Franz Eccard von Bentivegni

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Bentivegni mit Wilhelm Canaris, Leiter der Abwehr, auf einem Feldflugplatz an der Ostfront, 1941

Franz Eccard von Bentivegni (* 18. Juli 1896 in Potsdam; † 4. April 1958 in Wiesbaden) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Bentivengi stammte aus einer alten Soldatenfamilie. Sein Vater fiel als Oberstleutnant im Ersten Weltkrieg.[1] Bentivegni trat am 22. Juli 1915 als Fahnenjunker in das 2. Garde-Feldartillerie-Regiment ein und wurde dort am 11. Mai 1916 zum Leutnant befördert. Vom 5. Juli bis 31. August 1916 erfolgte seine Kommandierung an die Feldartillerie-Schule Jüterbog. Im Anschluss daran war Bentivegni mit seinem Regiment an der Westfront im Einsatz. Am 6. April 1918 wurde er verwundet und verbrachte die Folgezeit bis 30. April 1918 im Lazarett in Namur. Nach seiner Genesung wurde er dem Ersatz-Bataillon zugeteilt.

Bentivegni wurde nach Kriegsende ab 16. Mai 1919 zunächst als Adjutant der III. Abteilung seines Stammregiments verwandt und versah kurzzeitig Dienst im Reichswehr-Artillerie-Regiment 26. Es folgte ein Kommandierung zu einem MG-Kursus an der Infanterie-Schule Wünsdorf sowie ab 24. September 1920 eine Verwendung als Ordonnanz- und Gerichtsoffizier beim Stab des Reichswehr-Artillerie-Regiments 15. Am 1. Januar 1921 versetzte man Bentivegni zum Stab der III. Abteilung des 3. (Preußischen) Artillerie-Regiments nach Jüterbog. Dort diente er ab 1. April 1925 als Adjutant und wurde am 31. Juli 1925 zum Oberleutnant befördert. Zweieinhalb Jahre später setzte man ihn in der 8. Batterie des Regiments ein. Bentivegni absolvierte dann ab 1. Oktober 1928 die Führergehilfenausbildung beim Stab der 2. Division in Stettin. Zum 1. Oktober 1930 kommandierte man ihn zur Kommandantur Berlin, ein Jahr später in das Reichswehrministerium und am 15. November 1932 wieder zur Kommandantur zurück. Dort erhielt er am 1. Dezember 1932 seine Beförderung zum Hauptmann und hatte einen Tag später auf Anweisung die Uniform der Führungsoffiziere zu tragen. Ab 1. September 1933 versah er Dienst beim Stab der 2. Division, wurde am 1. Juli 1935 zum Artillerie-Regiment Frankfurt/Oder versetzt und ab 15. Oktober 1935 als Batteriechef im Artillerie-Regiment 23 verwendet. Als Major (seit 1. April 1936) kommandierte man ihn ab 1. Juli 1936 zum Generalstab des IX. Armeekorps und versetzte ihn am 6. Oktober 1936 dorthin. Am 1. April 1938 wurde er Erster Generalstabsoffizier der 26. Infanterie-Division.

Bentivegni wechselte am 1. März 1939 als Abteilungschef in das Oberkommando der Wehrmacht und wurde dort mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Abteilung III (Spionageabwehr und Gegenspionage) innerhalb der Amtsgruppe Abwehr betraut. Einen Monat später erfolgte unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberstleutnant seine Ernennung zum Chef der Abteilung.

Die Abteilung gliederte sich wie folgt:

  • Führungsgruppe III W: Abwehr in der Wehrmacht
  • Gruppe III Wi: Abwehr Wirtschaft
  • Gruppe III C: Abwehr Inland
  • Gruppe III F: Abwehr Ausland
  • Gruppe III D: Sonderdienst
  • Gruppe III S: Sabotageabwehr
  • Gruppe III G: Gutachten
  • Gruppe Z-Arch.: Zentralarchiv

Bentivegni leitete am 4. November 1939 eine Konferenz in der Hacketäuer-Kaserne in Köln-Mülheim, wo der Einsatz der Geheimen Feldpolizei (GFP) im Polen-Feldzug analysiert wurde. In seiner Eröffnungsrede verdeutlichte er den Auftrag der GFP, das Feldheer geheimpolizeilich zu überwachen.

Oberst Bentivegni (seit 1. Juni 1941) wurde vom 15. September 1943 bis 17. Mai 1944 in die Führerreserve versetzt, fungierte zwischenzeitlich zeitweise als Vertretung des Chefs seiner alten Abteilung und absolvierte einen Divisionsführer-Lehrgang. Als Generalmajor war er dann Kommandeur der 170. bzw. der 81. Infanterie-Division, wurde am 30. Januar 1945 Generalleutnant und geriet mit den Resten seiner Division im März 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Es gibt bestätigte Beweise, dass die Geheime Feldpolizei aktiven Anteil an dem Massenmord an sowjetischen Juden in Babi Jar hatte. Daraufhin wurde er in der UdSSR als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt und 1955 als Nichtamnestierter der Bundesrepublik ausgeliefert.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Gessner: Geheime Feldpolizei. Zur Funktion und Organisation des geheimpolizeilichen Exekutivorgans der faschistischen Wehrmacht. Militärverlag der DDR, Berlin 1986.
  • Julius Mader: Hitlers Spionagegeneräle sagen aus. Ein Dokumentarbericht über Aufbau, Struktur und Operationen des OKW-Geheimdienstamtes Ausland/Abwehr mit einer Chronologie seiner Einsätze von 1933 bis 1944. Verlag der Nation, (Ost-)Berlin 1971.
  • Dermot Bradley: Die Generale des Heeres 1921-1945 Band 1 Abberger-Bitthorn. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2423-9, S. 309-311.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Höhne: Canaris. C. Bertelsmann, Gütersloh 1984. ISBN 3-570-01608-0. S. 357
  2. a b c d e Julius Mader: Hitlers Spionagegeneräle sagen aus. S. 208.
  3. a b Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1930, S. 159.