Frankenhain (Schwalmstadt)

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Frankenhain
Koordinaten: 50° 55′ 32″ N, 9° 9′ 32″ O
Höhe: 294 (270–300) m ü. NHN
Fläche: 1,67 km²[1]
Einwohner: 269 (31. Dez. 2018) HW[2]
Bevölkerungsdichte: 161 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34613
Vorwahl: 06691
Frankenhain

Frankenhain ist ein Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankenhain ist ein zweizeiliges Straßendorf nach Planschema auf einem Feldrücken. Im Norden und Nordwesten fällt der Ort steil in das bewaldete Katzenbachtal ab, nach Südwesten dagegen neigt sich die Ortslage schwach zum Schwalm- und Wieratal.

Frankenhain liegt an der Kreisstraße 102 und ist über die Landesstraße 3155 von Treysa nach Sachsenhausen erreichbar. Unweit der Ortschaft wird seit 2011 der drittletzte Abschnitt der Bundesautobahn 49 gebaut, der vom derzeitigen Ausbauende bei Neuental bis nach Schwalmstadt führt, darunter der etwa 900 Meter lange „Tunnel Frankenhain“.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Auf Anweisung der Regierung der Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde 1701 die Hugenottenkolonie Frankenhain angelegt, die zur Aufnahme eines Teils der 1699 nach Treysa gekommenen 100 Hugenottenfamilien aus der Dauphiné und dem Languedoc dienen sollte. Namensgebend waren der angrenzende Wald Frankenhain und die ca. 1,5 km östlich gelegenen Wüstung Frankenhain,[4] in deren ehemaliger Gemarkung die Siedlung angelegt wurde. Die Kolonie war bis 1800 unmittelbar der „französischen Kanzlei“ der landgräflichen Regierung in Kassel unterstellt.

Die Gründungsanlage bestand aus einer in gerader Fluchtlinie ca. 300 Meter langen Häuserzeile. Sie umfasste 1723 sechs Einzel- und sechs Doppelhäuser mit insgesamt 18 Besitzeinheiten („Portionsländereien“). Als Bau- und Wirtschaftsgelände wurden den Siedlern (ursprünglich vermutlich 14 Familien) „Trieschflächen“ zugewiesen, die von der Stadt Treysa vorher genutzt worden waren und wohl als Teil der Flur der Wüstung Rückershausen anzusehen sind. Weitere bauliche Erweiterungen erfolgten zunächst im westlichen Anschluss an die bereits vorhandene Häuserzeile, später dann auch im Osten sowie auf der zunächst freigebliebenen südlichen Straßenseite. Die in der Gründungszeit errichteten Fachwerkhäuser wurden überwiegend im frühen 19. Jahrhundert durch neue Bauten ersetzt.

Durch den Mangel an ausreichenden Grünland- und Hüteflächen hielt sich die Landwirtschaft in bescheidenen Grenzen. Um 1716 wird von einem bis dahin in Hessen unüblichen Anbau von Knoblauch, Poree, Salat und Spinat durch die hugenottischen Siedler berichtet. Die meisten der Erstsiedler waren jedoch Strumpfmacher oder Strumpfweber (1742 waren zehn, 1818 waren achtzehn Strumpfweber im Ort ansässig). Daneben gab es noch einige Hutmacher. Diese handwerklichen Berufe verschwanden nach Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1970 die beiden Städte Treysa und Ziegenhain mit den umliegenden bis dahin selbständigen Gemeinden Ascherode, Florshain, Frankenhain, Niedergrenzebach, Rommershausen und Trutzhain auf freiwilliger Basis zur neuen Stadt Schwalmstadt.[5] Dadurch wurde Frankenhain ein Stadtteil von Schwalmstadt. Für die ehemals eigenständigen Städte und Gemeinden von Schwalmstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Staats- und Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Staaten, in denen Frankenhain lag, und deren Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Frankenhain 273 Einwohner. Darunter waren 6 (2,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 51 Einwohner unter 18 Jahren, 111 zwischen 18 und 49, 57 zwischen 50 und 64 und 54 Einwohner waren älter.[11] Die Einwohner lebten in 120 Haushalten. Davon waren 33 Singlehaushalte, 33 Paare ohne Kinder und 36 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 51 Haushaltungen lebten keine Senioren.[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1742: 22 Familien[7]
  • 1780: 12 Familien, 105 Einwohner[7]
Frankenhain: Einwohnerzahlen von 1780 bis 2016
Jahr  Einwohner
1780
  
105
1800
  
?
1834
  
226
1840
  
231
1846
  
231
1852
  
232
1858
  
224
1864
  
211
1871
  
183
1875
  
191
1885
  
204
1895
  
205
1905
  
191
1910
  
186
1925
  
225
1939
  
201
1946
  
313
1950
  
322
1956
  
253
1961
  
233
1967
  
256
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
273
2016
  
279
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[7]; Stadt Schwalmstadt[12]; Zensus 2011[11]

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

  • 1742: 8 Strumpfweber, 2 Zeugmacher, 1 Leineweber, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Schlosser, 2 Strumpfwebergesellen
  • 1838: Familien: 9 Ackerbau, 14 Gewerbe, 21 Tagelöhner.
  • 1961: Erwerbspersonen: 70 Land- und Forstwirtschaft, 38 produzierendes Gewerbe, 14 Handel und Verkehr, 8 Dienstleistungen und Sonstiges

Historische Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kulturdenkmäler des Ortes siehe Liste der Kulturdenkmäler in Frankenhain (Schwalmstadt).

Kirche

Die evangelische Kirche wurde 1746–1754 erbaut und 1894 (Bauinschrift) renoviert. Die schmucklose, verschindelte Fachwerkkirche von drei Achsen zeigt einen in dieser Form in Hessen eher seltenen barocken sechseckigen Haubendachreiter. Bis zur Errichtung einer eigenen Kirche hielten die Hugenotten ihre Gottesdienste in der Hospitalskapelle in Treysa ab. Der Gottesdienst wurde bis zum Jahr 1876 noch überwiegend in französischer Sprache abgehalten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen/ Daten/ Fakten. In: Webauftritt. Stadt Schwalmstadt, abgerufen im August 2020.
  2. Einwohnerzahlen 31. Dezember 2018. In: Webauftritt. Stadt Schwalmstadt, abgerufen im August 2020.
  3. Bau des Autobahntunnels Frankenhain. Abgerufen am 10. März 2013.
  4. Erstmals 1297 und letztmals 1439 erwähnt.
  5. Zusammenschluss von Gemeinden zur Stadt „Schwalmstadt“ Landkreis Ziegenhein vom 7. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 4, S. 139, Punkt 158 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,3 MB]).
  6. Hauptsatzung. (DOCX; 30 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadtverwaltung Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2022.
  7. a b c d e f Frankenhain, Schwalm-Eder-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Juli 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 88 f. (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74 f.
  11. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 8,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 40 und 96;.
  12. Einwohnerzahlen. Stadtverwaltung Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2022.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giebel, Hugenottensiedlung, S. 67 ff
  • Zögner, Hugenottendörfer, insbesondere S. 168–180 (Pläne)
  • HOL Ziegenhain, S. 41 f.
  • H. Cronjaeger, Treysa/Frankenhain In: „J. Desel, W. Mogk, Hugenotten und Waldenser in Hessen-Kassel (1978)“ = Monographia Hassiae 5, S. 276–295
  • Literatur über Frankenhain nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]