Franzischak Bahuschewitsch

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Franzischak Bahuschewitsch

Franzischak Bahuschewitsch, weißrussisch: Франці́шак Бенядзі́кт Казімі́равіч Багушэ́віч, Pseudonyme: Матвей Бурачок und Симон Ровка из-под Борисова (* 21. März 1840 bei Wilna; † 28. April 1900)[1][2] war ein weißrussischer Poet, Schriftsteller und Übersetzer.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der Vorbereiter des Realismus in der weißrussischen Literatur, damit hatte er einen erheblichen Teil zum nationalen Charakter und Selbstverständnis der Landeskultur beigetragen.

Bahuschewitsch besuchte das örtliche Gymnasium Wilna, im Anschluss begann er sein Mathematik- und Physikstudium 1861 an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Von jenem Studium wurde er allerdings bereits nach zwei Monaten verwiesen, da er sich nicht an die Regeln der Universitätseinrichtung hielt. Im Anschluss auf dieses Ereignis kehrte er in sein Heimatdorf zurück und arbeite als Lehrer an der Grundschule Dotishki.

In den Jahren 1863 und 1864 nahm er aktiv an den revolutionären Aufständen in den Wäldern von August teil und zog später wegen jenen Unruhen in die Ukraine.

1865 begann er ein neues Studium im Nezhinsky-Lyceum an der juristischen Fakultät. Mit Beendigung 1868 arbeitete er als Jurist bei unterschiedlichsten Arbeitgebern in der Ukraine.

1874 heiratete er Gabrielle Shklenikav in Minsk.

Mit der Krönung Kaiser Alexander III. wurde er Teil einer umfassenden Amnestie und kehrte mit seiner Ehefrau zurück nach Wilna und arbeitete dort wieder als Anwalt.

Mit dieser Rückkehr leitete sich seine kreative Phase ein.

1898 beendete Bahuschewitsch seine Karriere wegen gesundheitlicher Probleme und zog in ein Dorf namens Kushliany, dort starb er 1900 auch. Sein Sarg wurde von Bauern getragen und der Gedenkkranz trug die Inschrift „Für den Freund der Bauern“, sie legten eine Geige und eine Flöte auf seine Grabstätte.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1891 Gedichtsammelband „Belarussische Dudka“ in Krakau unter dem Pseudonym Maciej Burachok
  • 1892 Erzählung „Tralyalenachka“ in Krakau (Pseudonym: Maciej Burachok)
  • 1894 Gedichtsammelband „Smyk Belarus“ in Posen (Pseudonym: Symon Rovka iz pod Baryzova)
  • 1886–1891 schrieb er ebenfalls unter einem Pseudonym für die Sankt Petersburger Zeitung „Kraj“
  • 1899 sollte „Belarussische Geschichten Burachok“ veröffentlicht werden, wurde jedoch unter der Zensur des Zaren verboten
Savičiūnai, Litauen
Savičiūnai, Litauen
Svironys, Litauen

Künstlerischer Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

All seine künstlerischen Tätigkeiten behandelten das Thema des Kampfes für die nationale Wiedergeburt des Weißrussischen. Er war der Vertreter der Bauernschaft und erzielte damit großen Einfluss auf den Verlauf der künftigen belarussischen Literatur.

Sein dichterisches Schaffen ist eng verbunden mit dem Volkslied und unterliegt der leisen Trauerstimmung aus dem schweren Schicksal des damaligen Volkes, ebenso kritisiert er damit das sorglose Leben des Adels.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1891 Gedichtsammelband „Belarussische Dudka“[3]

Diese Gedichtsammlung beinhaltete ein Vorwort in dem erstmals die wichtigsten nationalen Fragen gestellt wurden. Die Behauptung über die Existenz der weißrussischen Sprache wird ausgesprochen und damit ihr Recht, sich gleichwertig neben den anderen Sprachen entwickeln zu können. Zudem bezieht sich das Vorwort politisch gegen den Zaren und seine Führung. Dabei nannte er jedoch die angegriffenen, politischen Gegner nie namentlich, sondern sprach in stereotypischen Bildern und Vorstellungen des bäuerlichen Charakters, in ländlicher weißrussischer Sprache. In diesem Gedichtband stellt er das Wort des Volkes dar, es war für ihn mehr als das Objekt seiner Kunst und so bezog er sich bewusst auf die gesamte Bauernschaft und gleichermaßen im Allgemeinen auf die benachteiligte Masse. Franzischak Bahuschewitsch beweist damit, dass die weißrussische Sprache in der Lage ist jeden Gedanken und jedes Gefühl auszudrücken. Er fordert dazu auf, die eigene nationale Sprache zu erlernen und eine weißrussische Literatur entstehen zu lassen. Dieser Aufruf ist jedoch nicht nationalistisch zu verstehen, sondern meinte die Wichtigkeit des eigenen (Volks)- Spracherwerbs zu kennzeichnen. Es deutet darauf hin, dass es der Grund für die Veröffentlichung dieser Gedichte sei.

  • 1894 Gedichtsammelband „Smyk Belarus“

Auch dieser Band beschäftigt sich mit dem Bewusstsein der weißrussischen Sprache sowie mit der wahrheitsgemäßen Darstellung des Bauernlebens. Die undurchsichtige und komplizierte soziale Lage im Land wird in den Vordergrund gestellt. Jedoch soll die Vaterlandsliebe gefördert werden. Die Verarmung weckt in den Helden seiner Gedichte neue Lebenskraft, und ihre Niederlage stellt nicht den Sieg der Herrschaftsmacht dar, sondern einen fortwährenden Kampf für die Gerechtigkeit. Hunger, Not und wahllose Staatsgewalt prägen die aus dem wahren Leben gegriffenen Gedichte, das führte lange Zeit zur Zensur der Werke.


Klagende Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franzischak Bahuschewitsch nutzt die realistische Darstellung des Lebens und der weißrussischen Natur, da aber das Leben der Bauern sehr sorgenvoll und trotz vieler Arbeit und Mühen unbelohnt ist, wirken seine Gedichte mit desolater-klagender Motivik.[4]

Die Einseitigkeit und Armut zeigt sich wiederkehrend, zudem wird auch die göttliche Ungerechtigkeit thematisiert „Gott teilt ungerecht“, die Bauern werden oft mit schmutziger, zerfallender Hülle dargestellt. Haus, Hof und Kleidung wirken verbraucht, der Wind pfeift durch die Wände, im Inneren ist das Wesen der beschriebenen Bauernschaft jedoch zufrieden und genügsam. Ihr Leiden unter der Rechtslosigkeit verstärkt sich mit der fehlenden Bildung, die Wahrheit scheint in ihrer Welt zu fehlen und das Gesetz-grausam. Die Natur allein hält die schönen und vielseitigen Facetten des weißrussischen Lebens aufrecht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Их именами названы…: Энциклопедический справочник / Редкол.: И. П. Шамякин (гл. ред.) и др. БелСЭ, Минск 1987, S. 80–84.
  2. Ferdinand Neureiter: Weißrussische Anthologie. München 1983, S. 30.
  3. Белорусские 1963: Белорусские поэты ХIХ – начала ХХ века, Москва – Ленинград 1963, S. 17–30.
  4. E. Karskij: Geschichte der weißrussischen Volksdichtung und Literatur. (= Grundriß der slavischen Philologie und Kulturgeschichte. Band 2). Walter de Gruyter, Berlin und Leipzig 1926, S. 149–151.