Franz Stadelmayer
Franz Stadelmayer (* 12. Januar 1891 in Scheinfeld (Mittelfranken); † 19. Mai 1971 in München) war ein deutscher Jurist und Oberbürgermeister von Würzburg sowie Intendant des Bayrischen Rundfunks.
Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abitur in Bamberg studierte Stadelmayer Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten München, Berlin und Königsberg und wurde Mitglied der Studentenverbindung AGV München.[1]
Während des Ersten Weltkrieges war er von 1916 bis 1918 juristischer Mtarbeiter in der deutschen Zivilverwaltung in Belgien und promovierte zum Dr. jur. 1917. Nach dem Krieg legte er im Frühjahr 1919 die Prüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst ab und trat als Rechtsrat in den Verwaltungsdienst der Stadt Würzburg ein.
Verwaltungsjurist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stadelmayer war ab 1919 zunächst Referent, Stadtkämmerer und berufsmäßiger Stadtrat (Bayerische Volkspartei). In der Zwischenkriegszeit war in verschiedenen Bereichen der kommunalen Verwaltung tätig. Bis zur Gleichschaltung der Polizei, der Übertragung der bislang kommunalen Kontrolle an den zentralen NS-Staates, oblag ihm das Polizeireferat sowie das Verkehrswesen.[2] Nachdem im April 1933 in Würzburg der NSDAP-Kreisleiter Theo Memmel Oberbürgermeister geworden war, wurde Franz Stadelmayer mit den Stimmen der Bayerischen Volkspartei und denen der NSDAP zum zweiten rechtskundigen Bürgermeister gewählt.[3]
Ein Jahr später musste er auf Druck der Nationalsozialisten aus diesem Amt ausscheiden. Nach einem erzwungenen sechsmonatigen Erholungsurlaub wurde er zum 1. Oktober 1934 in den Ruhestand versetzt, und seine Nachfolge trat bereits am 27. September der Nationalsozialist Oskar Dengel an.[4] In der darauffolgenden Zeit war Stadlmayer als Autor in Fachzeitschriften tätig und zog 1936 erneut nach München und arbeitete hier im Verlagswesen. Am 26. September 1941 beantragte Stadlmayer die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober 1941 aufgenommen ( Mitgliedsnummer 8.802.026).[5][6] Bis zum April 1945 führte Stadelmayer dann in München eine Anwaltspraxis und trat als Vorstandsmitglied in die Süddeutsche Treuhand AG ein.[7]
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Stadelmayer von der amerikanischen Militärregierung zum 1. Mai 1945 als Leiter der Münchner Stadtverwaltung bestellt, und er übernahm das Amt des zweiten Bürgermeisters unter dem Münchner Oberbürgermeister Karl Scharnagl bis zum 1. Dezember 1945. Scharnagel übertrug ihm die Betreuung der gesamten von der Stadtverwaltung zu leistenden kulturellen Arbeit. 1946 wurde Stadelmayer bei den Münchner Gerichten als Rechtsanwalt zugelassen und eröffnete dort eine Anwaltskanzlei.
Oberbürgermeister
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1949 kehrte Stadelmayer nach Würzburg zurück und wurde nach der Amtsenthebung von Karl Grünewald durch die amerikanische Militäregierung vom Würzburger Stadtrat am 16. Mai 1949 zum ersten freigewählten Oberbürgermeister gewählt.[8]
In zwei Amtszeiten von 1949 bis 1952 und erneut von 1952 bis 1956 war er nunmehr parteiloser Oberbürgermeister von Würzburg, förderte die Verkehrsanbindung der Stadt und deren Wohnungsbau. Auch hatte er sich für die Wiederaufnahme des Würzburger Mozartfestes 1951 eingesetzt.[9] 1955 war er Gastgeber von Bundespräsident Theodor Heuss, der häufig Würzburg besuchte, und besichtigte mit ihm unter anderem die 1954 gebaute Kirche St. Alfons.[10] Bereits 1949 wurde Stadlmayer in den Verwaltungsrat des Bayerischer Rundfunk gewählt.
Intendant
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Ende seiner zweiten Amtszeit als Oberbürgermeister wurde das Verwaltungsratsmitglied Stadlmayer am 4. Juni 1956 mit 21 von 31 Stimmen zum neuen Intendanten des Bayerischen Rundfunks für eine vierjährige Amtszeit gewählt.[11] Der weiterhin parteilose Stadelmayer setze sich als Intendant des BR für die Unabhängigkeit des Rundfunks ein.
In seine Amtszeit fielen die Auseinandersetzungen über die Gestaltung und Inhalte eines Bundesrundfunkgesetzes,[12][13] die Neufassung des bayerischen Rundfunkgesetzes[14] sowie der Ausbau des zweiten Hörfunkprogramms zum selbstständigen Vollprogramm, heute Bayern 2. 1958 wurde nach dreijähriger Planung mit der Errichtung des großen Studiobaus[15] an der Hopfenstraße/Arnulfstraße begonnen, der 1963 in Betrieb genommen wurde[16] und Sitz der Hörfunkprogramme und Archive bis in die Gegenwart war, die nunmehr am Standort Freimann zusammengezogen werden.[17] Der Studiobau steht nun unter Denkmahlschutz.[18]
1958 übernahm Stadelmayer das Amt des ARD-Vorsitzenden. In diesem Jahr wurde der Finanzausgleich zwischen den Rundfunkanstalten geregelt sowie das Amt des Fernsehkoordinators des Ersten Programms der ARD geschaffen, heute ARD Programmdirektion. Nach anfänglicher Kandidatur für eine zweite Amtszeit gab Stadelmayer diese auf, da er die Wahl "in ein parteipolitisches Fahrwasser" geraten sah.[19]
Franz Stadelmayer trat 1960 in den Ruhestand und starb im Mai 1971 in München im Alter von 80 Jahren. Er ist begraben auf dem Münchner Nordfriedhof.[20]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1956: Goldene Stadtplakette der Stadt Würzburg[21]
- 1956: Ehrensenator der Universität Würzburg[22]
- 1961: Ehrenbürger der Stadt Würzburg
- 1961: Großkreuz des Bundesverdienstordens[23]
- 1971: Franz-Stadelmayer-Straße in Würzburg[24]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Franz Stadelmayer in: Internationales Biographisches Archiv 23/1971 vom 31. Mai 1971, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Ulrich Wagner: Würzburger Landesherren, bayerische Ministerpräsidenten, Vorsitzende des Landrates/Bezirkstagspräsidenten, Regierungspräsidenten, Bischöfe, Oberbürgermeister/Bürgermeister 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1221–1224; hier: S. 1224.
- Peter Weidisch: Würzburg im »Dritten Reich«. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 196–289 und 1271–1290; hier: S. 205 und 225–227.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- BR Unternehmensgeschichte. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- Richtfest für den BR-Studiobau 1959. Abgerufen am 11. Dezember 2025. Mit Filmaufnahmen der Ansprache des Intendanten am 3. Dezember 1959.
- Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Würzburg. Abgerufen am 9. Dezember 2025. Filmaufnahme.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Verband Alter SVer (VASV): Anschriftenbuch. Mitgliederverzeichnis sämtlicher Alten Herren. Stand vom 1. Oktober 1937. Hannover 1937, S. 184.
- ↑ Munziger: Franz Stadelmayer. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Unternehmensgeschichte des BR. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Peter Weidisch: Würzburg im »Dritten Reich«. 2007, S. 205 und 225–227.
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/42270768
- ↑ ARD, Nazis und der Fall Hans Abich: „Eine germanische Machtentfaltung“ - WELT. 12. Juni 2023, abgerufen am 13. Juni 2023.
- ↑ Munziger: Franz Stadelmayer. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1241.
- ↑ Würzburgwiki. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Rolf-Ulrich Kunze: Würzburg 1945–2004. Wiederaufbau, moderne Großstadt. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 318–346 und 1292–1295; hier: S. 331 und 336 f.
- ↑ Der aufrechte Jurist. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Quellen hierzu in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- ↑ sowie Quellen des Bayrischen Hauptstaatsarchivs im Archivportal-D
- ↑ Bayerisches Rundfunkgesetz in der Unternehmensgeschichte des BR (Wer wir sind). Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Richtfest für den BR-Studiobau 1959. Abgerufen am 11. Dezember 2025. (ARD Mediathek)
- ↑ Einweihung BR-Studiobau 1963. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Auszug aus dem BR-Studiobau auf der Zielgeraden. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ BR-Studiobau unter Denkmalschutz. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Unternehmenseschichte des BR. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Münchner Friedhofsportal: Dr. jur. Franz Stadelmayer. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Goldene Stadtplakette im Würzburgwiki. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Universitätsarchiv, Liste der Ehrensenatoren. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Franz Stadelmayer im Würzburgwiki. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Franz-Stadelmayer-Straße. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stadelmayer, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 12. Januar 1891 |
| GEBURTSORT | Scheinfeld |
| STERBEDATUM | 19. Mai 1971 |
| STERBEORT | München |