Fränkisches Reichsgrafenkollegium

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Die Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein übten großen Einfluss auf der Grafenbank aus

Das fränkische Reichsgrafenkollegium, auch fränkische Grafenbank genannt, war der korporative Zusammenschluss der fränkischen Reichsgrafen und Herren zur Wahrung ihrer Interessen auf den Reichstagen, insbesondere im Reichsfürstenrat des Heiligen Römischen Reichs und im fränkischen Reichskreis.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Zusammenschlüssen der schwäbischen und Wetterauer Grafen bildete sich im 16. Jahrhundert vor dem Hintergrund möglicher Mediatisierung ein fränkischer Grafenverein. Die Gruppe der fränkischen Grafen war deutlich kleiner als die der anderen Landschaften. Außerdem waren ihre Macht und ihr Reichtum sehr unterschiedlich. Ein weiterer Aspekt war, dass die fränkischen Grafen teilweise noch eng mit der Reichsritterschaft verbunden waren. Auch fühlten sich die mehrheitlich lutherisch gesinnten fränkischen Grafen bei den mehrheitlich katholisch gebliebenen (ober-)schwäbischen Grafen und Herren wohl mit ihren Interessen nicht mehr angemessen vertreten.

Die Bemühungen um Anerkennung ihres Stimmrechts auf den Reichstagen in Form einer weiteren Kuriatstimme blieben aber aufgrund der institutionellen Lähmung durch die konfessionelle Spaltung bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts erfolglos.

Abhängigkeit von anderen Kollegien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der fränkische Grafenverein hat daher nur wenige Reichsabschiede unterzeichnet. Versuche, eine Beteiligung an der schwäbischen Kuriatstimme zu erringen, scheiterten 1543/44 auch am konfessionellen Gegensatz. Seit 1547 konnten die fränkischen Grafen nicht mehr als eigenständige Gruppe auf Reichsebene handeln, und die Nichtbeteiligung am Reichstag gefährdete ihre Reichsstandschaft. Freiwillig räumte das schwäbische Reichsgrafenkollegium 1557 eine Interessenvertretung auch der Franken ein; eine eigenständige Kuriatstimme der Franken lehnten die Schwaben jedoch ab. Unterstützung kam in den 1570er Jahren vom Wetterauer Grafenverein, der die Franken zur Mitarbeit in ihrer Korporation aufforderte. Aber auch dabei kam es zu keiner dauerhaften Zusammenarbeit. Auch in den folgenden Jahrzehnten warben die fränkischen Grafen vergeblich für eine eigene Kuriatstimme. Die neuen konfessionellen Spannungen und der Dreißigjährige Krieg standen diesen Bestrebungen im Wege.

Bemühungen um eine Kuriatstimme vor 1641[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anerkennung als eigenständige Korporation auf Reichsebene ging die Trennung der fränkischen Grafen von der ebenfalls reichsunmittelbaren Reichsritterschaft voraus. Ein Konnubium war nicht mehr erwünscht. Außerdem intensivierten die Grafen ihre Beteiligung an den Angelegenheiten des fränkischen Reichskreises. Durch diese beiden Aspekte distanzierten sich die Grafen von der Reichsritterschaft und betonten ihre Zugehörigkeit zu den Reichsständen.

Seit 1630 hatten die Franken zunächst bei Versammlungen der evangelischen Stände (Corpus Evangelicorum) eine Kuriatstimme. Erst 1641 wurde den Franken auch auf den Reichstagen im Fürstenrat eine Kuriatstimme eingeräumt. In der Aufrufordnung des Reichsfürstenrats nahm die Fränkische Grafenbank den vorletzten Rang (# 99) ein.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den übrigen Grafenkollegien, die relativ unabhängige Organisationen waren, war das fränkische Reichsgrafenkollegium auf das Engste mit dem Fränkischen Reichskreis verbunden. Daher war eine innere Organisation nicht besonders wichtig. Eine Verfassung gab sich das Kollegium, angelehnt an das der Wetterauer, erst 1583. Danach war der Kreisrat zentrales Organ des Vereins. Aus diesem ging auch der Ausschreiber (Direktor) des Kollegiums hervor, der für ein Jahr im Amt war. Die Nachfolge bestimmte das Alter der Mitglieder. Im Jahr 1590 wurde die Amtszeit auf zwei Jahre, später auf drei Jahre erhöht. Der Ausschreiber rief den Grafenkonvent als das entscheidende Entscheidungsgremium zusammen. Es bestand Anwesenheitspflicht, und jeder Graf hatte eine Stimme. Deutlich später als in den anderen Grafenkollegien wurde 1615 ein Syndikus eingestellt. Mitglieder konnten Grafen und Herren mit ausreichend grossen Immediatherrschaften werden, die vom fränkischen Reichskreis admittiert worden waren.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten Familien waren die Hohenlohe, Castell, Erbach und Löwenstein-Wertheim. Hinzu kamen die Grafen von Limpurg und Wolfstein (beziehungsweise deren Erben), die Grafen von Nostitz (wegen Rieneck), Schönborn (wegen Reichelsberg und Wiesentheid), Graevenitz (wegen Welzheim von 1727 bis 1732) sowie die Fürsten von Schwarzenberg (wegen Seinsheim). Ohne entsprechendes Territorium als Personalisten gehörten dem Kollegium an die Grafen von Windisch-Graetz, Ursin von Rosenberg, Starhemberg, Wurmbrand, Giech und Pückler (die dann aber als Pückler-Limpurg wegen erheirateten Anteilen an Limpurg die Reichsstandschaft als Realisten erlangten).

Die Mitglieder des Fränkischen Reichsgrafenkollegiums 1792[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Bruns: Fränkisches Reichsgrafenkollegium. In: Gerhard Taddey: Lexikon der deutschen Geschichte. 2. überarb. Aufl., Stuttgart 1982, ISBN 3-520-80002-0, S. 375.
  • Gerhard Köbler: Fränkisches Reichsgrafenkollegium. In: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4. Aufl., München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 175.
  • Helmut Neuhaus: Das Reich in der frühen Neuzeit. Göttingen 2003, ISBN 978-3-486-56729-8, S. 81.
  • Nikolaus Schönburg: Die verfassungsrechtliche Stellung des Reichsgrafenstandes vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende des alten Reiches. Diplomarbeit, Wien 2008 othes.univie.ac.at (PDF; 893 kB, Digitalisat), S. 107–128.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein erhielt im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 eine eigene Virilstimme und schied damit aus dem Fränkischen Reichsgrafenkollegium aus; 1806 zu Württemberg. Als Entschädigung für die im Frieden von Lunéville 1801 an Frankreich gefallene Herrschaft Oberbronn erhielt Hohenlohe-Bartenstein im Reichsdeputationshauptschluss Teile des säkularisierten Hochstifts Würzburg, nämlich die Ämter Jagstberg, Haltenbergstetten, Laudenbach und Braunsbach, das ganze Dorf Münster und einen Anteil von Neunkirchen. Mit diesen Kompensationsgewinnen wurde die Sekundogenitur Hohenlohe-Jagstberg ausgestattet, die ihren Sitz im Schloss Haltenbergstetten oberhalb von Niederstetten nahm.
  2. Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst erhielt im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 eine eigene Virilstimme und schied damit aus dem Fränkischen Reichsgrafenkollegium aus; 1806 auf Bayern und Württemberg verteilt.
  3. Fürst von Hohenlohe-Neuenstein erhielt im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 eine eigene Virilstimme und schied damit aus dem Fränkischen Reichsgrafenkollegium aus; 1806 zu Württemberg. 1805 starb die fürstliche Linie zu Öhringen aus und wurde von der Linie zu Ingelfingen beerbt.
  4. Für ihren Verzicht auf ihren Anteil am früher mit dem Hochstift Würzburg gemeinschaftlichen Dorf Münster erhielt die Neuensteiner Linie im Reichsdeputationshauptschluss aus würzburgischem Besitz Amrichshausen und den ehemaligen geistlichen Besitz in Künzelsau. Hier hatten Kurmainz, Würzburg, die Herren von Stetten, die Reichsstadt Hall und das Stift Comburg mit den Hohenlohe als Ganerben gemeinsam Herrschaftsrechte wahrgenommen.
  5. Die Linie zu Neuenstein-Langenburg-Langenburg wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.
  6. 1805 starb die fürstliche Linie zu Neuenstein-Öhringen aus und wurde von der Linie zu Neuenstein-Ingelfingen beerbt, wurde aber 1806 von Württemberg mediatisiert.
  7. Die Linie zu Neuenstein-Langenburg-Kirchberg wurde 1806 von Bayern mediatisiert, 1810 an Württemberg.
  8. Die Linie Rüdenhausen starb 1803 aus, der Besitz fiel an Castell-Remlingen (oder Castell-Castell).
  9. Die Linie zu Remlingen (oder Castell) wurde 1806 von Bayern mediatisiert, 1810 an das Großherzogtum Würzburg.
  10. Die Linie zu Fürstenau wurde 1806 von Hessen-Darmstadt mediatisiert.
  11. Die Linie zu Erbach wurde 1806 von Hessen-Darmstadt mediatisiert.
  12. Die Linie zu Schönberg wurde 1806 von Hessen-Darmstadt mediatisiert.
  13. Löwenstein-Wertheim wurde 1806 von Baden mediatisiert.
  14. Limpurg wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.
  15. Limpurg-Speckfeld wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  16. Limpurg-Wolfstein wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  17. Rieneck wurde 1806 zugunsten der Fürstprimatischen Staaten mediatisiert, 1810 zum Großherzogtum Frankfurt.
  18. Seinsheim wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  19. Reichelsberg wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  20. Wiesentheid wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  21. Die innerhalb der Grafschaft Limpurg gelegene Herrschaft Hausen wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.