Fränkischer Reichskreis

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Fränkischer Reichskreis zu Beginn des 16. Jahrhunderts
Der Fränkische Reichskreis (1789)
Flagge des Fränkischen Reichskreises, die von den Kontingenten des Fränkischen Reichskreises innerhalb der Reichsarmee bei Reichskriegen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation benutzt wurde

Der Fränkische Reichskreis wurde im Jahr 1500 von dem deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. im Zuge der Reichsreform geschaffen, um den Landfrieden besser gewährleisten zu können und die Verwaltung im Heiligen Römischen Reich zu verbessern. Der Fränkische Reichskreis war einer von insgesamt zehn bis zum Jahr 1512 entstandenen Reichskreisen.

Entstehung und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franken zeichnete sich schon im Mittelalter durch eine sehr große Königs- bzw. Reichsnähe aus. Gelegen zwischen den rheinischen Territorien des Reiches und dem Königreich Böhmen, bildete Franken schon seit längerer Zeit eines der Zentren des Reiches.

Am 2. Juli 1500 wurde auf dem Reichstag zu Augsburg das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in sechs Reichskreise eingeteilt. Diese ersten Kreise wurden ursprünglich mit Nummern versehen, wobei der fränkische Reichskreis die Nummer 1 erhielt:

Der erste Kreiß begreift die hernach beschriebene Fürsten, Fürstenthumb, Land und Gebiet, nemlichen den Bischoffen von Bamberg, Wirtzburg, Eystett, den Marggrafen von Brandenburg als Burggrafen zu Nürnberg, auch die Grafen, Frey- und Reichstätt, umb oder bey ihnen gesessen und gelegen.[1]

Später erhielten die Kreise Bezeichnungen, die ihrer geographischen Lage entsprachen, wodurch der Name Fränkischer Reichskreis entstand, der 1522 erstmals auftauchte. Im Spätmittelalter wurde unter Franken das Gebiet zwischen Spessart und Steigerwald, großteils die Besitzungen des Hochstifts Würzburg umfassend, verstanden.

Der Reichskreis erstreckte ich von der Fränkischen Saale bis zur Altmühl und umfasste die größten Teile um den oberen und mittleren Main, heute in etwa gleich den bayerischen Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken, allerdings ohne die kurmainzischen Besitzungen des Oberen Stiftes um Aschaffenburg.

Durch die Verwendung des Namens Franken ergab sich ein Bewusstsein der inneren Einheit, mit einem verstärkten Gefühl der Zusammengehörigkeit und Geschlossenheit, die im politischen bzw. landesherrlichen Bereich jedoch nicht bestand.

Vorgeschichte und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1495 hatte man auf dem Reichstag zu Worms, um die schlechte administrative Lage im Heiligen Römischen Reich zu verbessern, weitreichende Reichsreformen verabschiedet. Zur Finanzierung des dort eingerichteten Reichskammergerichtes wurde u. a. eine allgemeine Steuer, der gemeine Pfennig erlassen. Auf dem späteren Reichstag zu Augsburg im Jahr 1500 konnten die Stände den deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. überzeugen von einer monarchischen auf eine ständische Regierungsform überzugehen und ihm diese abtrotzen, wenn sie auch nur kurzzeitig Bestand hatte (Auflösung des Reichsregimentes 1502). Die Errichtung des Reichsregiments, einer Art ständischer Reichsregierung, an deren Zustimmung die Regierungsmaßnahmen des Kaisers gebunden sein sollten, wurde beschlossen. Wie sich im weiteren historischen Verlauf zeigte, setzte sich diese vom Kaiser kühl aufgenommene Neuerung nicht durch und wurde von ihm keine zwei Jahre später aufgelöst.

Damit neben den sieben Kurfürsten auch die übrigen Reichslande im Reichsregiment von 20 Mitgliedern vertreten waren, wurden sechs Kreise als Wahlbezirke geschaffen, für jeweils einen Vertreter. Nach Auflösung des Reichregimentes 1502 blieben die Kreise jedoch weiterhin bestehen, zumal seit 1507 die Beisitzer (Assessoren) des Reichskammergerichtes nach dieser geographischen Einteilung gewählt wurden. Von den Assessoren wurden je einer von den Kurfürsten an das Gericht entsandt. Der römisch-deutsche König benannte für Burgund und Böhmen je zwei und jeder der in den Jahren 1500 und 1512 gebildeten Reichskreise durfte ebenfalls einen Beisitzer zum Reichskammergericht entsenden. Außerdem wurden die letzten beiden Sitze auf Vorschlag der Reichskreise durch den Reichstag gewählt, sodass die Assessoren des Reichskammergerichts zur Hälfte aus Vertretern der Reichskreise bestanden.

Auf den älteren Landfriedensbezirken aufbauend wurden 1512 noch vier Reichskreise geschaffen, somit bestanden letztlich zehn Reichskreise.[2]

Der fränkische Kreis konstituierte sich im Jahr 1517. Zum ersten Kreistag in Schweinfurt wurden auch die Reichsstädte Dinkelsbühl, (Schwäbisch) Hall, Wimpfen und Heilbronn eingeladen, diese fühlten sich jedoch dem schwäbischen Kreis zugehörig.

Der Kreis war den Mitgliedern entsprechend, wie die Reichsordnung, nach Stand aufgebaut und in vier Bänken gegliedert. An der Konsitutionssitzung nahmen teil:

Die aufgeführten Institutionen waren selbständige politische und landesherrliche Gebilde. Daneben gab es noch die, in sechs Kantonen (Altmühl, Baunach, Gebürg, Odenwald, Rhön-Werra, Steigerwald) zusammengefasste, fränkische Reichsritterschaft. Diese Reichsritterschaft hatte jedoch weder Reichs-, noch Kreisstandschaft erlangt, konnte aber ihre unabhängige Beziehung zum Kaiser behaupten.

Die gemeinsamen Sicherheitsinteressen, insbesondere das Vorgehen gegen das Fehdewesen, und das gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl im fränkischen Gebiet wurden durch diese Reichsreform mit der Bildung des Kreises verstärkt.

Kreistag und zugehörige Territorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fränkischer Reichskreis um 1706 mit Gliederung in zeitgenössische Territorien von Frederik de Wit
Ausschnitt aus einem Verzeichnis der Reichskreise mit Angabe der Reichstürkenhilfe aus dem Fränkischen Reichskreis (1532)

Im Folgenden werden die kreisangehörigen Territorien ausgehend vom Stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufgelistet. Der Kreis war den Mitgliedern entsprechend, wie die Reichsordnung, nach Stand aufgebaut und in vier Bänken gegliedert. Noch vor dem Ende des Reiches abgegangene Reichsstände sind kursiv gedruckt, neu hinzugekommene gesondert aufgeführt. Die meisten Mitglieder zählten auch zu den Reichsständen.

Bank der geistlichen Fürsten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bank der weltlichen Fürsten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1792 dazu:

Von den gefürsteten Grafschaften war (neben Henneberg) nur Schwarzenberg auch im Reichsfürstenrat.

Bank der Grafen und Herren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1792 dazu:

Bank der Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geistlichen Bank stand das nur dem Papst unterstehende Hochstift Bamberg vor. Der Fürstbischof von Bamberg übte ebenfalls das Direktorium des Kreises aus und verwaltete Kreiskanzlei und das Archiv des Kreises.

Die in Franken besonders zahlreichen Reichsritter mit ihren Kleinstterritorien standen außerhalb der Kreisorganisation und bildeten den Fränkischen Ritterkreis.

Kreisobristen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kreisobrist

Im Fränkischen Reichskreis wurde das Amt des Kreisobristen erstmals im Jahr 1550 eingerichtet und bestand ab 1555 dauerhaft. Der Kreisobrist wurde von fünf Kriegsräten überwacht, von denen zwei die geistlichen Stände und je einen die weltlichen Fürsten, Grafen und die Reichsstädte stellten. Der Befehlshaber und die Offiziere der Kreistruppen wurden, anders als die Kontingente der Kreisstände, aus der Kasse des Kreises besoldet. Der Kreisobrist übernahm neben dem Oberbefehl über die Kreistruppen sowohl die Urteilsvollstreckung der höchsten Kriegsgerichte als auch die Verhinderung fremder Truppenwerbungen im Kreis. Er wurde meist aus dem Adelsstand gewählt.

Wehrwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisarmee als stehendes Heer geht auf die Reichsdefensialordnung des Jahres 1681 zurück, nach der die Sollstärke auf 5527 Mann festgelegt wurde. Neben dem Teil, den die Hochstifte Bamberg und Würzburg als eigene Truppen stellten, brachte der Kreis zwei Infanterieregimenter mit je 1600, ein Kürassierregiment mit 520 und eine Dragonerschwadron mit 200 Mann in die gemeinsame Verteidigung ein. 1694 bestand das stehende Heer des Fränkischen Reichskreises aus 2940 Reitern und 5703 Infanteristen. Sie wurden von den verschiedenen Kreisständen gestellt, die auch für die Ausrüstung sorgten. Nur die Offiziere waren direkt beim Kreis angestellt. Verheerend in der offenen Feldschlacht war nicht nur die schlechte und zum Teil veraltete Ausrüstung, auch das Fehlen einer einheitlichen Exerzierregelung erschwerte das Handeln als Truppenverband.[4]

Niedergang und Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1769 nach dem Aussterben der Bayreuther Linie die beiden Markgrafentümer Bayreuth und Ansbach unter Hand des Markgrafen Karl Alexander vereinigt wurden, verursachte dessen Resignation im Jahr 1791 zu Gunsten des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II. eine massive Störung im politischen Gleichgewicht des Reichskreises. Freiherr Karl August von Hardenberg nahm als bevollmächtigter Minister die Ansbacher und Bayreuther Stimme im Kreiskonvent wahr. Der Konvent tage zur damaligen Zeit aufgrund der Gefahr, die von den französischen Revolutionärsheeren ausging, permanent. Die aggressive Gebietspolitik Preußens in Franken war ebenfalls Thema, vor allem für die kleineren Kreisstände. Für diese bahnten sich durch den Friedenskongress von Rastatt bereits die weitreichenden Folgen an (Aufteilung von Territorien zwischen Bayern und Preußen), die dann durch den, vom 25. Februar 1803 in Regensburg verabschiedeten und mit der kaiserlichen Ratifikation am 27. April 1803 in Kraft getretenen, Reichsdeputationshauptschluss Wirklichkeit wurden.

Die fränkischen Bistümer Würzburg und Bamberg wurden 1803 bayrisch. Das Hochstift Eichstätt wurde 1802 als Entschädigungsmasse dem Großherzogtum Toskana zugewiesen, bis es im Jahr 1805 ebenfalls an Bayern fiel. Das Kurfürstentum Bayern mediatisierte die Reichsstädte Dinkelsbühl, Kaufbeuren, Kempten, Memmingen, Nördlingen, Rothenburg, Schweinfurt, Ulm, Weißenburg und Windsheim und nahm deren Stimmen im Fränkischen bzw. Schwäbischen Reichskreis wahr. Am 15. Dezember 1805 ging das Fürstentum Ansbach im Tausch gegen das Kurfürstentum Hannover an Frankreich und 1806 an das Königreich Bayern. Durch die am 12. Juli 1806 in Paris geschlossene Rheinbundakte kam die Reichsstadt Nürnberg an Bayern und verlor damit die Reichsunmittelbarkeit. Die Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 durch Kaiser Franz brachte die Auflösung des Reiches und der alten Reichsverfassung. Der bayerische Gesandte erklärte auf Weisung des Ministers von Montgelas am 16. August 1806 den Fränkischen Reichskreis für aufgelöst.[5][6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien und reichsunmittelbaren Geschlechter vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1999 (6. Auflage), ISBN 3-406-44333-8.
  • Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07146-6, GoogleBooks
  • Rudolf Endres: Der Fränkische Reichskreis, Haus der Bayerischen Geschichte, Heft 29/03, Augsburg 2004, das Heft ist im Internet als PDF-Datei verfügbar: Teil 1 (PDF; 2,5 MB); Teil 2 (PDF; 1,5 MB)
  • Bernhard Sicken: Der Fränkische Reichskreis. Seine Ämter und Einrichtungen im 18. Jahrhundert (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Fotodruckreihe: Band 1). Schöningh, Würzburg 1970
  • Wolfgang Wüst (Hrsg.): Die „gute“ Policey im Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches, Bd. 2: Der Fränkische Reichskreis. Akademie Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-05-003651-6 (Quellensammlung mit Einführung)
  • Wolfgang Wüst/ Michael Müller (Hg.): Reichskreise und Regionen im frühmodernen Europa – Horizonte und Grenzen im „spatial turn“. Tagung bei der Akademie des Bistums Mainz, Erbacher Hof, 3.–5. September 2010 (Mainzer Studien zur Neueren Geschichte 29) Frankfurt/Main u.a. 2011. Darin: Mehrere Aufsätze zum Fränkischen Reichskreis. ISBN 978-3-631-60963-7.
  • Claus Grimm: Reichsstädte in Franken, Band 15, Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Herausgeber: Bayerische Staatskanzlei 1987; Aufsätze 1, Verfassung und Verwaltung: Seiten 9-387
  • Hanns Hubert Hofmann: Reichskreis und Kreisassoziation. Prolegomena zu einer Geschichte des fränkischen Kreises, zugleich als Beitrag …. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte #25 (1962)
  • Ferdinand Magen: Die Reichskreise in der Epoche des dreißigjährigen Krieges. In: Zeitschrift für historische Forschung #9 (1982) Berlin: Duncker & Humblot, Bd. 9 (1982), S. 409-460
  • Richard Fester: Franken und die Kreisverfassung. Stürtz, Würzburg (1906)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Topographia Franconiae – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Maximilian I.: Nr. 177. (152). Regiments-Ordnung Maximilians I. (Augsburger Reichstag). - 1500, Juli 2; In: Karl Zeumer (Hrsg.): Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit, Tübingen, S. 297-307, hier: § 6, S. 299
  2. Claus Grimm: Reichsstädte in Franken, Band 15, Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Herausgeber: Bayerische Staatskanzlei 1987; Peter Fleischmann I. Die Entstehung des fränkischen Kreises, Seite 115
  3. Claus Grimm: Reichsstädte in Franken, Band 15, Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Herausgeber: Bayerische Staatskanzlei 1987; Peter Fleischmann I. Die Entstehung des fränkischen Kreises, Seiten 115-118; II. Die Organisation des Kreises, Seiten 118-119
  4. Der Fränkische Reichskreis. Haus der Bayerischen Geschichte, 2003, abgerufen am 6. August 2015.
  5. Claus Grimm: Reichsstädte in Franken, Band 15, Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Herausgeber: Bayerische Staatskanzlei 1987; Peter Fleischmann I. Die Entstehung des fränkischen Kreises, Seiten 121-123
  6. Rudolf Endes: Zur Geschichte des fränkischen Reichskreises in Würzburger Diözesangeschichtsblätter 29, 1969; Seiten 168-183