Forschungsbibliothek
Eine Forschungsbibliothek ist eine Bibliothek, die nicht nur einer einzelnen Institution (z. B. einem Forschungsinstitut oder einer Universität), sondern der allgemeinen Forschung auf diesem Gebiet dient.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Institutionsübergreifende Forschungsbibliotheken gibt es vor allem in den historisch arbeitenden Geisteswissenschaften, die auf umfangreiche Altbestände und die entsprechende Sekundärliteratur angewiesen sind. Die Bestände werden in der Regel detaillierter erschlossen als in anderen wissenschaftlichen Bibliotheken. An einer Forschungsbibliothek sind Forschungsprogramme (auch für Nachwuchswissenschaftler), Publikationsreihen und wissenschaftliche Projekte wie Editionen und Bibliographien angesiedelt. Zahlreiche Forschungsbibliotheken führen regelmäßig Ausstellungen und öffentliche Veranstaltungen durch.
Im weiteren Sinne lassen sich alle wissenschaftlichen Bibliotheken, sowie Nationalbibliotheken und ein Teil der Parlamentsbibliotheken als Forschungsbibliotheken bezeichnen, da sie für die Forschung benötigte Literatur sammeln, erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
In Deutschland nehmen die Zentralen Fachbibliotheken im Bereich der angewandten Wissenschaften eine wichtige Rolle ein, während für die eher historisch arbeitenden Geisteswissenschaften vor allem die Bibliotheken der Sammlung Deutscher Drucke von Bedeutung sind.
Forschungsbibliotheken in den Zeiten des Internets
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ergänzend zu dem traditionellen Offlineangebot, dass seine Wurzeln in den Bibliotheken in der Antike hat, existeriert heute eine Reihe von Digitalen Bibliotheken, mit und ohne Zugangsbeschränkungen, die in unterschiedlichen Sprachen angeboten werden. Beispiele für gemeinfreie Online-Bibliotheken sind JSTOR sowie das Project Gutenberg.
Insgesamt zeichnet sich auch im wissenschaftlichen Bereich ein Trend zu vernetzten Bibliotheken ab, wie unter anderem das stark anwachsende Angebot, was über Projekte wie OCLC erreichbar ist, belegt.[1]
Einige Beispiele
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Zu den weltweit bedeutendsten Forschungsbibliotheken zählen folgende:
- British Library, London
- Bibliothèque nationale de France, Paris
- Library of Congress, Washington, D.C.
- Library and Archives Canada, Ottawa
- Russische Staatsbibliothek, Moskau
- Chinesische Nationalbibliothek, Peking
- Nationale Parlamentsbibliothek, Tokyo und Kyoto
Einige Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum:
- Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig
- Österreichische Nationalbibliothek, Wien
- Schweizerische Nationalbibliothek, Bern
- Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Göttingen
- Bayerische Staatsbibliothek, München
- Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel
- Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar
- Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, Berlin
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Knoche: Die Forschungsbibliothek: Umrisse eines in Deutschland neuen Bibliothekstyps. In: Bibliothek: Forschung und Praxis 17, 1993, 291–300. ISSN 0341-4183
- Haike Meinhardt: Brauchen wir die Renaissance der Forschungsbibliothek? Ein Beitrag zu einer bibliothekstypologischen Diskussion. In: BuB Forum Bibliothek und Information 61, 2009, 816–820.
- Georg Ruppelt: Von der geschlossenen Anstalt zur Forschungsbibliothek. Die Metamorphose der Herzog August Bibliothek im 20. Jahrhundert. Paul Raabe zum 85. Geburtstag am 21. Februar 2012. In: Bibliotheksdienst 46, 2012, S. 192.
- Jürgen Weber: Forschungsbibliotheken im Kontext. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 44, 1997, 127–146.
- Matthias Wehry: Die zwei Körper der Forschungsbibliothek. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 60, 2013, 70–77
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Serving research libraries OCLC, abgerufen am 18. November 2025