Franz Uhle-Wettler

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Franz Uhle-Wettler (* 30. Oktober 1927 in Eisleben; † 11. Juli 2018 in Meckenheim) war Generalleutnant der Bundeswehr und Militärhistoriker. Er war der ältere Bruder des Brigadegenerals a. D. Reinhard Uhle-Wettler und zuletzt Kommandeur des NATO Defense College in Rom. Als geschichtsrevisionistischer Militärschriftsteller schrieb er auch unter dem Pseudonym Ulrich Werner.

Herkunft und militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Uhle-Wettler wurde 1927 als Sohn eines Offiziers in Eisleben geboren. Er wuchs in Ohrdruf, Jena und Eisleben auf, wo er auch die Schule besuchte. Uhle-Wettler war ab 1943 Flakhelfer, danach Seekadett, und blieb bis Dezember 1947 in Kriegsgefangenschaft.

Danach und in den Semesterferien war er als Bergarbeiter auf der Zeche Zollern in Dortmund und der Zeche Monopol in Kamen tätig, bevor er von 1948 bis 1956 an der Philipps-Universität Marburg ein Studium der Neueren Geschichte und der Orientalischen Sprachen aufnahm und Fulbright-Stipendiat an der Denison University (ein Liberal Arts College) in Granville, Ohio war. Zur Ergänzung seiner Studien fuhr er über den Balkan, die Türkei, Iran und Irak mit dem Fahrrad nach Indien und besuchte die Birla Vidya Mandir, eine Wohnschule für Jungen, in Naini Tal, Uttar Pradesh. Afghanistan und Teile Persiens durchquerte er auf dem Rückweg zu Pferd. Mit der Dissertation Staatsdenken und Englandverehrung bei den frühen Göttinger Historikern. Achenwall, von Schlözer, Freiherr von Spittler, Brandes, Rehberg, Heeren wurde er bei Fritz Wagner zum Dr. phil. promoviert. Sein Zweitgutachter war Wolfgang Abendroth (Marburger Schule).[1]

Er trat im Oktober 1956 als Fahnenjunker in die neu aufgestellte Bundeswehr ein und besuchte die Heeresoffizierschule II in Husum. An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg wurde er zum Generalstabsoffizier ausgebildet und hatte verschiedene Verwendungen in Stäben und in der Truppe, unter anderem vom 1. April 1978 bis 25. September 1980 als Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9 in Munster, von Oktober 1980 bis September 1982 war er Referent für Einsatzpläne im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Casteau bei Mons, Belgien und vom 1. Oktober 1982 bis 11. Juli 1984 als Kommandeur der 5. Panzerdivision. Von 1984 bis 1987 war er Kommandeur des NATO Defense College in Rom und Generalleutnant. Nach dieser Verwendung wurde er in den Ruhestand versetzt.

Mit seiner in der Schrift Gefechtsfeld Mitteleuropa, Gefahr der Übertechnisierung von Streitkräften (1980) vertretenen These, die Bundeswehr sei übertechnisiert und deshalb besser zum Angriff als zur Verteidigung tauglich, erregte er Aufsehen.[2]

Er war verheiratet und Vater von drei Töchtern.

Geschichtsrevisionismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor militärhistorischer Bücher, zum Teil unter dem Pseudonym Ulrich Werner, und als Referent verbreitete er geschichtsrevisionistische Thesen. Dabei engagierte er sich für die Verteidigung des SS-Hauptsturmführers Erich Priebke, der 1994 in einem argentinischen Kurort aufgespürt wurde. Er veröffentlichte in rechtskonservativen, neurechten und rechtsextremen Zeitschriften wie Deutsche Militärzeitschrift, Die Aula, Europa Vorn, Criticón, Junge Freiheit, Ostpreußenblatt, Staatsbriefe, aber auch im Spiegel.

Franz Uhle-Wettler war Referent bei der rechtsextremen Berliner Kulturgemeinschaft Preußen.

Unter anderem war er Referent bei der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), nach Einschätzung des Bundesamt für Verfassungsschutz die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland.

1995 initiierte er mit anderen rechtskonservativen Publizisten den Appell 8. Mai 1945 – wider das Vergessen, der dazu aufforderte, sich im Sinn von Theodor Heuss an diesem Datum daran zu erinnern, dass „wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind“. 2005 wurde der Appell erneut mit einer Anzeige in der Frankfurter Allgemeine Zeitung wiederholt.[3]

1995 hatte Andreas Molau, langjähriger Leiter der GfP, den bei der Verlagsgesellschaft Berg erschienenen geschichtsrevisionistischen Sammelband Opposition für Deutschland herausgegeben. Neben Molau selbst sind in dem Band unter anderem auch sein späterer Kollege im sächsischen Landtag Karl Richter sowie Huwald Fröhlich, Hartmut Hesse, Ansgar Hofacker, Winfried Knörzer, Hans-Ulrich Kopp, Klaus Kunze, Carl Meyerson, Harald Neubauer, Germar Rudolf, Hans B. von Sothen, Franz Uhle-Wettler und Claus-M. Wolfschlag mit Beiträgen vertreten. Hier äußerte Andreas Molau auch die Grunddevise seines politischen Handelns, „alle Rechten, Konservativen, Nationalen, Nationalkonservativen usw. gedanklich an einen Tisch zu bringen“.

1999 kritisierte der Militärhistoriker Bruno Thoß in seinem Buch Uhle-Wettlers Werk Erich Ludendorff in seiner Zeit, mit der Aussage, es falle wegen seiner „apologetischen Tendenz weit hinter den Forschungsstand zurück“.[4]

Franz Uhle-Wettler war Autor des zum Leopold Stocker Verlag gehörenden Ares Verlag, dessen Programm aus rechtskonservativer Literatur mit Schnittpunkten zum Rechtsextremismus besteht.

2001 war er Mitunterzeichner eines weiteren Appells; dieser richtete sich gegen die Entlassung des Oberleutnants der Reserve und führenden Vordenkers der "Neuen Rechten" Götz Kubitschek aus der Bundeswehr.[5]

Der Historiker Klaus Naumann schrieb 2006 in einer Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über ihn: „[Franz Uhle-Wettler] ist ein ebenso gebildeter wie unbequemer Beobachter. Von konservativer Grundeinstellung, gehört Uhle-Wettlers Herz dem einfachen Soldaten […], den engagierten Unterführern und Truppenoffizieren.“[6]

2009 kritisierte Franz Uhle-Wettler eine Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei einer Rekrutenvereidigung in Berlin:

„Frau Merkel war bei ihrer Ansprache schon in der ersten Minute beim Holocaust, den sie hebräisch Shoa nannte … Und wenige Minuten später versicherte sie den Rekruten, daß sie nicht mehr zum „Kadavergehorsam“ erzogen werden. Sie führte so die Kriegspropaganda der Alliierten fort, an die dort wohl nur noch ideologisch Beflügelte glauben. Zudem hat sich die deutsche Gründlichkeit bei der Trauerarbeit zu einer jener Pseudoreligionen verdichtet, die auch die Politik beeinflussen.[7]

2014 war Franz Uhle-Wettler u. a. zusammen mit Günther Deschner, Menno Aden, Albrecht Jebens, Bernd Nossak, Manfred Backerra und Walter Post, Referent auf der extrem rechten Tagung "Zeitgespräche" in Niederbayern. Diese wurde vom Magazin "Deutsche Geschichte" des geschichtsrevisionistischen Verlegers Gert Sudholt veranstaltet und gehört in den Bereich der ultrarechten, lange Zeit von Franz Uhle-Wettlers Bruder Reinhard geleiteten "Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e. V." und des "Forums Kultur und Geschichte".[8]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Uhle-Wettler: Rührt Euch! 2006, S. 11. (Biographische Informationen zum Autor)
  2. Franz Uhle-Wettler: Wer wirft den Feind aus der Rhön? In: Der Spiegel 25 (1980).
    Jürgen Reusch: Friedensforschung in der Bundesrepublik. Entwicklung, Positionen, Perspektiven. IMFS, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-88807-001-5, S. 474.
  3. Gegen das Vergessen. (pdf) Institut für Staatspolitik, archiviert vom Original am 26. September 2007; abgerufen am 3. Juli 2019.
  4. Bruno Thoß: Militärische Entscheidung und politisch gesellschaftlicher Umbruch. Das Jahr 1918 in der neueren Weltkriegsforschung. In: Jörg Duppler, Gerhard Paul Gross (Hrsg.): Kriegsende 1918. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. Verlag Oldenbourg, München 1999, S. 26.
  5. 28.09.01 / Appell an die Bundeswehr: Gegen die Entlassung konservativer Soldaten / Der „Fall Götz Kubitschek“. Abgerufen am 1. Juli 2019.
  6. Klaus Naumann: Für Männlein. Ein General blickt zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 79, 3. Mai 2006, S. 8.
  7. Franz Uhle-Wettler: Gedanken über den Kardinalfehler der Deutschen (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive) (PDF; 401 kB) abgerufen am 26. Dezember 2015
  8. Niederbayern: Extrem rechte Tagung "Zeitgespräche" (Memento vom 24. Juli 2014 im Internet Archive) Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München