Franz Bucher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Franz Bucher an der GSBM-Ausstellung am 12. August 2017 an der KSU in Unterseen, Foto: Thomas Seilnacht

Franz Bucher (* 15. Januar 1940 in Sarnen) ist ein Schweizer bildender Künstler. Sein Werk umfasst Malerei, Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen, Reliefs sowie Wand- und Glasbilder.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Inspirationen erhielt Franz Bucher von seinem Vater Joseph Bucher, der in Sarnen als Dekorationsmaler tätig war. Nach dem Schulbesuch in Sarnen und im Kollegium St. Michael in Zug wurde er 1957 bis 1962 zum Dekorationsmaler ausgebildet und arbeitete in Luzern, Basel und Zürich. Der junge Franz Bucher verbrachte viele Stunden in seinem Paddelboot in der freien Natur am Zugersee und beobachtete dort die Tiere und die Landschaft. Diese Erlebnisse prägten sein späteres Schaffen. In dieser Zeit reifte auch der Entschluss, den elterlichen Betrieb nicht zu übernehmen und stattdessen eine Künstlerlaufbahn einzuschlagen.[1] Von 1963 bis 1967 studierte er an der Kunstgewerbeschule Basel und der Kunstgewerbeschule Luzern (KGSL). Einer seiner Lehrer in Luzern war der Maler und Grafiker Godi Hirschi. 1965 und 1966 unternahm Franz Bucher zahlreiche Studien-Reisen, unter anderem nach Griechenland, Istanbul, Spanien und Marokko. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte zunächst über die figürliche Zeichnung der Schritt zur Abstraktion. Dieser Weg war vor allem vom Kubismus beeinflusst. Ein typisches Werk aus dieser Zeit ist das Gipsrelief Möwenflug (1967).

1967 heiratete Franz Bucher Pia Heer. Im gleichen Jahr zog das junge Paar nach Zug. In den folgenden Jahren bekam das Paar 4 Kinder.[2] Der junge Franz Bucher erhielt zahlreiche Stipendien, die ihm den Weg in die nationale und später auch in die internationale Kunstszene eröffneten. Von 1971 bis 1989 war er Mitglied der Vereinigung Zuger Künstler. Er erhielt 1972, 1974 und 1975 Eidgenössische Kunstpreis-Stipendien und war 1973 Stipendiat am Istituto Svizzero di Roma. 1974 wurde er als Dozent für Bildnerisches Gestalten und Kunst-Unterrichtsdidaktik (bis 2003) ans Seminar St. Michael Zug und an die Hochschule Luzern berufen.

Seit 1976 ist Franz Bucher Mitglied der Gruppe XYLON, der internationalen Vereinigung der Holzschneider. Die Mappe Xylon 55 mit Original-Holzschnitten ist Franz Bucher gewidmet.[3] Holzschnitte und vor allem Aquatinta-Radierungen mit expressiven und abstrahierten Landschaften, die Magischen Felder, die Intren oder die quadratischen Wolkenbilder, die Wolkensituationen, die in geometrischen Strukturen oder als Bild im Bild verzahnt sind, entstehen zwischen 1970 und 1979. 1978 fertigt Bucher das zehn Meter breite und fast drei Meter hohe Tastbild an, das aus Schieferplatten, Sand, Holz und textilen Materialien eine Berglandschaft darstellt und eine Auftragsarbeit für das Blindenheim Horw ist. Beeinflusst durch eine schwere Krebserkrankung wendet sich Franz Bucher ab 1980 erneut der menschlichen Figur zu. In dieser Zeit spielt die Farbe Schwarz eine entscheidende Rolle. Das Werk Statio I bis XV (1982/83) zeigt den menschlichen Kreuzweg in expressionistischen Ölbildern auf Baumwolle. Teile des Werks befinden sich im Bündner Kunstmuseum in Chur. Erst nach der Genesung lässt er wieder vermehrt Farbe in seinen Werken zu.[4][5]

Nach der Ausstellung 1985 im Bündner Kunstmuseum, mit einem Überblick des bisherigen Werks, fand mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia von 1989 bis 1990 eine retrospektive Wander-Ausstellung durch Ungarn in den Kunstmuseen von Esztergom, Tata und Budapest statt. Von 1986 bis 1992 war Franz Bucher Mitglied der Kornschütte- und der Kunstpreis-Kommission der Stadt Luzern. 1990 wurde er in die Künstlergemeinschaft der GSBM Gilde Schweizer Bergmaler aufgenommen. An den GSBM-Ausstellungen präsentierte Franz Bucher die malerische oder graphische Umsetzung des Themas im Aquarell oder in Öl auf Leinwand. In der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell waren 2012 drei Teile (III,IV,V) aus dem grossformatigen fünfteiligen Werk Situation, das vom Alpstein-Massiv inspiriert ist, zu sehen.[6]

Von 1995 bis 2010 wirkte Bucher als Mitglied der Kunstkommission der Klinik St. Anna, Hirslanden, Luzern. Nach einem Studienaufenthalt in New York 1996 war er 2001 Gastdozent im Rahmen der Vorlesung «Christologie» von Wolfgang Müller an der Universität Luzern und Gastdozent im Rahmen der Vorlesungen «Passion» von Henk Geuke an der Hochschule Luzern. 2005 schloss er sich der Schweizer Künstlergruppe verarte.ch an.[7] 2009 war eine Retrospektive über Franz Buchers Werk im Päpstlichen Athenaeum Sant Anselmo in Rom zu sehen. Diese Ausstellung fand anlässlich der Feier zum neunhundertsten Todestag des Theologen und Philosophen Anselm von Canterbury statt.

Die jahrelange Auseinandersetzung mit dem atmosphärischen Licht führte als logische Konsequenz zu den Arbeiten mit farbigem Glas und auch zur Auseinandersetzung mit dem Nordlicht, das er 1998 und 2004 auf Reisen nach Norwegen und später auch nach Island erlebte und danach malerisch umsetzte.[8] Franz Bucher lebt heute in Horw bei Luzern. Seine Werke sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, in Kirchen und Museen vertreten. Neben der Malerei und dem graphischen Werk finden vor allem auch seine grossformatigen Relief- und Wandbilder im öffentlichen oder sakralen Raum Beachtung.[9]

Bibliographie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Bucher, Romano Cuonz, Christian Bucher: Tagebuch der Sehnsucht. Albert-Köchlin-Stiftung, Luzern 2016, ISBN 978-3-907164-41-9.
  • Franz Bucher: Lichter des Nordens, the northern lights. Wallimann, Alpnach 2007, ISBN 978-3-908713-71-5.
  • Franz Bucher, Romano Cuonz: Veränderungen. Brattig-Verlag, Alpnach 2002, ISBN 3-905198-66-5.
  • Franz Bucher – das graphische Werk 1970–2000. Diopter, Luzern 2001, ISBN 3-905425-09-2.
  • Fabrizio Brentini: Franz Bucher, mein Thema ist Malerei. Gisler, Altdorf 1993, ISBN 3-9520235-7-4.
  • Geschnitten – Gedruckt – La Lumière du Bois. Edition Xylon Verlag, Hauterive 1986.
  • Kunst aus Obwalden. Bündner Kunstmuseum, Chur 1985.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1964/65 Stipendien des Kantons Obwalden
  • 1972/74/75 Eidgenössische Kunststipendien, Swiss Art Awards
  • 1975 1. Preis Kanton Schwyz: «Schweizer Künstler sehen den Kanton Schwyz»
  • 1979/81 Preis der 2. Int. Graphik-Biennale, Cagliari, Kat.
  • 1988 Premio, Milano Capitale dell’ Arte-Artista dell’ Anno
  • 1992 Horwer Kulturpreis[10]
  • 1996 Obwaldner Kulturpreis[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fabrizio Brentini: Franz Bucher, mein Thema ist Malerei. Gisler, Altdorf 1993, S. 25–27.
  2. Künstlerportrait auf der Webseite der Galerie pigmento
  3. Xylon 55. Holzschnittmappe. Zürich/ Berlin 1981.
  4. Fabrizio Brentini: Sikart-Eintrag über Franz Bucher
  5. Fabrizio Brentini: Franz Bucher, mein Thema ist Malerei. Gisler, Altdorf 1993, S. 90ff.
  6. Mitglied der Gilde: Franz Bucher Informationsseite auf dem Webangebot der Gilde Schweizer Bergmaler, abgerufen am 16. September 2016.
  7. Franz Bucher, Eintrag auf dem Webserver der Künstlergruppe verarte.ch, abgerufen am 8. September 2012.
  8. Franz Bucher: Lichter des Nordens, the northern lights. Wallimann, Alpnach 2007, ISBN 978-3-908713-71-5.
  9. Fabrizio Brentini: Sikart-Eintrag über Franz Bucher
  10. Preisträgerinnen und Preisträger von 1982 bis 2010 auf www.horw.ch
  11. Eintrag bei xylon.ch, siehe Weblinks