Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

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Museumsdorf Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen wurde als Museum für ländliche Baukultur und für dörfliches Wohnen und Wirtschaften im unterfränkischen Fladungen errichtet. Es bewahrt alte Bau- und Wohnformen und dokumentiert das Leben der Landbevölkerung in früheren Zeiten mit seinen historischen und sozialen Hintergründen.

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen wurde am 30. September 1990 eröffnet.[1] Es wird von einem bereits 1983 gegründeten Zweckverband getragen, dem der Bezirk Unterfranken (66 %), der Landkreis Rhön-Grabfeld (32 %) und die Stadt Fladungen (2 %) angehören.[2] Der Vorsitz des Zweckverbands wechselt im Zweijahresrhythmus zwischen dem Bezirkstagspräsidenten und dem Landrat von Rhön-Grabfeld.

Das Museum liegt am Fladunger Bahnhof, dessen historisches Gebäudeensemble selbst Teil davon ist. Im Bahnhofsgebäude wird frei zugänglich eine kleine Ausstellung gezeigt. Auf dem eigentlichen Museumsgelände wurden bisher über 20 Gebäude sowie Nebengebäude und Kleindenkmäler wiederaufgebaut. Sie stammen hauptsächlich aus dem Grabfeld, den Haßbergen, dem Spessart und der Rhön.

Die ins Museum übertragenen Hofstellen repräsentieren – vom Tagelöhner bis zum adeligen Grundherrn – alle einst im Dorf vertretenen Schichten. Dazu kommen handwerklich und gewerblich genutzte Anwesen wie Mühlen oder eine Büttnerei und dörfliche Gemeinschaftsbauten wie Kirche, Schule, Brauhaus oder Schäferei. Diese Gebäude wurden in anderen Ortschaften des nördlichen Unterfrankens und den angrenzenden Gebieten Thüringens und Hessens abgebaut und nach Fladungen transloziert.

Der dem Museum angegliederte Bauernladen bietet den Besuchern frische Lebensmittel sowie Andenken zum Verkauf an.Gäste können sich im Museumswirtshaus „Zum Schwarzen Adler“ oder am Wochenende im Brotzeitstüble auf dem Museumsgelände stärken. Die Gastwirtschaft ist mit Gaststuben, Tanzsaal und Biergarten ausgestattet und wird ganzjährig betrieben. Außerhalb der Museumssaison gelten eigene Öffnungszeiten. Das Gasthaus ist im Stil des frühen 20. Jahrhunderts eingerichtet, was besonders am Jugendstil-Tanzsaal auffällt. Erbaut wurde es bereits im Jahr 1606 in Alsleben und ist damit das älteste Gebäude des Museums. Das jüngste ausgestellte Gebäude ist ein gelbes Fernsprechhäuschen (Typ FeH78) aus Oerlenbach (bei Bad Kissingen),[3] so dass sich im Museum heute 350 Jahre ländlichen Bauens und Wohnens in Unterfranken widerspiegeln.

Eine Besonderheit ist der Dreiseithof aus Leutershausen, der als museumspädagogisches Zentrum genutzt wird. Dessen Scheune wurde zu einem modernen Seminar- und Kursraum umgestaltet. Im „Haus zum Anfassen“ dürfen Besucher auf eine Zeitreise in die Zeit um 1900 gehen und selbst Elemente aus dem bäuerlichen Alltag dieser Zeit ausprobieren. Hier finden außerdem regelmäßig Kochprogramme oder andere museumspädagogische Aktionen statt.

Seit 1996 ist das Museum mit dem „Rhön-Zügle“ erreichbar. Es ist an ausgewählten Tagen auf der Museumsbahnstrecke durch das Streutal von Mellrichstadt über Ostheim vor der Rhön nach Fladungen unterwegs. Der Museumsweg verbindet als Extratour des Wanderwegs Hochrhöner das Museum mit dem Schwarzen Moor.

Während der Saison wird dort ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten. Dazu gehören Sonderausstellungen, Themenführungen, Praxisseminare und Veranstaltungen wie Brautag, Deutscher Mühlentag, Freilichtkino und Museumsfest. Mindestens einmal im Monat ist zudem das Backhäuschen aus Oberbernhards (Gemeinde Hilders) in Betrieb.

Neben den Gebäuden und deren Ausstattung zeichnet das Freilandmuseum sich durch die Haltung gefährdeter Nutztierrassen (z. B. Gelbvieh, Rhönschaf, Bayerische Landgans etc.), sowie den Anbau alter Pflanzensorten aus. Sowohl die Tierhaltung, als auch die Nutzung von Gärten und anderen Flächen der Kulturlandschaft spielten bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine viel größere Rolle auf dem Land.

Ein weiterer Aspekt, der immer stärker in den Fokus des Museums rückt, ist der Anspruch ein Museum für alle sein zu wollen. Mit einem Pilotprojekt 2017 wurde die Büttnerei aus Sulzthal umfassend über die verschiedensten Wege erschlossen und kann nun nicht nur mit dem Rollstuhl befahren werden, sondern kann über angepasste Angebote auch von Blinden und Sehbehinderten, Gehörlosen und in leichter Sprache erkundet werden. Hierfür wurde das Museum im März 2019 mit dem Signet „Bayern barrierefrei“ ausgezeichnet.[4]

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umbruchzeit – Die 1960er und 1970er Jahre auf dem Land (9. September 2011 – 31. Oktober 2012)
  • Volk – Heimat – Dorf (31. März 2019 – 14. Juli 2019)
  • Strom für die Rhön – Überlandwerk Rhön 1920–2020 (11. Mai 2020 – 8. November 2020)

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fränkischen Freilandmuseum Fladungen diente als Drehort für die Märchenfilme Rotkäppchen (2012) und Siebenschön (2014).[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Wald: Kurzführer / Fränkische Freilandmuseum Fladungen mit dem Rhön-Zügle. (= Schriftenreihe des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen. Band 1). Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, Fladungen 2002, DNB 973483431.
  • Heinrich Hacker: „Gesegnete Mahlzeit...“ – Das Kochtagebuch der Rhöner Pfarrersköchin Josephine Antonia Hahner. (= Schriftenreihe des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen. Band 2). Hofaschenbach 2004, DNB 97348344X.
  • Sabine Fechter: Armut, Hunger, Bomben und Vertreibung. Ein Mietshaus auf dem Land in den Nachkriegsjahren. (= Schriftenreihe des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen. Band 3). Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, Fladungen 2004, ISBN 978-3-00-014697-8.
  • Armin Röhrer, Thomas Büttner: Historische Kulturlandschaft Rhön. Band 1: Historische Kulturlandschaft Rhön um Fladungen. (= Gutachten im Auftrag des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen). Imhof, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-468-4.
  • Sabine Fechter, Heinrich Hacker: Das Truchsesshaus aus Oberhohenried – Ein Haus der ländlichen Oberschicht (= Schriftenreihe des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen. Band 4). Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, Fladungen 2010, DNB 1015329705.
  • Sabine Fechter, Heinrich Hacker: Umbruchzeit – Die 1960er und 1970er Jahre auf dem Land. Der letzte Gaul – der erste Porsche. (= Schriftenreihe des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen. Band 5). Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, Fladungen 2011, ISBN 978-3-89946-166-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Maria Bergmann: Museumsführer Franken. L & H Verlag, Hamburg 1997, ISBN 978-3-928119-29-0, S. 208–210.
  • Sabine Fechter, Konrad Schliephake (Hrsg.): Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen – Standort und räumliche Verflechtung. (= Würzburger Geographische Manuskripte. Heft 68). Geographisches Institut der Universität Würzburg, Würzburg 2005, DNB 975689746.
  • Georg Waldemer: Freilichtmuseen in Bayern. Geschichte – Konzepte – Positionen. (= MuseumsBausteine. Band 11). Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2006, ISBN 978-3-422-06645-8, S. 150–151.
  • Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.): Museen in Bayern – Ein Führer durch die bayerische Museumslandschaft. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2017, ISBN 978-3-422-07382-1, S. 138.
  • Wolf-Dieter Raftopoulo: Rhön und Grabfeld Kulturführer. Eine kunst- und kulturhistorische Gesamtdokumentation der alten Kulturlandschaften. RMd Verlag, Gerbrunn 2017, ISBN 978-3-9818603-7-5, S. 104.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fränkisches Freilandmuseum Fladungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidrun Alzheimer: Fränkisches Freilandmuseum Fladungen eröffnet. In: Bayerische Blätter für Volkskunde. Jahrgang 1990, Heft 17. Böhler KG, Würzburg 1990, ISSN 0720-8006, S. 176 (PDF).
  2. 25 Jahre gelebte Geschichte. In: Bayernkurier.de. 1. Oktober 2015, abgerufen am 29. Mai 2020.
  3. Michael Nöth: Alte Telefonzelle im Freilandmuseum. In: Mainpost.de. 2. September 2019, abgerufen am 12. Mai 2020.
  4. Eine Büttnerei zum Anfassen. In: Barrierefrei.Bayern.de. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  5. Sonderführung zu Drehorten von HR-Märchenfilm Siebenschön. In: Osthessen-News.de. 27. Juli 2015, abgerufen am 29. Mai 2020.

Koordinaten: 50° 31′ 11,1″ N, 10° 8′ 57,6″ O