Frank Schneider (Psychiater)

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Frank Schneider

Frank Schneider (* 22. Januar 1958 in Wetzlar) ist ein deutscher Psychiater und Psychologe, Professor für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der RWTH Aachen und Direktor am JARA-BRAIN Institut am Forschungszentrum Jülich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneider studierte von 1977 bis 1983 Psychologie und von 1980 bis 1986 Medizin an der Universität Gießen. Nach Tätigkeit in Tübingen von 1986 bis 1991 arbeitete Frank Schneider im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes von 1991 bis 1993 an der University of Pennsylvania, zu der er weiterhin wissenschaftliche Kontakte als Adjunct Professor of Psychiatry sowie als Sprecher des Internationalen Graduiertenkollegs 1328 der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterhält. Er hat über 500 wissenschaftliche Arbeiten vorgelegt, darunter zahlreiche Fachbücher und Ratgeber.

Nach einer Lehrstuhlvertretung für Klinische Psychologie 1995 an der Universität Tübingen erhielt Schneider 1996 einen Ruf an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Düsseldorf. 2003 übernahm Schneider die Leitung der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie jener für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin im Universitätsklinikum Aachen, die 2010 als Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik zusammengeführt wurden. Rufe auf die Direktorate der Psychiatrischen Universitätskliniken Rostock und Frankfurt hat er abgelehnt. Seit 2016 ist er Direktor des neu gegründeten JARA-Institutes: "Brain structure function relationships: Decoding the human brain at systemic levels", gemeinsam etabliert vom Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen. Er ist seit 2011 Prodekan der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen. Auch ist er Gründungsvorsitzender des Vereins der deutschen Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie (LIPPs) sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie (DGBP).

Schneider war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und ist in der Gesellschaft weiter Mitglied im Vorstand. Er gründete das DGPPN-Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“. In der Robert-Enke-Stiftung ist er Mitglied des Kuratoriums.

Daneben ist er Gründungsdirektor von JARA-BRAIN, einem Forschungsinstitut zur translationalen Hirnforschung, welches im Rahmen der Bewerbung der RWTH Aachen für die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder als Teil der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) gefördert wird. Auch im Dachverband JARA, dem Zusammenschluss von RWTH Aachen und Forschungszentrum Jülich, war er geschäftsführender Gründungsdirektor. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist er im Ärztlichen Sachverständigenbeirat Versorgungsmedizin und bei dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte im Wissenschaftlichen Beirat tätig. Bei der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler in der Ärztekammer Nordrhein ist er stellvertretendes geschäftsführendes Mitglied.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1990: Attempto-Preis für Neurowissenschaften, Universität Tübingen
  • 1990: Forschungsförderpreis der DGPN-Duphar-Stiftung
  • 1995: „Beste Vorlesung im Hauptstudium der Psychologie im Sommersemester 1995“, Interessenvertretung der Studierenden der Psychologie an der Universität Tübingen
  • 1996: Hans-Roemer-Preis zur Förderung der klinischen Psychosomatik, Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin
  • 2005: Qualitätsförderpreis Gesundheit Baden-Württemberg (2. Preis), Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg
  • 2008: Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
  • 2013: Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus, verliehen durch die Bundesärztekammer, das Bundesministerium für Gesundheit und die Kassenärztliche Bundesvereinigung, gemeinsam mit Sigrid Falkenstein
  • 2015: International Fellow, American Psychiatric Association
  • 2015: Gegen Vergessen - Für Demokratie[1]
  • 2016: Karl-Jaspers-Gastprofessur, Universität Oldenburg[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor
  • Psychophysiologische Unspezifität schizophrener Erkrankungen. Fischer, Stuttgart 1992
  • (mit Ute Habel) Psychosoziale Betreuung von Opferzeugen in Strafprozessen. Nomos, Baden-Baden 2000
  • (mit Helmut Frister, Dirk Olzen) Begutachtung psychischer Störungen. Springer, Berlin 2006, 3. vollst. überarb. u. aktual. Aufl. 2015
  • (mit Michael von Cranach) In Memoriam. Erinnerung und Verantwortung. Ausstellungskatalog, Springer, Berlin 2010
  • (mit Sabrina Weber-Papen) Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie … in 5 Tagen. Springer, Heidelberg 2010
  • (mit Thomas Nesseler) Depressionen im Alter. Die verkannte Volkskrankheit. Herbig, München 2011
  • (mit Peter Falkai, Wolfgang Maier) Psychiatrie 2020. Perspektiven, Chancen, Herausforderungen. Springer, Berlin 2011, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage: Psychiatrie 2020 plus. Perspektiven, Chancen, Herausforderungen. Springer, Berlin 2012, [1] (PDF; 3,3 MB)
  • (Mitarbeit) Sigrid Falkenstein: Annas Spuren: Ein Opfer der NS-„Euthanasie“. Herbig, München 2012; Kurzfassung in einfacher Sprache: Spaß am Lesen Verlag, Münster 2015.
  • Demenz. Der Ratgeber für Patienten und Angehörige. Herbig, München 2012
  • Depressionen im Sport. Der Ratgeber für Sportler, Trainer, Betreuer und Angehörige. Mit einem Geleitwort von Teresa Enke. Herbig, München 2013
  • Borderline: Der Ratgeber für Patienten und Angehörige. Herbig, München 2013
Als Herausgeber
  • (mit Mathias Bartels, Klaus Foerster und Hans-Jörg Gaertner) Perspektiven der Psychiatrie. Forschung – Diagnostik – Therapie. Fischer, Stuttgart 1991
  • (mit Helmut Frister) Alkohol und Schuldfähigkeit. Entscheidungshilfen für Ärzte und Juristen. Springer, Berlin 2002
  • Entwicklungen der Psychiatrie. Symposium anlässlich des 60. Geburtstages von Henning Sass. Springer, Berlin 2006
  • (mit Wilhelm Niebling) Psychische Erkrankungen in der Hausarztpraxis. Springer, Heidelberg 2008
  • Psychiatrie im Nationalsozialismus. Erinnerung und Verantwortung/Psychiatry under National Socialism. Remembrance and Responsibility. Mit DVD. Springer, Berlin 2011
  • Gerhard Schmidt: Selektion in der Heilanstalt 1939–1945. Neuausgabe mit ergänzenden Texten. Springer, Berlin 2012
  • Irgendwie kommt es anders. Psychiater erzählen. Springer, Berlin 2012
  • Positionen der Psychiatrie. Springer, Berlin 2012
  • (mit Gereon R. Fink) Funktionelle Kernspintomographie in Psychiatrie und Neurologie. Springer, Heidelberg 2007, 2. vollst. überarb. u. aktual. Aufl. 2013
  • (mit Matthias Bormuth) Psychiatrische Anthropologie. Kohlhammer, Stuttgart 2013
  • (mit Petra Lutz) Erfasst, verfolgt, vernichtet: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus/Registered, persecuted, annihilated: The Sick and the Disabled under National Socialism. Springer, Heidelberg 2014
  • Klinikmanual Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2008, 2. vollst. überarb. u. aktual. Aufl. 2016
  • (mit Martin Härter und Susanne Schorr) DGPPN, BÄK, KBV, AWMF: NationaleVersorgungsleitlinie Unipolare Depression. Springer, Heidelberg 2017
  • Facharztwissen Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2012, 2. vollst. überarb. u. aktual. Aufl. 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gegen Vergessen – Für Demokratie
  2. Universität Oldenburg