Frankenhain (Schwalmstadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 55′ 32″ N, 9° 9′ 32″ O

Frankenhain
Höhe: 294 (270–300) m
Fläche: 1,67 km²[1]
Einwohner: 276 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 165 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34613
Vorwahl: 06691
Frankenhain
Frankenhain

Frankenhain ist ein Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankenhain ist ein zweizeiliges Straßendorf nach Planschema auf einem Feldrücken. Im Norden und Nordwesten fällt der Ort steil in das bewaldete Katzenbachtal ab, nach Südwesten dagegen neigt sich die Ortslage schwach zum Schwalm- und Wieratal.

Frankenhain liegt an der Kreisstraße 102 und ist über die Landesstraße 3155 von Treysa nach Sachsenhausen erreichbar. Unweit der Ortschaft wird seit 2011 der drittletzte Abschnitt der Bundesautobahn 49 gebaut, der vom derzeitigen Ausbauende bei Neuental bis nach Schwalmstadt führt, darunter der etwa 900 Meter lange "Tunnel Frankenhain".[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

1701 wird das heutige Frankenhain erstmals erwähnt, als die auf Anweisung des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel landgräflichen Regierung dort eine Hugenottenkolonie errichtete. Namensgebend waren der angrenzende Wald Frankenhain und die ca. 1,5 km östlich gelegenen Wüstung Frankenhain,[4] in deren ehemaliger Gemarkung die Siedlung angelegt wurde. Die kleine Kolonie diente der Aufnahme eines Teils der 100 Hugenottenfamilien, die 1699 aus der Dauphiné und dem Languedoc nach Treysa gekommen waren. Die Kolonie war bis 1800 unmittelbar der "französischen Kanzlei" der landgräflichen Regierung in Kassel unterstellt.

Die Gründungsanlage bestand aus einer in gerader Fluchtlinie ca. 300 Meter langen Häuserzeile. Sie umfasste 1723 sechs Einzel- und sechs Doppelhäuser mit 18 Besitzeinheiten („Portionsländereien“). Als Bau- und Wirtschaftsgelände wurden den Siedlern (ursprünglich vermutlich 14 Familien) „Trieschflächen “ zugewiesen, die von der Stadt Treysa vorher genutzt worden waren und wohl als Teil der Flur der Wüstung Rückershausen anzusehen sind. Weitere bauliche Erweiterungen erfolgten zunächst im westlichen Anschluss an die bereits vorhandene Häuserzeile, später dann auch im Osten sowie auf der zunächst freigebliebenen südlichen Straßenseite. Die in der Gründungszeit errichteten Fachwerkhäuser wurden überwiegend im frühen 19. Jahrhundert durch neue Bauten ersetzt.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde Frankenhain am 31. Dezember 1970 ein Stadtteil von Schwalmstadt.[5]

Wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Mangel an ausreichenden Grünland- und Hüteflächen hielt sich die Landwirtschaft in bescheidenen Grenzen. Um 1716 wird von einem, bis dahin in Hessen unüblichen Anbau von Knoblauch, Poree, Salat und Spinat durch die hugenottischen Siedler berichtet. Die meisten der Erstsiedler waren jedoch Strumpfmacher oder Strumpfweber (1742 waren zehn, 1818 waren achtzehn Strumpfweber im Ort ansässig). Daneben gab es noch einige Hutmacher. Diese handwerklichen Berufe verschwanden nach Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend.

Kulturdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kulturdenkmäler des Ortes siehe Liste der Kulturdenkmäler in Frankenhain (Schwalmstadt).

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche wurde 1746-54 erbaut und 1894 (Bauinschrift) renoviert. Die schmucklose, verschindelte Fachwerkkirche von drei Achsen zeigt einen in dieser Form in Hessen eher seltenen barocken sechseckigen Haubendachreiter. Bis zur Errichtung einer eigenen Kirche hielten die Hugenotten ihre Gottesdienste in der Hospitalskapelle in Treysa ab. Der Gottesdienst wurde bis zum Jahr 1876 noch überwiegend in französischer Sprache abgehalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giebel, Hugenottensiedlung, S. 67 ff
  • Zögner, Hugenottendörfer, insbesondere S. 168–180 (Pläne)
  • HOL Ziegenhain, S. 41 f.
  • H. Cronjaeger, Treysa/Frankenhain In: „J. Desel, W. Mogk, Hugenotten und Waldenser in Hessen-Kassel (1978)“ = Monographia Hassiae 5, S. 276–295

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen/ Daten/ Fakten im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  2. „Einwohnerzahlen“ im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  3. Bau des Autobahntunnels Frankenhain. Abgerufen am 10. März 2013.
  4. Erstmals 1297 und letztmals 1439 erwähnt.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]