Franco Stella

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Franco Stella (eigentlich Francesco Stella;[1] * 24. April 1943 in Thiene,[2] Provinz Vicenza) ist ein italienischer Architekt. Größere internationale Bekanntheit erwarb Stella 2008 mit dem Gewinn des Wettbewerbs um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stella studierte bis 1968 an der Architekturhochschule IUAV in Venedig. Anfang der 1970er Jahre nahm er dort unter Leitung von Carlo Aymonino an der Lehr- und Forschungstätigkeit der Gruppo Architettura teil. 1973 wurde er Dozent für Architekturgestaltung an der IUAV.[2] Seit 1990 ist er Professor für Architektonisches Entwerfen an der Fakultät für Architektur der Universität Genua. Er führt ein kleines Architekturbüro in Vicenza mit etwa fünf bis acht Mitarbeitern.[3] Stella sieht sich als einen Vertreter des klassisch-modernen Rationalismus in einer Tradition, die von Schinkel bis Mies van der Rohe reicht.[4] Sein Anliegen ist das „Weiterbauen historischer Gebäude“.[5]

1991 gab es eine größere Werkausstellung des Architekten.[6]

Am 28. November 2008 gewann er den Architektenwettbewerb für die Planung des Humboldtforums in Berlin mit den rekonstruierten Fassaden des Berliner Stadtschlosses.[3] In der Vorbereitung und geplanten Realisierung arbeitet Stella mit dem Büro Hilmer & Sattler sowie mit dem Büro Gerkan, Marg und Partner zusammen, mit denen entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden.[7] Stella hatte zuvor bereits an den Wettbewerben für das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt teilgenommen und saß in der Jury des städtebaulichen Wettbewerbs für die Gestaltung der Spreeinsel.[1]

2015 verlieh ihm seine Geburtsstadt den Thiene-Preis.[8]

Unklarheiten im Rahmen des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ausschreibung zur architektonischen Ausgestaltung des Humboldtforums bestanden Unklarheiten, ob Franco Stellas Ausschreibungsgewinn rechtmäßig war. Eine der Auflagen war eine aktive Beschäftigung von mindestens drei vollausgebildeten Architekten im eigenen Büro über einen längeren Zeitraum. Das Bundeskartellamt erklärte den Vertrag aufgrund mangelnder Nachweise für nichtig.[9] Durch diese Rechtsprobleme kam es zu massiven Verzögerungen in der Bauplanung. Am 2. Dezember 2009 erklärte das Oberlandesgericht Düsseldorf den Ausschreibungsgewinn für rechtskräftig. Obwohl formale Mängel vorlagen, ging das Gericht nicht von einer Ungültigkeit der Verträge aus.[10] 2011 und 2014 präsentierte Dokumente belegen, dass Stella die formalen Voraussetzungen nicht erfüllte.[11]

Bauten und Entwürfe (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francesco Moschini: Franco Stella: Progetti di architettura, 1970–1990. Edizioni Kappa, Rom 1991, ISBN 88-7890-031-1.
  • Valter Balducci: Franco Stella: Progetti per la fiera di Padova. Il Polirafo, Padua 2005.
  • Federico Motta Editore (Hrsg.): Franco Stella. Mailand, 2005. ISBN 88-7179-512-1 (Werkbuch)
  • Franco Stella: Schriften und Entwürfe. In: Franco Stella, Peter Stephan: Franco Stella. DOM Publishers, Berlin 2010, Bd. 1.
  • Peter Stephan: Das Humboldt-Forum als moderner Weiterbau des Berliner Schlosses und als Vollendung der Museumsinsel. In: Franco Stella, Peter Stephan: Franco Stella. DOM Publishers, Berlin 2010, Bd. 2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Das ist der Mann, der das Stadtschloss neu baut. In: Berliner Morgenpost, 28. November 2008
  2. a b Pressemitteilung zur Eröffnung seiner Ausstellung in Rom 1991 (PDF; 350 kB; italienisch)
  3. a b Berliner Humboldtforum – Der Wettbewerb ist entschieden. In: taz, 28. November 2008
  4. Einer der bekanntesten Unbekannten. In: Süddeutsche Zeitung, 1. Dezember 2008
  5. Art-Magazin am 1. Dezember 2008
  6. a b c d Nikolaus Bernau: Kälte als Programm. Was der Architekt des Humboldt-Forums Franco Stella von der Baukunst will, offenbart sein Buch.. In: Berliner Zeitung, 29. September 2010, S. 25
  7. Information im WDR 5 über Frank Stella; abgerufen am 3. Oktober 2010
  8. Pressemitteilung 2015 (ital.)
  9. "Bereits am 29. Juni hatte art-Korrespondent Kito Nedo und "Zitty"-Redakteur Daniel Boese in einem Artikel auf die Verfahrensfehler, Seilschaften und die Berliner "Planungsmafia" hingewiesen."
  10. http://www.zeit.de/kultur/2009-12/stadtschloss-berlin-duesseldorf
  11. Das Magazin „Art“ hatte 2011 bereits ähnliche Belege wie die jetzigen präsentiert. Dass der Architekt den Schloss-Bauherrn belogen hatte, ist somit spätestens seit drei Jahren bekannt.