Frankreich beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Frankreichs
Übertragende Rundfunkanstalt
France 3
Erste Teilnahme
1956
Anzahl der Teilnahmen
56 (Stand 2013)
Höchste Platzierung
1 (1958, 1960, 1962, 1969, 1977)
Höchste Punktzahl
147 (1976)
Niedrigste Punktzahl
1 (1966)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
56,24 (Stand 2013)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
2,68 (Stand 2013)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Frankreichs als Teilnehmer im Eurovision Song Contest.

Frankreich war neben Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Italien eines der Länder der ersten Stunde des Eurovision Song Contest im Jahr 1956. Mit bereits fünf Siegen gehört es zu einem der erfolgreichsten Länder im Wettbewerb.

Regelmäßigkeit der Teilnahme[Bearbeiten]

Frankreich nimmt seit dem ersten Wettbewerb 1956 regelmäßig teil, setzte jedoch zweimal aus: 1974 hatte man bereits die Sängerin Dani mit dem Lied La vie à 25 ans ausgewählt, zog die Teilnahme jedoch aufgrund des Todes von Staatschef Georges Pompidou zurück. 1982 verzichtete Frankreich von vorneherein auf die Teilnahme.

Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten]

Frankreich konnte bereits fünfmal den Titel erlangen: 1958 lag André Claveau mit Dors mon amour ganz vorne; zwei Jahre später gewann Jacqueline Boyer mit dem Evergreen Tom Pillibi; wiederum zwei Jahre später Isabelle Aubret mit dem Lied Un premier amour; 1969 teilte sich Frida Boccara den Sieg mit drei anderen Sängerinnen; zuletzt gewann mit Marie Myriam und ihrem Lied L'oiseau et l'enfant ein französischer Beitrag den Wettbewerb. 1991 lag die Sängerin Amina punktgleich auf dem ersten Platz mit der Schwedin Carola. Dabei hatten beide die gleiche Anzahl an 12-Punktwertungen, Amina erhielt jedoch weniger Male 10 Punkte. Frankreich kam drei weitere Male auf den zweiten Platz (1957, 1976 und 1990) sowie sieben Mal auf den dritten Platz.

Frankreich erreichte noch nie den letzten Platz, obschon es seit der flächendeckenden Einführung des Telefonvotings 1998 deutlich weniger erfolgreich ist: Ledig dreimal landete man unter den ersten zehn, nämlich 2001, 2002 und 2009. Auf der anderen Seite fallen in diesen Zeitraum vier vorletzte und ein drittletzter Platz.

2012 erreichte das Land den 22. Platz im Finale, hätte jedoch allein Televoting gegolten, so wäre Frankreich 26. und damit Letzter mit 0 Punkten geworden. Die Jury hatte das Land auf Platz 13 gesetzt.

Liste der Beiträge[Bearbeiten]

Farblegende:   – Siege.   – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.   – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Übersetzung Platz Punkte
1956 Dany Dauberson Il est là
(Simone Vallauris)
Er ist da 0– / 14 00
1956 Mathé Altéry Le temps perdu
(André Lodge / Rachèle Thoreau)
Die verlorene Zeit 0– / 14 00
1957 Paule Desjardins La belle amour
(Guy Lafarge / Francis Carco)
Die schöne Liebe 02 / 10 017
1958 André Claveau Dors, mon amour
(Hubert Giraud / Pierre Delanoë)
Schlaf, mein Schatz 01 / 10 027
1959 Jean Philippe Oui, oui, oui, oui
(Hubert Giraud / Pierre Cour)
Ja, ja, ja, ja 03 / 11 015
1960 Jacqueline Boyer Tom Pillibi
(André Popp / Pierre Cour)
01 / 13 032
1961 Jean-Paul Mauric Printemps (Avril carillonne)
(Francis Baxter / Guy Favereau)
Frühling (Der April läutet) 04 / 16 013
1962 Isabelle Aubret Un premier amour
(Claude-Henri Vic / Roland Stephane Valade)
Eine erste Liebe 01 / 16 026
1963 Alain Barrière Elle était si jolie
(Alain Barrière, A. Migiani)
Sie war so hübsch 05 / 16 025
1964 Rachel Le chant de Mallory
(André Popp / Pierre Cour)
Mallorys Gesang 04 / 16 014
1965 Guy Mardel N’avoue jamais
(Guy Mardel / Françoise Dorin)
Gestehe niemals 03 / 18 022
1966 Dominique Walter Chez nous
(Claude Carrère / Jacques Plante)
Bei uns 16 / 18 001
1967 Noëlle Cordier Il doit faire beau là-bas
(Hubert Giraud / Pierre Delanoë)
Dort muss es schön sein 03 / 17 020
1968 Isabelle Aubret La source
(Daniel Faure / Henri Dijan, Guy Bonnet)
Die Quelle 03 / 17 020
1969 Frida Boccara Un jour, un enfant
(Emile Stern / Eddy Marnay)
Ein Tag, ein Kind 01 / 16 018
1970 Guy Bonnet Marie-Blanche
(Guy Bonnet / André-Pierre Dousset)
04 / 12 008
1971 Serge Lama Un jardin sur la terre
(Alice Dona / Henri Dijan, Jacques Demarny)
Ein Garten auf der Erde 10 / 18 082
1972 Betty Mars Comé-comédie
(Frédéric Botton)
Komö-Komödie 11 / 18 081
1973 Martine Clémenceau Sans toi
(Paul Koulak / Anne Grégory)
Ohne dich 15 / 17 065
1974 Teilnahme zurückgezogen
1975 Nicole Rieu Et bonjour à toi, l’artiste
(Pierre Delanoë, Jaff Barnel)
Und dir, Künstler, guten Tag 04 / 19 091
1976 Catherine Ferry Un, deux, trois
(Tony Rallo / Jean-Paul Cara)
Eins, zwei, drei 02 / 18 147
1977 Marie Myriam L’oiseau et l’enfant
(Jean-Paul Cara / Joe Gracy)
Der Vogel und das Kind 01 / 18 136
1978 Joël Prévost Il y aura toujours des violons
(Gérard Stern / Didier Barbelivien)
Es wird immer Violinen geben 03 / 20 119
1979 Anne-Marie David Je suis l’enfant-soleil
(Hubert Giraud / Eddy Marnay)
Ich bin das Sonnenkind 03 / 19 106
1980 Profil Hé, hé m’sieurs dames
(Sylvano Sontorio / Richard de Bordeaux, Richard Joffo)
Hey, hey, meine Damen und Herren 11 / 19 045
1981 Jean Gabilou Humanahum
(Jean-Paul Cara / Joe Gracy)
Land der Menschen 03 / 20 125
1982 Auf Teilnahme verzichtet
1983 Guy Bonnet Vivre
(Guy Bonnet / Fulbert Cant)
Leben 08 / 20 056
1984 Annick Thoumazeau Autant d’amoureux que d’étoiles
(Vladimir Kosma / Charles Level)
So viele Verliebte wie Sterne 08 / 19 061
1985 Roger Bens Femme, dans ses rêves aussi
(Didier Pascalis)
Auch in ihren Träumen (ist sie) eine Frau 10 / 19 056
1986 Cocktail Chic Européennes
(Georges Cost, Michel Costa)
Europäerinnen 17 / 20 013
1987 Christine Minier Les mots d’amour n’ont pas de dimanche
(Gerard Curci / Marc Minier)
Die Worte der Liebe kennen keinen Sonntag 14 / 22 044
1988 Gérard Lenorman Chanteur de charme
(Gérard Lénorman / Gérard Lénorman, Claude Lemesle)
Schnulzensänger 10 / 21 064
1989 Nathalie Pâque J’ai volé la vie
(Guy Mattéoni, G.G. Candy / Sylvain Lebel)
Ich habe das Leben gestohlen 08 / 22 060
1990 Joëlle Ursull White and Black Blues
(Georges Ougier de Moussac / Serge Gainsbourg)
Der weiße und schwarze Blues 02 / 22 132
1991 Amina Le dernier qui a parlé qui a raison
(Wasis Diop / Amina)
Der Letzte, der gesprochen hat, hat Recht 02 / 22 146
1992 Kali Monté la riviè
(Kali)
Steig den Fluss hinauf 08 / 23 073
1993 Patrick Fiori Mama Corsica
(François Valéry)
Mama Korsika 04 / 25 121
1994 Nina Morato Je suis un vrai garçon
(Bruno Maman / Nina Morato)
Ich bin ein echter Junge 07 / 25 074
1995 Nathalie Santamaria Il me donne rendez-vous
(Francois Bernheim / Didier Barbelivien)
Er verabredet sich mit mir 04 / 23 094
1996 Dan Ar Braz &
L'Héritage des Celtes
Diwanit bugale
(Dan Ar Braz)
Lasst Kinder geboren werden 19 / 23 018
1997 Fanny Sentiments songes
(Jean-Paul Dréau)
Gefühle, Lügen 07 / 25 095
1998 Marie Line Où aller?
(Jean-P. Dary, Marie Line , Moïse Crespy, Micaël Sene)
Wohin gehen? 24 / 25 003
1999 Nayah Je veux donner ma voix
(P. Graczyk, R. Colombies / G. Arcens, L. Ruttigliano)
Ich will meine Stimme geben 19 / 23 014
2000 Sofia Mestari On aura le ciel
(Pierre Legay, Benoît Heinrich)
Uns wird der Himmel gehören 23 / 24 005
2001 Natasha Saint-Pier Je n’ai que mon âme
(Jill Kapler)
Ich habe nur meine Seele 04 / 23 142
2002 Sandrine François Il faut du temps
(Patrick Bruel, Marie-Florence Gros / Rick Allison, Patrick Bruel)
Es braucht Zeit 05 / 24 104
2003 Louisa Baïleche Monts et merveilles
(Hocine Hallaf)
Glocken und Pfeifen 18 / 26 019
2004 Jonatan Cerrada À chaque pas
(Ben Robbins, Steve Balsamo / Jonatan Cerrada)
Mit jedem Schritt 15 / 24 040
2005 Ortal Chacun pense à soi
(Ortal / Saad Tabainet)
Jeder denkt an sich 23 / 24 011
2006 Virginie Pouchain Il était temps
(Corneille)
Es war Zeit 22 / 24 005
2007 Les Fatals Picards L’amour à la française
(P. Léger, Y., J. Sauvagnargues, L. Honel, I. Callot)
Liebe auf Französisch 22 / 24 019
2008 Sébastien Tellier Divine
(S. Tellier / S. Tellier & Amandine de La Richardière)
Göttlich 18 / 25 047
2009 Patricia Kaas Et s’il fallait le faire
(Anse Lazio & Fred Blondin)
Und wenn es sein müsste[1] 08 / 25 107
2010 Jessy Matador Allez! Ola! Olé!
(Hugues Ducamin & Jacques Ballue)
Komm schon! Los! Olé! 12 / 25 082
2011 Amaury Vassili Sognu
(Daniel Moyne, Quentin Bachelet, Jean-Pierre Marcellesi, Julie Miller)
Traum 15 / 25 082
2012 Anggun Echo (You And I)
(William Rousseau & Jean-Pierre Pilot / William Rousseau & Anggun)
Echo (Du und ich) 22 / 26 021
2013 Amandine Bourgeois L'enfer et moi
(David Salkin / Boris Bergman)
Die Hölle und ich 23 / 26 014
2014 Twin Twin Moustache
(Pierre Beyres, Kim N'Guyen / Lorent Idir, François Ardouvin)
Schnurrbart

Ausgerichtete Wettbewerbe[Bearbeiten]

Obwohl Frankreich fünfmal den Wettbewerb gewann, fand er nur dreimal in Frankreich statt: 1959 und 1961 in Cannes sowie 1978 in Paris. 1959 und 1961 führte Jacqueline Joubert durch den Abend, neben ihr ist Katie Boyle die einzige Moderatorin, die mehrmals auftrat. 1978 in Paris wurde der Eurovision Song Contest zum ersten Mal von einem Paar moderiert, eine Tradition die sich seit 1996 endgültig eingebürgert hat.

Sprachen[Bearbeiten]

Frankreich ist seiner Landessprache im Wettbewerb sehr treu, bisher wurden alle Beiträge zumindest teilweise in einer Landessprache vorgestellt, wobei dies nicht immer Französisch war: 1992 wurde der Beitrag Monté la riviè teilweise auf Kreolisch gesungen, im Folgejahr Mama Corsica teils auf Korsisch. 1996 wurde der ganze Beitrag Diwanit bugale auf Bretonisch vorgestellt. 2001 wurde der letzte Refrain von Je n'ai que mon âme auf Englisch gesungen, 2004 die letzten Zeilen des Beitrags A chaque pas auf Spanisch. 2007 präsentierten Les Fatals Picards ihr Lied L'amour à la française auf „franglais“, einer bunten Mischung aus Französisch und Englisch. Der Beitrag von 2008 war bis auf zwei Zeilen komplett auf Englisch. 2011 wurde der Beitrag Sognu komplett auf Korsisch gesungen. 2014 enthält Moustache zudem ein paar Zeilen auf Englisch und Spanisch.

Nationale Vorausscheidungen[Bearbeiten]

Über Frankreichs Vorentscheide der 50er Jahre ist wenig bekannt. In den Jahren 1959 bis 1961 fand eine Vorentscheidung statt. Zwischen 1962 und 1975 wurden die meisten Beiträge intern ausgewählt, lediglich 1970 und 1973 fand eine entsprechende Sendung statt. Ab 1976 setzte sich der Vorentscheid endgültig durch, bis 1987 wurde jedes Jahr einer abgehalten – nur 1979 wurde die Sendung wegen eines Streiks nie im Fernsehen ausgestrahlt, obwohl sie stattfand.[2] Ab 1988 bis einschließlich 2004 wurde wieder überwiegend intern der jeweilige Vertreter bestimmt, 1999 und 2000 fanden jedoch klassische Vorentscheide statt, ebenso wie auch 2005 und 2007.

2006 fand das aufwändigste nationale Auswahlverfahren statt; es enthielt unter anderem drei unterschiedlich Castingshows auf drei verschiedenen Sendern. Der Titel hingegen wurde vorher intern ausgesucht: das von Corneille geschriebene Lied Nous, c'est vous. Da aber die siegreiche Sängerin Viriginie Pouchain nicht mit dem Lied zufrieden war, wurde es durch den endgültigen Beitrag Il était temps ersetzt.

2014 fand erstmals seit 2007 wieder ein öffentlicher Vorentscheid statt, bei dem drei Interpreten am 26. Januar ihre Beiträge präsentierten und am 2. März der Sieger im Rahmen der Sendung Les chansons d’abord bekanntgegeben wurde.

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten]

1960 war Jacqueline Boyers Tom Pillibi der erste Siegertitel des Wettbewerbes, der sich europaweit in den Charts platzieren konnte. Die Siegertitel aus den Jahren 1958, 1962 und 1969 waren kommerziell keine großen Erfolge, weder national noch international. Marie Myriams L'oiseau et l'enfant war in Frankreich sehr erfolgreich und avancierte mittlerweile zu einer Art Volkslied.[3] 2006 wurde eine Kinderliedfassung des Titels veröffentlicht, die sich ebenfalls in den Charts platzierte. Unter den Beiträgen der letzten Jahre hatte nur Natasha St.-Pier größeren Erfolg mit ihrem Beitrag, der 2001 Platz zwei der Singlecharts erreichte und sich neun Wochen unter den Top 10 hielt.[4]

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Die bekannte französische Sängerin France Gall gewann 1965 mit Poupée de cire, poupée de son nicht für Frankreich, sondern für Luxemburg.
  • Marie Myriam verkündete in den letzten Jahren häufig die französischen Länderpunkte.
  • Ein symbolischer Moment im Wettbewerb fand 1991 statt, als die aus Tunesien stammende und für Frankreich antretende Amina zwölf Punkte aus Israel erhielt. Sie bedankte sich persönlich bei den israelischen Vertretern.
  • Der Beitrag von Anggun rief 2012 sehr unterschiedliche Reaktionen bei Fernsehpublikum und Jurys hervor: Während die Fernsehzuschauer den Beitrag bei einem reinen Televoting, wie es vor 2009 üblich war, mit null Punkten auf den letzten Platz gewählt hätten, erreichte Anggun in den Wertungen der nationalen Jurys einen dreizehnten Platz und damit sogar noch knapp die obere Tabellenhälfte. In der Endabrechnung aus je 50 % Jury- und Zuschauerstimmen stand schließlich ein 22. Platz zu Buche.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. LEO GmbH
  2. http://natfinals.50webs.com/70s_80s/1979.html
  3. http://www.esctoday.com/news/read/8078
  4. http://www.charts-surfer.de/cgi-bin/musikchart.cgi