Französische Besatzungszone

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Dieser Artikel behandelt die französische Besatzungszone in Deutschland. Zur französischen Besatzungszone in Österreich siehe Besetztes Nachkriegsösterreich.
Französische Besatzungszone und Französischer Sektor von Berlin ab 8. Juni 1947
Die ehemaligen deutschen Provinzen und Landesteile, 1945 zusammengelegt zur französischen Besatzungszone

Als französische Besatzungszone wird ein Teilgebiet Deutschlands, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Frankreich als einer der Siegermächte der Anti-Hitler-Koalition besetzt wurde, bezeichnet. Die französische Besatzungszone war damit eine von vier Besatzungszonen in Deutschland nach dem Krieg. Die Nordzone war aus dem südlichen Teil der Rheinprovinz, dem westlichen Teil von Nassau, dem linksrheinischen Teil Rheinhessens und der Rheinpfalz und die Südzone aus Württemberg-Hohenzollern, Südbaden und dem bayerischen Landkreis Lindau gebildet worden. Bis 1946 war auch das Saarland Teil der französischen Zone.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentraleuropa 1945 mit den vereinbarten Besatzungszonen der Alliierten

Bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945 hatten die drei Hauptmächte der Anti-Hitler-Koalition beschlossen, Frankreich aufzufordern, die Besetzung einer eigenen Zone durchzuführen, falls dies seinen Wünschen entspreche.[1] Auf Grund der wiederholt vorgebrachten Forderungen von Charles de Gaulle und der Vermittlung von Winston Churchill hatte Frankreich schließlich gegen den Widerstand Stalins und Roosevelts den Status einer Siegermacht erlangt,[2] De Gaulle seinerseits sah in der amerikanischen Europapolitik ein imperialistisches Bestreben, den Kontinent ihren Interessen gemäß zu ordnen. Er bestand darum auf Frankreichs Mitwirkung bei einer Nachkriegsordnung Europas.[3][4] Frankreich erhielt dann nach der Kapitulation des Deutschen Reiches im Juni 1945, sechs Wochen nach der Kapitulation, die westliche Zone, die von der EAC zur Entscheidung auf der Potsdamer Konferenz vorbereitet worden war.

General de Gaulle – ab Oktober 1944 Präsident einer völkerrechtlich anerkannten französischen Regierung aus Kommunisten, Sozialisten und Konservativen – folgte seit der militärischen Katastrophe von 1940 der Vision, Frankreichs einstige Bedeutung als europäische Großmacht wiederherzustellen. Die Sicherheit vor einem aggressiven Deutschland hatte für Frankreich dabei eine wesentlich höhere Bedeutung[5] als sie es für die „Großen Drei“, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion war. De Gaulles mit der Realität nicht immer übereinstimmendes Verständnis der deutschen Geschichte ließ ihn unterscheiden zwischen dem „großen deutschen Volk“ der verschiedenen Stämme und dem von einem Lande (d. h. Preußen) dominierten „Unruheherd deutscher Nationalstaat, wie er sich 1866, 1870 und 1914 gezeigt hatte“.[6]

De Gaulles Deutschlandpolitik nach der Libération 1944 war daher der Eintritt in den Krieg an der Seite der Alliierten, „ohne sich ihnen bedingungslos unterzuordnen“,[7] die Auflösung des Reichs und Neuordnung in Einzelstaaten, die Entnazifizierung der deutschen Bevölkerung und die Einrichtung einer Demokratie unter zeitlich unbegrenzter alliierter Oberhoheit. Eine Annexion linksrheinischer Gebiete sprach de Gaulle 1944[8] nicht an, forderte aber eine Internationalisierung des Rheinlandes und Industriegebietes an der Ruhr unter dauerhafter belgischer, britischer, französischer und niederländischer Kontrolle.[9]

Eroberung und Besetzung 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkmedaille mit Porträt des Generals de Lattre de Tassigny. Bronze. Medailleur Pierre Turin
Text der Umschrift: Die 1. Französische Armee überquert den Rhein. 31. März 1945. Die drei Daten darunter erinnern an die Rheinübergänge von Marschall Turenne (1675) und General Moreau während des Ersten (1796) und Zweiten Koalitionskrieges (1800)

Das Gebiet der Zone wurde von der 1., 3. und 7. US-Armee mit Beginn des Jahres 1945 von Frankreich aus erobert. Von Südfrankreich kommend, erreichte die Spitze der französischen 1. Armee („armée de Rhin et Danube“),[10] angegliedert an die 7. US-Armee, Ende März die deutsch-französische Grenze im Raum Karlsruhe. Am 18./19. März eroberten Soldaten der 3. Algerischen Infanteriedivision unter Generalleutnant Goislard de Montsabert[11] als ersten deutschen Ort das südpfälzische Scheibenhardt an der Lauter. Im Verein mit amerikanischen Truppen der 7. Armee wurde die Pfalz bis Speyer eingenommen. Am 29. März hatte de Gaulle den oberkommandierenden General de Lattre de Tassigny angewiesen „den Rhein zu überqueren, selbst wenn die Amerikaner dagegen sind.“ Dieser Aufforderung de Gaulles folgten die Franzosen mit Eigenmächtigkeiten und Nichtbeachtung von Operationsplänen gegenüber der kommandoführenden Seventh US-Army Group mit einem Wettlauf um schnellere Geländegewinne.[12] Man hielt sich nicht an die Trennungslinie Autobahn Karlsruhe-Ulm, die den Amerikanern einen nördlichen und den Franzosen einen südlichen Teil Württembergs zur Besetzung zuwiesen. Sie erreichten am 21. April Stuttgart und übergaben die Stadt erst nach mehrfachen Aufforderungen am 8. Juli den Amerikanern, nachdem General Eisenhower damit gedroht hatte, die Versorgung der französischen Truppen einzustellen.

Bis Ende April waren die Franzosen über den Schwarzwald und nördlich des Bodensees bis Tirol vorgedrungen, um einen Anschluss an ihre österreichische Besatzungszone zu schaffen. Anfang Mai 1945 kapitulierten die Reste der deutschen 19. Armee in Innsbruck und der Krieg im Südwesten war beendet.

In den eroberten und besetzten Gebieten bildeten Militärkommandanturen örtliche Regime mit weitreichender Machtfülle, da von der französischen Regierung noch keine verbindlichen Zuständigkeiten vorgegeben waren. In dem entstandenen Machtvakuum handelten die Militärs auf eigene Faust. Mit ihrem Auftreten und Regime erinnerten sie an die Generäle der Französischen Revolution, die ab 1792 im Ersten Koalitionskrieg das linke Rheinland erobert hatten und es zur Versorgung ihrer Truppen ausplünderten.

Das Verhalten der Franzosen gegenüber der deutschen Bevölkerung war in der anfänglichen Besatzungszeit bestimmt von Furcht vor Sabotageakten, Vergeltung für vier Jahre deutscher Besatzung im Mutterland und Zweifel an einem wirklichen Ende des Nationalsozialismus. Die ersten armeeinternen Instruktionen und die öffentlichen Bekanntmachungen belegen die Rechtlosigkeit der Bevölkerung und erwarteten ein widerspruchsloses Befolgen von Anordnungen des Militärs, z. B. wurde die Hinrichtung von zehn Deutschen für einen verwundeten oder getöteten französischen Soldaten angedroht.[13] Der Landrat von Mainz reklamierte: […] dass die einzelnen Truppenteile nach Belieben auf den einzelnen Dörfern requirieren, […] es werden wahllos Jungkälber und Ferkel abgeschlachtet […].[14] Die willkürliche Behandlung der Bevölkerung und eigenmächtiges Requirieren wurde aber von höheren Offizieren mit Disziplinarstrafen geahndet und dazu aufgerufen, den Deutschen „die Stärke, Würde und Disziplin Frankreichs zu vermitteln“.[15]

Gebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschreiben von 1946 aus St. Wendel im Saarland z.Zt. der Französischen Besatzungszone mit Briefmarken der Zone Francaise (hier an Julius Bochmann)

Die französische Besatzungszone in Deutschland wurde aus Teilen der von amerikanischen und französischen Truppen eroberten west- und südwestdeutschen Zonen gebildet, in die Deutschland nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht von den Vier Mächten eingeteilt worden war. Ab Juli 1945 wurden die südwestdeutschen Gebiete der britischen und amerikanischen Besatzungszone gemäß Berliner Erklärung und Zonenprotokoll vom 5. Juni 1945 an die Franzosen übergeben.

Die Zonengrenzen waren ohne Bezug auf historisch gewachsene Verläufe vielfach willkürlich festgelegt. So wurde die ehemalige preußische Rheinprovinz geteilt in einen britischen nördlichen Teil und einen französischen südlichen Teil. Weiter südlich bildete der Rhein eine neue Grenze zwischen der französisch besetzten Stadt Mainz und ihren dann amerikanisch besetzten rechtsrheinischen Stadtteilen. Ein weiterer Grenzverlauf zwischen der amerikanischen und der französischen Zone war die aus rein logistischen Gründen gebildete Grenze entlang der Autobahn Karlsruhe-Ulm. Die so entstandene französische Zone bestand aus zwei annähernd gleich großen Dreiecken, die nur südlich von Karlsruhe durch eine von Amerikanern kontrollierte Eisenbahnbrücke über den Rhein und 15 Straßenkilometer miteinander verbunden waren.[16]

Die Zone umfasste 8,5 Prozent des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937, was ungefähr einer Fläche von der Größe der Niederlande entsprach. Mit Ausnahmen entlang des Rheins und einiger Städte Württembergs war die Zone eine weitgehend agrarische Landschaft, die weniger unter dem Bombenkrieg gelitten hatte als das übrige Reich. In Ortschaften unter 10.000 Einwohnern waren daher vielfach noch knapp 90 Prozent der Wohngebäude intakt. Die Städte an den großen Bahnlinien, Verkehrsknotenpunkte, Bahnhöfe und auch Industriestandorte lagen dagegen größtenteils in Trümmern. Koblenz war zu mehr als 80 Prozent zerstört. Im Stadtgebiet von Mainz lagen im Mai 1945 1,8 Mio. Kubikmeter Schutt, der von der Bevölkerung mit Schaufeln, Pickeln und Schubkarren weggeschafft werden musste. Im Saargebiet waren 60 Prozent der Schwerindustrie zerstört. Von den Werkshallen der BASF in Ludwigshafen waren nur noch 6 Prozent erhalten. Verkehrswichtige Brücken lagen gesprengt in den Flüssen. Unpassierbar gemachte Tunnels, zerstörte Schienenstränge und von Bombenkratern und Gebäudetrümmern zu Pfaden verengte Straßen hatten die Verkehrsinfrastruktur zusammenbrechen lassen und waren einer der Gründe für die katastrophale Versorgungslage der Bevölkerung bis weit in das Jahr 1948.

Zunächst war das französische Besatzungsgebiet eingeteilt in die Länder (provinces) Baden (Hauptort Freiburg), Württemberg-Hohenzollern (Tübingen), Pfalz-Rheinhessen (Neustadt), Rheinland und Hessen-Nassau (Bad Ems) und Saar (Saarbrücken).[17] 1946 entstanden unter der Aufsicht der französischen Militärregierung die Länder Baden, Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz sowie das Saarland, das bereits im Februar 1946 mit stillschweigender Duldung der Alliierten[18] aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert und als Saarprotektorat (Protectorat de la Sarre, Gouvernement Militaire de la Sarre (GMSA)) einem Sonderregime unterstellt wurde, mit dem Ziel, es in das Territorium der IV. Französischen Republik einzugliedern,[19] Im Juli 1946 wurden Teile der Landkreise Trier, Saarburg und St. Wendel aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert und dem Saarland angeschlossen. In einigen grenznahen Regionen zu Luxemburg, Belgien und der britischen Besatzungszone z. B. gab es Bestrebungen der Bevölkerung zu einem Austritt aus der Französischen Zone und der Eingliederung in eine als wirtschaftlich besser angesehene Region.[20]

In der Pfalz gab es 1946/1947 Bestrebungen für eine Abtrennung dieser Provinz, „[…] sich für immer von diesem kriegslüsternen Preußen abzuwenden,“ wie es auf einer autonomistischen Kundgebung formuliert wurde. Nur geringes Interesse in der Bevölkerung und energische Ablehnung des Militärgouvernements beendeten die separatistischen Pläne.[21]

Der französische Sektor in West-Berlin der Nachkriegszeit

Ferner gab es in Berlin einen französischen Sektor in den West-Berliner Bezirken Reinickendorf und Wedding neben den Sektoren der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion.

Am 23. Mai 1949 wurden die Länder Rheinland-Pfalz, Baden und Württemberg-Hohenzollern Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland. Bereits 1952 fusionierten die Länder Baden und Württemberg-Hohenzollern mit dem von der amerikanischen Militärregierung gebildeten Land Württemberg-Baden zum Land Baden-Württemberg. Das Saarland trat erst 1957, nach Ablehnung des Saarstatuts, in einer am 23. Oktober 1955 durchgeführten Volksabstimmung der Bundesrepublik bei.

Zur französischen Besatzungszone gehörte außerdem der bayerische Landkreis Lindau. Dieser diente als Verbindungskorridor zur französisch besetzten Zone im Westen Österreichs. Die Wiedereingliederung des Landkreises nach Bayern erfolgte am 1. September 1955.

Militärregierung und Zivilverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntmachung betreffend den Verkehr der Zivilbevölkerung (ausgegeben von der Militärregierung am 21. April 1945)

Der erste Militärgouverneur und Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen in Deutschland war Jean de Lattre de Tassigny, Oberbefehlshaber der 1. Französischen Armee (später: Rhin et Danube). De Lattre wurde im Juli 1945 abberufen. Auslöser oder Gründe dafür waren wohl sein extravaganter Kommandostil („der ungekrönte König von Lindau“)[22] und häufige Vetos zu Beschlüssen der anderen Alliierten. Sein Nachfolger wurde Marie-Pierre Kœnig, der das Amt des „Commandant en chef français en Allemagne“ der Französischen Besatzungszone bis zum 21. September 1949 innehatte (→ Alliierter Kontrollrat). Sitz der Militärregierung (L’Administration militaire française en Allemagne) war Baden-Baden.

Die Arbeit der Besatzungsverwaltung litt anfänglich unter den Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Berufsmilitärs der regulären Armee und den aus Zivilberufen kommenden, oft in Verwaltungsdingen erfahrenen Führungskräften aus der Résistance. Der Richtungsstreit zwischen General Kœnig und seinem Chef der Verwaltung Émile Laffon ist hierfür zu einem bekannten Beispiel geworden. In der französischen Zone gab es eine bürokratisch enge, oft mit einer Siegermentalität behaftete Reglementierung der Bevölkerung; in der britischen und amerikanischen Zone wurde das öffentliche Leben bald wiederhergestellt.[23]

Zur Zonenverwaltung wurden ab 31. Juli 1945 (soweit personell noch vorhanden) die unteren Verwaltungsebenen der Regierungsbezirke, Land- und Stadtkreise und der Gemeinden genutzt. Verantwortlich für die Ausführung der Besatzungsanweisungen waren Präsidenten der Regierungsbezirke des ehemaligen Deutschen Reiches. Ihre Hauptaufgabe war, neben der Verwaltung eines Mangels nahezu aller lebenswichtigen Güter und dem Beginn eines Wiederaufbaus, die Ausführung von Anweisungen und Sonderwünschen der Besatzungsmacht, die 1946 mit annähernd einer Million Menschen – Militärs und Angehörige – die Versorgungslage verschlechterten.

Eine Art Regierung bildeten Generaldirektorate für Wirtschaft, Verwaltung, Finanzen, Abrüstungskontrolle und Justiz mit Sitz in Baden-Baden. Mit der Neugründung der Länder Rheinland-Pfalz, Baden und Württemberg-Hohenzollern 1946 wurden Gouverneure die obersten Vertreter der Besatzungsmacht. Ihnen unterstanden weitgehend bis zur Einrichtung des Besatzungsstatutes 1949, auf deutscher Seite die Ministerpräsidenten der Länder.

Mit Bildung der Alliierten Hohen Kommission, mit Sitz auf dem Petersberg bei Bonn im September 1949 wurde das Amt der Militärgouverneure durch das Amt des Hohen Kommissars abgelöst. Hoher Kommissar für die französische Besatzungszone war André François-Poncet vom 10. August 1949 bis zum 5. Mai 1955. Im Zuge dessen wurde auch der Sitz der französischen Besatzungsverwaltung von Baden-Baden auf den Petersberg verlegt.

Requisitionen, Reparationen und Besatzungskosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz im August 1945 zwischen Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion enthielten auch die Vereinbarungen zur Regulierung (Reparationen) der von Deutschland verursachten Schäden an der Wirtschaft und den Vermögen seiner Gegner. Anders als im Vertrag von Versailles 1919 wurde Deutschland nicht zu längerfristigen Zahlungen und Entnahmen aus der laufenden Industrieproduktion verpflichtet, sondern sein gesamtes Auslandsvermögen wurde beschlagnahmt und zwangsverwaltet. Darüber hinaus wurde eine Demontage von Teilen der Industrie geplant. Es war dabei den Mächten überlassen, wie sie ihre Forderungen durchsetzen würden. Frankreich, das sich nicht an die Potsdamer Beschlüsse gebunden fühlte (besonders die Behandlung Deutschlands als eine Wirtschaftseinheit), verfolgte vor allem die Kompensierung seiner Verluste durch die deutsche Besatzung 1940–1944, die mit 160 Milliarden Reichsmark beziffert wurden. Der Index von Frankreichs Industrieproduktion war von 100 (1929) auf 29 (1944) gefallen, die landwirtschaftlichen Erträge waren 1945 durchschnittlich um bis zu 40 % gesunken und die amtlichen Lebensmittelrationen für einen Erwachsenen in Paris waren 1944 nur 1200 kcal pro Tag. Frankreich hatte daher ein existenzielles Interesse daran, seine Besatzungszone zur Versorgung zu nutzen.[24]

Zur Stärkung seiner heimischen Industrie und Energiebedarfs wurde die Stahlproduktion und Kohleförderung des Saargebietes herangezogen. Zur Versorgung der Truppen, ihrer mitgekommenen Familien und der Bevölkerung im Mutterland wurden die hochwertigeren Landwirtschaftserzeugnisse, Vieh, Textilien usw. requiriert bzw. von der Versorgung der deutschen Bevölkerung abgezweigt. Ein Abholzungsprogramm ging mit bald 350 % über die normalen Hiebansätze hinaus und hinterließ riesige Kahlschlagflächen im waldreichen Südwesten von Deutschland.

Als Schikane wurde von der Bevölkerung die Requirierung von privatem Mobilar, Wäsche, Kleidung und kompletter Kücheneinrichtungen erlebt. Noch nach drei Jahren Besatzungszeit beklagte sich der Ministerpräsident Peter Altmeier des Landes Rheinland-Pfalz beim Gouverneur Hettier de Boislambert über die fortwährenden Requirierungen, die u. a. zwischen Oktober 1947 und März 1948 mehr als 300.000 Bettlaken, 100.000 Essbestecke, 18.000 Deckenlampen usw. betrugen.[25] Ein besonderes Ärgernis war, wenn Franzosen bei einer Versetzung oder Rückkehr ins Mutterland die requirierten Gegenstände der Privathaushalte kurzerhand mitnahmen. Dass viele deutsche Haushalte besser ausgestattet waren als ein französischer Durchschnittshaushalt, führte sogar in der Nationalversammlung zu einer Debatte über eine gerechtfertigte Gütermitnahme.[26] Im Unterschied zu den USA und Großbritannien (1946 alleine 80 Mio. Pfund) brauchte Frankreich bis Ende 1947 nichts in seine Zone investieren. Dagegen überstiegen die Kosten der Besatzung die der amerikanischen und britischen Zone und betrugen z. B. im Land Württemberg-Hohenzollern noch 1951 die Hälfte seines Haushalts. 1949 wurden pro Einwohner 104 Deutsche Mark für die Franzosen gezahlt, für die Briten 77 DM und für die Amerikaner 92 DM.[27]

Die französische Besatzungsmacht beschlagnahmte ebenso Vermögenswerte (16 % aus Bankguthaben, Gold, Wertpapieren und Grundbesitz standen Frankreich zu) und Produktionsanlagen (nur 40 % der zugewiesenen Anlagen wurden demontiert). Es war ein Ziel Frankreichs, Deutschland wirtschaftlich und militärisch so zu schwächen, dass es zukünftig nicht mehr zu einer Gefahr für Frankreich werden könne.[28]

Bevölkerung und Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vierteljährliche „Politische Lageberichte“ der deutschen Regierungspräsidenten und monatliche „Bulletins“ der französischen Oberkommandanturen berichteten ab Herbst 1945 u. a. von der aktuellen politischen Lage, von der Wirtschafts- und Versorgungssituation, der Entnazifizierung, dem Verhältnis der Behörden zur Besatzung und mehr.[29] In Sitzungsprotokollen der „Gemischten Kommission“ – ein erstes, im September 1946 von der französischen Regierung eingerichtetes deutsches Selbstverwaltungsgremium[30] – wurden besondere Vorfälle, Aufgabenverteilung und auch Beschwerden und Rügen festgehalten.[31]

Allgemeine politische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Umgang mit der katastrophalen Ernährungs- und Wohnraumversorgung, besonders in den Städten, war bis 1949 ein alles andere überlagerndes Problem der Zonenbevölkerung. „Die Konfrontation mit Armut und Elend erschien den Deutschen unerträglich. In ihrer tiefen Apathie dachten sie mehr an das Essen am nächsten Tag als an die Zukunft Deutschlands“ (franz. Bulletin für den Berichtszeitraum Januar 1946). Ein deutscher Bericht beklagt in dem gleichen Jahr, dass in der Bevölkerung ein Realitätsverlust die Notzustände nicht als die Auswirkungen der eigenen Vergangenheit begreife, vielmehr würden sie den Behörden und der Besatzung angelastet.[32] Noch drei Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ war die Bevölkerung weiterhin mit ihren Alltagsproblemen beschäftigt und interessierte sich kaum für eine politische Mitwirkung. Bei der Volksabstimmung über die Verfassung von Rheinland-Pfalz z. B. [...] dürfe man sich nicht darüber hinweg täuschen, daß die meisten Stimmberechtigten den Inhalt der Verfassung weder kannten noch die verspätete Veröffentlichung des Entwurfs bedauerten.[33] „Der Deutsche des Jahres 1948 ist noch nicht Demokrat.“[34]

Wohnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anteil zerstörten Wohnraums lag in der französischen Zone statistisch etwas niedriger als in der britischen und amerikanischen Zone. In den Groß- und Mittelstädten waren 45 Prozent völlig bzw. teilweise zerstört. Die Zentren von Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und anderen verkehrswichtigen Städten waren zu mehr als 70 Prozent zerbombt. In ländlichen Ortschaften unter 10.000 Einwohnern waren 90 Prozent des Wohnraums noch intakt.

Die Wohnraumbewirtschaftung der Zone war für fast sechs Millionen Deutsche, rund 175.000 „Displaced Persons“ (ehemalige Zwangs- und Fremdarbeiter, entlassene KZ- und Kriegsgefange usw.) zuständig. Dazu ab 1946 auch für eine Million Soldaten und Zivilisten der Besatzung, für deren Familien die komfortableren, besser eingerichteten Wohnungen zu beschlagnahmen waren; am 30. Juni 1948 berichtete der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Altmaier dem französischen Gouverneur de Boislambert von einer Zunahme des beschlagnahmten Wohnraums von 67.083 m². Die Gesamtfläche der beschlagnahmten Wohnungen betrug 1.624.354 m² bei insgesamt 24.294.695 m² vorhandener Wohnfläche.

Um den Wohnungsbedarf der Zonenbewohner zu regeln, wurden alle Personen, die ihren Wohnsitz erst nach 1939 in der französischen Zone aufgenommen hatten (Flüchtlinge und Evakuierte), aufgefordert, die Zone zu verlassen. Im Reg.-Bez. Koblenz z. B. waren das im November 1945 71.719 Personen. Darüber hinaus wehrten sich die deutschen Behörden gegen die Aufnahme von Vertriebenen und Volksdeutschen aus dem Osten, und begründeten ihren Widerstand mit Wohnungsmangel und Versorgungsproblemen, aber auch mit der Gefahr einer konfessionellen und andersartigen Überfremdung der einheimischen Bevölkerung.[35] Durch die im Alliierten Kontrollrat beschlossene Aufnahme von Flüchtlingskontingenten hatte z. B. die Nordzone (Rheinland-Pfalz) bis zum Oktober 1948 nur rund 90.000 Personen widerstrebend den Zuzug erlaubt.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Länder der französischen Zone waren schon vor dem Zweiten Weltkrieg, trotz ihrer weitgehend agrarischen Struktur, auf die Einfuhr von Grundnahrungsmitteln angewiesen. Kriegsbedingte Ausfälle in der landwirtschaftlichen Produktion, die Zerstörungen bei Transportwesen und Verkehrsmöglichkeiten, hatten dramatische Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung. Die bereits zu Beginn des Krieges 1939 eingeführte, rationierte Zuteilung von Gütern des täglichen Lebens, musste auch unter der Besatzung weitergeführt werden. Je nach physischer Verfassung oder dem Energieverbrauch im Arbeitprozess abgestuft, gaben Lebensmittelmarken eine Berechtigung zum Kauf der lebensnotwendigen Kalorien – wenn sie denn vorrätig waren. Der illegale Schwarzmarkt und der Tauschhandel mit unterschlagenen Erzeugnissen, besonders von Landwirten, waren alternative Versorgungsmöglichkeiten, die von der Besatzung und den deutschen Behörden verfolgt wurden.[36] 1946 hatte die völlig unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln, Brennstoffen und Material für Produktion und Wiederaufbau, die Alliierten veranlasst – insbesondere Amerikaner und Briten – die totale Verelendung Deutschlands mit Hilfsprojekten zu verhindern und die Reparationsleistungen ihrer Zonen an die Sowjetunion und Frankreich zu drosseln. Der von den USA gegründete Marshallplan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas war eines der umfangreichsten Hilfsprogramme, das ab 1948 auch Deutschland einschloss. Für die französische Regierung waren die anglo-amerikanischen Maßnahmen, Deutschland als eine wiederherzustellende Wirtschaftseinheit zu behandeln, ein Bruch der ursprünglichen Beschlüsse und des eigentlichen, alliierten Kriegsziels. Sie reagierte darauf mit der Abgrenzung ihrer Zone (siehe Bizone-Trizone). Die Auswirkungen der Spaltung Europas in Ost und West brachte Frankreich wieder zu einer Annäherung an die Besatzungspolitik der Westalliierten. Mit der gemeinsamen Durchführung der Währungsreform im Sommer 1948 begann eine wirtschaftliche Erholung der Westzonen, beginnend vor allem mit der Verfügbarkeit von Nahrungs- und Genussmitteln.

Politische Säuberung („Entnazifizierung“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Potsdamer Abkommen vom August 1945 hatten die Alliierten in der Abteilung „Politische Grundsätze“ festgelegt, wie Deutschland vom Nazismus befreit, Kriegsverbrecher, NS-Aktivisten und Mitglieder der unterschiedlichen NS-Organisationen behandelt werden sollten.[37] Ein von den Amerikanern 1944 ausgearbeitetes Handbuch mit einer detaillierten Beschreibung aller Dienstränge und Funktionsbeschreibungen der NS-Parteigenossen und -Amtsträgern half den Alliierten bei der Entscheidung, wer vorläufig festgesetzt, interniert, oder erstmal bis zu einer Verfahrenseröffnung, aus dem Dienst entlassen werden sollte.

Anders als die anglo-amerikanischen Säuberungsbehörden, beteiligten die französischen bereits 1945 deutsche Antifaschisten und „unbelastete“ Bürger an den Entnazifizierungsverfahren. Dahinter stand eine besonders von dem Chef der Besatzungsverwaltung General Laffon vertretene Überlegung, den „anderen Deutschen“, den von der Naziherrschaft benachteiligten und unterdrückten Bevölkerungsgruppen, als neuer Elite eine Verantwortung in dem Demokratisierungsprozess zu geben.

Das französische Säuberungsmodell funktionierte aus mehreren Gründen ungenügend: Die anfängliche Zustimmung der Bevölkerung zu den Entnazifizierungen verkehrte sich mehrheitlich rasch ins Gegenteil, weil sie den Franzosen die „Legitimation des Siegers“ absprach, die Verfahren zu lange dauerten, intransparent und unverständlich waren und Strafen nicht angemessen empfunden wurden. Auch war die weitverbreitete Meinung nach den ersten Urteilen der Nürnberger Prozesse, dass es damit genug sei.

Bereits Ende 1945 wurde den Militärbehörden der Wiederaufbau der Wirtschaft wichtiger, als die umfassende Säuberung. Besonders nachdem man sicher sein konnte, dass von der überwiegend antifranzösisch eingestellten Bevölkerung keine Sicherheitsbedrohung ausging. Der Einfluss der deutschen Instanzen wurde ab 1947 zunehmend stärker und die Anzahl rehabilitierter, ehemaliger Nationalsozialisten stieg mit der Notwendigkeit, in den Verwaltungen und der Industrie wieder leistungsfähig werden zu wollen. Im Dezember 1949 wurden die letzten 12 Insassen des Internierungslagers Trier entlassen.[38]

Schule, Kirche, Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wiederaufnahme des Schulunterrichts wurde von der Militärregierung für den 1. Oktober 1945 angeordnet. In vielen Orten gab es bis 1948 Schwierigkeiten, einen regulären Lehrbetrieb durchzuführen, weil es nicht genügend Lehrkräfte gab. Fast 75 Prozent der deutschen Lehrer waren in der Mehrzahl Mitglieder der NSDAP oder einer verwandten Organisation gewesen. Sie waren daher entlassen, interniert oder nur befristet beschäftigt. Lehrbücher aus der Zeit des Nationalsozialismus durften nicht mehr verwendet werden. Neue Ausgaben wurden nur schleppend aufgelegt, da es zu wenig „unbelastete“ Autoren gab. Schulgebäude waren kriegsgeschädigt und nur eingeschränkt nutzbar oder von der Besatzung für den Eigenbedarf beschlagnahmt.[39]

Kinder und Schüler, die besonders in den Städten an Unterernährung und mangelhafter Bekleidung litten, erhielten Hilfsspenden von internationalen, konfessionellen und weltliche Hilfsorganisationen. Die US-Organisation CARE wurde mit ihren Paketen zum Sammelbegriff für willkommene Spenden. Weitgehend ist vergessen worden, dass aus dem Freistaat Irland, aus Schweden und der Schweiz, bereits im Dezember 1945 Spenden eintrafen.[40] Die deutschen Behörden in der französischen Zone richteten – folgend einer Initiative der Bizonenverwaltung – ab Mai 1949 die kostenlose Schulspeisung ein.[41]

In der Gestaltung der Schulformen und des Unterrichts sahen sich vor allem die katholischen Kirchen in den ersten Nachkriegsjahren als die politisch unverdächtige Institution, die ein legitimes Gestaltungsrecht hatte. Schulen, Unterricht und konfessionelle Ausrichtung sollten ihrer Vorstellung nach wieder auf den Stand der vornationalsozialistischen Zeit zurückversetzt werden. Grundlage gab hierzu das Reichskonkordat von 1933, das von den Franzosen anerkannt wurde, von deutscher Seite aber weitergehend ausgelegt wurde. Für Bekenntnis- gegen Simultanschule, Mehrheitsberücksichtigung der örtlichen Konfessionszugehörigkeit und entsprechender Lehrerbestellung, vier Wochenstunden Religionsunterricht, Geschlechtertrennung in der Oberstufe, mobilisierten die Kirchen Elternbeschlüsse und verfassten Protestschreiben, die sogar das französische Außenministerium beschäftigten.[42]

„Die geistige Haltung der Jugend aller Alterstufen ist verworren und undurchsichtig.“[43] beklagte der christdemokratische (CDP) Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz in seiner ersten Regierungserklärung 1946, die Schulsituation im neugegründeten Land Rheinland-Pfalz. Diese Feststellung konnte auch als Kritik an dem französischen Vorbild eines staatlich gelenkten, laizistischen Schulsystems verstanden werden, das die Franzosen auch für ihre Zone geeignet hielten. Eine Reformierung des deutschen Schulwesens war nach ihrer Auffassung die Voraussetzung für eine Erziehung der Jugend zur Demokratie, der Einfluss des Konfessionellen dagegen fördere die Intoleranz und die Spaltung der Gesellschaft. Die öffentlichen Volks-, Mittelschulen und Gymnasien wurden daher als interkonfessionelle Einrichtungen betrieben.[44]

Die Schaffung überkonfessioneller Lehrerbildungsanstalten für die Grundstufen, war für die Militärverwaltung ein wichtiger Punkt in der „Réédducation“ (Umerziehung) der Deutschen. Der katholische Bischof von Speyer z.B. erreichte nach energischen Protesten im Oktober 1946 die Zusage der Militärverwaltung zur Einrichtung auch katholischer Lehrerbildungsanstalten.[45]

Widerspruch der Militärverwaltung gab es gegen den dringenden Wunsch der Kirche, eine Filmprüfstelle einzurichten und die Filmzensur zu verschärfen. Um Jugendliche zu „sittlichen Persönlichkeiten zu erziehen“, hatten kirchliche Stellen gegen die Aufhebung eines Jugendverbots von Filmvorführungen, wie z.B. der cineastischen Klassiker „Feuerzangenbowle“ oder „Der blaue Engel“ protestiert.[46]

Ein Angebot kultureller Veranstaltungen und Unterhaltung gab bereits ab Herbst 1945 wieder Möglichkeiten zur Ablenkung von alltäglichen Existenznöten. Die „Überlinger Kulturwoche“ im Oktober 1945 war, mit Unterstützung der Franzosen, eine der ersten Initiativen in der Zone, die Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen veranstaltete. Die zügige Wiedereröffnung von Theater- und Lichtspielhäusern folgte auch dem Bedürfnis eines großen französischen Militär- und Zivilpersonenanteils in der Bevölkerung. Es wurden deutsche Filme gezeigt, die von der Zensur nicht beanstandet waren, und neueste französische Produktionen mit deutschen Untertiteln. Vorgeführt wurde anfänglich getrennt für Deutsche und Franzosen.[47]

Die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Ausbildung zukünftiger Eliten verlangte, neben Freiburg und Tübingen in der Südzone, auch für die Nordzone eine Universität. Im Februar 1946 empfahl die Militärregierung eine Universitätsgründung in Mainz, die eine moderne Alternative zu den „preußischen“ Universitäten Bonn und Frankfurt[48] sein könnte. Das Sommersemester 1946 begann mit 1900 Studenten in sechs Fachrichtungen. Universitätsgebäude war eine wenig beschädigte, ehemalige Luftwaffenkaserne.

Rundfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Rundfunksender der französischen Besatzungszone entstand in einer unzerstörten Koblenzer Kaserne und sendete ab dem 14. Oktober 1945. Ein Kurzwellensender „Südwestfunk“ (SWF) begann am 20. Oktober 1945 in Baden-Baden. 1946 folgten Sender in Freiburg, Kaiserslautern und Sigmaringen. In jeder Stationsansage wurde der Zusatz „ein Sender der Militärregierung“ gesprochen. Die Programme wurden zu Beginn unter Mitwirkung und Zensur der Militärregierung produziert. Sie veranlasste auch den Zusammenschluss der Sender mit Sitz des Hauptstudios in Baden-Baden. Bis 1947 wurden die Sendeanstalten ausgebaut und ihre kW-Leistungen verstärkt. Am 25. Januar 1947 wurde in Koblenz die erste deutsche Rundfunkausstellung nach 1939 eröffnet. Erstmals wurde der Öffentlichkeit ein „Schallaufnahme- und Wiedergabegerät“ per Bandaufzeichnung präsentiert.[49]

Nach Gründung der Bundesrepublik gehörte die Sendeanstalt ab Juni 1950 zur neu gegründeten ARD, durch die Neugründung des Landes Baden-Württemberg 1952 existierten dann dort zwei ARD-Anstalten. Der SWF verlor 1998 seine Selbstständigkeit durch das Verschmelzen mit dem SDR und die damit einhergehende Neugründung des SWR mit Sitz in Stuttgart.

Das Saarland bildete wegen des Vorhabens aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, es in das französische Staatsgebiet zu integrieren („rattachement“), eine Sonderzone innerhalb der französischen Besatzungszone, deshalb führte die Militärregierung 1945/46 außerhalb ihres offiziellen Senders in Baden-Baden den zunächst „Radio Sarrebruck“ genannten ehemaligen Reichssender Saarbrücken unter ihrer Ägide weiter, der dann als „Radio Saarbrücken“ mit einem ausschließlich deutschsprachigen Programm auf Sendung ging. Als die Einverleibungspläne auf Druck der restlichen Alliierten aufgegeben werden mussten, behielt der Sender seine Unabhängigkeit vom SWF und erhielt am 31. Dezember 1947 einen eigenen vom Französischen Generalgouvernement eingesetzten Intendanten. Durch den historischen Sonderweg des Saarlandes als teilautonomes Staatsgebilde von 1949 bis 1956 existierte der Sender in der Landeshauptstadt Saarbrücken weiter, nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik 1957 wurde aus „Radio Saarbrücken“ die bis heute selbstständige ARD-Anstalt Saarländischer Rundfunk.

Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1945 hatten die letzten regionalen Zeitungen ihr Erscheinen eingestellt. Plakatanschläge und Ausrufer informierten ab dann die Bevölkerung über Anordnungen der Besatzung. Anfang September 1945 erschienen die ersten Presseerzeugnisse und beendeten eine mehrmonatige Phase der Informationslosigkeit und der Verbreitung von „Falschmeldungen, Gerüchtemachereien und Legendenbildungen“.[50][51] Die Mainzer Nachrichten und andere erschienen nur ein- oder zweimal wöchentlich und enthielten überwiegend amtliche Bekanntmachungen. Anfang 1946 war die Badische Illustrierte die erste Zeitschrift der französischen Zone. Die rationierte Zuteilung von Papier und fehlende Transportmöglichkeiten machten bis 1948 eine tägliche, planmäßige Zeitungsherstellung nicht möglich.

Zitat zur Quellenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitat aus der Einleitung zu einer Bearbeitung von Dokumenten der französischen Besatzungszone für die Zeit vom März 1945 bis August 1949:

Eine auf intensivem Aktenstudium basierende umfassende Darstellung der Anfangsjahre des Landes Rheinland-Pfalz liegt bislang nicht vor (…). So weisen die Akten der Staatskanzelei […] bemerkenswerte Lücken auf […] Protokolle der Ministerpräsidentenkonferenzen und die Besprechungen mit der franz. Besatzungsmacht sind nur lückenhaft überliefert […] zu Gesprächen zwischen Außenminister Schuman und Vertretern der Landesregierung finden sich keine Niederschriften […] Nur wenige Akten liegen vom Finanzministerium vor, wo eigentlich auch die Akten des ehemaligen Wiederaufbauministeriums zu suchen wären, die aber offensichtlich komplett vernichtet sind.[52]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Thies/Kurt von Daak: Südwestdeutschland Stunde Null. Die Geschichte der französischen Besatzungszone 1945–1948, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7700-0547-3.
  • Wolfgang Benz u. Hermann Graml (Hrsgb.), Fischer Weltgeschichte, Bd. 35, Das Zwanzigste Jahrhundert II, Bundesrepublik Deutschland, Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-60035-9.
  • Peter Brommer (Bearb.): Quellen zur Geschichte von Rheinland-Pfalz während der französischen Besatzung. Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 1985.
  • Stefan Martens (Hrsg.): Vom „Erbfeind“ zum „Erneuerer“: Aspekte und Motive der französischen Deutschlandpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Thorbecke, Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-7327-5 (Beihefte der Francia; Bd. 27).(online).
  • Knut Linsel: Charles de Gaulle und Deutschland 1914–1969, Beihefte der Francia Bd. 44, Verlag Thorbecke, Sigmaringen 1998 http://www.perspectivia.net/content/publikationen/bdf/linsel_de-gaulle.
  • Wolfgang Fassnacht: Universitäten am Wendepunkt? – Die Hochschulpolitik in der französischen Besatzungszone (1945–1949). Alber, Freiburg (Breisgau)/München 2000, ISBN 3-495-49943-1 (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte; Bd. 43).
  • Martin Schieder: Expansion / Integration. Die Kunstausstellungen der französischen Besatzung im Nachkriegsdeutschland. Dt. Kunstverlag, München/Berlin 2004, ISBN 3-422-06414-1 (Passerelles 3).
  • Joachim Groß: Die deutsche Justiz unter französischer Besatzung 1945–1949: der Einfluss der französischen Militärregierung auf die Wiedererrichtung der deutschen Justiz in der französischen Besatzungszone. Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-2439-3 (Rheinische Schriften zur Rechtsgeschichte; Bd. 4).
  • Frank Becker: Kultur im Schatten der Trikolore: Theater, Kunstausstellungen, Kino und Film im französisch besetzten Württemberg-Hohenzollern 1945–1949. Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56035-8 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften; Bd. 1041).
  • Joel Carl Welty, Das Hungerjahr in der Französischen Zone 1946-1947, Lektorat und archivalische Bearbeitung Landeshauptarchiv Rheinland-Pfalz, Koblenz 1995, ISBN 3-9803142-8-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Französischen Besatzungszone – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [...] French Provisional Government should be invited to become a member of the Allied Control Council for Germany. wikisource/Yalta Conference Agreement.
  2. Für die USA waren de Gaulles Ansprüche weitgehend zu vernachlässigen, „… Ausdruck eines überzogenen Großmachtsttrebens“. Seit der französischen Kapitulation im Juni 1940 hatte Roosevelt entschieden, „… dass die Vereinigten Staaten kein Gewicht mehr auf Frankreich legten.“ Knut Linsel, Charles de Gaulle und Deutschland 1914–1969 zitiert auf S. 96 aus de Gaulles Memoiren ein Gespräch zwischen de Gaulle und Präsident Kennedy 1961
  3. K. Linsel, Ch. de Gaulle…, S. 111 ff.
  4. S. Martens, Vom Erbfeind…, Francia Beiheft Bd. 27, S. 10 ff.
  5. „[…] une question de vie ou de mort.“ formulierte de Gaulle in seiner Pariser Rede am 12. September 1944, zitiert von K. Linsel in: Ch. de Gaulle…
  6. Ausführlich K. Linsel in Schlußbetrachtung: Ch. de Gaulle…, S. 252 ff.
  7. K. Linsel, Ch. de Gaulle…, S. 116.
  8. K. Linsel, Ch. de Gaulle…, Pressekonferenz in Washington am 10. Juli 1944 anlässlich eines Treffens mit US-Präsident Roosevelt S. 117.
  9. K. Linsel, Ch. de Gaulle…, S. 117 u. 121.
  10. Diese Armee war ein „bunter Haufen“ (Thies/von Daak) aus regulären Truppen mit einem hohen Anteil von Kolonialsoldaten und Angehörigen der Résistance, dem Maquis in Thies/von Daak, Südwestdeutschland…, Der Einmarsch, S. 17 ff.
  11. Office of the chief of military history US Army, Chronology 1941–1945, S. 443, Washington D.C. 1960
  12. K.-H. Henke, Die amerikanische Besetzung Deutschlands, S. 249 ff.
  13. Aus einer Verordnung des Militärkommandanten Mercadier für den Reg.-Bez. Koblenz vom 12. Juli 1945 bei: P. Brommer, Quellen zur Geschichte…, S. 24.
  14. Aus einem Wochenbericht an die Militärregierung in Neustadt vom 24. Juli 1945, bei: P. Brommer, Quellen zur Geschichte…, S. 34.
  15. P. Brommer/Landesregierung Rhld.-Pfalz, Quellen… Tagesbefehl Nr. 1 von General Billotte vom 12. Juli 1945 für das Gebiet Rheinland-Hessen-Nassau S. 23.
  16. Thies/von Daak, Südwestdeutschland Stunde Null…, S. 29 ff.
  17. Verordnung Nr. 2 betreffend der Herausgabe von Amtsblättern im französischen Besatzungsgebiet vom 22. August 1945, veröffentlicht im Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland vom 3. September 1945 (Online-Ausgabe bei der Deutschen Nationalbibliothek)
  18. Wolfgang Benz u. Hermann Graml (Hrsgb.), Fischer Weltgeschichte, Bd. 35, Das Zwanzigste Jahrhundert II, W. Benz, IV. Bundesrepublik Deutschland, S. 125, Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main 1994.
  19. Dagegen der franz. Außenminister Robert Schumann: „Frankreich strebte immer nur eine wirtschaftliche, keine staatsrechtliche Angliederung an“, Protokoll einer Unterredung mit rheinland-pfälzischen Regierungsvertretern in Paris am 20. Februar 1949 bei P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen zur Geschichte…, S. 740.
  20. Lagebericht Reg. Bez. Trier 30. Juni 1947 in P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, S. 480 ff.
  21. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 180 und S. 536.
  22. Thies/van Naak, Südwestdeutschland Stunde Null…, S. 30 ff.
  23. Thies/van Naak, Südwestdeutschland Stunde Null…, S. 117.
  24. K. D. Henke: III. Frankreich, in: Europa nach dem Zweiten Weltkrieg…, Fischer Weltgeschichte Bd. 35, S. 108 ff.
  25. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen… Schreiben vom 8. Juni 1948, S. 618.
  26. Thies/von Daak: Südwestdeutschland Stunde Null, 6. Franz. Demontage- u. Wirtschaftspolitik, S. 110 ff.
  27. Thies/von Daak: Südwestdeutschland Stunde Null, 6. Franz. Demontage- u. Wirtschaftspolitik, S. 85–94.
  28. Der Zweite Weltkrieg – Höhepunkt der deutsch-französischen „Erbfeindschaft“ (PDF; 184 kB), abgerufen am 27. November 2012.
  29. Thies/von Daak: Südwestdeutschland Stunde Null, S. 140 ff.
  30. Für den Nordteil der Zone waren dies die Ober- und Regierungspräsidenten
  31. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen… Lagebericht für den Reg.-Bez. Koblenz vom 1. 4. bis 30. 6. 1946, S. 182.
  32. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen… Lagebericht für den Reg.-Bez. Montabaur vom 1. 7. bis 30. 9. 1946, S. 245 ff.
  33. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen… Lagebericht für den Reg.-Bez. Trier vom 30. Juni 1947, S. 480 ff.
  34. Thies/von Daak: Südwestdeutschland Stunde Null,’’ S. 140 ff.
  35. Laut Resolution einer Landrätekonferenz 1945 in: P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 126 ff.
  36. Der Monatbericht April 1946 für die Stadt Landau beschreibt beispielhaft die dramatische Versorgungslage. In: P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 174 ff.
  37. http://www.documentarchiv.de/in/1945/potsdamer-abkommen.html
  38. Ausführliche Behandlung des Themas bei Rainer Möhler: http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/aufsaetze/moehler-saeuberung.html#a3 und http://www.perspectivia.net/content/publikationen/bdf/martens_erbfeind/moehler_entnazifizierung.
  39. Thies/von Daak, Südwestdeutschland Stunde Null…, S. 119 ff.
  40. Joel-Carl Weltly, Das Hungerjahr…, mit einer Einführung von Franz-Josef Heyen, Direktor des Landeshauptarchivs Rheinland-Pfalz S. 5 ff.
  41. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 759.
  42. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 679.
  43. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 311.
  44. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 370 ff.
  45. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 251.
  46. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 170.
  47. Thies/von Daak, Südwestdeutschland Stunde Null…, S. 132 ff.
  48. P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen…, S. 151
  49. Thies/van Naak, Südwestdeutschland Stunde Null…, Kulturpolitik der Franzosen, S. 131 ff.
  50. Thies/van Naak, Südwestdeutschland Stunde Null…, Kulturpolitik der Franzosen, S. 128 ff.
  51. Aus einer Landrats-Mitteilung an die Militärregierung von Neustadt/Pfalz vom 17. Sept. 1945 bei: P. Brommer/Landesreg. Rhld.-Pfalz, Quellen zur Geschichte…, S. 101.
  52. P. Brommer:, Quellen zur Geschichte von…, Vorbemerkung S. 1–6.