Franz Büchler

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Franz Büchler (1988)

Franz Theodor Büchler (* 10. Februar 1904 in Straßburg; † 15. September 1990 in Baden-Baden) war ein deutscher Schriftsteller und Bildender Künstler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käthe Büchler, Büste von Franz Büchler, 1933

Franz Büchler wird am 10. Februar 1904 als einziges Kind des im Alter von 27 Jahren verstorbenen katholischen Eisenbahnbeamten Franz Büchler und der evangelischen Melani (geborene Sartorius) in Straßburg geboren. Ab 1909 besucht er dort die Vorschule und das protestantische Gymnasium. Als das Elsass zum Ende des Ersten Weltkrieges wieder an Frankreich übergeht, werden er und seine Mutter vertrieben.[1] Sie ziehen nach Baden-Baden, wo Büchler bis zum Abitur das humanistische Gymnasium Hohenbaden besucht.

Er studiert zunächst in Heidelberg Naturwissenschaften und später in Freiburg im Breisgau, München und Lausanne Geschichte, Philosophie, Germanistik und Romanistik. Im Alter von 24 Jahren legt er das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab und wird bei Gerhard Ritter mit der Arbeit „Die geistigen Wurzeln der heiligen Allianz“ promoviert.[2] Im gleichen Jahr heiratet er Käthe Frahm. Die Ehe hält bis zu Büchlers Tod. Aus ihr gehen sieben Kinder hervor.

Nach Abschluss des Referendariats wird Büchler als Aushilfslehrer in Karlsruhe eingestellt, wo er auch als Theaterkritiker, Bildhauer und Schriftsteller arbeitet. 1934 wird er in Oberkirch Lehramtsassessor und 1940 in Heidelberg Studienrat.[3] Ein Jahr später zieht die Familie in Büchlers Geburtsstadt Straßburg.

Im Jahr 1934 veröffentlicht Büchler mit „Licht von Innen“ seinen ersten Gedichtband. 1937 folgt das Drama „August der Starke“, das ein Jahr später in Aachen uraufgeführt wird. Die Tragödie „Sunanda“, nach „Herzog Bernhard“ Büchlers drittes Drama, wird 1942 kurz vor der Uraufführung in Leipzig durch die „Reichsdramaturgie“ im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda vom Spielplan abgesetzt.[4]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist Büchler erneut gezwungen, Straßburg zu verlassen. Er erreicht mit seiner Familie mittellos Baden-Baden. Doch 1947 muss die Wohnung für die französische Besatzung geräumt werden, die Familie findet Unterkunft in Unterlauchringen. 1950 kehrt Büchler wieder nach Baden-Baden zurück und lebt bis zu seinem Tod im Stadtteil Lichtental. Krankheitsbedingt vom Schuldienst befreit widmet er sich hier fortan vermehrt dem Schreiben. Neben weiteren Dramen und Gedichten erscheinen nun auch Erzählungen, Romane sowie Essays und Büchler beginnt als Maler tätig zu werden. Er reist zudem unter anderem nach Peru[5] und trifft sich regelmäßig mit Paul Celan in Paris.[6]

Sein letzter Roman „Der liegende Adler“ wird in seinem Todesjahr veröffentlicht. Franz Büchler wird auf dem Lichtentaler Friedhof beigesetzt. Ein Jahr nach seinem Tod richtet die Stadtbibliothek Baden-Baden zu seinen Ehren einen Raum im Literaturmuseum im Gartenhaus ein.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lungenstimmer, 1966

Drama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August der Starke. Berlin 1937.
  • Herzog Bernhard. München 1939.
  • Sunanda. Straßburg 1942.
  • Ananias. Stuttgart 1953.
  • Balk. Stuttgart 1953.
  • Dramen der Zeit. Ree, Wina, Iris. Straßburg 1960.
  • Stück-Werk. Der Oberst, Das Windei, Schneehuhn und Scholle, Kinderspiel. Weinheim 1972.

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Licht von Innen. Gedichte. Leipzig 1934.
  • Erde und Salz. Gedichte. Düsseldorf u. Köln 1960.
  • Strandgut. Gedichte. Berlin 1972.
  • mit Inge Wurth: Weg nach Delphi. Cantos. Berlin 1979.
  • mit Inge Wurth: Das geistige Jahr (52 Wochen und 1 Tag). Cantos. Freiburg i.Br. 1982.

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schizoid. Erzählungen und Texte. Tübingen u. Basel 1972.
  • Der Niemandsweg oder die Geeinten. Roman. Berlin 1975.
  • Die liegende Adler. Ein utopischer Roman. Waldkirch 1990.

Essay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wasserscheide zweier Zeitalter. Essays. Heidelberg 1970.
  • Eduard Reinacher als Autor der 'Elsäßer Idyllen und Elegien'. Gedenkrede auf Burg Stettenfels am 29. Juni 1969. In: Studien der Erwin-von-Steinbach-Stiftung. Hg. v. Christian Hallier. Bd. 3. Frankfurt a.M. 1971. S. 263-272.
  • Die Malerin Anne Luc. Konkrete Erfahrungen durch abstrakte Bilder. In: Studien der Erwin-von-Steinbach-Stiftung. Hg. v. Christian Hallier. Bd. 4. Frankfurt a.M. 1975. S. 161-178.
  • Grenzlichter. Essays. Berlin 1975.

Lesebuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wieder ist Frühe der Zeit. Freiburg i.Br. 1983.
  • Ergänzungsband: Die Schwelle. Texte. Freiburg i.Br. 1984.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rieger, Walter: Franz Büchler: „Erde und Salz“. Eine Interpretation. In: Dienendes Wort. Eine Festgabe für Ernst Bender zum 70. Geburtstag. Betreut von Walter Franke. Karlsruhe 1959. S. 107-114.
  • Bericht über die fünfte Verleihung des Erwin von Steinbach-Preises an Dr. Franz Büchler. In: Studien der Erwin von Steinbach-Stiftung. Hg. v. Christian Hallier. Bd. 2. Frankfurt a.M. 1968. S. 243-256.
  • Vierbändige Monographie von Inge Wurth:
    • Erlittenes Licht. Zur Lyrik Franz Büchlers. Berlin 1975.
    • Aufbruch und Ankunft. Zur Prosa Franz Büchlers. Berlin 1976.
    • Die Gezeichneten. Zu den Dramen Franz Büchlers. Berlin 1977.
    • Geist und Form. Zu den Essays Franz Büchlers. Berlin 1977.
  • Franz Büchler. Baden-Badener Symposien I. Herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Baden-Baden 1996.
  • Büchler, Franz. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisch-Bibliographisches Handbuch. Begründet v. Wilhelm Kosch. Hg. v. Konrad Feilchenfeldt. Bd. 4. Zürich u. München 2003. S. 522f.
  • Huber, Heinz G.: Ein Schriftsteller, der in Oberkirch Lehrer war: Franz Büchler (1904-1990). In: 125 Jahre Höhere Schule Oberkirch. Festschrift. Hg. v. Freundeskreis des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch. Oberkirch 2005. S. 115-120.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In einem Lebenslauf, der seiner Promotion angehängt ist, schreibt Büchler, sie seien „[d]urch den unglücklichen Kriegsausgang aus dem Elsaß vertrieben“ worden. Nach 1918 werden insgesamt etwa 200.000 nach 1871 ins Elsass gezogene Deutsche vertrieben.
  2. Franz Büchler: Die geistigen Wurzeln der heiligen Allianz. Freiburg i.Br. 1929.
  3. Möglicherweise liegt ein Grund für die lange Wartezeit auf das Beamtenverhältnis in Büchlers Einstellung zum nationalsozialistischen System, denn er steht „gerade in der Anfangszeit dem NS-System äußerst kritisch gegenüber“; aus seiner Oberkircher Zeit sind zudem Differenzen zum Schulleiter und zum Oberbürgermeister, beide überzeugte Nationalsozialisten, nachweisbar. (Heinz G. Huber: Ein Schriftsteller, der in Oberkirch Lehrer war: Franz Büchler [1904-1990] . In: 125 Jahre Höhere Schule Oberkirch. Festschrift. Hg. v. Freundeskreis des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch. Oberkirch 2005. S. 115-120, hier: S. 116f.)
  4. Laut den Akten des Ministeriums geschieht dies „aus politischen Erwägungen heraus“ nach einer Intervention von Subhas Chandra Bose, einem Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. (Bundesarchiv Berlin R55-20229, p. 57) Bose ist zu dieser Zeit in Berlin mit dem Aufbau einer indischen Freiwilligenarmee gegen die britische Kolonialmacht beschäftigt. Der Druck des Stückes im gleichen Jahr im Hünenburg-Verlag, Straßburg, bleibt unbeanstandet.
  5. In seinem Essay „Peruanische Streiflichter“ behandelt Büchler Erfahrungen der Zeit in Peru, erstmals veröffentlicht in: Neue Deutsche Hefte. Hg. v. Joachim Günther. 16. Jahrgang 1969, Heft 1. S. 63-79.
  6. Nach Celans Tod schreibt Büchler über eine Begegnung beider in dem Essay „Gedenken an Paul Celan“, erstmals veröffentlicht in: Neue Rundschau. 81. Jahrgang 1970, Heft 3. S. 628-634.