Franziskaner-Klosterkirche (Berlin)

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Lage des ehemaligen Franziskanerklosters und der Pfarrkirchen St. Marien und St. Nikolai in Berlin
Ruine der Klosterkirche vom Fernsehturm aus gesehen
Ruine im Winter
Ansichtskarte des unzerstörten Klosters (um 1910)
historische Innenansicht (um 1896)

Die Franziskaner-Klosterkirche in der Klosterstraße im Berliner Stadtteil Mitte ist die Ruine eines bis auf das Jahr 1250 zurückgehenden Gotteshauses.

An der Stelle der heutigen Ruine wurde um 1250 mit dem Bau einer Klosterkirche im frühgotischen Stil einer Bettelordenskirche für das Graue Kloster der Franziskaner begonnen. Die Feldsteinkirche war 52 Meter lang und 16 Meter breit. Reste davon sind noch heute in der nördlichen Mauer der Ruine zu finden. Mit dem heutigen Bau – einer dreischiffigen Basilika mit Sieben-Zehntel-Chorschluss – wurde schon Ende des 13. Jahrhunderts begonnen. 1365 wurde der brandenburgische Kurfürst Ludwig d.J. von Bayern hier beigesetzt. Die Bauarbeiten an der Backsteinkirche dauerten bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Um 1500 wurde der Bau saniert.

Infolge der in Berlin 1539 eingeführten Reformation wurde das Kloster aufgelöst, von dem heute außer der Kirchenruine kein Gebäude mehr erhalten ist. Ab 1571 befand sich in den Räumen des ehemaligen Klosters die erste Berliner Druckerei. 1574 wurde hier das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster eröffnet. Berühmte Schüler und Lehrer wie Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Ludwig Jahn und Otto von Bismarck besuchten auch die Klosterkirche. Leonhard Thurneysser, der auch die Druckerei anlegte, ließ die Kirche 1583/84 restaurieren.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden kleine bauliche Veränderungen vorgenommen. So wurde der alte Treppenturm abgerissen und dafür eine neue Fachwerktreppe an der Westseite errichtet. 1712 wurde im Mittelschiff der Lettner, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennte, abgerissen. Im gleichen Jahr brannte es im Dachstuhl. Sieben Jahre später wurden Restaurierungsarbeiten durchgeführt, wobei der Fußboden um einen Meter erhöht wurde und die zwei nördlichen Chorfenster zugemauert wurden.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Umbauarbeiten. 1826 wurde der Giebelturm abgetragen; ab 1842 wurden an der Westseite zwei neue Türme errichtet; der Fußboden wurde wieder abgesenkt und eine neue Sakristei gebaut. Den Bauarbeiten gingen verschiedene Baupläne von Karl Friedrich Schinkel, Christian Gottlieb Cantian und dem damaligen Oberbauinspektor Berger voraus. Erst der zweite Plan Bergers wurde schließlich umgesetzt. Die Bauarbeiten dauerten bis 1845.

Die meisten Änderungen des 19. Jahrhunderts wurden ab 1926 wieder rückgängig gemacht, nachdem die Kirche ab 1902 wegen starker Feuchtigkeit im Mauerwerk geschlossen worden war. Die neue Weihe fand am 24. Mai 1936 statt.

Zerstört wurde das Gebäude während des Zweiten Weltkrieges am 3. April 1945. Ab 1950 wurden die Trümmer entfernt und die Ruine von 1959 bis 1963 gesichert. Die übrigen, ebenfalls ruinös erhaltenen Klostergebäude wurden vollständig abgerissen. Die Umgebung der Kirchenruine wurde als Grünanlage gestaltet, an die jenseits der Littenstraße das Geschäftsgebäude für einen Teil der Zivilabteilungen des Landgerichts Berlin und für das Amtsgericht Mitte sowie der Hauptsitz der Hypoport AG grenzen.

Nach einer weiteren Restaurierung in den Jahren 2003/04 wird die Ruine gegenwärtig für Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Kirchenruine des Grauen Klosters in Berlin. Geschichte, Forschung, Restaurierung (= Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin. Bd. 23). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-200-0.
  • Gerhard Bronisch: Die Franziskaner-Klosterkirche in Berlin. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins. Jg. 50, H. 4, 1933, ZDB-ID 3615-8, S. 89–142, (Zugleich: Leipzig, Universität, Dissertation, 1933).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franziskaner-Klosterkirche, Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 31′ 6″ N, 13° 24′ 46″ O