Bosnische Franziskanerprovinz

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Feier zum Beginn des akademischen Jahres 2010/2011 der Franziskanischen Theologischen Fakultät in Sarajevo
„Stammbaum“ der Franziskanerprovinzen in Bosnien

Die Franziskaner (OFM) wirken seit dem 13. Jahrhundert in Bosnien und auch der Herzegowina und sind in der Franziskanerprovinz von der Erhöhung des Heiligen Kreuzes – Silbernes Bosnien (lateinisch Provincia Ordinis Fratrum Minorum Exaltationis S. Crucis – Bosna Argentina; kroatisch Franjevačka provincija Sv. Križa – Bosna Srebrena) organisiert. Der Sitz des Provinzials ist heute in Sarajevo.

Der Franziskanerorden hatte vom 15. bis 19. Jahrhundert einen bedeutenden Einfluss auf das religiöse und politische Leben der Kroaten in Bosnien und Herzegowina, in Dalmatien und Slawonien, den er teils noch heute ausübt. Franziskaner der Provinz sind in 82 Pfarrgemeinden tätig, überwiegend in Bosnien-Herzegowina aber auch in Kroatien, Serbien und im Kosovo. Einige arbeiten seelsorgerlich in Albanien, Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Marokko, den Niederlanden, Österreich und Ruanda.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Minderbrüder („Minoriten“) des 1210 gegründeten Franziskanerordens kamen im Jahr 1291 nach Bosnien. Der erste Konvent der Franziskaner wurde in Srebrenica errichtet. Daher nannte der Orden das Land seines Wirkens Bosna Srebrenika oder Bosna Srebrena. Im Gebiet um Srebrenica wurde seinerzeit reiche Silber-Vorkommen abgebaut.

Zu Beginn waren die Brüder größtenteils Deutsche, Ungarn und Italiener. Wegen der Förderung der Gründung durch lokale Adelige überwogen später einheimische Brüder. Der regierende Ban von Bosnien, Stjepan II. Kotromanić schrieb dem Papst im April 1347, nachdem er in die römisch-katholische Kirche eingetreten war. In seinem Brief bat er den Papst, ihm bei der Suche nach erfahrenen Priestern für Bosnien zu helfen.[2] Kotromanić wünschte, dass die Brüder die Landessprache sprechen können.[3] Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatte die Bosnische Vikarie (Bosanske vikarije) 35 Klöster, die in sieben Kustodien organisiert waren. 1514 wurde die Vikarie in die bosnisch-kroatische Vikarie (Bosnu-Hrvatsku) und die Bosna Argentina (Bosnu Srebrenu) geteilt. Beide Vikarien wurden 1517 zu Provinzen erhoben.[4]

Nach der Eroberung Bosniens durch das osmanische Reich erstreckte sich die Provinz der Franziskaner von Dalmatien im Süden bis Buda im Norden und Temesvár im Osten. Der Orden wirkte in den Städten Šibenik, Skradin, Knin, Sinj, Vrlika, Makarska, Zaostrog, Imotski, Rama, Fojnica, Olovo, Srebrenica, Kreševo, Mostar, Tuzla, Modriča, Požega, Đakovo, Udbina, Gračac, Kostajnica, Našice, Vinkovci, Osijek, Pécs und Budapest.

Altar im Franziskanerkloster von Kraljeva Sutjeska

Der Konvent von Kraljeva Sutjeska („Königsschlucht“) wurde 1385 erstmals schriftlich erwähnt. In dieser Region waren die Franziskaner über einen langen Zeitraum die einzigen Seelsorger und Lehrkräfte für das einfache Volk. Ab Anfang des 17. Jahrhunderts entfalteten die Franziskaner in Bosnien eine reiche literarische Tätigkeit in kroatischer Sprache. Im Lauf der Geschichte erreichten sie auf diese Weise die meisten Kroaten, die den štokavischen Dialekt, teilweise auch den čakavschen Dialekt sprachen. Dadurch leistete der Orden einen wichtigen Beitrag im Bereich der Bildung und Literatur und für den Erhalt des kroatischen Volkes im zum Osmanischen Reich gehörenden Bosnien.

Die (bosnischen) Franziskaner haben die kroatische Geschichte entscheidend beeinflusst, viele von ihnen waren Dichter und Denker.[5] Durch ihre Volksnähe garantiert hatten sie ihnen ebenfalls großen Einfluss, beispielsweise bei der Begrüßung der österreichischen Besatzungsmacht.[5]

Bekannte Mitglieder der Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klöster der Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jozo Džambo: Die Franziskaner im mittelalterlichen Bosnien. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1991, ISBN 978-3-87163-179-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bosnasrebrena.ba: Pastoral. Abgerufen am 19. August 2017 (kroatisch).
  2. Noel Malcolm: Geschichte Bosniens, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, S. 35.
  3. „in fidei doctrina peritos et lingue croatice non ignaros“ [„erfahren in der Lehre des Glaubens und nicht ohne die Kenntnis der kroatischen Sprache“]; vgl.: Radoslav Katičić: «Slověnski» i «Hrvatski» kao zamjenjivi nazivi jezika hrvatske književnosti. In: Jezik: časopis za kulturu hrvatskoga književnog jezika. Jg. 36, Nr. 4, Zagreb, April 1989.
  4. bosnasrebrena.ba: Provinzgeschichte
  5. a b Hubert Beyerle: DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Kroatien. Dumont Reiseverlag, 2017, ISBN 978-3-616-43004-1 (google.de [abgerufen am 15. Oktober 2017]).