Fränkischer Jakobsweg

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Fränkischer Jakobsweg
Tillyschanz Jakobsweg-Infotafel
Tillyschanz Jakobsweg-Infotafel
Daten
Länge 264 kmdep1
Lage Bayern
Markierungszeichen
Kennzeichnung des Fränkischen Jakobsweges
Startpunkt Tillyschanz
49° 35′ 3,4″ N, 12° 34′ 35,5″ O
Zielpunkt Rothenburg ob der Tauber
49° 22′ 37,7″ N, 10° 10′ 44,7″ O
Typ Fernwanderweg
Schwierigkeitsgrad leicht
Jahreszeit Frühling bis Herbst

Der Fränkische Jakobsweg ist ein Abschnitt des Jakobsweges in Bayern. Er wurde im Jahr 1995 eingeweiht und führt – auf der tschechischen Seite als "I 24" markiert[1] – von Prag[2] kommend bei Tillyschanz über die deutsch-tschechische Grenze zunächst durch die Oberpfalz und dann durch Franken über Nürnberg[3] nach Rothenburg ob der Tauber.[4] Dort wird er durch den Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg fortgesetzt.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer Paul Geißendörfer aus Heilsbronn beschrieb 1992 den fast vergessenen mittelalterlichen Jakobsweg zwischen Nürnberg und Rothenburg ob der Tauber. Der Fränkische Albverein griff die Anregung auf und markierte in Zusammenarbeit mit dem Oberpfälzer Waldverein die Strecke von Tillyschanz bis Rothenburg ob der Tauber. Es erschienen die beiden unter Literatur genannten Wanderführer.[6] Die am Weg liegenden Pfarrgemeinden bemühten sich preiswerte Unterkünfte für die Pilger zu schaffen.[7] Seitdem erfreut sich das Pilgern auf diesem sehr einsamen Abschnitt des Jakobsweges zunehmender Beliebtheit.

1. Teil: Tillyschanz bis Nürnberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jakobsweg ist recht ordentlich markiert mit einer weißen Muschel auf hellblauem Grund. Dieser Abschnitt wird vom Fränkischen Albverein betreut und der genaue Verlauf [8] ist in OpenStreetMap vollständig erfasst. Er verläuft vorwiegend auf Wald-, Wiesen- und Feldwegen. Nur selten muss ein kurzes Stück Straße oder asphaltierter Weg begangen werden. Trotzdem ist es ratsam Wanderkarten, einen Kompass und Wanderführer sowie Verpflegung mitzunehmen, da der Weg teilweise durch ausgedehnte einsame Waldgebiete und sehr kleine Ortschaften ohne Lebensmittelgeschäfte führt.[9]

Eslarn Jakobsweg

Abschnitt Tillyschanz–Teunz, 23,5 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jakobsweg beginnt am Grenzübergang Tillyschanz mitten im Oberpfälzer Wald im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Gut markiert führt er Richtung Westen nach Eslarn. Am südwestlichen Ortsausgang von Eslarn, beim Eslarner Waldbad Atzmannsee, wendet sich der Weg nach Süden und führt nördlich am Stangenberg-Gipfel vorbei, aus dem dichten Wald hinaus wieder nach Westen auf eine freie Fläche mit den Weilern Lohhof und Gaisheim. Dann wieder nach Südwesten durch ein ausgedehntes Waldgebiet nach Wildstein, wo er in den Landkreis Schwandorf wechselt. Von Wildstein geht es nach Süden über Kühried und Burkhardsberg zur ersten Jakobskirche, einer barocken Flurkapelle aus dem 18. Jahrhundert, am Hang der 596 m hohen Platte östlich von Fuchsberg. Weiter durch Fuchsberg, am kleinen Fuchsberger Badeweiher vorbei nach Teunz.[10][11]

Abschnitt Teunz–Schwandorf, 40 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders am Anfang dieses Abschnittes ist der Weg oft schwer zu finden. Er verliert sich häufig im Wald oder in den Wiesen und ist völlig zugewachsen. Die Orientierung mittels Handy oder GPS ist oft wegen fehlendem Netzempfang und schlechtem GPS-Empfang schwierig. Ein normaler mechanischer Kompass ist dort zur Orientierung sehr nützlich.[12] [13] Südwestlich von Teunz wird die Ostmarkstraße (B 22) überquert. Generell in südwestlicher Richtung geht es über Voggendorf, Rottendorf, Enzelsberg, Oberkatzbach, Guteneck, Schirmdorf zur romanischen Jakobskirche in Willhof. In Willhof wendet sich der Weg nach Süden und verläuft über Unterkonhof, Mitterauerbach nach Wundsheim. Ab Wundsheim weiter nach Westen über Glöcklhof nach Hohenirlach. Zwischen Hohenirlach, Holzhaus und Schwandorf windet sich der Weg Richtung Südwesten zwischen zahlreichen flachen Weihern des Oberpfälzer Seenlands hindurch, die durch Braunkohle- und Kiesabbau Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden und nun ein Naturschutzgebiet bilden, das zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Zuflucht bietet.[14]

Jakobsweg von Ensdorf nach Hohenburg © OpenStreetMap contributors, www.openstreetmap.org/copyright

Abschnitt Schwandorf–Hohenburg, 31 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schwandorf befindet sich am Marktplatz eine im 15. Jahrhundert erbaute Jakobskirche. Weiter geht es Richtung Westen an der Naab entlang nach Ettmannsdorf, Naabsiegenhofen, Neukirchen, Scheckenberg nach Siegenthan, wo der Weg den Landkreis Schwandorf verlässt und in den Landkreis Amberg-Sulzbach wechselt. Über Dornberg geht es nach Ensdorf an der Vils, wo sich eine im 18. Jahrhundert errichtete Jakobskirche im Wittelsbacher Kloster Ensdorf befindet. Richtung Südwesten über den Eggenberg mit der Wallfahrtskirche St. Dionys und Nothelfer weiter über Taubenbach, Egelsheim, Stettkirchen nach Hohenburg.[15][16]

Jakobsweg von Hohenburg nach Sindlbach © OpenStreetMap contributors, www.openstreetmap.org/copyright

Abschnitt Hohenburg–Sindlbach, 36 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im 17. Jahrhundert erbaute katholische Pfarrkirche St. Jakob der Ältere liegt im Südwesten von Hohenburg. Der Jakobsweg verläuft jetzt Richtung Nordwesten immer entlang der Lauterach, die auf seiner rechten Seite fließt, über Allersburg, Ransbach, Lauterach nach Kastl mit seinem ehemaligen Benediktinerkloster, wo er den Fluss verlässt. Hier wechselt der Jakobsweg aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach in den Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Richtung Südwesten geht es auf der Höhe nach Nattershofen und dann Richtung Westen über Trautmannshofen, Langenthal nach Sindlbach. [17][18]

Jakobsweg von Sindlbach nach Feucht © OpenStreetMap contributors, www.openstreetmap.org/copyright

Abschnitt Sindlbach–Feucht, 22 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der im 17. Jahrhundert erbauten Jakobskirche von Sindlbach befindet sich im mittleren Deckengemälde eine Darstellung von St. Jakob als Maurentöter. Ab Sindlbach führt der Weg praktisch immer nach Westen über Irleshof nach Gnadenberg, wo der Jakobsweg den Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und die Oberpfalz verlässt und nach Mittelfranken in den Landkreis Nürnberger Land wechselt. Der Wechsel ist deutlich: Es gibt kaum noch Biergärten, überhaupt weniger Gastwirtschaften, die Ortschaften wirken wohlhabender, aber auch bei schönem Wetter sind die Straßen menschenleer, die Menschen und damit die Kirchen sind nicht mehr katholisch, sondern evangelisch. Der Weg führt über Rasch, Prackenfels, Grünsberg, Altenthann, Rummelsberg nach Feucht. Neben den Orten und Kirchen sind das Schloss Grünsberg, die Sophienquelle sowie der Thanngraben nahe Altenthann sehenswert.[19]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakobsweg von Feucht nach Nürnberg © OpenStreetMap contributors, www.openstreetmap.org/copyright

Feucht–Nürnberg, 24 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Feucht beweist die auf einen Bau aus dem 12. Jahrhundert zurückgehende Jakobskirche, dass hier richtig die Route des mittelalterlichen Jakobsweges verläuft. Hinter Feucht verlässt der Weg den Landkreis Nürnberger Land und wechselt in den Landkreis Roth. Im Landkreis Roth durchquert der Jakobsweg die Ortschaften Röthenbach bei Sankt Wolfgang und Wendelstein. Dann führt er durch die nach Nürnberg eingemeindeten Ortschaften Worzeldorf, Pillenreuth, Reichelsdorf, Gerasmühle. Er verlässt das Nürnberger Stadtgebiet und wechselt in den Landkreis Fürth. In Stein endet der erste Teil des Fränkischen Jakobsweges.[20][21]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2. Teil: Nürnberg bis Rothenburg ob der Tauber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abschnitt Nürnberg–Weihenzell, 44 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Nürnberg führt der Jakobsweg mehr oder weniger strikt nach Westen bis Rothenburg ob der Tauber. Von Stein geht es über Oberweihersbuch, Unterbüchlein, Weitersdorf, Roßtal, Buttendorf, Fernabrünst nach Wendsdorf. Hier wechselt der Weg aus dem Landkreis Fürth in den Landkreis Ansbach. Es geht weiter über Bürglein, Heilsbronn, Großhaslach, Reckersdorf, Forst nach Weihenzell.[22][23]

Abschnitt Weihenzell–Rothenburg ob der Tauber, 46 km[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Weihenzell führt der Weg über Wernsbach bei Ansbach, Röshof, Buhlsbach, Lehrberg, Unterheßbach, Häslabronn, Colmberg, Oberhegenau, Binzwangen, Stettberg, Karrachmühle, Wachsenberg nach Rothenburg ob der Tauber.[24][25]

Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fränkische Jakobsweg führt im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz durch die Landkreise Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Neumarkt in der Oberpfalz. Im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken führt er durch die Landkreise Nürnberger Land, Roth, Nürnberg-Stadt, Fürth und Ansbach.[26]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4
  • Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Nürnberg über Heilsbronn nach Rothenburg ob der Tauber. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1995, ISBN 3-927598-18-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český les jih Turistická mapa. VKU akciová spoločnost´, Harmanec 2004
  2. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 7
  3. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 9
  4. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Nürnberg über Heilsbronn nach Rothenburg ob der Tauber. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1995, ISBN 3-927598-18-6, S. 23
  5. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 7
  6. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 6
  7. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 9
  8. Jakobsweg, Abschnitt Ensdorf - Stein (Abgerufen am 1. Februar 2013)
  9. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 7
  10. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Tillyschanz-Teunz
  11. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 10–24
  12. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Teunz-Schwandorf
  13. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 24, 25
  14. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 24–36
  15. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Schwandorf-Hohenburg
  16. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 36–68
  17. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Hohenburg-Sindlbach
  18. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 68–89
  19. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Sindlbach-Feucht
  20. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Feucht-Nürnberg
  21. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Tillyschanz über Schwandorf nach Nürnberg. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1997, ISBN 3-927598-22-4, S. 89–142
  22. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Nürnberg-Weihenzell
  23. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Nürnberg über Heilsbronn nach Rothenburg ob der Tauber. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1995, ISBN 3-927598-18-6, S. 24–71
  24. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Abschnitt Weihenzell-Rothenburg ob der Tauber
  25. Fränkischer Albverein(Hrsg.): Auf dem Jakobsweg von Nürnberg über Heilsbronn nach Rothenburg ob der Tauber. Verlag Seehars, 97215 Uffenheim 1995, ISBN 3-927598-18-6, S. 71–109
  26. Interaktiver Routenplan Jakobsweg Übersichtskarte Tillyschanz-Rothenburg ob der Tauber