Franz Xaver Winterhalter

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Franz Xaver Winterhalter (ca. 1865)
Franz Xaver Winterhalter: Selbstporträt (links) mit Bruder Hermann (1840)

Franz Xaver Winterhalter (* 20. April 1805 in Menzenschwand im Schwarzwald; † 8. Juli 1873 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Porträtmaler und Lithograf.

Leben[Bearbeiten]

Geburtshaus der beiden Maler in Menzenschwand
Museum „Le Petit Salon“ neben dem Geburtshaus

Winterhalter war eines von neun Geschwistern, von denen aber nur fünf das Kindesalter überlebten. Nach dem Besuch der Klosterschule des Benediktinerstiftes St. Blasien erlernte er von 1818 bis 1824 am Herderschen Kunstinstitut in Freiburg den Beruf des Lithografen.

Mit einem Stipendium studierte er anschließend an der Kunstakademie München Malerei. Während dieser Zeit arbeitete Winterhalter, dessen Bruder Hermann Fidel Winterhalter (1808–1891) ebenfalls als Maler erfolgreich war, im Atelier des Porträtmalers Joseph Karl Stieler und war nebenbei als Lithograf tätig. Nach dem Studium ging er 1828 nach Karlsruhe, wo er als Zeichenlehrer der Markgräfin von Baden Anstellung fand und Porträts der Großherzoglichen Familie entstanden.

Von 1833 bis 1834 bereiste er Italien, wo er sich das Atelier mit Johann Baptist Kriner teilte. Hauptsächlich entstanden romantische Genreszenen im Stil Louis Léopold Roberts. In Rom schloss er sich einem Kreis französischer Künstler an. Nach seiner Rückkehr wurde er 1834 in Karlsruhe von Großherzog Leopold zum badischen Hofmaler ernannt, verließ jedoch schon kurze Zeit später den großherzoglichen Hof, um nach Paris überzusiedeln. Hier erregte er in den Salons von 1836 und 1838 mit italienischen Genreszenen große Aufmerksamkeit.

Durch Protektion König Louis Philippes stieg Winterhalter zum gefragtesten Porträtmaler in Frankreich auf. Als französischer Hofmaler malte er Bildnisse der gesamten königlichen Familie und der führenden Mitglieder des Hofes. Der Erfolg dieser Bilder brachte ihm das Renommee eines Fachmannes für aristokratische Porträts ein, sodass er Aufträge von vielen europäischen Adels- und Herrscherhäusern erhielt. Königin Victoria berief ihn 1841 an den britischen Hof.

1852 folgte er dem Ruf von Königin Isabella nach Spanien. Nach der Thronbesteigung Napoléons III. ging er zurück nach Paris. Zu seinen Kunden gehörten auch das belgische Königshaus und die kaiserlichen Höfe in Sankt Petersburg und Wien. Die Bildnisse der österreichischen Kaiserin Elisabeth zählen zu seinen bekanntesten Werken. Neben einzelnen Porträts entstanden Gruppenbilder, wobei er seine Kompositionen immer freier gestaltete und seine Malerei sich auflockerte.

Winterhalters Grabdenkmal auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Franz Xaver Winterhalter starb mit 68 Jahren während eines Aufenthaltes in Frankfurt am Main an Typhus. Er ist auf dem dortigen Hauptfriedhof bestattet.

Stil[Bearbeiten]

Bereits zu Lebzeiten nannten ihn seine Zeitgenossen, teils anerkennend, teils von Neid getrieben, den „Fürstenmaler“. Seine Auftraggeber waren fast durchwegs Protagonisten des europäischen Adels von Lissabon bis Moskau, vom Freiherrn bis zum Kaiser.[1] Winterhalters Porträts wurden für ihre subtile Intimität geschätzt, wobei seine Begabung, von den Porträtierten ein Wunschbild zu erschaffen, sicher zu seiner großen Beliebtheit beitrug. Er kombinierte die Ähnlichkeit der Dargestellten mit Schmeichelei und stellte höfische Prachtentfaltung mit der aktuellen Mode seiner Zeit dar. Ihm gelang es, das gesellschaftliche und politische Klima jeden Hofes einzufangen und seinen Stil den jeweiligen Kunden anzupassen. Seine offiziellen Hofporträts dienten der Selbstdarstellung der Monarchien und wurden gezielt zur Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Um die wachsende Nachfrage an Porträts zu befriedigen, von denen viele in verschiedenen Versionen entstanden, unterhielt Winterhalter ein großes Atelier mit zahlreichen Assistenten. Überdies fanden seine Arbeiten mittels lithografischer Vervielfältigung ein großes Publikum.

Die Porträts Winterhalters waren so beliebt, dass er oft damit beauftragt wurde, mehrere Kopien von einem Einzelstück anzufertigen. Vor allem eine größere Anzahl der Staatsporträts war sehr gefragt, nicht zuletzt auch, um in Ministerien und Amtsstuben eindrucksvolle Präsenz zu zeigen. So entstanden alleine vom Staatsporträt Napoleons III. sechs bekannte Fassungen. Diese Repliken wurden teils von Franz Xaver Winterhalter selbst hergestellt, oftmals war es aber auch sein Bruder Hermann, der solche Kopien anfertigte. Der Pinselstrich der beiden Brüder ist fast identisch, sodass es heute problematisch ist, mit Sicherheit zu bestimmen, von wem der beiden Künstler die jeweilige Replik stammt.[2] Bei näherer Betrachtung der Porträts und den Kopien dazu fällt bisweilen auch auf, dass die Gesichtszüge und die Physiognomie der dargestellten Personen um einiges subtiler und feiner gemalt sind als der Rest des Körpers sowie des Hintergrundes. Dieses Phänomen ist in der europäischen Kunstgeschichte bekannt: Oftmals war es der Meister selbst, der Kopf und Gesicht malte, während er den Rest seiner Werkstätte, also den Gesellen und Gehilfen, überließ.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Königin Victoria von Großbritannien, in deren Sammlung sich über 100 seiner Bilder befanden, schrieb nach seinem Tod an ihre Tochter Vicky in Berlin: „Dieser Tod ist schrecklich, nicht wieder gutzumachen [...]. Seine Arbeiten aber werden in späterer Zeit mit denen von van Dyck konkurrieren.“ Auch wenn diese Einordnung mehr als ein Jahrhundert später von Kunsthistorikern nicht geteilt wird, gelten seine Bilder als Spiegelbild der regierenden Klasse in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Von den in Frankreich in der Malerei aufbrechenden neuen Strömungen wie der Schule von Barbizon oder des beginnenden Impressionismus weitgehend unbeeindruckt, blieben seine Arbeiten, obschon handwerklich auf sehr hohem Niveau, für die nachfolgenden Künstlergenerationen ohne nennenswerten Einfluss.

Auf dem Kunstmarkt werden heute für Ölgemälde von Winterhalter bis zu 371.000 US-Dollar bezahlt.[4]

Im Jahr 2008 wurde in Winterhalters Heimatort Menzenschwand ein Verein gegründet, der dort das Museum Le Petit Salon betreibt. Es soll das Lebenswerk der beiden Winterhalter-Brüder würdigen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingeborg Eismann: Franz Xaver Winterhalter (1805–1873). Der Fürstenmaler Europas, Petersberg 2007.
  • Peter Hawig: Offenbach, Labiche und Winterhalter. Kultur mit Maske im zweiten Kaiserreich Napoleons III. (= Jacques-Offenbach-Reihe der Bad Emser Hefte. Nr. 5, ZDB-ID 2581518-0 = Bad Emser Hefte. Nr. 107). Verein für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege e.V., Bad Ems 1993.
  • Hyacinth HollandWinterhalter, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 497–499.
  • Hubert Mayer (Hrsg.): Die Künstlerfamilie Winterhalter. Ein Briefwechsel. Braun, Karlsruhe, 1998 ISBN 3-7650-8215-5.
  • Richard Ormond, Carol Blackett-Ord: Franz Xaver Winterhalter and the Courts of Europe 1830-70. National Portrait Gallery, London 1992, ISBN 0-8109-3964-9.
  • Walter Kalina: Ein höfisches Portrait des Franz Xaver Winterhalter. Napoleon III. zieht im Heeresgeschichtlichen Museum ein, in: Viribus Unitis. Jahresbericht des Heeresgeschichtlichen Museums 2012, Wien 2013, ISBN 978-3-902551-37-5, S. 27-44
  • Otto Ernst Sutter: Franz Xaver Winterhalter. Mit sieben Photographien nach Gemälden und Stichen des Künstlers. In: Reclams Universum 25.1 (1909), S. 369-374.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Xaver Winterhalter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Kalina: Ein höfisches Portrait des Franz Xaver Winterhalter. Napoleon III. zieht im Heeresgeschichtlichen Museum ein, in: Viribus Unitis. Jahresbericht des Heeresgeschichtlichen Museums 2012, Wien 2013, ISBN 978-3-902551-37-5, S. 28
  2. Ingeborg Eismann: Franz Xaver Winterhalter (1805–1873). Der Fürstenmaler Europas, Petersberg 2007, S. 6, 10.
  3. Walter Kalina: Ein höfisches Portrait des Franz Xaver Winterhalter. Napoleon III. zieht im Heeresgeschichtlichen Museum ein, in: Viribus Unitis. Jahresbericht des Heeresgeschichtlichen Museums 2012, Wien 2013, ISBN 978-3-902551-37-5, S. 40.
  4. Seite eines weltweit tätigen Auktionshauses, abgefragt am 5. August 2011
  5. Der Maler ist der Damen Freund in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 5. Januar 2014, Seite R5