Franz Kirchner

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10. Tagung der DDR-Volkskammer am 30. November 1984, Franz Kirchner (links) im Gespräch mit Werner Karwath und Hermann Kalb

Franz Kirchner (* 20. April 1919 in Mährisch-Trübau; † 25. April 2003 in Brehme) war ein deutscher Staatswissenschaftler, Parteifunktionär der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDU), Abgeordneter der DDR-Volkskammer und Oberbürgermeister von Weimar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchner stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie im mährischen Teil der Tschechoslowakei. Mährisch-Trübau war überwiegend von deutschstämmigen Familien bewohnt. Sein Vater war Angestellter. Nach dem Besuch der Volksschule erlangte er 1939 auf dem Gymnasium die Hochschulreife. In dieser Zeit der Okkupation der CSR begann er 1939 an einer Prager Hochschule ein Studium der Ökonomie, das er aber nicht fortführen konnte wegen seiner Einberufung zur Wehrmacht.

Als die NS-Herrschaft beseitigt war, musste er sein Geburtsland verlassen und kam zuerst nach Mecklenburg. Hier trat er in die CDU ein. Mit diesem Mandat wurde er zum Leiter der Abteilung Preise im Landkreis Schönberg berufen und übte diese Funktion bis 1950 aus. Während dieser Zeit qualifizierte er sich bei einem Besuch der Fachschule für Finanzen von Königs Wusterhausen. Im Jahre 1950 nahm er ein Studium an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften von Potsdam auf und übte gleichzeitig die Funktion eines Referenten bei der Schweriner Landesfinanzdirektion aus. 1952 wurde er von seiner Partei nach Thüringen entsandt, wo er in Bad Salzungen die Funktion eines Stellvertreters des Vorsitzenden des dortigen Rates des Kreises zu übernehmen hatte. Bei den Kommunalwahlen wurde er mit dem Mandat seiner Partei als Abgeordneter in den Salzunger Kreistag gewählt. Gleichzeitig bekam er einen Sitz als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Volkskammer, die er mit einer Unterbrechung von vier Jahren bis 1986 innehatte. Er arbeitete dort in zwei Ausschüssen mit: dem Ausschuss für die Arbeit der örtlichen Volksvertretungen und dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten. In dieser Zeit hatte die CDU, beeindruckt von seiner Leistungsfähigkeit, ihn als Mitglied in den Hauptvorstand delegieren lassen. Seit 1970 übte er auch die Funktion eines Mitglieds des Präsidiums, des obersten Leitungskreises der DDR-CDU aus.

Inzwischen hatte Kirchner 1960 an der Berliner Hochschule für Ökonomie sein Staatsexamen als Diplomstaatswissenschaftler abgelegt. 1961 übernahm er die Funktion des CDU-Bezirksvorsitzenden für den Bezirk Erfurt, die er bis 1970 ausübte. Gleichzeitig gehörte er dem Bezirkstag von Erfurt an.

In seiner Stellung als Oberbürgermeister von Weimar von 1970 bis 1982 wurde Kirchner durch den internationalen Ruf der Stadt auch über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Als Repräsentant der Klassikerstadt empfing er zahlreiche Delegationen und Einzelpersonen, die zu Kongressen und wissenschaftlichen Seminaren die Stadt besuchten. Gegen Ende seiner Amtszeit fiel auch die Anbahnung einer grenzüberschreitenden Partnerbeziehung zur französischen Stadt Blois 1981, als der dortige Bürgermeister Pierre Sudreau und Franz Kirchner eine Freundschaftserklärung unterzeichneten, die zur Grundlage für die am 18. Februar 1995 erfolgte Aufnahme einer Städtepartnerschaft wurde.[1]

Am 21. Oktober 1982 trat Kirchner in den Ruhestand.[2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Albrecht Klebe: Historisch-statistische Nachrichten von der berühmten Residenzstadt Weimar. NT: Residenzstadt Weimar, Fotomechan. Neudr. d. Orig.-Ausg. Elberfeld 1800/ mit e. Geleitw. von Franz Kirchner. Einl. von Hans Henning, Leipzig: Zentralantiquariat der DDR, 1975

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rathauskurier weimar 3/2005 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) Abgerufen 27. Juli 2011
  2. Weimars Oberbürgermeister seit 1793 (Memento vom 21. Juli 2010 im Internet Archive) Abgerufen 27. Juli 2011
  3. Neue Zeit, 2. Oktober 1969, S. 2
  4. Neues Deutschland, 28. April 1984, S. 2