Börse Frankfurt

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Börse Frankfurt
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Rechtsform Unselbständige Anstalt des öffentlichen Rechts[1]
Gründung 1585
Sitz Frankfurt am Main
Branche Börsen
Website www.boerse-frankfurt.de
Gebäude der Frankfurter Wertpapierbörse

Die Börse Frankfurt (MIC Code XFRA) ist ein börslicher Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB).

Die Frankfurter Wertpapierbörse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frankfurter Wertpapierbörse ist mit den Handelsplätzen Xetra und Börse Frankfurt eine der größten Börsen für Wertpapiere der Welt. Mit einem Umsatzanteil von 90 Prozent in Deutschland ist sie die größte unter den sieben regionalen Wertpapierbörsen. Die Trägergesellschaften der Frankfurter Wertpapierbörse sind die Deutsche Börse AG und die Börse Frankfurt Zertifikate AG.[2]

Die Handelszeiten sind börsentäglich 9:00 bis 17:30 Uhr am Handelsplatz Xetra und 8:00 bis 20:00 Uhr am Handelsplatz Börse Frankfurt.[3].

Der Präsenzhandel der Frankfurter Wertpapierbörse wurde am 20. Mai 2011 auf die Xetra Handelstechnologie migriert.[4] Hierdurch wurden die bisherigen Skontroführer zu sogenannten Spezialisten.[5]

Geschichte der Frankfurter Wertpapierbörse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Börse Frankfurt, ca. 1845
Innenraum der Alten Börse, 1845

Alte und Neue Börse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Geschichte des Frankfurter Börsenwesens bis zum Bau der Neuen Börse siehe: Alte Börse (Frankfurt am Main)

Seit 1843 besaß die Frankfurter Wertpapierbörse, nachdem sie fast anderthalb Jahrhunderte zur Miete im Haus Braunfels am Liebfrauenberg untergebracht gewesen war, erstmals ein eigenes Börsengebäude.

Damals ahnte kaum jemand, wie schnell Frankfurt bald wachsen sollte (Verstädterung, Demografie Deutschlands) und wie schnell die Bedeutung des Börsenhandels bald wachsen sollte. Nach der Reichsgründung 1871 kam es in Deutschland zu einem Wirtschaftsaufschwung (siehe Gründerjahre) und zu einer sehr raschen Industrialisierung. Das Gebäude der Alten Börse erschien deutlich unterdimensioniert.

Bald stand fest, dass ein neues Gebäude im Nordwesten der Neustadt, auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Anlagen des Rahmhofs und des Taubenhofs entstehen würde, der dafür ebenso wie zahlreiche Häuser für die Durchbrüche der umgebenden Straßen weichen musste. 1879 wurde die von den Frankfurter Architekten Heinrich Burnitz und Oskar Sommer entworfene Neue Börse eingeweiht.

Trotz der mit der industriellen Revolution aufkommenden Aktien lag der Schwerpunkt des Frankfurter Börsenhandels weiterhin auf dem Handel mit Obligationen.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Handel mit ausländischen Wertpapieren nach und nach eingestellt. Darunter litten auch die guten internationalen Kontakte der Frankfurter Börse. Während der Inflation (1914–1923) fiel die Kaufkraft von Wertpapieren, die einen Geldwert ausdrückten, ins Bodenlose. Aktien wurden hingegen zum begehrten Spekulationsobjekt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus behinderte das NS-Regime den freien Markt stark. Das Kapital der Anleger sollte nach dem Willen der Machthaber weitgehend der Aufrüstung der Wehrmacht bzw. später der Kriegswirtschaft zugutekommen und durfte daher nicht mehr in größere Anleihen oder Aktien investiert werden. Reichswirtschaftsministerium und Reichsbank waren wichtige Organe der NS-Politik.

Dennoch fand weiter ein gewisser Börsenhandel statt. Auch während der Luftangriffe auf Frankfurt am Main (im März 1944 wurde das Frankfurter Börsengebäude schwer beschädigt) handelten Makler in den Kellerräumen der Börse.[6] Nach der Kapitulation der Wehrmacht blieb die Börse zunächst geschlossen; im September 1945 konnte sie – als erste deutsche Börse – wiedereröffnet werden.

Nach der Währungsreform 1948 und mit dem deutschen Wirtschaftswunder stieg die Frankfurter Wertpapierbörse in der internationalen Geltung wieder auf. Mit der Erlaubnis zum Handel ausländischer Börsenpapiere im Jahre 1956 konnte die Börse wieder die deutsche Spitzenposition einnehmen. Die Börse Frankfurt begleitete in den 1950er und 1960er Jahren das sogenannte Wirtschaftswunder in Deutschland und hatte nach eignen Angaben eine wichtige Funktion als Kapitalvermittler für den Wiederaufbau des Landes.

1969 begann die Börse, Teile ihres Datenbestandes elektronisch zu verarbeiten.

In der im Internet veröffentlichten Historie wird als nächster Meilenstein die Einführung des Einführung des Börsenbarometers DAX im Jahr 1988 genannt.

Börse vom Main Tower
Reinhard Dachlauer: Bulle & Bär, Bronzeskulpturen auf dem Börsenplatz als Symbol für die steigenden und fallenden Aktienkurse
Blick in den Handelssaal

Parkettumbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oktober 2006 bis Februar 2007 wurde der Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse restauriert. Die hauptsächlich optische Erneuerung sollte nach Angaben der Deutschen Börse vor allem alte Technik durch neue ersetzen. Die vorher rechteckigen Schranken sind nun rund. Für Börsengänge wurden zwei gesonderte Arbeitsplätze unter der bekannten DAX-Tafel eingerichtet. Zudem wurde eine neue Lichterdecke installiert. Erhalten blieb allerdings die Kursanzeige, wie beispielsweise die DAX-Tafel, dies soll nach Angaben des Unternehmens zur Wiedererkennung beitragen.

Der Umbau fand bei laufendem Handel statt. Die Fernsehsender berichteten aus den übrigen Räumen, hauptsächlich dem ehemaligen Rentensaal. Die Besuchergalerie war während der Arbeiten zwar geöffnet, gewährte jedoch nur einen eingeschränkten Einblick auf die Baustelle. Nach vier Monaten Bauzeit wurde der Handelssaal am 26. Februar 2007 wiedereröffnet.[7]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Börsengebäude zum Lichtkunst-Festival Luminale (2008)

Einige Fernsehanstalten berichten mehrmals täglich live aus dem Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse. Pionier der ausführlichen Live-Berichterstattung war die Telebörse ab 1987 bei Sat.1, heute bei n-tv. Außerdem ist die ARD über den Hessischen Rundfunk vertreten. Unter anderem wird die Sendung Börse vor acht produziert, die kurz vor der Hauptausgabe der Tagesschau im Ersten ausgestrahlt wird. Auch berichten die Fernsehsender DAF, Bloomberg Television, ZDF, n-tv, N24, CNBC Europe und DW-TV von der Börse.

Marktaufsicht in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unabhängige Marktaufsicht in Deutschland setzt sich zusammen aus der Handelsüberwachungsstelle (HÜSt), der Börsenaufsichtsbehörde des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf-Christian Setzepfandt: Architekturführer Frankfurt am Main/Architectural Guide. 3. Aufl. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-496-01236-6, S. 31 (deutsch, englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frankfurter Wertpapierbörse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Rechtsform deutscher Wertpapierbörsen, Abfragedatum: 21. November 2012 (PDF; 97 kB).
  2. Organisation der Frankfurter Wertpapierbörse
  3. Handelszeiten an den Handelsplätzen Xetra und Börse Frankfurt
  4. Xetra-Rundschreiben 063/2011 Migration des Präsenzhandels zum 23. Mai 2011. Xetra.com.
  5. Christian Panster, Christian Schnell: Leise Parkettrevolution an der Frankfurter Börse. In: Handelsblatt, 23. Mai 2011, abgerufen am 9. Februar 2016
  6. Deutsche Börse: Historie der FWB – Kriege, Aktien, Wirtschaftswunder – 20. Jahrhundert, abgerufen am 26. Oktober 2008
  7. Börse mit neuem Gesicht, hr-online mit dpa-Material
  8. Überblick: Marktaufsicht in Deutschland

Koordinaten: 50° 6′ 55″ N, 8° 40′ 40″ O