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Franz Müntefering

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Franz Müntefering (2018)

Franz Müntefering (* 16. Januar 1940 in Neheim, heute Arnsberg) ist ein deutscher Politiker (SPD).

In den Jahren 1975 bis 1992 und 1998 bis 2013 war Müntefering Abgeordneter des Deutschen Bundestages (MdB). Von 1998 bis 1999 war er Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen im ersten Kabinett Schröder. Von 2005 bis 2007 war er Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales im ersten Kabinett Merkel.

Müntefering war von 2002 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und von März 2004 bis November 2005 sowie von Oktober 2008 bis November 2009 Bundesvorsitzender der SPD. Von 2015 bis 2021 war er Vorsitzender der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müntefering wurde als einziges Kind des Landwirts und Fabrikarbeiters Franz Müntefering und dessen Frau Anna, geb. Schlinkmann im sauerländischen Neheim bei Arnsberg geboren und wuchs im nahegelegenen Sundern auf.[1][2] Erst im Alter von sechseinhalb Jahren lernte er seinen Vater kennen, als dieser aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Die Eltern starben beide 1985.

Nach dem Besuch der Volksschule in Sundern absolvierte Müntefering von 1954 bis 1957 eine Ausbildung zum Industriekaufmann, anschließend war er bis 1975 in der metallverarbeitenden Industrie tätig und wurde 1967 Mitglied der Gewerkschaft IG Metall. 1961/1962 leistete er seinen Grundwehrdienst bei der Panzergrenadiertruppe in Höxter und Osterode am Harz ab.

Parteilaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1966 ist er Mitglied der SPD, deren Vorstand er ab 1991 angehörte. Von 1992 bis 1998 war er auch Vorsitzender des SPD-Bezirks Westliches Westfalen. Von 1995 bis 1998 und kommissarisch von September bis Dezember 1999 war er Bundesgeschäftsführer der SPD. Von 1998 bis 2001 hatte er das Amt des SPD-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen inne und vom 7. Dezember 1999 bis zum 20. Oktober 2002 das des SPD-Generalsekretärs. Auf einem SPD-Sonderparteitag am 21. März 2004 wurde er als Bundesvorsitzender der SPD Nachfolger von Gerhard Schröder. Er erhielt 95,1 % der Stimmen, das bis dahin beste Ergebnis für einen SPD-Vorsitzenden seit 1991.

Vizekanzler Müntefering beim „Politischen Aschermittwoch“ am 1. März 2006 in Neckarsulm
SPD-Chef Müntefering am 14. September 2009 in Augsburg

Im Oktober 2005 schlug Müntefering den bisherigen SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel als künftigen Generalsekretär vor. Als sich jedoch am 31. Oktober 2005 innerhalb des Parteivorstandes in einer Kampfabstimmung die zum linken Flügel zählende Andrea Nahles durchsetzte, kündigte Müntefering an, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe am 15. November 2005 wurde Matthias Platzeck mit 99,4 % der gültigen Delegiertenstimmen zu seinem Nachfolger gewählt.

Im August 2008, einen Monat nach dem Tod seiner Frau, die er bis zuletzt gepflegt hatte, kehrte Müntefering in die Spitzenpolitik zurück, um die SPD im Vorfeld der anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen zu unterstützen. Nach dem Rücktritt von Kurt Beck am 7. September 2008 wurde er auf einem Sonderparteitag in Berlin am 18. Oktober 2008 mit 84,86 Prozent als dessen Nachfolger gewählt.[3]

Nachdem die SPD bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 nur 23 Prozent der Stimmen erreicht hatte, kündigte Müntefering an, auf dem SPD-Parteitag vom 13. bis 15. November 2009 in Dresden nicht mehr zu kandidieren. Er wurde als Vorsitzender am 13. November 2009 von Sigmar Gabriel abgelöst.

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1969 bis 1979 gehörte Müntefering dem Stadtrat von Sundern an. 1975 zog er als Nachrücker erstmals in den Bundestag ein und gehörte ihm bis 1992 an. Er war dort von 1990 bis 1992 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Nach seiner Berufung zum Minister in Nordrhein-Westfalen schied er aus dem Parlament aus.

Von 1996 bis 1998 war er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen.[4]

Dem Deutschen Bundestag gehörte Müntefering anschließend erneut von 1998 bis 2013 an, als er nicht mehr zur Wahl antrat.[5] Von September 2002 bis November 2005 war er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 18. Dezember 1992 bis zum 27. November 1995 gehörte er als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen dem Kabinett von Ministerpräsident Johannes Rau an.

Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er am 27. Oktober 1998 als Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte Bundesregierung berufen. Nach dem Rücktritt von Ottmar Schreiner am 5. September 1999 vom Amt des Bundesgeschäftsführers der SPD legte Müntefering sein Ministeramt am 17. September 1999 nieder und wurde kommissarischer Bundesgeschäftsführer.

Am 22. November 2005 wurde er zum Stellvertreter der Bundeskanzlerin und zum Bundesminister für Arbeit und Soziales in der von Angela Merkel geführten Bundesregierung ernannt. Müntefering kündigte am 13. November 2007 aus familiären Gründen seinen Rücktritt von seinen Ämtern als Minister und Vizekanzler an, dieser wurde am 21. November 2007 vollzogen.

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Müntefering war von 2013 bis 2021 ehrenamtlich Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland.[6] Zudem war er von 2013 bis 2021 neben Lothar de Maizière Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft e. V. Am 25. November 2015 wählte ihn außerdem die Mitgliederversammlung der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen zum Vorsitzenden.[7] Nach zwei Amtsperioden trat er 2021 nicht wieder zur Wahl des Vorsitzenden an.[8] Seit März 2014 ist Franz Müntefering Beiratsvorsitzender des Berliner Demografie Forums.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müntefering ist zum dritten Mal verheiratet. Aus seiner geschiedenen ersten Ehe mit seiner Frau Renate stammen seine beiden Töchter, darunter die Schriftstellerin Mirjam Müntefering. 1995 heiratete er Ankepetra Rettich (1946–2008). Ihr Krebsleiden, dem sie am 31. Juli 2008 in Bonn erlag, war der Grund für Münteferings Rücktritt als Bundesminister und Vizekanzler im Herbst 2007.[9] Er wollte eigentlich bei der Bundestagswahl 2009 nicht mehr antreten, ließ sich aber im September 2008 von Frank-Walter Steinmeier (damals designierter SPD-Kanzlerkandidat) umstimmen.[10]

Am 12. Dezember 2009 heiratete er die 40 Jahre jüngere Journalistin Michelle Schumann,[11] die seine ehemalige Büromitarbeiterin war. Schumann ist seit 2013 ebenfalls Mitglied des Bundestages und war von März 2018 bis Dezember 2021 Staatsministerin im Auswärtigen Amt.[12]

Franz Müntefering ist römisch-katholisch.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Müntefering spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl 2009 in Hannover
Franz Müntefering (2012)

Liberalisierung der Finanzmärkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2005 kritisierte Müntefering das Investitionsverhalten von Investmentgesellschaften und Hedge-Fonds, derartige Kritik war bis dahin nur von Globalisierungskritikern geäußert worden. Er verglich sie mit Heuschrecken und löste damit die Heuschreckendebatte in Politik und Medien aus.

Steueroasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Februar 2009 äußerte sich Müntefering beim Politischen Aschermittwoch der baden-württembergischen SPD in Ludwigsburg in Bezug auf Länder mit niedrigerem Steuersatz als in Deutschland: „Früher hätte man dort Soldaten hingeschickt. Aber das geht heute nicht mehr.“ Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker zeigte sich daraufhin empört,[13] und im Schweizer Parlament fand seine Aussage ebenfalls ein negatives Echo.[14]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kabinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Kohlmann: Franz Müntefering – Eine politische Biographie. Ibidem, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8382-0236-5.

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klare Kante Münte!, WDR Fernsehen (Ein Film von Regina Niedenzu)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Franz Müntefering – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Who's Who in Germany, Ausg. 1992, Bd. 2, S. 1594.
  2. Gregor Gysi & Franz Müntefering. Abgerufen am 2. Juli 2021 (deutsch).
  3. SPD-Sonderparteitag: Müntefering Vorsitzender, Steinmeier Kanzlerkandidat (faz.net, 18. Oktober 2008, abgerufen 5. April 2013)
  4. Franz Müntefering beim Landtag Nordrhein-Westfalen
  5. Müntefering will nicht mehr antreten; mittelhessen.de vom 22. September 2012
  6. Verabschiedung von Franz Müntefering als ASB-Präsident. Arbeiter-Samariter-Bund, 25. Oktober 2021, archiviert vom Original am 7. Mai 2013; abgerufen am 28. Januar 2022.
  7. Franz Müntefering neuer Vorsitzender der BAGSO. Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, 25. November 2015, archiviert vom Original am 7. November 2017; abgerufen am 3. November 2017.
  8. Franz Müntefering nach sechs Jahren verabschiedet,BAGSO-Pressemitteilung. Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, 7. Dezember 2021, abgerufen am 28. Januar 2022.
  9. Gestorben: Ankepetra Müntefering. In: Der Spiegel. Nr. 32, 2008, S. 150 (online).
  10. Interview. FAZ.net Juli 2013
  11. Anne Heidrich: Ja-Wort: Schnörkellose Hochzeit von Münte und Michelle. Welt Online, 12. Dezember 2009; abgerufen am 10. Februar 2010.
  12. Auswärtiges Amt, Staatsministerin Michelle Müntefering, abgerufen am 14. Juni 2018
  13. n-tv.de: Große Aufregung in Europa
  14. Parlamentarische Vorstösse zum Finanzplatz Schweiz. Nationalrat, 18. März 2009, abgerufen am 10. August 2009.
  15. Bundesminister Franz Müntefering erhält höchste Auszeichnung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) (Memento vom 16. September 2011 im Internet Archive), Presseportal, 23. November 2006
  16. awo-informationsservice.org