Frankenturm (Trier)

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Frankenturm
Frankenturm Trier, Zeichnung von D. Wirtz (1806)
Karte der befestigten Wohnanlagen im hochmittelalterlichen Trier

Der Frankenturm ist ein wehrhafter Wohnturm in der Stadt Trier. Er steht in der Dietrichstraße nahe dem Hauptmarkt im Zentrum der Stadt.

Der Frankenturm wurde im 11. Jahrhundert erbaut und ist nach einem seiner Bewohner aus dem 14. Jahrhundert, Franco von Senheim, benannt worden. Die Mauertechnik des Gebäudes imitiert bewusst das Aussehen römischer Ruinen die damals noch in größerer Zahl in Trier sichtbar waren. Für die Errichtung des Turmes wurde auch Material aus römischen Bauten gewonnen, neben Ziegelsteinen auch ein Stein aus einem Grabmal, der eine Inschrift trägt und als Türsturz verwendet wurde. Der ursprüngliche Eingang lag hoch über dem Boden und war nur über eine außenliegende Holztreppe erreichbar (das heute vorhandene große Tor im Erdgeschoss des Turmes stammt aus späterer Zeit), die Treppe konnte im Verteidigungsfall hochgezogen werden.

Diese Wehrhaftigkeit einzelner Gebäude deutet auf eine unvollständige und damit nicht mehr funktionsfähige Stadtbefestigung in dieser Zeit hin. In Trier gab es wahrscheinlich sieben oder acht solcher wehrhaften Wohntürme, von denen neben dem Frankenturm aber nur noch der Turm Jerusalem und das Dreikönigenhaus weitgehend erhalten sind, die übrigen konnten lediglich durch in spätere Gebäude einbezogene Reste oder auch nur archäologische Befunde nachgewiesen werden.

Der Frankenturm diente den Ministerialen, die im Dienste des Erzbischofs standen, als Wohnturm. Ursprünglich war er fünf Stockwerke hoch. Im Jahre 1308 wurde er aber bis auf zweieinhalb Stockwerke abgetragen und mit einem Pultdach versehen. Im Jahre 1938/39 wurde er wiederhergestellt und mit einer Schieferabdeckung versehen. Man plante hier ein NS-Staatsjugendheim, das jedoch nicht mehr verwirklicht wurde. Das Innere des Turmes verblieb im Rohbauzustand. Da nach dem Zweiten Weltkrieg auch das letzte später an den Turm angebaute Haus abgerissen wurde steht er heute wieder nach allen Seiten frei.

Im Jahre 2005 wurden die Dachentwässerung und das Dach repariert sowie einige Renovierungsmaßnahmen vorgenommen.

Nachdem der Turm lange leer stand und nur von außen besichtigt werden konnte, wurde am 14. Juli 2006 durch eine feierliche „Erstürmung“ des Turms die lange geplante und durch private Spenden finanzierte Renovierung symbolisch begonnen. Bei der Renovierung des Turmes wurden die für eine Nutzung notwendigen Einbauten wie Treppen und Toiletten ganz bewusst in modernen Formen und Materialien geschaffen sowie das Mauerwerk des Turms unverändert belassen. Hierdurch sind historische und neue Bauteile deutlich voneinander zu unterscheiden, die Spuren der Zeit blieben ablesbar.

Am 14. April 2007 wurde der Frankenturm im Rahmen eines Bürgerfestes wiedereröffnet. Er dient heute zum einen als Ausgangspunkt für Erlebnisführungen der Tourist Information Trier und kann für Veranstaltungen oder Tagungen von dieser angemietet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lukas Clemens: Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 30 (1998), S. 91-108.
  • Franz-Josef Knöchel: Befestigte Wohnanlagen im mittelalterlichen Trier. In: Kurtrierisches Jahrbuch 42 (2002), S. 85-103 („Frankenturm“: S. 89–91, online; PDF; 1,1 MB).
  • Jens Fachbach/ Stefan Heinz/ Georg Schelbert/ Andreas Tacke (Hrsg.): Architekturführer Trier, Petersberg 2014, S. 11-12 u. 118-119.

Weblinks[Bearbeiten]

49.7569444444446.6394444444444Koordinaten: 49° 45′ 25″ N, 6° 38′ 22″ O