Franz-Josef Antwerpes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Franz-Josef Antwerpes (* 27. November 1934 in Viersen) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD). Er war von 1970 bis 1978 Mitglied im Landtag Nordrhein-Westfalen und danach bis 1999 Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Köln.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antwerpes entstammt einer Bäckerfamilie, führte aber auf Anraten seines Vaters die Familientradition nicht fort und studierte stattdessen Volkswirtschaft, worin er auch promoviert wurde.

Mit 21 Jahren trat er in die SPD ein und bekleidete verschiedene leitende kommunale Ämter, unter anderem leitete er von 1962 bis 1975 den Planungsstab der Stadt Duisburg. Von 1970 bis 1978 saß er für seine Partei im Landtag Nordrhein-Westfalen. 1978 wurde er zum Regierungspräsidenten in Köln ernannt. In diesem Amt erlangte er infolge seines sehr selbstbewussten Charakters und zahlreicher umstrittener Entscheidungen eine gewisse, für das Amt ungewohnte, überregionale Bekanntheit. 1999 trat er als dienstältester Kölner Regierungspräsident in den Ruhestand.[1]

Eines von Antwerpes Hauptanliegen war die Sicherheit im Straßenverkehr, insbesondere der Kampf gegen Alkohol am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit, oft auch gegen den Widerstand von Bevölkerung und Verbänden. So war er an Wochenenden häufig bei Verkehrskontrollen auf Autobahnen des Regierungsbezirkes anzutreffen, wo er Autofahrer eigenhändig von der Fahrbahn winkte. Er setzte ein Tempolimit von 100 km/h auf dem Kölner Autobahnring durch und sperrte 1987 bei starkem Nebel die Autobahn A4 Köln-Aachen, nachdem es auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Köln allein zwischen Anfang 1985 und Februar 1987 nebelbedingt zu schweren Verkehrsunfällen mit 20 Toten gekommen war. Dies brachte ihm zwar Proteste bis zum Bundesverkehrsminister ein, doch Antwerpes stellte fest, dass es dank seiner Vollsperrung „nicht mal eine Beule gegeben“ habe.[2] Selbst im Karneval war er noch verkehrserzieherisch aktiv: Am Ende einer Büttenrede winkte er mit einem Alkoholtestgerät und verabschiedete sich mit dem Hinweis, man würde sich ja später noch auf der Straße treffen.[1]

Das Kölnische Stadtmuseum mit dem „Flügelauto“ von HA Schult

Als der Aktionskünstler HA Schult 1991 im Rahmen der Aktion „Fetisch Auto“ einen vergoldeten, mit Flügeln versehenen Ford Fiesta auf dem Turm des historischen Zeughauses platzierte, forderte Antwerpes im Hinblick auf den Denkmalschutz des Gebäudes die Entfernung. Sein Engagement in der Sache schlug in der Lokalpresse zwar hohe Wellen, scheiterte jedoch an einer Ausnahmegenehmigung des zuständigen Ministeriums.

Von 1998 bis 2000 moderierte er gemeinsam mit Marijke Amado im WDR-Fernsehen die Sendung Amado und Antwerpes – Die Talkshow für Genießer. In der Spielzeit 2005/06 übernahm er in der Kölner Oper in Konrad Beikirchers Neufassung des Offenbach-Stückes Orpheus in der Unterwelt die Rolle des Hans Styx, wobei er auf der Bühne auch einige seiner bekannten Amtshandlungen aufzählen sollte. Als das Publikum teilweise negativ reagierte, suchte er „ebenso beleidigt wie belehrend die Diskussion mit dem Publikum“, was zu weiteren Protesten führte.[3]

Dem Kölner Domkapitel versagte er die bestattungsrechtliche Ausnahmegenehmigung, um verstorbene Domherren weiter im Dom beizusetzen. 1996 setzte er durch, dass die Mitglieder der Kelly Family, die zu dieser Zeit provisorisch auf einem Hausboot im Kölner Hafen lebten, sich ordnungsgemäß in Köln anmeldeten und dass deren damals vierzehnjähriger Sohn Angelo eine öffentliche Schule besuchte. In diesem Zusammenhang verkündete er sein Motto „streiten statt gleiten“ und dass es ihn nicht störe, wenn er sich dabei unbeliebt mache. Dem Vorwurf, er mische sich in alles ein, nur um in die Medien zu kommen, entgegnete er: „Unfug! Die Themen kommen zu mir wie das Kind zur Jungfrau.“[4] Zudem verstehe er sich „als ein Ombudsmann für die kleinen Leute, der das Recht vertritt und nicht ein Amigo-System.“[1] Eitel zu sein stritt er nicht ab.[5] Auf kritische Veröffentlichungen reagierte er bisweilen eher ungehalten. Als der in der publizistischen Aufarbeitung des Kölner Klüngels aktive Werner Rügemer, der Antwerpes unter anderem wegen der Genehmigung und Auftragsvergabe der Kölner Müllverbrennungsanlage und des Kanalprojektes „Vorfluter Süd“ kritisiert hatte, vor Antwerpes’ Wohnung sogar eine „Klüngel-Führung“ abhielt, beschimpfte ihn der als Lügner und drohte zunächst mit Klage. Keiner der beiden zog jedoch vor Gericht.

Eine vom Landesfinanzministerium aufgrund einer Beanstandung durch den Landesrechnungshof 1998 angeordnete Erhöhung der ausgesprochen günstigen Miete von Antwerpes’ ab 1980 genutzter Dienstwohnung in Köln-Lindenthal (Max-Bruch-Straße 8) scheiterte an einem fehlenden Mietwertgutachten. Den Kauf der Wohnung zu einem durch unabhängiges Wertgutachten ermittelten Preis lehnte er ab; für den Fall eines Verkaufs des Objekts an Dritte hätte er einen Kündigungsschutz von zehn Jahren gehabt.[6]

1981 setzte Antwerpes vor seinem Amtssitz einige Rebstöcke, deren Wein er später scherzhaft als „Klein-Kölnhausener Zuckerberg“ bezeichnete. Dieser wird zugunsten gemeinnütziger Organisationen verkauft oder versteigert. Der völlig ungenießbare Jahrgang 1988 wurde für 300 Mark pro Flasche verkauft, obwohl es sich nach Antwerpes’ Worten um den „schlechtesten Wein aller Zeiten“ handelte.

1998 wurde Antwerpes für die Organisation medizinischer Hilfstransporte nach Kuba von Fidel Castro persönlich mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Während mehrerer Urlaube pflegte Antwerpes persönlichen Kontakt zu Castro und dessen Ministern.

Antwerpes ist Autor einer Reihe von Büchern, vorwiegend über sein Leben und Wirken als Kölner Regierungspräsident. Er war von 1983 bis 2003 mit Elfi Scho-Antwerpes verheiratet und hat vier Kinder. Sein Großneffe Michael (* 1963) ist Journalist.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1997: Antworten auf nicht gestellte Fragen. Wienand Verlag, ISBN 3879095361
  • 1998: Lösungen für nicht vorhandene Probleme. Wienand Verlag, ISBN 387909618X
  • 1999: Zwischen allen Stühlen. Ungezähmte Erinnerungen eines Regierungspräsidenten. Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3462028294
  • 2000: „Sehr geehrtes Arschloch!“ Briefe an den Regierungspräsidenten. Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3462035029
  • 2001: Gnadenlos genießen … – Antwerpes’ Kölner Gastro-Führer. Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3462035096
  • 2002: Lügen haben lange Beine. Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3462035266

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Peter W. Fischer: Antwerpes geht in Rente. Spiegel Online, 30. September 1999.
  2. Manche hatten 140 Sachen drauf. Der Spiegel 52/1987 vom 21. Dezember 1987, S. 30–31.
  3. Stefan Schmöe: Beim Karneval hört für den Kölner der Spaß auf. Online Musik Magazin (OMM), 2005; zur Premierenaufführung am 20. Oktober 2005.
  4. Der Highlander vom Rhein – Es kann nur einen geben: Vom Kampf eines Mannes gegen die Kelly Family. Hamburger Abendblatt, 4. April 1996, S. 28, abgerufen über web.archive.org am 8. September 2012.
  5. Interview mit Antwerpes beim Sender BR-alpha (PDF-Datei; 50 kB)
  6. Karl-Heinz Steinkühler: Schön und günstig wohnen am Rhein. Focus 25/1998.