Fraktion Christlicher Gewerkschafter

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Die Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter (kurz FCG) ist eine Fraktion innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer der Gewerkschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Mittelalter bildeten sich Zusammenschlüsse von Arbeitnehmern, um gemeinsam ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebern, aber auch staatlichen und geistlichen Obrigkeiten zu vertreten. Bereits im Mittelalter bildeten sich Vereinigungen, deren Aufgabe es war, die Rechte von Gesellen gegenüber den Meistern zu vertreten. Diese legal entstandenen Zusammenschlüsse entstanden aus kirchlichen Gesellenbruderschaften, die neben religiösen Aufgaben auch karitative Tätigkeiten ausübten. Diese Gesellenbruderschaften unterstützten etwa verarmte oder erkrankte Gesellen im Notfall. Diese Solidarität der Mitglieder verhinderte das Entstehen eines Gesellenproletariates, das durch Lohndumping die soziale Lage der Gesellen insgesamt verschlechtert hätte.

Gegen Ende des Mittelalters trat der religiöser Charakter dieser Bruderschaften in den Hintergrund, sodass gegen Ende des 15. Jahrhunderts die „gewerkschaftliche“ Betätigung diese Körperschaften prägten. Zwischen 1411 und 1489 entstanden in Wien die Bruderschaften der Bäckerknechte, der Schneidergesellen, der Schusterknechte, der Schlossergesellen und der Hafner. Diese Bruderschaften wurden nach Vorbild der Zünfte aufgebaut. Sie hatten eigene Statuten, wählten Vorstände und hoben Mitgliedsbeiträge und Strafgelder ein. Mit diesen Geldern gewährten sie in Not geratenen Miglidern Unterstützungen. Um ihre Interessen bestmöglich durchsetzen zu können, strebten sie die Ausschließlichkeit an und hatten den Charakter einer Zwangsmitgliedschaft. So wurden etwa Gesellen, die nicht beitreten wollten, geächtet. Um ihre Interessen durchzusetzen, wurden oft Maßnahmen angewendet, die auch heute noch üblich sind, etwa Streik und Verrufserklärungen. Mit solchen Verufserklärungen wurden sowohl Gesellen, als auch Meister, die gegen die Interessen der Bruderschaften verstoßen hatten, bestraft. Ein „gescholtener“ Geselle fand keine Arbeit mehr, ein „gescholtener“ Meister keine Gesellen, die bei ihm arbeiten wollten.

Das 17. und 18. Jahrhundert brachte mit dem Erstarken der absolutistischen Monarchie ein Übergewicht der Behörden gegenüber der Gesellenverbände mit sich. Die Bruderschaften verloren nach und nach ihre Rechte. Die Auseinandersetzungen dazu nahmen aber manches Mal harte Formen an. So kam es beim Streik der Wiener Schusterknechte im Jahr 1712 zu blutigen Straßenunruhen, die mit der Hinrichtung einige Streikender endeten.

Nur wenige Bruderschaften existierten über die Jahrhunderte, mussten jedoch oftmals ihre gewerkschaftlichen Tätigkeiten aufgeben. Die Organisationen übernahmen die Aufgaben wie die Unterstützung von Witwen und Waisen von Gesellen. Einige dieser Gruppen bildeten jedoch den Grundstock einiger heute noch existierender Gewerkschaftsgruppen.[1]

Entwicklung ab 1852[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1852 wurde Adolph Kolping vom Wiener Katholikenverein in die Donaumetropole eingeladen. Er legte dort den Grundstein für die Entwicklung des Kolpingwesens in Österreich. Es war der erste Vorläufer der sich später bildenden christlich-sozialen Arbeitervereinen. Die Kolpingfamilie Wien umfasste im Jahr 1853 bereits 700 Gesellen als Mitglieder.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionell dem ÖAAB (Teilorganisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP)) nahestehende Organisation organisiert laut Selbstbild jene Mitglieder des ÖGB, die Gewerkschaftsarbeit nach den Prinzipien der Christlichen Soziallehre leisten wollen. Unter Christlichen Soziallehren versteht die FCG dabei „die Prinzipien der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik, sowie die Auffassungen der christlichen Kirchen zur Gesellschafts- und Sozialreform (z. B. Hirtenbriefe)“.

Neben der Bundesfraktion ist die FCG in Landesfraktionen, in Abteilungen für die Jugend, Frauen sowie Pensionisten und Fraktionen in den einzelnen Teilgewerkschaften gegliedert. Gegenwärtiger Bundesvorsitzender der FCG ist ÖGB-Vizepräsident und GÖD-Vorsitzender Norbert Schnedl. Der aktuelle Generalsekretär der Christgewerkschaft heißt Andreas Gjecaj. Der Vorsitzende der FCG-Jugend ist derzeit Thomas Rack, die FCG-Frauen leitet Monika Gabriel und die FCG-Pensionisten werden momentan von Kurt Kumhofer geleitet.[2]

Traditionell ist die FCG vor allem in der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD), der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) und der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) stark, während sie jedoch in der Gesamtorganisation des ÖGB neben der dominierenden FSG nur geringen Einfluss hat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftung für die Pflege der Tradition der christlichen Arbeiterbewegung Wien (Hg.): Die christlichen Gewerkschaften in Österreich. Europaverlag, Wien 1975, ISBN 3-203-50538-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • fcg.at – offizielle Homepage

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stiftung für die Pflege der Tradition der christlichen Arbeiterbewegung Wien (Hg.): Die christlichen Gewerkschaften in Österreich. Europaverlag, Wien 1975, ISBN 3-203-50538-X, S. 13 f.
  2. FCG-Homepage von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter; [1] abgerufen am 23. Oktober 2018.