Frühlings-Adonisröschen

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Frühlings-Adonisröschen
Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis)

Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Adonideae
Gattung: Adonisröschen (Adonis)
Art: Frühlings-Adonisröschen
Wissenschaftlicher Name
Adonis vernalis
L.

Das Frühlings-Adonisröschen oder Frühlings-Adonis (Adonis vernalis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Adonisröschen (Adonis) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Als Frühblüher bildet es bereits im April seine auffälligen gelben Blüten aus. In Zentraleuropa ist die Art gefährdet und steht unter Naturschutz.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration in Köhler’s Medizinal-Pflanzen Gera 1887

Allgemeine Merkmale und Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Frühlings-Adonisröschen ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 40, selten bis zu 60 Zentimetern erreicht. Als Speicherorgan dient ein kräftiges Rhizom, dem zum Austrieb zahlreiche Sprosse entspringen.[1] Wie für einen Hemikryptophyten typisch, befinden sich die Überdauerungsknospen an der krautigen Sprossachse nahe der Erdoberfläche und werden durch die Laubdecke oder abgestorbene Blätter geschützt.[2] Das Wurzelsystem ist reich verzweigt und reicht bis zu 1 Meter tief. Die vegetative Vermehrung wird über das Rhizom sichergestellt.[2]

Die meist unverzweigten Stängel wachsen aufrecht. Die fast sitzenden Laubblätter sind wechselständig an der Sprossachse angeordnet. Sie sind ein- bis vierfach fiederschnittig (= fein gefiedert). wobei die einzelnen hellgrünen Fiederchen eine linealische Form aufweisen.[3]

Blüte und Blütenökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailansicht der Blüte

Dicht unterhalb jeder Blüte befindet sich ein Kranz gefiederter Laubblätter. Die endständigen Einzelblüten messen 4 bis 8 Zentimeter im Durchmesser. Eingeleitet wird die Blüte von fünf breit-eiförmigen, weich behaarten bräunlichen Kelchblättern. Sie liegen eng den spiralig gestellten Kronblättern an. Die zehn bis zwanzig freien Kronblätter sind schmal-keilförmig, 20 bis 40 Millimeter lang und besitzen eine leuchtend (hell)gelbe Farbe. Diese Farbgebung wird durch Flavonglycoside hervorgerufen. Zahlreiche gelbe Staubblätter säumen die ebenfalls in Vielzahl vorhandenen unverwachsenen Fruchtblätter, botanisch als chorikarpes Gynoceum bezeichnet. Bei Sonnenschein öffnen sich die Blüten, breiten ihre Blütenhüllblätter aus und wenden sich der Sonne zu.[1] Blütenökologisch handelt sich um vorweibliche Scheibenblumen, die ein hohes Pollenangebot für Bestäuber bereithalten. Nektar wird nicht gebildet. Typische Bestäuber sind pollensammelnde Bienen und pollenfressende Fliegen.[1]

Frucht und Ausbreitungsökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zahlreichen Fruchtblätter entwickeln sich nach erfolgreicher Befruchtung zu Nüsschen, die dicht der mittlerweile verlängerten Blütenachse ansitzen und in ihrer Gesamtheit als Sammelnussfrucht bezeichnet werden. Die in der kugeligen Sammelfrucht enthaltenen eiförmigen Nüsschen werden etwa 5 Millimeter lang. Sie sind zerstreut kurz weiß behaart. Das Exokarp weist eine netznervige Struktur auf. An der Spitze befindet sich der Griffelrest in Form eines hakenförmigen Schnabels. An der Basis der Frucht besteht das Exokarp aus nährstoffhaltigen Zellen, dem Elaiosom.[1]

Die bei Reife ausgetrockneten, hellbraunen Nüsschen fallen einzeln von der Blütenachse ab. Vom Elaiosom angelockte Ameisen übernehmen die weitere Ausbreitung (Myrmekochorie).[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[4]

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standort bei Mallnow in Brandenburg

Das Frühlings-Adonisröschen stammt ursprünglich aus Sibirien und dem Altai. Es ist auch auf Trocken- und Steppenrasen sowie in Kiefernwäldern in Europa und in Westsibirien zu finden. Das Arealzentrum ist westasiatisch-südsibirisch-pontisch-pannonisch.

Die Einwanderung des Frühlings-Adonisröschen nach Mitteleuropa erfolgte erst am Ende der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit. Durch die Tätigkeit der Menschen, Waldrodung und Schafzucht wurden neue Standorte für das Frühlings-Adonisröschen geschaffen. Verbuschung, Wiederbewaldung und der Ackerbau drängten diese Art in Mitteleuropa auf ihre heutigen Reliktvorkommen zurück. Alle drei zuletzt genannten Faktoren gefährden auch weiterhin diese mitteleuropäischen Standorte, die ohne Landschaftspflegemaßnahmen auch nicht erhalten bleiben würden.[5]

In Deutschland kommt das anspruchsvolle Frühlings-Adonisröschen als westlicher Vorposten vor allem in den neuen Bundesländern vor; dort in trockenen Gegenden wie in Brandenburg – wobei das Frühlings-Adonisröschen immer nur lokal verbreitet ist. Nördlich von Frankfurt/Oder gibt es einige Standorte, beispielsweise am Steilhang der Oder bei Lebus,[6] der Priesterschlucht[7] oder auf Hängen bei Mallnow.[8][5] Die größte zusammenhängende Fläche findet man jedoch in den Bergen zwischen Carzig, Libbenichen und Dolgelin. In Dolgelin gibt es eine jährlich wiederkehrende geführte Wanderung zu den Adonisröschen (in der Regel am 3. Samstag im April).

Nach Westen und Nordwesten tritt das Frühlings-Adonisröschen heute in Deutschland nur noch in getrennten Kleinarealen auf: Etwas häufiger sind dabei Standorte im Mitteldeutschen Trockengebiet, beispielsweise im Gebiet der Thüringer Drei Gleichen,[9] nördliches Harzvorland, am Südhang des Kyffhäuser,[10] „Hühnenküche“ (bei Bebertal in Sachsen-Anhalt),[11] Weinberggrund bei Hecklingen (in Sachsen-Anhalt).[12] Aber nur ganz vereinzelt im Rhein-Main-Trockengebiet, zum Beispiel auf dem Mainzer Sand[13][5] oder die Karlstadter Trockenrasen.[14] In Bayern gibt es nur wenige Fundorte, beispielsweise Sulzheimer Gipshügel, Garchinger Heide[15] und am Sodenberg[16][17]

In Österreich wächst das Frühlings-Adonisröschen im pannonischen Gebiet in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Es tritt häufig bis zerstreut auf, seine Standorte sind jedoch selten. Hauptvorkommen sind Trocken- und Halbtrockenrasen (Assoziation Pyrolo-Pinetum Meus. 1952); Nebenvorkommen sind Staudensäume trockenwarmer Standorte.

Allgemein ist das Frühlings-Adonisröschen in kollinen oder montanen Höhenstufen (Alpen und Mittelgebirge) zu finden. Es gedeiht in Trockenwiesen, lichten Föhrenwäldern, sonnigen Eichenwäldern, lockeren Flaumeichenwäldern, Halbtrockenrasen oder auch auf trockenwarmen und buschigen Hügeln. Das Frühlings-Adonisröschen bevorzugt trockene, basen- und kalkreiche, neutrale, humose und lockere Lehm- oder Lössböden.

Das Frühlings-Adonisröschen wird in Deutschland und der Schweiz mit dem Gefährdungsgrad 3 (gefährdet) bewertet. In Österreich gilt es als gefährdet und steht unter vollständigem gesetzlichen Naturschutz. In Bayern ist es stark gefährdet (Gefährdungsgrad 2).

Adonis vernalis wird bei CITES im Appendix II gelistet.[18]

Als Gefährdungsursachen gelten Bebauung, Umwandlung von Grün- in Ackerland, Abbau und Abgrabung, Überschüttung und Auffüllung, private und wissenschaftliche Sammler, Verbuschung von Magerrasen.[19]

Pflanzensoziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist Kennart der pflanzensoziologischen Assoziation Adonisröschen-Fieder-Zwenken-Rasen (Adonido-Brachypodietum) Krausch 1959.[19] Eine weitere Assoziation, der Adonisröschen-Saum (Adonido-Peucedanetum cervariae, auch als Adonido-Thalictretum minus bezeichnet), aus dem Verband der thermopilen Saumgesellschaften (Geranion sanguinei) wurde von Passarge 1979 beschrieben. Die Assoziation tritt im Gebiet der mittlerem Oder auf. Es wird vermutet, dass sie auch in Polen vorkommt. Typische Arten sind neben dem Frühlings-Adonisröschen die ebenfalls namensgebende Kleine Wiesenraute, sowie Kleines Mädesüß, Ähriger Ehrenpreis, Gewöhnlicher Glatthafer, Färber-Meier, Mittleres Leinblatt, Mittlerer Wegerich und Steppenfenchel. Die Gesellschaft besiedelt flach gelegene Mull-Pararendzinen mit einem pH-Wert zwischen 6,9 und 7,1 auf Moränen der Weichseleiszeit. Standorte sind die Südseite von Hängen, die eine mittlere bis starke Neigung aufweisen. Sie befinden sich im subkontinentalen Klimabereich, der durch eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 480 bis 520 mm pro Jahr charakterisiert ist.[20]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Adonis vernalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 547–548.[21] Ein Homonym ist Adonis vernalis Asso (veröffentlicht in Syn. Stirp. Aragon. 1779, S. 70). Ein Synonym für Adonis vernalis L. ist Adonanthe vernalis Spach.[22] Das Artepitheton vernalis bedeutet im „Frühling blühend“ und es ist vom lateinischen Wort veris für Frühling abgeleitet.

Namensherkunft und weitere Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gattungsname Adonis leitet sich von den blutrot-blühenden Arten ab. Nach der griechischen Mythologie verwandelte Aphrodite ihren Liebling Adonis, der durch einen vom eifersüchtigen Ares gesandten Eber getötet wurde, in die blutrote Blume.[23] Von daher ist der Name Adonisröschen für das gelbblühende Frühlings-Adonisröschen nur zu verstehen, wenn man weiß, dass es auch rotblühende Arten gibt, siehe Gattung Adonisröschen.

Darüber hinaus werden oder wurden, zum Teil auch nur regional, auch folgende Trivialnamen verwendet: Christwurz, Böhmische Christwurz (Schlesien), Schwarz Niesswurz, Teufelsaugen (Mark Brandenburg, Schlesien), Ziegenblume (Mark bei Küstrin),[24] Lieberlei.[25]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich wird das Frühlings-Adonisröschen als Zierpflanze in Gärten der Gemäßigten Breiten verwendet. Barlages Großes Buch der Gartenblumen empfiehlt Adonisröschen für wild-romantische Frühlingsgärten, gerne mit Steinen und Felsstücken. Verglichen mit Adonis amurensis bevorzuge Adonis vernalis durchlässigere Böden und vertrage Sommertrockenheit besser. Schädlich sind Staunässe und Schnecken. Pro Quadratmeter brauche man zwölf Pflanzen. Glücksfälle seien blassgelb und gefüllt blühende Selektionen, die im Handel aber nicht benannt sind.[26] Kultivierte Pflanzen fallen nicht unter die Bestimmungen der CITES im Appendix II.[18]

Die Gemeinde Bollstedt führt es im örtlichen Wappen.

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Medizinische Bedeutung und Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heildroge (Adonidis herba, Herba Adonidis, Herba Adonidis vernalis) werden die getrockneten oberirdischen Teile der blühenden Pflanze verwendet. Sie enthalten etwa 30 Cardenolidglykoside, besonders Adonitoxin (Adonitoxigenin)[27] und Cymarin. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide wie Adonivernith.

Wie bei allen Pflanzenarten mit herzwirksamen Gykosiden liegen auch hier die giftige und therapeutisch wirksame Dosis eng beieinander. Man verwendet deshalb ausschließlich die auf einen bestimmten Wirkwert eingestellte Droge, um Überdosierung oder Unterdosierung zu vermeiden. Auszüge aus diesem „Eingestellten Adonispulver“ wurden in Kombinationspräparaten, die auch Maiglöckchen-, Meerzwiebel- oder Oleanderauszüge enthielten, bei leichten Fällen von Herzleistungsschwäche sowie bei nervösen Herzbeschwerden mit Unruhegefühl eingesetzt. Die Wirkung der herzwirksamen Glykoside des Adoniskrautes (Herba Adonidis vernalis) setzt schneller ein, ist aber schwächer und weniger anhaltend als beim Roten Fingerhut. Es werden harntreibende und beruhigende Effekte beschrieben.

Madaus zufolge wurde die Pflanze früher mit Helleborus niger verwechselt. Etwa Bocks Kreutterbuch (1565) setzt sie mit Hippokrates‘ Helleborus gleich und gibt abführende Wirkung an, Matthiolus‘ New-Kreuterbuch (1626), den Irrtum erkennend, nur äußerliche Nutzung zum Aufweichen bösartiger Geschwüre. Schulz‘ Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipflanzen nennt volksmedizinische Anwendungen bei Harn- und Steinleiden. Madaus zitiert eine Arbeit von W. Demitsch zur russischen Volksmedizin, die die Pflanze bei Ödemen, Epilepsie, Fieber, aber auch Menstruationsbeschwerden, Husten, Koliken, Ikterus, bei Verstopfung, Durchfall, als Abortivum und bei Schmerzen einsetze. Noß nutzte sie dann bei Ödemen. Bubnow stellte fest, dass sie nur bei Ödemen durch Herzschwäche half, und verglich sie mit Digitalis. Madaus‘ Erfahrung nach nutzte man das blühende Kraut wie andere Herzglykoside, bei außerdem harntreibender und etwas beruhigender Wirkung, also für kardiale Ödeme, aber auch Krämpfe, Keuchhusten, Schmerzen, Hyperthyreose, selten Übergewicht, Leberleiden, Verstopfung, Speichelfluss. Der Wirkstoff akkumuliert nicht. Angaben zur Verteilung in der Pflanze und Haltbarkeit gehen auseinander. Ältere Autoren nutzten die Wurzel, neuere Literatur das blühende Kraut.[28]

Kommission E sah eine Indikation für leichte Herzinsuffizienz und nervöse Begleitsymptomatik.[29] Wegen schwieriger Dosierung wird von der Anwendung abgeraten.[30] Die Homöopathie kennt Adonis bei Herzschwäche mit Nierenproblemen, Rheuma, und Überfunktion der Schilddrüse.[31][32][23][33]

Pharmazie- und Botanikgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Pflanzenart der nördlichen Breitengrade war das Frühlings-Adonisröschen den antiken und mittelalterlichen Autoren des Mittelmeerraumes nicht bekannt. An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert suchten deutschsprachige Autoren daher vergeblich in den alten Kräuterbüchern nach einer Entsprechung für diese Pflanzenart. 1485 illustrierte der Mainzer Gart der Gesundheit das Kapitel Elleborus niger – swartz nyeswortz (helleborus niger wurde für das Mittelalter als Christrose (Helleborus niger L.), Stinkende/Grüne Nieswurz (Helleborus foetidus L./viridis L.) und Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis L.) gedeutet[34]) mit einer Abbildung des Frühlingsadonisröschens.[35][36] Eine ähnliche Abbildung verwendete 1500 das Straßburger Kleine Destillierbuch des Hieronymus Brunschwig für die Kapitel Xpi-[Christ-]Wurz Wurtzeln Wasser und Xpi-[Christ-]Wurz Krut Wasser.[25]

1546, in der 2. Ausgabe seines Kräuterbuchs, beschrieb Hieronymus Bock eindrücklich den Habitus des Frühlingsadonisröschens, welches er „die recht schwartz Nießwurtz“ nannte. Diese werde „zů Jngelheim auff der heiden zwischen Bingen vnd Meintz von „frembden wurtzlern“ gegraben, welche sie bis nach Venedig verkauften.[Anm. 1] Bock selbst hatte die Pflanze 1544 „am gebirg nit fern von dem flecken Leiningen gegraben.[37][38]

Wurzeldroge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gart der Gesundheit und die Väter der Botanik empfahlen nach antikem und mittelalterlichem Vorbild zur medizinischen Verwendung die Wurzeldroge der „schwarzen Nieswurz“, die sie als die Wurzel der Schneerose (Helleborus niger) deuteten. Sie sollte im Sinne der Humoralpathologie „schwarze Galle bei Melancholie abführen“.

Quellen: Antike.[39][40][41] Arabisches Mittelalter[42][43][44] Lateinisches Mittelalter.[45][46][47][48][49][35] Frühe Neuzeit[50][37][51]

Hieronymus Brunschwig urteilte gleich über die Wirkung der Wurzeldroge der Xpi-[Christ-]Wurz: „Purgiert die melancoli vnd macht zů stůl gon.“

Krautdroge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Brunschwyk hat die Krautdroge der Xpi-[Christ-]Wurz jedoch entgegengesetzte Wirkung. Sie stopfe den Stuhlgang. Bei regelmäßiger Einnahme sei sie auch „zů vil kranckheiten gůt den lyb in gesuntheit zů behalten der es alle tag des morgens“ einnehme. Damit schilderte er die Verwendung der Krautdroge des Adonisröschens als lebensverlängerndes Mittel in der Volksheilkunde.[25]

Paracelsus beschrieb in seinem „Herbarius“ (ca. 1525) und in seiner Abhandlung „Von den natürlichen Dingen“ ausführlich die Wirkung der „Blätter der schwarzen Nießwurtz“. Dass er damit die Blätter des Frühlingsadonisröschens meinte, ist wahrscheinlich – aber nicht gesichert.[52][53]

Bis in die 1880er Jahre wurde das Adonisröschen-Kraut nur in der Volksheilkunde verwendet. In Russland setzte Bubnow ab 1880 einen Aufguss des Krautes zur Steigerung der Diurese, zur Regulierung der Herztätigkeit sowie zur Beseitigung pleuritischer Exsudate ein. In der Folge wurden standardisierte Zubereitungen aus dem Kraut zur Behandlung von Herzkrankheiten verwendet.[54][55][56]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Um Ingelheim ist diese Pflanzenart heute ausgestorben. Große Bestände des Frühlings-Adonisröschens sind jedoch im nahegelegenen Naturschutzgebiet Mainzer Sand erhalten.“ (Freundliche Auskunft durch Klaus Hang und Gerhard Haupt aus Ingelheim.)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Kasten Lüttig: Hagebutte & Co - Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna Verlag 2003, ISBN 3-935980-90-6, S. 242 f.
  2. a b Frühlings-Adonisröschen. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  3. Helga Dietrich, Wolfgang Heinrich: Frühblüher um Jena. EchinoMedia Verlag, 2008, ISBN 978-3-937107-15-8, S. 159 ff.
  4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 421.
  5. a b c Norbert Wedl: NSG Mallnower Oderhänge: Frühlings-Adonis im Steppenrasen, herausgegeben vom NABU.
  6. Oderhänge bei Lebus bei Natura2000.
  7. Priesterschlucht bei Natura2000.
  8. Hänge bei Mallnow bei Natura2000.
  9. Projektgebiet 10: Drei Gleichen (FFH-Gebiet 5131-303)
  10. Naturpark Kyffhaeuser. (Memento vom 20. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF; 1,2 MB)
  11. Hühnerküche. (PDF; 2,3 MB), S. 17–18.
  12. Weinberggrund bei Hecklingen. (PDF; 4,0 MB).
  13. Mainzer Sand - Naturereignis im Ballungsraum Rhein-Main.
  14. @1@2Vorlage:Toter Link/www.ivl-web.de( Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Die Karlstadter Trockenrasen) (PDF; 1,4 MB)
  15. Eintrag bei blumeninschwaben.
  16. Frühjahrsblüher am Sodenberg.
  17. Oskar Sebald u. a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Ulm 1993, Band I, S. 265: „Adonis vernalis L. Die vorwiegend osteuropäisch verbreitete Art reicht an einigen Stellen (Mainz, Maingebiet bei Karlstadt und Südelsass) nahe an Baden-Württemberg heran.
  18. a b CITES. (Memento vom 11. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 265 kB).
  19. a b Frühlings-Adonisröschen. In: FloraWeb.de.
  20. Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Ulmer Verlag 2003, ISBN 3-8001-4163-9, S. 183 ff.
  21. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  22. Adonis vernalis bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  23. a b Gerhard Madaus: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel. 1938; Adonis vernalis – Teufelsauge – Ranunculaceae.
  24. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, S. 11.
  25. a b c Hieronymus Brunschwig: Kleines Destillierbuch. Straßburg 1500, Blatt 121r-v. (Digitalisat)
  26. Andreas Barlage, Frank M. von Berger: Das große Buch der Gartenblumen. Über 2000 Stauden, Sommerblumen, Zwiebelpflanzen und Gräser. Ulmer, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-8001-3394-9, S. 115–116.
  27. Artur Burger, Helmut Wachter: Hunnius. Pharmazeutisches Wörterbuch. Begründet von Curt Hunnius, 6., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin/ New York 1986, ISBN 3-11-007029-4, S. 16.
  28. Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band I. Olms, Hildesheim/ New York 1976, ISBN 3-487-05890-1, S. 406–412 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (online)
  29. https://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/adonidis-herba-adoniskraut.htm Bundesanzeiger Nr. 85 vom 5. Mai 1988, Monographie der Kommission E
  30. Heinz Schilcher (Hrsg.): Leitfaden Phytotherapie. 5. Auflage. Urban & Fischer, München 2016, ISBN 978-3-437-55344-8, S. 46.
  31. Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2004, ISBN 3-440-09387-5.
  32. King's American Dispensatory. 1898: Adonis – Pheasant’s Eye.
  33. Georgos Vithoulkas: Homöopathische Arzneimittel. Materia Medica Viva. Band I. Elsevier, München 2009, ISBN 978-3-437-55061-4, S. 97–103.
  34. Ulrich Stoll: De tempore herbarum. Vegetabilische Heilmittel im Spiegel von Kräuter-Sammel-Kalendern des Mittelalters: Eine Bestandsaufnahme. In: Peter Dilg, Gundolf Keil, Dietz-Rüdiger Moser (Hrsg.): Rhythmus und Saisonalität. Kongreßakten des 5. Symposions des Mediävistenverbandes in Göttingen 1993. Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-5404-1, S. 347–375, hier: S. 360.
  35. a b Gart der Gesundheit. (Mainz 1485). Ausgabe Augsburg (Schönsperger) 1485. Cap. 166. (Digitalisat)
  36. Hermann Fischer: Mittelalterliche Pflanzenkunde. Verlag der Münchner Drucke, München 1929, S. 86.
  37. a b Hieronymus Bock: Kräuterbuch. Ausgabe 1546, Buch I, Cap. 135, S. 153r. (Digitalisat)
  38. Hieronymus Bock: Kräuterbuch. Ausgabe 1551, Buch I, Cap. 135, S. 153 (Digitalisat)
  39. Julius Berendes: Des Pedanios Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902. Buch IV, Kapitel 149, S. 446. (Digitalisat)
  40. Plinius. Naturalis Historia. Buch XXV, § 47-60 (Kapitel XXI) Melampus (Digitalisat Latein) (Digitalisat Ausgabe Külb 1840–1864 Deutsch)
  41. Galenos, 2. Jahrhundert, De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus, lib. VI, Cap. V/9 (nach Kühn 1826, Band XI, S. 874.) (Digitalisat)
  42. Avicenna: Canon. Ausgabe Andrea Alpago, Basel 1556, S. 228. (Digitalisat)
  43. Constantinus africanus, 11. Jahrhundert, Übersetzung von Ibn al-Dschazzar. Liber des Gradibus Simplicium. In: Constantinus africanus. Opera. Ausgabe Basel S. 371. (Digitalisat)
  44. Pseudo-Serapion, 13. Jahrhundert, Ausgabe Venedig 1497. Blatt 146r (No. CCCXXXIII). (Digitalisat)
  45. Pseudo-Macer Cap. 57: Elleborus niger. Druck Basel 1527, Blatt 38v. (Digitalisat)
  46. Deutscher Macer. Elleborus niger. Nach: Bernhard Schnell, William Crossgrove: Der deutsche Macer. Vulgatfassung. Niemeyer, Tübingen 2003, S. 363 (Cap. 55).
  47. Circa instans. Druck Venedig 1497. Blatt 197v. (Digitalisat)
  48. Franz Pfeiffer (Hrsg.). Konrad von Megenberg: Buch der Natur. Stuttgart 1861, S. 399 (V/36). (Digitalisat)
  49. Herbarius Moguntinus. Mainz 1484. Cap. 57. (Digitalisat)
  50. Otto Brunfels: Kreuterbuch 1532, S. 62 (Digitalisat)
  51. Leonhart Fuchs: Kreuterbuch 1543, Kapitel 105 (Digitalisat)
  52. Paracelsus: Herbarius (ca. 1525) (Huser-Ausgabe 1590, 7. Teil, S. 64–73) (Digitalisat). Von den natürlichen Dingen (ca. 1525) (Huser-Ausgabe 1590, 7. Teil, S. 119–130) Bayerische Staatsbibliothek (Digitalisat).
  53. Hans Fischer: Helleborus im Altertum und bei Paracelsus. In: Linus Birchler, Fritz Medicus und Hans Fischer. Beiträge zur Charakteristik von Theophrastus Paracelsus. Schwabe, Basel 1936, S. 23–40.
  54. Theodor Gottfried Husemann (1833–1901). Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2. Auflage. Band II, Springer, Berlin 1883, S. 1172. (Digitalisat)
  55. Hagers Handbuch der pharmaceutischen Praxis. 1900, Band I, S. 161. (Digitalisat)
  56. Hugo Schulz. Vorlesungen über die Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipflanzen. (2. Auflage, Leipzig 1929, S. 109.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien