Franz Boehm (Widerstandskämpfer)

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Franz Boehm (* 3. Oktober 1880 in Westpreußen; † 13. Februar 1945 im KZ Dachau) war ein römisch-katholischer Priester des Erzbistums Köln, Widerstandskämpfer und Märtyrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Boehm entstammte einer Lehrerfamilie. Die Grundschuljahre verbrachte er im Rheinland. Das Abitur legte er in Mönchengladbach ab. Nach den philosophischen und theologischen Studien in Bonn wurde er 1906 zum Priester für das Erzbistum Köln geweiht. An seinen drei Kaplansstellen im Ruhrgebiet war er auch in der Polenseelsorge tätig, da er die polnische Sprache beherrscht. Auch taufte er in der Muttersprache und nicht wie damals vorgesehen in Latein. Die erste Pfarrstelle trat er 1917 in St. Katharina in Gerresheim/Vennhausen (heute Düsseldorf-Gerresheim) an. 1923 wurde er Pfarrer in Sieglar.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstützt durch den damaligen Sieglarer Bürgermeister Jakob Hörsch ermittelte die Staatspolizei wiederholt gegen Boehm und erließ zahlreiche Sanktionen. 1934 kam es zu einem Strafverfahren, das aber eingestellt wurde; 1935 wurde es Boehm verboten, Religionsunterricht zu erteilen. Zugleich erhielt er die erste Ausweisung, die allerdings 1936 durch eine Amnestie aufgehoben wurde. Bereits 1937 folgte die zweite und endgültige Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Köln. Boehm musste Sieglar verlassen und auf die Zuweisung einer neuen Wirkungsstätte durch das Generalvikariat warten. Diese erzbischöfliche Politik zum Schutz des eigenen Klerus wurde von Boehm auch als Kaltstellung empfunden. In einem persönlichen Brief an einen jüngeren Mitbruder schreibt Boehm, er sei „von seiner kirchlichen Behörde [....] enttäuscht, da er keine Anerkennung und Hilfe erfahren“ habe. Er habe jedoch „das stolz-demütige Bewusstsein in Sieglar [...] [seine] letzten Kräfte eingesetzt“ und nach dem „Leitfaden“ gelebt, „einmütig für den Glauben und das Evangelium kämpfen und sich in keiner Weise von Widerstand einschüchtern lassen“ zu wollen. In Briefen an das Generalvikariat bat er darum, „sich des körperlichen und seelischen Drucks“ zu erbarmen und ihm „eine neue Wirkungsstätte baldmöglichst zuzuweisen“.[1]

1938 trat Boehm dann eine Stelle als Pfarrer in Monheim am Rhein an. In seinem priesterlichen Wirken leistete er weiterhin Widerstand gegen das Regime. Boehm arbeitete vor allem mit Jugendlichen. Der zunehmenden Eskalation setzte er stets das Bibelwort entgegen: „Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen“(Jes 56,10 EU). 1938 kam es zu einer Geldstrafe und 1941 zu einer Verwarnung wegen Gottesdiensten in polnischer Sprache. 1942 wurde er zu einem Sicherungsgeld in Höhe von 3.000 RM wegen einer Christkönigspredigt verurteilt. Ostern 1944 predigte er gegen das NS-Filmwesen, was eine erste Verhaftung nach sich zog. Im Zusammenhang der Verhaftungen um den 20. Juli 1944 wurde Boehm unmittelbar nach einer Messe noch in der Kirche verhaftet. Am 11. August 1944 wurde er in den Pfarrerblock im Konzentrationslager Dachau gebracht. Auch ein Schreiben des Bischofs vermochte an der Inhaftierung nichts zu ändern. Er starb im Konzentrationslager am 13. Februar 1945 an den Folgen einer inhaftierungsbedingten Gesichtsrose.

Wirkung bis in die Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer-Franz-Böhm-Haus, Monheim am Rhein

Franz Boehm gilt als einer der mutigsten Pfarrer des Erzbistums Köln in der Zeit des Nationalsozialismus. In Monheim am Rhein erinnert in der Franz-Boehm-Straße vor dem Treppenaufgang zu St. Gereon ein Stolperstein an Boehm - ebenso vor dem Pfarrhaus St. Katharina in Düsseldorf. In Düsseldorf wurde die Katholische Grundschule am Kamper Weg 2002 in "Franz-Boehm-Schule" umbenannt. In Monheim und Sieglar sind Straßen und Gemeindezentren nach Franz Boehm benannt. In Düsseldorf scheiterte im Juni 2004 die Benennung einer Straße nach Boehm an den Gegenstimmen der CDU in der Bezirksvertretung 7.

Die katholische Kirche hat Pfarrer Franz Boehm als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. In der Wanderausstellung „Märtyrer des Erzbistums Köln aus der Zeit des Nationalsozialismus“, die das Bildungswerk der Erzdiözese Köln an verschiedenen Orten seit 2006 zeigt, nimmt Franz Boehm eine herausragende Stellung ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Boberach: Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934–1943. Mainz 1971.
  • Peter Buter / Rudolf Pohlmann: Pfarrer Franz Boehm 1880–1945, Glaubenszeuge und Märtyrer; Eigenverlag der Katholischen Kirchengemeinde St. Gereon in Monheim am Rhein, 2005; 156 Seiten, ISBN 3-00-016142-2.
  • Ulrich von Hehl: Katholische Kirche und Nationalsozialismus im Erzbistum Köln 1933–1945. Mainz 1977.
  • Ulrich von Hehl: Priester unter Hitlers Terror. 4., durchges. und erg. Aufl. Schöningh: Paderborn 1998.
  • Bedšrich Hoffmann : And Who Will Kill You: The Chronicle of the Life and Sufferings of Priests in the Concentration Camps. 4. Aufl., Pallottinum, Poznań 1994, ISBN 83-7014-223-0, S. 395.
  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz),: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a., 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 342–345.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moll 1999, S. 272