Franz Schuster (Politiker)

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Franz Schuster (* 15. Juli 1943 in Durlangen) ist ein deutscher Politiker (CDU); er war Mitglied im Kabinett Vogel.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Schuster wurde am 15. Juli 1943 in Durlangen / Kreis Schwäbisch Gmünd als Sohn eines Landwirts geboren. Gemeinsam mit seinen Eltern und vier Geschwistern erlebte er dort seine Kindheit und Jugendzeit. Nach dem Besuch der Volksschule von 1949 bis 1957 besuchte er von 1957 bis 1960 die Höhere Handelsschule und anschließend die Wirtschaftsoberschule in Schwäbisch Gmünd. Nach dem Abitur im Jahre 1963 bis 1968 studierte er an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Wirtschaftswissenschaften und engagierte sich im ASTA und im RCDS. Seit 1972 ist er mit der Diplom-Politologin Antoinette Pudenz verheiratet und hat 3 Kinder. 1995 wurde er Mitglied der KDB Sigfridia zu Bonn im RKDB und engagierte sich besonders bei der Organisation und Durchführung der Wartburggespräche. [1]

Berufstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abschluss seines Studiums als Diplom-Volkswirt (1968) war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der dortigen Universität und anschließend in der Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Zu seinen Arbeits- und Beratungsschwerpunkten zählten hier u. a. die Finanzreform, die Reform der staatlichen und kommunalen Verwaltung und die Reform des Bodenrechts. 1971 übernahm er die Leitung des neu gegründeten Instituts für Kommunalwissenschaften der KAS, das er aufgebaut und zu einem anerkannten Beratungsinstitut mit einem kooperativen Arbeitsstil ausgebaut hat. Vertreter von Politik, Verwaltung und Wissenschaft haben hier gemeinsam politische Handlungsprogramme entwickelt und in zahlreichen Konferenzen, Expertengesprächen und Publikationen vorgestellt. Zu den Themenschwerpunkten zählten u. a. die Reform der Kommunalverfassung, die Dezentralisierung des politischen Handelns, die Einführung neuer Medien, die Integration ausländischer Arbeitnehmer, der Wohnungs- und Städtebau, die Wohnungsbauförderung und die Entwicklung ländlicher Räume. In diesem Rahmen sind auch die vorläufigen Kommunalverfassungen der DDR und der Republik Polen entwickelt worden. Nach der Wiedervereinigung wurde Franz Schuster zum kommissarischen Abteilungsleiter des Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit des Freistaates Sachsen ernannt und mit der Privatisierung und Sanierung der Wirtschaft beauftragt.

Regierungsämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minister in der Staatskanzlei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1992 berief ihn der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel zum Minister in der Staatskanzlei[2] des Freistaates Thüringen und übertrug ihm zentrale Koordinierungsaufgaben beim Aufbau des Freistaates: die Privatisierung und Sanierung von Unternehmen und die Zusammenarbeit mit der Treuhandanstalt.

Thüringer Innenminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1992 wurde er Thüringer Innenminister[3] und mit dem Aufbau der Landesverwaltung und der kommunalen Verfassungs- und Gebietsreform, der Reform des Stadt-Umlandes, der Landesgesellschaften, dem Wohnungs- und Städtebau, der Thüringer Polizei, dem Brand- und Katastrophenschutz und dem Katasterwesen beauftragt. Er folgte auf den zuvor zurückgetretenen Willibald Böck, im Jahr 1994 übergab er das Amt an Richard Dewes.

Auf all diesen Gebieten musste eine umfangreiche Gesetzgebungsarbeit stattfinden, Förderprogramme mussten entwickelt und abgewickelt werden, aktuelle Probleme gelöst und Demonstrationen und Protestaktionen bestanden werden. Das Landesverwaltungsamt wurde innerhalb eines Jahres neu gegliedert, die Landesentwicklungsgesellschaft wurde neu gegründet und damit beauftragt, 42.000 ha militärische Liegenschaften im Rahmen von Konversionsprogrammen in Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsstandorte. Auch der Aufbau der Thüringer Polizei, der Feuerwehr und des Katasterwesen gehörte zu Schusters Aufgabenbereich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag hat sich mit den Pannen bei den Ermittlungen zur Mordserie des »Nationalsozialistischen Untergrundes« (NSU) beschäftigt. Der Ausschuss befragte dazu frühere Minister und leitende Beamte. Der MDR Thüringen berichtete, dass Exinnenminister Franz Schuster (CDU) jede Kritik der Parlamentarier von sich wies und versicherte, dass während seiner Amtszeit von 1992 bis 1994  »keinesfalls rechte Strukturen unterschätzt und dadurch begünstigt« wurden.[4][5][6]

Minister für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1994 übernahm Schuster schließlich das Wirtschaftsministerium, das später um die Arbeitsmarktpolitik ergänzt wurde. Damit gehörten alle drei Kernaufgaben des Aufbaus Ost zu dem Aufgabenkatalog des Ministeriums:

  • Die Privatisierung, Sanierung, Neugründung und Ansiedlung von Unternehmen,
  • Die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen,
  • Der Aufbau einer zukunftsgerechten Infrastruktur: Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, Aufbau der Industrie- und Gewerbestandorte, der Ausbildung- und Weiterbildungsstruktur

2003 folgte ihm Jürgen Reinholz als Minister für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur im Amte nach.

Landtagsabgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Schuster war von 1994 bis 2004 Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Gotha I und kümmerte sich um die Belange der Städte und Gemeinden, der Unternehmen und der Bürgerschaft. Dieses Mandat löste eine intensive Diskussion über den Hauptwohnsitz von Schuster und seine Wählbarkeit aus[7][8] die dann vom Landesverfassungsgericht bestätigt wurde.

Wirtschaftsberater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ausscheiden aus der Regierung und dem Landtag des Freistaates Thüringen hat Franz Schuster ein Consultingunternehmen gegründet und als Wirtschaftsberater in den Transformationsländern Ukraine und Kroatien und für deutsche Unternehmen gearbeitet.

Lehrauftrag an der Universität Erfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 hatte Schuster einen Lehrauftrag zum Thema Globalisierung des Güter- und Dienstleistungssektors an der Universität Erfurt inne.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thüringens Weg in die Soziale Marktwirtschaft : Privatisierung, Sanierung, Aufbau - eine Bilanz nach 25 Jahren, mit einem Vorwort von Bernhard Vogel, Köln ; Weimar ; Wien : Böhlau 2015, ISBN 978-3-412-22499-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanno Dockter, Markus Dockter (Hrsg.): Ring-Angehörigen-Verzeichnis des RKDB und des RKAB. Bonn 2008.
  2. DER SPIEGEL 29/1992 Abgerufen am 25. Mai 2012.
  3. thueringer-allgemeine.de Abgerufen am 25. Mai 2012.
  4. jungewelt.de: Untersuchungsausschuß zum »NSU«-Terror im Thüringer Landtag: Frühere Sicherheitsbeamte beschuldigen sich gegenseitig. Exinnenminister sieht kein Behördenversagen Abgerufen am 25. Mai 2012.
  5. otz.de:Ex-LKA-Chef warnte mehrfach vor Brauner Armee Fraktion Abgerufen am 25. Mai 2012.
  6. thueringer-allgemeine.de: NSU-Terror: Früherer Innenminister sieht kein Behördenversagen Abgerufen am 25. Mai 2012.
  7. DER SPIEGEL 1/1995 Abgerufen am 25. Mai 2012.
  8. DER SPIEGEL 11/1995 Abgerufen am 25. Mai 2012.