Frank Gust

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Frank Gust (* 24. Mai 1969 in Oberhausen) ist ein zu lebenslanger Haft verurteilter deutscher Serienmörder, der Mitte der 1990er Jahre vier Morde, einen davon in Tateinheit mit Vergewaltigung, beging. Außerdem hatte er bereits vorher hunderten von Tieren sexuelle Gewalt angetan und sie getötet.[1]

In den Medien wurde er bis zu seiner Überführung als Rhein-Ruhr-Ripper bezeichnet.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Gust wuchs in einer zerstörerisch wirkenden Familie auf. Außerhalb seines Elternhauses wurde Gust schon früh immer wieder sexuell missbraucht, vergewaltigt und auch gefoltert. Seine eigenen Eltern werden als lieblos und kalt beschrieben. Gust wurde zum notorischen Lügner und begann seine Gewalttätigkeit zunächst als Tierquäler auszuleben.[2] Gust wird innerhalb der Serienmörder als sexueller Sadist eingestuft.[3]

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits mit acht Jahren zeigte er einen ausgeprägten Hang zur Tierquälerei.[4] Als Gust neun Jahre alt war, kaufte er einem Mitschüler ein Meerschweinchen ab, das er aber wegen der Tierhaarallergie seines Stiefvaters nicht behalten durfte. Auf Geheiß seiner Großmutter sollte er das Tier töten. Er band es mit Bast an in die Erde gerammte Stöckchen und versuchte, das bewegungsunfähige Tier mit einer Betonplatte zu erschlagen. Die Betonplatte traf jedoch nicht den Kopf, sondern den Leib des Meerschweinchens, sodass dessen Eingeweide herausquollen. Dieser Anblick bereitete Gust große Lust und er begann, mit seinen Händen in der Bauchhöhle des Meerschweinchens zu wühlen.[5] Dabei „betastete [Gust] die Eingeweide“ des getöteten Tieres, „mochte das Gefühl, die Wärme, wenn er mit den Händen in die Bauchhöhle fasste.“[4] Später bezeichnete Gust dieses prägende, mit großer Intensität erlebte Ereignis als eine Art „Schlüsselerlebnis“.[5]

Auf die Frage wie viele Tiere er im Laufe seiner Täterkarriere getötet hat, macht Gust selbst die Aussage, es seien wohl etliche hundert Tiere gewesen aber unter 1000 , wenn man Groß- und Kleintiere zusammenrechnet.[6]

Pubertät und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um erneut die beim Anblick des sterbenden Meerschweinchens empfundene Lust zu verspüren, quälte und tötete Gust in den folgenden Jahren immer wieder Kaninchen, die er in der Nachbarschaft stahl. Mit Einsetzen der Pubertät vergrößerte sich diese Lust noch und er begann, beim Anblick der gemarterten Tiere zu masturbieren, sodass sich Sexualtrieb, Sadismus und Gewalt miteinander unheilvoll zu verbinden begannen.[5] Im Alter von 13 Jahren versuchte Gust, seine nekrophile Neigung durch Einbrüche in Leichenschauhäuser und sexuelle Handlungen an den dort aufbewahrten Leichnamen zu befriedigen, die er zu diesem Zweck aufschlitzte. Da die Körper jedoch bereits abgekühlt waren, bekam er nicht die erhoffte Befriedigung.[4] Seine Phantasien drehten sich zu diesem Zeitpunkt auch schon um das Töten von Pferden[5], aber erst im Alter von 24 Jahren setzte Gust diese Vorstellung in die Tat um.[5] Nach seiner Festnahme berichtete Gust, sein „größter Wunsch“ bestehe darin, „einer sterbenden Frau an das pochende Herz zu fassen“.[4]

Ähnlich gelagerte Taten zeigen auch die Biografien anderer sadistisch motivierter Serientäter auf. Von Forensikern wird dieses sich langsam steigernde Gewaltverhalten als typische „Probierphase“ von Serienmördern gewertet, das später, wie im Fall Gust, von diesen auch bei Menschen angewandt wird.

Serienmorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1994 und 1998 ermordete Frank Gust mindestens vier Frauen. Sein erstes Opfer war 1994 eine 28-jährige südafrikanische Anhalterin namens Katherine Th. 1996 und 1998 brachte er zwei Prostituierte (Svenja D. und Sandra aus der W.) im Alter von 30 und 26 Jahren um, die er jeweils am Essener Hauptbahnhof aufgelesen hatte. Bei seinem mutmaßlich letzten Opfer, Gerlinde N., handelte es sich um seine 47-jährige angeheiratete Tante.

Den Namen „Rhein-Ruhr-Ripper“ erhielt er von den Boulevard-Medien, da er seine Taten überwiegend im Rhein-Ruhr-Gebiet verübte und diese Parallelen zu den Morden von Jack the Ripper aufwiesen. Frank Gust platzierte die Leichen seiner stark verstümmelten und teilweise ausgeweideten Opfer in der Regel an gut einsehbaren Orten, so dass sie unmittelbar nach dem Tatgeschehen aufgefunden wurden. Einzig die Leiche seiner Tante blieb verschwunden.

Aufklärung der Taten und Urteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 deutete Frank Gust seiner Mutter gegenüber an, einen Mord begangen zu haben. Diese berichtete schockiert einer Freundin davon, die daraufhin die Polizei auf den Serienmörder aufmerksam machte. Gust wurde kurze Zeit später verhaftet. Er widerrief das Geständnis allerdings. Erst durch die Recherche einer Redakteurin von Aktenzeichen XY und durch DNA-Spuren wurde er überführt. Bei seinem nachfolgenden Geständnis bestand er darauf, dass seine Ehefrau anwesend ist.

Am 21. September 2000 wurde er vom Duisburger Schwurgericht wegen vierfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Dies war mit der Auflage verbunden, sich einer Therapie zu stellen. Gust war zuvor eine eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert worden. Er trat seine Haftstrafe unmittelbar nach dem Urteil in einer forensischen Strafanstalt an. Schon nach sechs Monaten brach er die Therapie ab und ließ sich in den normalen Vollzug verlegen. Er begründete den Abbruch mit der Feststellung, nicht therapierbar zu sein, und äußerte den Wunsch, bis zu seinem Tod verwahrt zu werden, da er in Freiheit dauerhaft eine Gefahr für andere sei. Er sitzt in der JVA Werl ein. Seit 2020 hat er wieder regelmäßigen begleiteten Freigang. Er heiratete erneut und beantragte die Freilassung nach seiner abgesessenen Freiheitsstrafe. Hierüber wurde noch nicht entschieden.

Mediales Nachspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fall Frank Gust wurde in verschiedenen Dokumentationen thematisiert. 2001 in der 37°-Sendung des ZDF Die Hölle in mir, später in der dreiteiligen Dokumentation Die Maske des Bösen. Weiterhin wurde er in der 2010 erstmals auf VOX ausgestrahlten Dokumentation Das Böse nebenan – wenn Menschen zu Bestien werden behandelt. Im Oktober des gleichen Jahres war seine Mutter Dagmar Eichhorn in der ZDF-Talkshow Markus Lanz zu Gast.[7] Am 24. April 2012 trat seine Mutter in der Sendung Menschen bei MaischbergerGier, Hass, Eifersucht: Kann jeder zum Mörder werden? auf. Mit Dagmar Eichhorn hat man sich auch in der 37°-Folge Mein Sohn, der Mörder – Eltern zwischen Liebe und Entsetzen am 2. April 2013 im ZDF beschäftigt. In der Dokumentation Jack the Ripper – Was wirklich geschah des Senders Sat.1 am 29. November 2016 wurden Parallelen zwischen Gust und den Taten Jack the Rippers gezogen. Bei einer Spezialausgabe von Aktenzeichen XY am 28. November 2018 wurde die Tat nochmals erläutert, wobei die Kriminalpsychologin Lydia Benecke als geladene Expertin auf den Täter einging. Am 13. Mai 2021 erschien auf der Videoplattform von TVnow eine dreiteilige Dokumentation mit dem Titel "Der Rhein-Ruhr-Ripper Frank Gust – Das Leben eines Serienmörders."[8][9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Klages: „Brieffreundschaft“ mit einem Serienmörder. Kirchschlager, Arnstadt 2014, ISBN 978-3-934277-49-6
  • Petra Klages: Der Rhein-Ruhr-Ripper Frank Gust: Interviews. Kirchschlager, Arnstadt 2017, ISBN 978-3-934277-71-7
  • K. Engler/H. Ensink: Der „Rhein-Ruhr-Ripper“. Bericht über Highlights, Frust, Zufälle und erzwungenes Glück in 17 Monaten Ermittlungsarbeit bis zur Überführung des Serientäters Frank Gust. In: Der Kriminalist (Jg. 2000), S. 491–498; ebd. (Jg. 2001), S. 17–22 und 67–71.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der sadistische Serienmörder Frank Gust Abgerufen am 2. April 2021.
  2. Der sadistische Serienmörder Frank Gust Abgerufen am 2. April 2021.
  3. Philip Eppelsheim: Sicherheitsverwahrung: Der böse Wolf (Teil 5). Frankfurter Allgemeine, 11. Juli 2011, abgerufen am 15. November 2014.
  4. a b c d Philip Eppelsheim: Sicherheitsverwahrung: Der böse Wolf (Teil 4). Frankfurter Allgemeine, 11. Juli 2011, abgerufen am 15. November 2014.
  5. a b c d e Hauke Goos: Ein nützlicher Mörder. Spiegel Online, 22. August 2005, abgerufen am 16. November 2014.
  6. Interview mit Frank Gust Abgerufen am 2. April 2021.
  7. Video Sendung Markus Lanz: „Das Böse im Menschen“ (5. Oktober 2010, 76 Minuten) in der ZDFmediathek, abgerufen am 26. Januar 2014. (offline)
  8. Die Ermittlungs-Odyssee. Der Fall „Frank Gust“. zdf.de vom 28. November 2018.
  9. Aktenzeichen XY … gelöst! zdf.de vom 28. November 2018, Video ab 30:57. Verfügbar bis 6. Januar 2019.