, Nachbauten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Dohrn-van Rossum: Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnungen. Dtv, München 1995, ISBN 3-423-04673-2, Seite 52f.
  2. Fritz von Osterhausen: Callweys Uhrenlexikon. Callwey, München 1999, ISBN 978-3-7667-1353-7.
  3. Ernst von Bassermann-Jordan, Hans von Bertele: Uhren. Handbuch für Sammler und Liebhaber. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1961, S. 163.

Weblinks[Bearbeiten]