Franz Friedrich Sigismund von Preußen

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Prinz Sigismund (1866)
Sigismund mit seinen älteren Geschwistern, Porträt von Georg Koberwein (1865)

Sigismund von Preußen, vollständiger Name Franz Friedrich Sigismund von Preußen (* 15. September 1864 im Neuen Palais, Potsdam; † 18. Juni 1866 ebenda), war ein Mitglied des Hauses Hohenzollern.

Prinz Sigismund war das vierte Kind des späteren deutschen Kaisers Friedrich III. und seiner Ehefrau, der britischen Prinzessin (Princess Royal) Victoria von Großbritannien und Irland. Durch seine Mutter war er ein Enkel der Königin Victoria und deren Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigismunds Geburt am 15. September 1864 fiel in die Zeit des Deutsch-Dänischen Krieges und Kronprinzessin Victoria entwickelte bereits nach der Niederkunft ihres Sohn eine innige Beziehung zu diesem. Während die älteren Kinder Wilhelm, Charlotte und Heinrich auf Anweisung von Victorias Schwiegermutter Königin Augusta direkt nach der Geburt in die Obhut einer Amme gegeben und von dieser gestillt wurden, widersetzte sich Victoria nun der Autorität Augustas und stillte ihr viertes Kind selbst.[1]

Der junge Prinz wuchs mit seinen Geschwistern im Neuen Palais in Potsdam sowie im Kronprinzenpalais in Berlin auf. Kronprinzessin Victoria schrieb ihrem Sohn jene intellektuelle Fähigkeiten zu, die sie bei ihren drei älteren Kindern vermisste, und sah in ihm großes Potenzial für sein späteres Leben.[2] 1866 wurde seine Schwester Viktoria geboren. Die anderen Geschwister Waldemar, Sophie und Margarethe wurden erst in den darauffolgenden Jahren nach seinem Tod geboren.

Vor Anfang des Preußisch-Österreichischen Krieges verließ Kronprinz Friedrich am 4. Juni 1866 seine Familie und reiste an die Front. Sigismund erkrankte in den folgenden Tagen an einer Hirnhautentzündung und wurde von seiner Mutter gepflegt. Da aber die meisten Ärzte sich zu dem Zeitpunkt im Krieg befanden, übernahm ein unerfahrener Arzt die Behandlung.[3] Nach mehreren Krampfanfällen starb Sigismund leidvoll am 18. Juni 1866 im Alter von 21 Monaten. Königin Augusta reiste an die Front, um Kronprinz Friedrich über den Tod seines Sohnes zu informieren. König Wilhelm gestattete Friedrich, seinen Posten zu verlassen, um an Sigismunds Begräbnis teilzunehmen, doch dieser verweigerte dies, da er sich selbst nicht verzeihen könne, im Falle eines Angriffes abwesend zu sein. Victoria kommentierte dies mit den Worten: „In dir steht natürlich der Soldat an oberster Stelle.“[1]

Prinz Sigismund, posthumes Porträt von Georg Koberwein (1867)

Nach seinem Tod wurde Prinz Sigismund in der Sigismund-Kapelle in der Potsdamer Friedenskirche beigesetzt. Nach der Fertigstellung des Kaiser-Friedrich-Mausoleums wurde der Sarg dorthin überführt. Reinhold Begas wurde mit der Herstellung eines Marmorsarkophags beauftragt. Heute ruht Prinz Sigismund rechts in der Apsis des Mausoleums, auf der linken Seite befindet sich die Grabstelle seines 1879 an Diphtherie verstorbenen Bruders Waldemar.

Der österreichische Maler Georg Koberwein (1820–1876) schuf zwei Porträts von Prinz Sigismund. Das erste aus dem Jahr 1865 zeigt den kleinen Prinzen auf einem Stuhl sitzend im Kreise seiner Geschwister Wilhelm, Charlotte und Heinrich. Das zweite Porträt von 1867 entstand posthum ein Jahr nach seinem Tod und basiert auf einer Fotografie Sigismunds von November 1865.[4] Beide Porträts sind Teil der Royal Collection.

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz (Sachsen-Coburg-Saalfeld)
(Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld)
Auguste
 
Georg III.
(König von Großbritannien und Irland, Kurfürst von Hannover)
Sophie Charlotte
 
August (Sachsen-Gotha-Altenburg)
(Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg)
Luise Charlotte zu Mecklenburg
 
Franz (Sachsen-Coburg-Saalfeld)
(Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld)
Auguste
 
Friedrich Wilhelm II.
(König von Preußen)
Friederike Luise
 
Karl II.
(Herzog von Mecklenburg-Strelitz)
Friederike Caroline Luise
 
Carl August
(Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach)
Luise
 
Paul I.
(Kaiser von Russland)
Sophie Dorothee
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Victoire
(Herzogin von Kent)
 
Edward Augustus
(Herzog von Kent)
 
Luise
(Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld)
 
Ernst I.
(Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha)
 
Friedrich Wilhelm III.
(König von Preußen)
 
Luise
(Königin von Preußen)
 
Carl Friedrich
(Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach)
 
Maria Pawlowna
(Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Victoria
(Königin des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Irland)
 
Albert
(Britischer Prinzgemahl)
 
 
 
Friedrich Wilhelm IV.
(König von Preußen)
 
Charlotte
(Kaiserin von Russland)
 
Wilhelm I.
(Deutscher Kaiser)
 
Augusta
(Deutsche Kaiserin)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eduard VII.
(König des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Irland)
 
Victoria
(Deutsche Kaiserin)
 
Friedrich III.
(Deutscher Kaiser)
 
Luise
(Großherzogin von Baden)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wilhelm II.
(Deutscher Kaiser)
 
Charlotte
(Herzogin von Sachsen-Meiningen)
 
Heinrich
(Großadmiral der Kaiserlichen Marine)
 
Sigismund
(Prinz von Preußen)
 
Viktoria
(Prinzessin zu Schaumburg-Lippe)
 
Waldemar
 
Sophie
(Königin der Hellenen)
 
Margarethe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Susan: Prince Sigismund of Prussia. In: Unofficial Royalty. 13. März 2015, abgerufen am 5. Februar 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. liamfoley63: June 18, 1866: Death of Prince Sigismund of Prussia (1864–1866). In: European Royal History. 18. Juni 2020, abgerufen am 5. Februar 2021 (englisch).
  3. Sabine Bauer: Kaiserin Victoria – Die vergessene Deutsche Kaiserin. Fuck Verlag, Koblenz, ISBN 978-3-9815018-1-0
  4. George Koberwein (1820-76) - Prince Sigismund of Prussia (1864-6). Abgerufen am 5. Februar 2021 (englisch).