Feuilletonroman

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Unter einem Feuilletonroman (auch: Zeitungsroman, Fortsetzungsroman, Fortsetzungsgeschichte) versteht man einen Roman, dessen einzelne Kapitel in einer Publikumszeitschrift veröffentlicht werden. Auf die serielle Veröffentlichung folgt später oft auch eine Buchveröffentlichung. Im 19. Jahrhundert war der Feuilletonroman in einigen Teilen Europas die vorherrschende Form der Erstpublikation von Romanen. Große Popularität haben damit u. a. Eugène Sue und Alexandre Dumas der Ältere erlangt. Obwohl die serielle Publikation Texte mit kurzen Spannungsbögen und Cliffhangern ‒ also tendenziell Unterhaltungs- und Trivialliteratur ‒ begünstigt, haben auch einige Meisterwerke der Weltliteratur als Feuilletonromane begonnen, darunter etwa die Arbeiten von Gustave Flaubert, Lew Tolstoi und Fjodor Dostojewski.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Publikation eines größeren erzählerischen Textkorpus nicht Kapitel für Kapitel, sondern Band für Band, und nicht in einer Zeitschrift, sondern in selbstständigen Büchern oder E-Books erfolgt, spricht man nicht von einem Feuilleton- oder Fortsetzungsroman, sondern von einer Romantrilogie, -tetralogie usw. oder einem Romanzyklus.

Geschichte des Feuilletonromans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der erfolgreichste jemals veröffentlichte Feuilletonroman gilt Die Geheimnisse von Paris, den Eugène Sue vom 19. Juni 1842 bis zum 15. Oktober 1843 in 90 Fortsetzungen im Journal des débats veröffentlichte. In derselben Zeitschrift erschien später auch Alexandre Dumas’ Roman Der Graf von Monte Christo (1844‒1846). Zuvor hatte er bereits Die drei Musketiere als Feuilletonroman veröffentlicht (1844, in der Tageszeitung Le Siècle). Auch George Sand und Honoré de Balzac haben wiederholt Feuilletonromane geschrieben.

Im 20. Jahrhundert veröffentlichte Maurice Leblanc Abenteuer des Meisterdiebes Arsène Lupin als Fortsetzungsromane (1905 ff. in der Zeitschrift Je sais tout).

Deutschsprachiger Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Fortsetzungsgeschichte geht auf den Hamburger Herausgeber und ersten Zeitungsredakteur der Pressegeschichte Georg Greflinger (1618–1680) zurück.

Georg Weerth hatte mit seinem satirischen Werk Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski bei der Neuen Rheinischen Zeitung großen Erfolg. Der Roman erschien während der Märzrevolution im Zeitraum vom 8. August 1848 bis zum 21. Januar 1849.[1] 1850 veröffentlichte die Kölnische Zeitung die Romane Namenlose Geschichten von Friedrich Wilhelm Hackländer und Der Bauernfürst von Levin Schücking.[2]

Franz Eugen Schlachter brachte in seiner evangelischen Zeitschrift Brosamen von des Herrn Tisch in den Jahren von 1888 bis 1907 regelmäßig Fortsetzungsgeschichten, die er dann später als Bücher herausgab, wie z. B. Resli, der Güterbub.

Andreas Eschbach schreibt im „Making of“ seines Fortsetzungsromans „Exponentialdrift“: Völlig falsch eingeschätzt haben alle Beteiligten, glaube ich, das Bedürfnis nach der Form des Fortsetzungsromans. Es stimmt, seit Charles Dickens hat das niemand mehr gemacht – aber vermutlich aus gutem Grund. Ich schließe dies aus der Resonanz, die ich bekommen habe. Fast jeder, der mir zu „Exponentialdrift“ schrieb, beklagte sich darüber, nur ein so kurzes Stück Text zu lesen zu kriegen und dann wieder eine Woche warten zu müssen. Viele äußerten, dass sie das als Zumutung empfanden. [..] Es mag sein oder auch nicht, dass immer weniger gelesen wird, aber ich glaube, wenn jemand liest, tut er dies schneller und mit höheren Ansprüchen als früher. Vor diesem Hintergrund waren die Folgen entschieden zu kurz, sowohl was das Leseerlebnis als auch die gestalterischen Möglichkeiten anbelangte. Ich glaube, dass der klassische Fortsetzungsroman – einige wenige Spalten in einer Zeitung – eine überholte Form ist.

Gegenwärtig (Stand 2014) ist der Fortsetzungsroman so gut wie ausgestorben.

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fjodor Dostojewski hat den größten Teil seines Werks, noch vor der Publikation in Buchform, in Zeitschriften veröffentlicht. Außer Der Spieler (1866) erschienen all seine Romane zunächst als Feuilletonromane: Arme Leute (1846) in der Zeitschrift Peterburgski Sbornik, Njetotschka Neswanowa (1849) und Der Jüngling (1875) in Otetschestwennye Sapiski, Erniedrigte und Beleidigte (1861) in Wremja, Schuld und Sühne (1866), Der Idiot (1868), Die Dämonen (1871) und Die Brüder Karamasow (1879‒1880)[3] in Russki Westnik. Dostojewski schrieb meist unter mehr oder weniger großem Termindruck, d. h. während die ersten Kapitel bereits gedruckt wurden, hatte er spätere Kapitel zwar schon konzipiert, aber noch nicht geschrieben.

Gontscharow hat seinen Roman Oblomow (1859) in Otechestvennye Sapiski seriell publiziert. In Russki Westnik erschienen auch Turgenews Roman Väter und Söhne (1862) sowie Tolstois Krieg und Frieden (1865‒1869) und Anna Karenina (1875‒1877).

Berühmte Fortsetzungsgeschichten/-romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bohrmann: Fortsetzungsroman. In: Severin Corsten u. a. (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. Band 2: Buck – Foster. 2. Auflage. Anton Hiersemann, Stuttgart 1995, ISBN 3-7772-8911-6, S. 637–638.
  • Walburga Hülk: Als die Helden Opfer wurden. Grundlagen und Funktion gesellschaftlicher Ordnungsmodelle in den Feuilletonromanen „Les Mystères de Paris“ und „Le Juif errant“ von Eugène Sue. Winter, Heidelberg 1985, ISBN 3-533-03686-3.
  • E. Meunier und H. Jessen: Das deutsche Feuilleton
  • W. Haacke: Handbuch des Feuilletons

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fortsetzungsroman – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florian Vaßen: Georg Weerth. Ein politischer Dichter des Vormärz und der Revolution von 1848/49. Metzler, Stuttgart 1971, ISBN 3-476-00185-7, S. 96.
  2. Florian Vaßen: Georg Weerth. Ein politischer Dichter des Vormärz und der Revolution von 1848/49. Metzler, Stuttgart 1971, S. 172.
  3. William Mills Todd III: Dostoevsky and Tolstoy: The Professionalization of Literature and Serialized Ficiton. In: Dostoevsky Studies – The Journal of the International Dostoevsky Society. New Series Vol. XV, 2011, ISSN 1013-2309, S. 29 - 36.