Franz Oppenhoff

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Die Ermordung Franz Oppenhoffs wurde der Aachener Bevölkerung mit diesem Aushang der Stadtverwaltung mitgeteilt.

Franz Oppenhoff (* 18. August 1902 in Aachen; † 25. März 1945 ebenda) war ein deutscher Jurist und 1944/45 Oberbürgermeister von Aachen. Joseph Oppenhoff war sein Onkel.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Oppenhoff war der Sohn des Schulrates Franz Oppenhoff (1860–1920) und Enkel des Landgerichtspräsidenten Theodor Oppenhoff. Franz Oppenhoff machte nach dem Abitur 1921 zunächst eine kaufmännische Lehre und arbeitete bis zum Jahr 1924 als Angestellter in der Exportabteilung einer Firma, da zum Studium zunächst kein Geld vorhanden war. An der Universität zu Köln studierte er anschließend Jura und wurde dort aktives Mitglied des Katholischen Studentenvereins Rheinpfalz im KV. 1933 gründete er in Aachen eine Anwaltskanzlei. Oppenhoff war ein überzeugter Katholik.

Oppenhoff habe stets den Beitritt zur NSDAP verweigert und in seiner Personalakte wurde seine „nationalsozialistische Zuverlässigkeit infrage gestellt“, so der Rechtshistoriker Hans-Werner Fröhlich.[1] Oppenhoff engagierte sich als Verteidiger von Priestern und Ordensangehörigen, verteidigte auch Juden und kämpfte besonders gegen die Enteignung der Druckerei Wilhelm Metz, deren Inhaber Jude war und in dessen Druckerei die Kirchenzeitung für das Bistum Aachen gedruckt wurde. Aufgrund seines unerschrockenen Verhaltens wurde Oppenhoff mehrfach von den Nazis verwarnt und seine Kanzlei durchsucht, bis diese dann zwangsweise geschlossen wurde.

Ab April 1942 war Oppenhoff für das Aachener Rüstungsunternehmen Veltrup als Syndikus und stellvertretender Geschäftsführer tätig und entging durch diese Dienstverpflichtung einer Einberufung zur Wehrmacht.

Im September 1944 standen amerikanische Truppen kurz vor Aachen. Oppenhoff ging über die Grenze nach Belgien und nahm Kontakt zu den Amerikanern auf. Aachen wurde von den Nazis evakuiert, jedoch konnten sich etwa 11.000 Einwohner in der Stadt verstecken. Im Oktober bekam Oppenhoff, offenbar durch Vermittlung des katholischen Bischofs von Aachen, Johannes Joseph van der Velden, Kontakt zu dem amerikanischen Major, der die Militärregierung in Aachen übernehmen sollte. Nachdem Aachen von den Amerikanern eingenommen worden war, setzte die Militärregierung Oppenhoff, der als politisch unbelasteter Jurist galt, am 31. Oktober 1944 als Oberbürgermeister ein. Als Bedingung dafür hatte Oppenhoff sich vorher die Zusicherung geben lassen, dass er nichts tun müsse, was seinen Mitbürgern, dem deutschen Volk und den Soldaten schaden würde. In einem Aufruf forderte er die Bewohner auf, an einem „neuen, wahrhaftigen und gerechten Vaterland für alle“ mitzubauen.

Politische Ausrichtung Oppenhoffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 1944 kam der amerikanische Geheimdienstoffizier Saul K. Padover nach Aachen. Er führte Interviews mit Oppenhoff, van der Velden und vielen anderen Aachenern, die er 1946 veröffentlichte.[2] Im Januar 1945 legte Padover zusammen mit zwei Mitarbeitern einen ausführlichen Bericht über die von Oppenhoff organisierte Zivilverwaltung Aachens vor.[3] Daraus geht hervor, dass Oppenhoff eine streng konservative, undemokratische politische Haltung hatte und nur Anhänger seiner Ideen in führende Stellen eingesetzt hatte; darunter waren der Textilhändler Kurt Pfeiffer, der Kunsthistoriker Peter Mennicken und der Textilindustrielle Josef Hirtz. Oppenhoff verfolgte, so Padovers Bericht, einen Plan zur Errichtung einer autoritären, hierarchisch geprägten Nachkriegsordnung nach dem Vorbild der Mussolini- und der Franco-Diktatur.[4] Laut Padover weigerte er sich, Sozialdemokraten, Kommunisten oder Gewerkschafter in die Zivilverwaltung einzubeziehen.

Oppenhoffs Ermordung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oppenhoff war sich darüber klar, dass die Nazis ihm nach dem Leben trachteten. In einem Interview sagte er: „Sie haben geschworen, mich umzubringen, und ich fürchte, dass sie es auch tun werden. Es wird mir ergehen wie Rathenau und anderen. Vielleicht ist der Fallschirmspringer schon für mich bestimmt.“

Am 25. März 1945 (Palmsonntag) wurde Oppenhoff vor seinem Haus ermordet. Man nahm zunächst an, die Tat sei von einem Kommando des nationalsozialistischen Werwolf verübt worden. Das Kommando, zu dem auch ein 16-jähriger HJ-Angehöriger und die 23-jährige BDM-Hauptgruppenführerin Ilse Hirsch gehörten, habe versucht, nach dem durchgeführten Auftrag über den Rhein zu fliehen. Der mutmaßliche Mörder Oppenhoffs, der Österreicher Sepp Leitgeb, starb dabei in der Eifel durch eine Mine, Ilse Hirsch wurde schwer verletzt. Alle anderen Mitglieder wurden – bis auf den Anführer – durch den britischen Geheimdienst aufgespürt und 1949 vor das Landgericht Aachen gestellt. Es wurden sehr milde Haftstrafen von einem und vier Jahren verhängt, Ilse Hirsch wurde freigesprochen, der Hitlerjunge war gar nicht angeklagt worden. In zwei Nachfolgeverfahren wurden die Haftstrafen abgemildert und schließlich nach dem Straffreiheitsgesetz von 1954 „wegen Befehlsnotstands“ ganz erlassen. Nach heutiger Kenntnis verübten Männer der SS und der Luftwaffe den Mord auf Befehl Heinrich Himmlers; sie waren mit einem erbeuteten US-Flieger hinter die Linien gelangt und mit Fallschirmen abgesprungen.[5][6][7]
Der Aachener Rechtsanwalt Hans-Werner Fröhlich fand 2013 heraus, dass der Vorsitzende Richter der Aachener Kammer seit 1937 Mitglied der NSDAP und Angehöriger eines von den Nationalsozialisten eingerichteten Sondergerichts war; auch ein Beisitzer war Mitglied der NSDAP. In der Nachkriegszeit gelang es vielen erheblich vorbelasteten Juristen, ihre Berufslaufbahn im Rechtswesen (z.B. Gerichte, Staatsanwaltschaften) oder in der Verwaltung fortzusetzen.[8][1]

Oppenhoff wurde in der Familiengruft auf dem Aachener Ostfriedhof bestattet. Der spätere Oberstadtdirektor von Aachen, Anton Kurze, setzte sich maßgeblich dafür ein, dass Oppenhoffs Witwe eine derartige Witwenrente angerechnet wurde, als habe er seine Laufbahn ordnungsgemäß vollendet.

Siehe auch: Endphaseverbrechen

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Oppenhoff-Denkmal in der Oppenhoffallee Aachen
  • Nach Franz Oppenhoff wurde in Aachen die Oppenhoffallee benannt. Zu Beginn der Allee in Höhe der Schlossstraße wurde ihm seitens der Stadt Aachen ein Denkmal errichtet.[9]
  • Hannes Heer drehte 1985 einen Dokumentarfilm über Oppenhoffs Ermordung.
  • Die katholische Kirche hat Franz Oppenhoff als Blutzeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Jauch: Franz Oppenhoff. In: Biographisches Lexikon des KV. Band 2, Akadpress, Essen 1993, ISBN 3-923621-98-1, S. 101 ff.
  • Bernhard Poll: Franz Oppenhoff. In: Edmund Strutz (Hrsg.) Rheinische Lebensbilder. Band 1, Köln 1983, ISBN 3-7927-0717-9.
  • Wolfgang Trees, Charles Whiting: Unternehmen Karneval. Der Werwolf-Mord an Aachens Oberbürgermeister Oppenhoff. Triangel, Aachen 1982, ISBN 3-922974-02-3.
  • Volker Koop: Himmlers letztes Aufgebot. Die NS-Organisation »Werwolf«. Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-20191-3.
  • Helmut Moll (Hrsg.) im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. 6. erweiterte und neu strukturierte Auflage. Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, S. 63–65.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mordfall Oppenhoff. Werwölfe auf den Trümmern des Nazireiches. Dokumentarfilm von Hannes Heer, WDR 1985

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franz Oppenhoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans-Peter Leisten: Neues zum Mord an Oppenhoff, In: Aachener Zeitung. 29. März 2013.
  2. Saul K. Padover: Experiment in Germany. The Story of an American Intelligence Officer. New York 1946. Deutsch unter dem Titel: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. Aus dem Amerikanischen v. M. Fienborck. Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8218-4174-5.
  3. S. K. Padover, L. F. Gittler, P. R. Sweet: The Political Situation in Aachen. In: D. Lerner (Hrsg.): Propaganda in War and Crisis. New York 1951, S. 434–456. Eine dt. Übersetzung v. M. Propers erschien 1985 in der Broschüre 40 Jahre CDU: Wie es begann. Der Padover-Bericht: Aachen 1944/45. hg. v. Seniorat Geschichte in der Fachschaft 6/1 der RWTH Aachen und der VVN-BdA, Aachen.
  4. Saul K. Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. S. 196f.
  5. Henning Krumrey: Wühlmaus im Archiv. In: Focus 40/2008. S. 31; [1]
  6. Peter Longerich: Himmler. S. 736 mit Anm 99.
  7. Das Urteil: Verfahren Lfd.Nr.173, Tatkomplex: Verbrechen der Endphase, Angeklagte: Hi(rsch), Ilse (Freispruch); S., Johannes (Freispruch). Gerichtsentscheidungen: Landgericht Aachen #491022. Tatort: Aachen. Tatzeit: 450325 (das ist 25. März 1945). Opfer: Zivilisten. Nationalität: Deutsche. Dienststelle: Polizei HSSPF West in Düsseldorf, Werwolf Aachen. Verfahrensgegenstand: Erschießung des von den Amerikanern ernannten Oberbürgermeisters von Aachen durch ein 'Werwolf-Kommando' auf Befehl Himmlers. Veröffentlicht in Justiz und NS-Verbrechen, Band 5 Angaben online
  8. Quintessenz Franz Oppenhoff. auf: ZeitZeichen 25. März 2015.
  9. Beschreibung Oppenhoff-Denkmal auf „Wege gegen das Vergessen“