Forest Stewardship Council

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Forest Stewardship Council
Logo des FSC
Typ gemeinnützige Organisation
Gründung Oktober 1993
Sitz Bonn, Deutschland
Aktionsraum international
Motto Gewährleistung nachhaltiger Forstwirtschaft
Website diverse, vgl. #Weblinks

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale Non-Profit-Organisation (engl. stewardship ‚Verantwortung, Verwalteramt‘). Das Council (Kollegium, Rat; Ratsversammlung) schuf das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft, betreibt es und entwickelt es weiter. Der Ausdruck „FSC“ wird auch benutzt

  • für das FSC-Zertifizierungssystem
  • für das FSC-Zeichen, auch FSC-Logo, FSC-Zertifikat oder FSC-Gütesiegel genannt.

Letzteres kennzeichnet Holz-Produkte als Erzeugnisse von Forstbetrieben, die nach FSC-Kriterien zertifiziert sind.

Das FSC-System zur Zertifizierung von Forstwirtschaft wurde gegründet zur Sicherung der nachhaltigen Waldnutzung; diese beinhaltet die Wahrung und auch Verbesserung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen der Forstbetriebe. Hierzu entwickelte der FSC einen allgemeinen und länderübergreifend einheitlichen Standard, der aus zehn Prinzipien und Kriterien besteht und den man nur anwenden kann, wenn man diese zehn für eine nationale Ebene konkretisiert (siehe unten).

Im weiteren Sinne umfasst die Zertifizierung von Holzprodukten nach FSC auch die Produktkette (chain of custody). Hierfür wurde ebenfalls ein System geschaffen.

Geschichte[Bearbeiten]

International[Bearbeiten]

Der Forest Stewardship Council geht auf eine Initiative von Menschenrechtsorganisationen, Umwelt-NGOs sowie einer Gruppe von Händlern und Industriebetrieben im Jahre 1990 in Kalifornien zurück[1]. Entscheidende Unterstützung kam der Initiative im Rahmen des Umweltgipfels von Rio zu, auf welchem die Leitprinzipien Nachhaltiger Entwicklung verbindlich formuliert wurden. Dort war es jedoch nicht möglich, sich auf ein rechtlich bindendes Instrument zum Erhalt bzw. zur nachhaltigen Nutzung der Wälder zu einigen, obwohl im Kapitel 11 der Agenda 21 ein faktischer 4-Punkte-Plan zur Umsetzung nachhaltiger Forstwirtschaft formuliert wurde. Aufgrund der (aus der Sicht großer internationaler Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder WWF in Bezug auf den Schutz von Wäldern) unbefriedigenden Ergebnisse hielt man die Idee des FSC für geeignet, zu einer besseren Forstwirtschaft beizutragen. Die Entwicklung der Organisation FSC basiert maßgeblich auf dem Engagement von WWF, von Greenpeace, von Gewerkschaften und von Interessensvertretern indigener Völker, die gemeinsame Interessen identifizierten.

Im Oktober 1993 fand die Gründungsversammlung des FSC in Toronto/Kanada statt. Bis zur Mitte des Jahres 1994 erfolgte nach der Etablierung eines Büros in Oaxaca/Mexiko die Entwicklung des internationalen Standards und der Statuten der Organisation, welche im Sommer 1994 von der Vollversammlung genehmigt wurden. Ebenfalls in Oaxaca erfolgte schließlich die Registrierung des Vereins im Februar 1996. Im Januar 2003 wurde der Sitz des FSC International nach Bonn/Deutschland verlegt.

Obwohl auch einige Vertreter des Forst- oder Holzsektors die Idee des FSC von Beginn an stützten, zeichnete sich Mitte der 1990er Jahre ab, dass vielerorts insbesondere die betroffenen Forstbetriebe sie (aus unterschiedlichen Gründen) ablehnten. Hierzu zählen auch (nicht nur in Deutschland) staatliche oder kommunale Forstverwaltungen.

Forstbetriebe und -verwaltungen in unterschiedlichen Ländern und Regionen entwickelten selber Zertifizierungssysteme, die mit dem FSC konkurrierten (und in der Regel bis heute konkurrieren). Zu betrachten sind zwei Märkte: Zertifizierungsinstitutionen konkurrieren um Zertifizierungskunden (z. B. Forstbetriebe); das Zertifikat konkurriert mit anderen Zertifikaten, Gütesiegeln o. ä. um Ansehen und Anerkennung bei Entscheidern, also bei Kunden, die (un)zertifizierte Produkte kaufen. In Europa entstand so das Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC).[2]

Heute zählt der FSC international mehr als 500 Mitglieder. Weltweit nach den Prinzipien und Kriterien des FSC zertifiziert waren 2010 über 120 Millionen Hektar Wald (100 ha = 1 Quadratkilometer ⇒ 1,335 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht einer Fläche von 1.000 × 1.335 km).[3]

In Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wurde 1997 die Entwicklung eines nationalen Standards eingeleitet; 2001 wurde er mit der Akkreditierung vollendet.[4] Zurzeit wird er überarbeitet. In Deutschland sind heute (Januar 2013) 586 631 ha zertifiziert.[5] Im Mai 2010 waren es noch 755.739 ha[6] (dies entsprach 2010 etwa 7 % der Waldfläche in Deutschland, im Januar 2013 noch knapp 5,3 %).

Organisation[Bearbeiten]

Das FSC ist in einem 3-Kammer-System organisiert: Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Einem Beschluss muss jede Kammer zustimmen. Damit haben auch die Umweltschutzorganisationen sowie soziale Gruppen (wie indigene Völker oder Gewerkschaften) die Möglichkeit direkter Einflussnahme, und ihre Position kann nicht überstimmt werden. Dies gilt in Analogie auch für die Interessen der Wirtschaftsvertreter, zu welchen neben Vertretern der Forstbetriebe auch Vertreter der holzverarbeitenden Industrie zählen.

Es gilt: „Der Verein strebt an, Entscheidungen im Konsens zu treffen.“ (Satzung § 5 (5)). Es wird nach einem 3-Kammerprinzip abgestimmt: jede der drei Kammern hat zehn Stimmen in der Vollversammlung.

Entscheidungen sind gültig, wenn

  • auf sie mindestens 20 Stimmen (66,6 %) entfallen,
  • wenigstens 25 % der Mitglieder anwesend sind,
  • alle Kammern vertreten sind,
  • keine Kammer geschlossen dagegen stimmt.

Ziele[Bearbeiten]

Die Hauptzielsetzung des FSC ist die Gewährleistung einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Dies soll durch die Schaffung weltweit einheitlicher Standards zur Bewirtschaftung von Wald gewährleistet werden.

Zu nicht-nachhaltigen Wirtschaftsformen zählen per Definition unter anderem Exploitationsformen, die eine irreversible Zerstörung oder mittel- bis langfristige Störung des Waldes mitsamt seiner zahlreichen vielfältigen Funktionen nach sich ziehen.

FSC versucht, einen wesentlichen Anteil aller Wälder der Welt unter nachhaltige Bewirtschaftung zu stellen. Dabei soll es sich voraussichtlich um mindestens 30 % aller bewirtschafteten Wälder handeln. Des Weiteren soll das System zur Vermeidung von umstrittenen Holzquellen (Controlled Wood Standards) auf den Märkten und für Einkaufsrichtlinien von beispielsweise Einzelhändlern oder Regierungen etabliert werden.

FSC als Prozess[Bearbeiten]

Als zivilgesellschaftlicher Prozess besteht der erste Schritt zur Durchführbarkeit von Zertifizierungen in einem bestimmten Land in der Gründung einer nationalen Arbeitsgruppe. Diese wird von einer Privatperson eingeleitet, die von der internationalen Organisation des FSC als solche akzeptiert wurde und mit ihr in Kontakt steht. Diese Privatperson organisiert in der Folge die nationale Arbeitsgruppe nach den internationalen Richtlinien. Vor allem muss ein 3-Kammer-System in Analogie zum FSC-International geschaffen werden.

Die Kernaufgabe der nationalen Arbeitsgruppe besteht in der Entwicklung eines nationalen Standards zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft. Wenn sich die nationale Arbeitsgruppe entsprechend der Organisation im 3-Kammer-System auf einen solchen Vorabstandard geeinigt hat, wird der Entwurf FSC International zur Prüfung vorgelegt. Sollte der Entwurf gebilligt werden, kann eine Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft gemäß diesem nationalen Standard in einem Land durchgeführt werden. Alle 5 Jahre wird ein nationaler Standard evaluiert und, wenn nötig, revidiert.

Ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung von FSC auf nationaler Ebene ist der Demokratisierungsprozess, der damit einhergeht. In einigen waldreichen Ländern sind kaum demokratische zivilgesellschaftliche Strukturen (Gewerkschaften, Landeigentümervereinigungen, Umweltverbände...) vorhanden. Forstbetriebe, die eine Zertifizierung anstreben, müssen die Organisation von Arbeitnehmerschaft und anderen Beteiligten fördern bzw. zulassen.

Zertifizierung von Forstbetrieben[Bearbeiten]

FSC-zertifiziertes Fichtenholz mit Kennzeichnung (Schwarzwald)

Die Zertifizierung von Forstbetrieben richtet sich nach Standards, die vom FSC entwickelt wurden. Die weltweit gültigen Standards decken zehn Prinzipien ab, welche verschiedene Kriterien beinhalten, die auf nationaler Ebene durch eine Vielzahl von Indikatoren ergänzt werden. Anhand dieser Indikatoren soll die Einhaltung der Kriterien nachvollzogen werden können. Demnach sind die Prinzipien nachhaltiger Forstwirtschaft:[7]

Prinzip 1: Einhaltung der Forstgesetze sowie der FSC-Prinzipien
Prinzip 2: Langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte an Land- und Forstressourcen sollen klar definiert, dokumentiert und rechtlich verankert sein.
Prinzip 3: Wahrung der Rechte indigener Völker
Prinzip 4: Die Waldbewirtschaftung soll das soziale und ökonomische Wohlergehen der im Wald Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung langfristig erhalten oder vergrößern.
Prinzip 5: Ökonomische Effizienz und Produktvielfalt
Prinzip 6: Gewährleistung von Biodiversität, Schutzfunktionen des Waldes und Landschaftsschutz
Prinzip 7: Erstellung und Umsetzung eines Bewirtschaftungsplanes
Prinzip 8: Kontrolle durch angemessene Dokumentation und Bewertung der Nachhaltigkeit
Prinzip 9: Erhaltung von Wäldern mit hohem Schutzwert
Prinzip 10: Plantagen können als Ergänzung zu naturnaheren Bewirtschaftungsformen soziale und ökonomische Vorteile liefern und den Druck auf so genannte „Naturwälder“ mindern.

Im Gegensatz zu den internationalen Standards unterscheiden sich die im Rahmen der zehn Prinzipien und Kriterien entwickelten nationalen Zertifizierungssysteme auf operationaler Ebene. Dies betrifft beispielsweise die Anwendung von Kahlhieben oder von Pestiziden. Die Unterschiede der nationalen Standards zueinander sind auf die Zuweisung von Indikatoren durch die jeweilige nationalen FSC-Arbeitsgruppen zurückzuführen, die es ermöglichen sollen, die Standards den jeweiligen regionalen Gegebenheiten anzupassen. Bevor ein nationaler Standard zur Vergabe von Zertifikaten legal angewandt werden kann, ist die Akkreditierung durch FSC International erforderlich.

Produktkettenzertifizierung[Bearbeiten]

Endprodukt aus FSC-zertifiziertem Holz im Handel

Durch eine Produktkettenzertifizierung des FSC wird der Holzfluss durch die Verarbeitung und den Handel zwischen Wald und Endkunden kontrolliert. Holzprodukte werden mit dem FSC-Logo gekennzeichnet und für den Verbraucher kenntlich gemacht. Hierbei sind zwei Regeln zu unterscheiden:

  • Produkte aus 100 % FSC-Holz tragen lediglich das FSC-Zeichen, einen Erklärungssatz sowie die Zertifizierungsnummer des Herstellerbetriebes,
  • Produkte aus weniger als 100 % FSC-Holz können das FSC-Zeichen, eine Erklärungssatz und die Herstellernummer tragen, wenn in Prozent der Inhalt an FSC-Holz angegeben ist.

Einzigartig im Vergleich zu allen anderen Zertifizierungsschemata ist beim FSC der Ansatz, im Falle einer Produktkettenzertifizierung mit einem Anteil nicht FSC-zertifizierten Holzes im Endprodukt auch für den nicht-FSC-Anteil Mindestanforderungen zu stellen. Diese sind im Controlled Wood Standard formuliert. Der nicht-zertifizierte Anteil darf demnach nicht aus illegalem Einschlag, aus Gebieten mit Menschrechtsverletzungen oder sozialen Konflikten, aus gentechnisch veränderten Bäumen oder aus schützenswerten Wäldern stammen.

Die Regelung der Prozentkennzeichnung wurde eingeführt, um der vielschichtigen Produktion von Holzprodukten Rechnung zu tragen und auch den Absatz von FSC-Holz aus Gebieten mit vielen kleineren Forstbetrieben zu ermöglichen. Da jedoch auch bei diesem Verfahren die Umsetzung der chain of custody (Produktkette)-Zertifizierung bei großindustrieller Produktion Probleme bereitet, wird nun das Input-Output-Verfahren angewandt, welches bis 2009 die bisherige Regelung der Kennzeichnung von Endprodukten mit einem Anteil von weniger als 100 % FSC ablöste.

Das Input-Output-Verfahren funktioniert nach dem Prinzip des Strommarktes. Das bedeutet, dass die Menge FSC-Holzes registriert wird, welches z. B. ein Zellstoffwerk einkauft. Solch ein FSC-zertifizierten Betrieb kann Endprodukte dann in analoger Menge zu einem beliebigen Zeitpunkt labeln.

Akkreditierung von Zertifizierern[Bearbeiten]

Die Zertifizierung (Audits) wird ausschließlich von Organisationen durchgeführt, die dafür von der Accreditation Services International GmbH[8] akkreditiert wurden. Hierzu müssen hohe Anforderungen durch die Antragsteller erfüllt werden. Die Kosten dazu liegen etwa im fünfstelligen Bereich. Weltweit sind heute ca. 32 Unternehmen akkreditiert, davon befinden sich allein 11 Unternehmen in Deutschland:[9]

  • BM TRADA Certification Ltd
  • Bureau Veritas Certification Germany GmbH
  • Control Union Certifications
  • Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen GmbH (DQS)
  • GFA Consulting Group GmbH (GFA)
  • Institut für Marktökologie (IMO)
  • LGA InterCert GmbH (IC)
  • RAINFOREST ALLIANCE Smartwood Program (SW)
  • SCIENTIFIC CERTIFICATION SYSTEMS Forest Conservation Program (SCS)
  • SGS FORESTRY Qualifor Programme (SGS)
  • TÜV NORD CERT GmbH (TUEV)

Bei der Akkreditierung wird unterschieden zwischen

  • Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft und
  • Produktkettenzertifizierung.

Kosten[Bearbeiten]

Die Kosten für Audits (Kontrollen durch die Zertifizierer, ob die geforderten Standards durch die überprüften Forstbetriebe eingehalten werden) liegen zwischen 0,30€ und 1,50€ pro Hektar. Wesentlich aufwändiger für die Betriebe ist die Erstellung aller nötigen Nachweise zur Erfüllung der Standards. Die Kosten sind in erster Linie vom bestehenden Niveau der Nachhaltigkeit des jeweiligen Betriebes abhängig. In vielen tropischen Ländern existieren beispielsweise keine Wirtschaftspläne zur Nutzung von Wäldern und es müssen sehr aufwändige Erstinventuren großer Waldgebiete zur Erstellung eines Managementplanes durchgeführt werden. Daher ist die Zertifizierung dort erheblich teurer als in Mitteleuropa, wo diese Daten in der Regel bereits vorliegen. Durch die Produktkettenzertifizierung ist ein eigenes Zertifikat für jedes Unternehmen nötig, welches mit der zertifizierten Ware in Kontakt kommt. Die Kosten für Produktkettenzertifizierung bei Unternehmen liegen im vierstelligen Bereich.[10]

Kritik[Bearbeiten]

Kritik durch Vertreter der europäischen Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Einige Vertreter der Forstwirtschaft kritisieren die Struktur der Organisation. Aufgrund der hohen Heterogenität innerhalb der Wirtschaftskammer sowie der Stimmgewichtung könnten die in der Wirtschaftskammer vertretenen Waldeigentümer überstimmt werden. In der Wirtschaftskammer sind auch die (ggf. auf FSC spezialisierten) Zertifizierer mit vierfacher Gewichtung gegenüber dem privaten Waldbesitz vertreten.

Besonders in Ländern mit einem hohen Anteil von Privatwaldbesitz (in Deutschland nimmt dieser 46 % der Waldfläche ein) befürchten kleine und mittlere Forstbetriebe deshalb eine Bevormundung durch außerbetriebliche Interessen[11] und sehen sich in ihren Eigentumsrechten zu stark beschränkt. Der private Waldbesitz umfasst in Deutschland das Eigentum vom urbanen Wald über den Bauernwald bis hin zum Großprivatwald oder dem von den Nachfolgegesellschaften der Treuhandanstalt verwalteten Wald, mit zum Teil völlig gegenläufigen Interessen und wirtschaftlichen Zwängen und - nicht zuletzt - sehr differenzierter Effektivität der Interessenvertretung. (Den Privatwald gibt es daher nicht). Das (hinsichtlich der Interessen und der Effektivität der Vertretung letzterer) sehr heterogene Eigentum von 46 % der Waldfläche Deutschlands erhält 1/52 des Stimmrechts in einer von drei Kammern. Der gesamte Waldbesitz Deutschlands erhält 12/52 Stimmen in einer von drei Kammern.

Ein weiterer Vorwurf an die Konzeption des FSC sind die betrieblichen Aufwendungen,[12] insbesondere hinsichtlich der Dokumentation. Das Zertifizierungsschema des FSC wird auch als bürokratisch wahrgenommen. Die Notwendigkeit des Nachweises der Erfüllung der Kriterien vor Vergabe des Rechtes zur Etikettierung von Holz durch die Forstbetriebe wird in Mitteleuropa und auch in Deutschland in Frage gestellt (insbesondere deutsche Waldbesitzer nehmen für sich in Anspruch, den Begriff der Nachhaltigkeit maßgeblich mitentwickelt zu haben und oft beispielhaft zu praktizieren).

Kritik durch Umweltverbände und andere NGOs[Bearbeiten]

Vorwürfen, wie von der britischen Umweltorganisation Rainforest Foundation,[13] nach denen das Recht zur Kennzeichnung von Produkten mit dem FSC-Label auch an Unternehmen vergeben wurde, die in Einzelfällen in schwere Menschenrechtsverletzungen verstrickt waren, entgegnete das FSC, dass zum Zeitpunkt der Menschenrechtsverletzung die entsprechenden FSC-Zertifikate bereits entzogen oder beendet waren.

Auch stand das Zertifizierungssystem in der Kritik, Plantagen zu zertifizieren, die auf vor 1993 gerodeten Urwaldflächen angelegt wurden. Diese können per se das FSC-Zertifikat nicht erhalten. Diverse Umweltverbände kritisieren, das Siegel werde (zu) leichtfertig vergeben.[14]

Der FSC-Watch ist, laut eigener Bezeichnung, ein unabhängiger Beobachter von FSC und hat sich auf seiner Webseite der Aufklärung über die Vorgehensweise von FSC gewidmet.[15] Die Seite wurde von einer Gruppe von FSC Unterstützern und Mitgliedern gegründet, die sich um die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit von FSC sorgen. Es geht Ihnen darum Transparenz zu wahren und dadurch die Vorgänge innerhalb des FSC zu beleuchten. Auf der Webseite werden die aktuellen Projekte und Zertifizierungen des FSC veröffentlicht und kommentiert.

Die Swedish Society for Nature Conservation (SSNC) ist 2008 wegen der schlechten Wirksamkeit des FSC in Schweden aus dem FSC International ausgetreten ist aber Mitglied des schwedischen FSC geblieben.[16]

Robin Wood hat den FSC ebenfalls wegen der Kahlschlagpraktiken von FSC-zertifizierten Forstbetrieben in Schweden kritisiert.[17] Vor allem wegen der Zertifizierung von Eukalyptus-Monokulturen in Südamerika und Südafrika und damit verbundenen sozialen und ökologischen Problemen ist Robin Wood dann 2009 aus dem FSC International ausgetreten, bleibt aber künftig aktiv in der nationalen FSC-Arbeitsgruppe Deutschland. Robin Wood erkennt an, dass der FSC auch dazu beiträgt, die Waldbewirtschaftung zu verbessern.[18]

Das Forests and the European Union Resource Network (FERN) hat 2011 seine Mitgliedschaft im FSC wegen dessen fortgesetzter Unterstützung und Zertifizierung von Forstprojekten zur Kompensation von Treibhausgasemissionen beendet.[19]

Wegen der großen Zahl umstrittener Zertifizierungen empfiehlt Friends of the Earth (FoE) (UK) nicht mehr den FSC-Standard.[20] Andere nationale Mitglieder von FoE unterstützen weiter den FSC.

Allerdings betonen auch kritische Organisationen, dass von den verfügbaren forstwirtschaftlichen Standards FSC noch der stärkste sei bzw. sie mit ihrer Kritik nicht konkurrierende Standards unterstützen wollen.[20][19][18]

Karelien[Bearbeiten]

Im November 2011 berichtete die Magazinsendung Plusminus, dass in der russischen Republik Karelien im Auftrag der IKEA-Tochterfirma Swedwood schützenswerte Wälder (High Conservation Value Forests, HCVF) kahlgeschlagen werden, obwohl Swedwood vom Forest Stewardship Council zertifiziert ist. Mindestens 65 Prozent der schützenswerten Wälder dort würden den Fällmaschinen zum Opfer fallen.[21] Der FSC stritt in einer schriftlichen Stellungnahme nicht ab, dass in schützenswerten Wäldern großflächig geschlagen wird, sondern verweist auf einen besseren Naturschutz durch Swedwood im Vergleich zu anderen Firmen in Karelien.[22][23]

Im Jahr 2012 wird mit dem Protest verschiedener Organisationen der industrielle Kahlschlag in den borealen Urwäldern Kareliens, der vom FSC zertifiziert ist, stark kritisiert.[24] Als Rettet den Regenwald dazu am 30. Juni 2012 eine Protestaktion „Wohnst du noch oder zerstörst du schon?“[25] gegen den Möbelkonzern Ikea startete, antwortete der Geschäftsführer des FSC in einem offenen Brief: „Ihre Aussage, der FSC sei ein Ökolabel, ist falsch und entbehrt jeder Grundlage.“[26][27] Im Februar 2014 wurde Ikea das Gütesiegel von FSC entzogen.[28]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte des FSC auf www.fsc.org
  2.  Lars H. Gulbrandsen: Creating markets for eco-labelling: are consumers insignificant?. In: International Journal of Consumer Studies. 30, Nr. 5, September 2006, S. 480, doi:10.1111/j.1470-6431.2006.00534.x., Abschnitt The emergence of fishery and forestry eco-labelling schemes
  3.  Forest Stewardship Council (Hrsg.): About FSC Fact Sheet - Forest STewardship Council. Februar 2010 (PDF, abgerufen am 10. März 2011).
  4. Infocenter FSC-AG Deutschland fsc-deutschland.de
  5. [1]
  6. fsc.org (PDF)
  7. Prinzipien nach FSC-AG Deutschland
  8. [2]
  9. [3]
  10. FAQs zur Produktkette - Welche Kosten fallen für eine Zertifizierung an? FSC Deutschland, abgerufen am 25. November 2012.
  11. Gegeneinander bei der Zertifizierung überwiegt. Fremdbestimmung bzw. Partizipation schält sich immer klarer als der zentrale Streitpunkt heraus. Holz-Zentralblatt. ISSN 0018-3792 (1999), S. 511
  12. FSC-Zertifizierung aus der Sicht des privaten Waldeigentümers. AFZ. Der Wald. ISSN 1430-2713 (2000), S. 292-294
  13. Rainforest Foundation
  14.  Zweifel am Ökoholz. In: Der Spiegel. Nr. 46, 2006, S. 167 (online).
  15. http://www.fsc-watch.org/
  16. http://www.naturskyddsforeningen.se/in-english/Forest/Forest-certification-not-good-enough/
  17. ROBIN WOOD demands an immediate stop to the destruction of Swedish natural forests. Robin Wood, 18. Mai 2011, abgerufen am 18. August 2012.
  18. a b ROBIN WOOD verlässt den FSC-International - Mitgliedschaft bei der FSC-Arbeitsgruppe Deutschland bleibt bestehen. Robin Wood, 16. März 2009, abgerufen am 18. August 2012.
  19. a b  FERN (Hrsg.): FERN statement to the Forest Stewardship Council - Why FERN is withdrawing its FSC membership. 2. Juni 2011 (HTML).
  20. a b Friends of the Earth EWNI: "FSC not recommended". FSC-Watch, 14. März 2012, abgerufen am 18. August 2012.
  21. IKEA supplier Swedwood in Karelia: TV documentary exposes impacts of FSC certified clear-cuts in HCV forests. Meldung vom 10. November 2011 auf www.fsc-watch.org, abgerufen am 15. November 2012.
  22. Sasha Hughes: FSC & Forest Management in Russia. FSC International, 1. Juni 2012, abgerufen am 15. November 2012 (PDF; 18 kB, englisch).
  23. Stellungnahme des FSC® International zu Fernsehbeitrag in „Plusminus“ über IKEA und FSC-Forstwirtschaft in Karelien. FSC Deutschland, 4. November 2011, abgerufen am 15. November 2012 (PDF; 130 kB, deutsch).
  24.  IKEA under fire for ancient tree logging -Wholly owned subsidiary Swedwood accused of clear-cutting ancient Russian forests for use in furniture. In: The Guardian. 29. Mai 2012 (HTML).
  25. Ikea: Wohnst du noch oder zerstörst du schon? Rettet den Regenwald e.V., 30. Juni 2012, abgerufen am 18. August 2012.
  26. Uwe Sayer: Offener Brief des FSC zu Kampagne von RdR vom 30.06.2012. FSC Deutschland, 2. Juli 2012, abgerufen am 15. November 2012 (PDF; 79 kB).
  27. Pressemitteilung: FSC ist kein „Ökolabel“. Rettet den Regenwald e.V., 15. Juli 2012, abgerufen am 18. August 2012.
  28. Von Nachhaltigkeit keine Spur. SWR Fernsehen, 25. Februar 2014, abgerufen am 24. März 2014.