Franziskanerkloster und Klosterkirche Güssing

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Das Kloster als Dreiflügelbau bildet mit der Kirche einen Vierkanter (2013)

Franziskanerkloster und Klosterkirche Mariä Heimsuchung stehen in der Stadt Güssing im gleichnamigen Bezirk im Burgenland. Die Wallfahrtskirche wurde 2013 zur Basilica minor erhoben und gehört zum Dekanat Güssing in der Diözese Eisenstadt.[1][2] Sie ist Grablege des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann und beheimatet die Batthyán'sche Familiengruft.[3] Die Anlage ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigungen und steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster geht zurück auf eine ältere, zuvor an diesem Standort bestehende Klosteranlage der Augustiner Eremiten, die vermutlich zwischen 1500 und 1510 gegründet wurde.[4] Der erste urkundliche Beleg für den Bestand des Klosters findet sich in einer Schenkungsurkunde von 1519, in der der Herr von Güssing, Lorenz Ujlaki dem Kloster Güter überträgt. Aus dieser geht hervor, dass die Klosterkirche bereits damals „der glorreichen Jungfrau Maria gestiftet“ war.[5][6]

Nach dem Tod des kinderlosen Ujlaki ging die Herrschaft an das Magnatengeschlecht Batthyány über.[7] Der zum Protestantismus konvertierte Balthasar Batthyány vertrieb die Augustiner 1569, nahm das Kloster erst in Besitz[8] und übergab es dann den Protestanten, die es bis 1634 für religiöse Zwecke und als Mittelschule nutzten. Die Anlage war bereits 1604 während eines Angriffs der Heiducken Stephan Bocskais auf Stadt und Burg beschädigt worden.[9] In welchem Ausmaß ist unklar, da Kloster und Kirche aber weiter verwendet wurden, und 1620 und 1625 dort gar Kirchensynoden abgehalten wurden, ist es wahrscheinlich, dass die Schäden eher gering waren.[10] Zu größeren dürfte es durch die abziehenden Protestanten 1625 gekommen sein. Der katholische Adam I. Batthyány hatte zuvor des Klosters verwiesen.[11][12]

Adam Batthyány ließ Kloster und Kirche 1641–1647 vermutlich nach Plänen des kaiserlichen Hofbaumeisters Philiberto Lucchese wiedererrichten und übergab es im Jahre 1648 dem Franziskanerorden.[13] Das Kloster wurde 1649 gestiftet,[14] die Konsekration der Klosterkirche fand am 7. April 1652 statt.[15][2]

Franziskanerkloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestansicht (2013)

Das Kloster besteht aus zweigeschoßigen Dreiflügelbau mit Satteldach, der zusammen mit der Süden angebauten Klosterkirche einen Vierkanter bildet.[16] Es stellte ursprünglich die nordöstliche Eckbastion der Stadtbefestigungen dar,[17] und schloss im Süden an das Osttor der Stadt an, das erst im 20. Jahrhundert aus verkehrstechnischen Gründen abgebrochen wurde. Die gleichzeitige Funktion als Stadtbastion ist an der massiven Nordostfassade im Bereich der gut 15 m tiefer liegenden Grabenstraße noch gut erkennbar.

Im Innenhof der Anlage gibt es einen umlaufenden Kreuzgang, der sich im Süden an die linke, nördliche Langhauswand der Kirche lehnt. Im Kreuzgang befindet sich auch ein römerzeitlicher Grabstein mit Inschrift. Ein 1662 von der Pfarrkirche Güssing dorthin übertragene Altar befindet sich im Kloster selbst.[16]

Klosterbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek im Franziskanerkloster umfasst ca. 3.500 Bände mit ungefähr 5.500 selbstständigen Werken, darunter 34 Handschriften und 212 Inkunabeln. Sie stellt eines der wichtigsten Kulturdenkmäler des Burgenlandes dar. Ungefähr 100 der Bücher wurden während der Türkenkriege aus kroatischen Franziskanerklostern 1537 nach Güssing gebrach .ließ Christoph Batthyány 1537 wegen der Türkengefahr aus kroatischen Franziskanerklöstern nach Güssing bringen. Etwa 1000 Bücher stammen aus dem Umfeld von Stephan Beythe oder ihm selbst.[17] Der protestantische Hofgeistliche unterstützte Carolus Clusius bei der Erstellung der „Stirpium Nomenclator Pannonicus“Geistlichen.[18]

Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Äußerer Kirchenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Kirche hat im Westen eine einfache Giebelfront mit Eingangsportal. Über dem Westportal ist ein Wappen der Batthyány. Im Osten schließt der niedrige, eingezogene Chor mit einem 3/8-Schluss an, daran, in derselben Achse, der dreigeschoßige Ostturm. In der Südwand der Kirche wurden 1977 drei gotische Fenster freigelegt. An der Außenwand sind zwei Grabsteine: Der Rotmarmorstein aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen Ritter mit Fahne (Franz Batthyány?), der Weißmarmorstein zeigt die Inschrift zu Balthasar Batthyány (1543–1590).

Blick durchs Langhaus der Basilika

Innerer Kirchenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vierjochige Langhaus hat ein Kreuzgratgewölbe zwischen flachen Gurten auf hohen Pilastern. Die Empore ist mit einem Kreuzgratgewölbe unterwölbt. Hinter dem rundbogigen Triumphbogen beginnt das Chorjoch mit einem Kreuzgratgewölbe und Oratorienfenstern. Der Chorschluss hat Gewölbekappen und gebrochene Gurte.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar wurde laut Urkunde vom Bildhauer Matthäus Kern und vom Maler Wolfgang Resch aus Graz, vielleicht nach einem Entwurf von Philiberto Lucchese, geschaffen und 1649 fertiggestellt. Der Altar als Nachahmung eines dreigeschoßigen Gebäudes zeigt im ersten Geschoß zwischen gewundenen Säulen das Bild Mariä Heimsuchung und trägt die Figuren der Hll. Könige Stephan und Ladislaus, zwei Franziskaner und das Wappen der Batthyány. Über einem Schuppendach im zweiten Geschoß zeigt der Altar das Bild Mariä Himmelfahrt und trägt acht Heiligenfiguren. Auf einem kleinen Schuppendach über einem Sprenggiebel im Aufsatz zeigt der Altar das Bild Trinitas und die Figuren Madonna und Engel.

Die Seitenaltäre mit zweigeschoßigem Aufbau an den Triumphbogenpfeilern baute von 1652 bis 1654 der Bildhauer und Tischler Hans Fellner aus Hartberg. Sie zeigen links das Bild des hl. Franz Xaver und rechts das Bild des hl. Antonius von Padua und tragen kleine Heiligenfiguren. Der linke Seitenaltar im Langhaus aus 1745, ein flacher Wandaltar mit Gebälk, zeigt das Bild der Mariazeller Muttergottes mit einer alten Ansicht von Maria Trost. Der rechte Seitenaltar aus 1725 mit einem mächtigen Aufbau mit doppelten Säulen und schwerem Gebälk und Aufsatz zeigt das Bild des hl. Johannes Nepomuk.

Die Kanzel ist aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Taufstein aus dem 18. Jahrhundert. Die vierzehn Kreuzwegstation (Ölbilder) sind aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der Sakristei steht ein Paramentenkasten aus 1725 mit Schnitz- und Malwerk in alter Fassung.

Loretto-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Portal zur am Chor rechts angebauten Loretto-Kapelle ist aus dem 17. Jahrhundert. Der Altar mit gedrehten Säulen trägt eine Schwarze Madonna in Glockenmantel aus dem 18. Jahrhundert.

Batthyány'sche Familiengruft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal der Batthyány-Familiengruft (2013)

Die private Gruft der Batthyánys ist – nach der Kaisergruft in Wien – die zweitgrößte private Gruft in Österreich. Die Familiengruft ist durch einen Portalbau an der Südfront der Kirche zu betreten, der einer Inschrift mit zwei Chronogrammen von 1648 trägt. Über der pylonenartigen Portalrahmung des Zugangs befindet sich eine plastische Gruppe mit zwei Wappen.

1830 und 1970 wurde die Grablege baulich erweitert. In der Gruft, welche sich in weitläufigen Räumen unter der Kirche befindet, stehen ca. 100 einfache Särge (1976). Bemerkenswert ist der Bleisarkophag vom Bildhauer Balthasar Ferdinand Moll für Karl Josef Batthyány, den ersten Fürsten Batthyány (1697–1772). Der siebte Fürst, der Arzt Ladislaus Batthyány-Strattmann (1870–1931), wurde 2003 seliggesprochen. Zuletzt wurde der neunte Fürst, Ladislaus Pascal Batthyány-Strattmann (* 26. März 1938 in Budapest, † 14. Februar 2015 in Wien), in der Familiengruft beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Burgenland 1976, Güssing, Franziskanerkloster, Klosterkirche Mariae Heimsuchung, Loretto-Kapelle, Batthyánische Familiengruft, S. 120–121.
  • Arnold Magyar: Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 59–66 (zobodat.at [PDF]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Franciscan monastery and church (Güssing) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klosterkirche Güssing wird Basilika. In: burgenland.orf.at. ORF Burgenland, 23. Januar 2013, abgerufen am 14. September 2022.
  2. a b Güssing. In: martinus.at. Diözese Eisenstadt, abgerufen am 14. September 2022.
  3. Joachim Schäfer: Ladislaus Batthyány-Strattmann. In: heiligenlexikon.de. Ökumenisches Heiligenlexikon, abgerufen am 14. September 2022.
  4. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 63, 4–14.
  5. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 61, 27–33.
  6. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 62, 20–41.
  7. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 63, 21–22.
  8. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 64, 31–36.
  9. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 65, 14–24.
  10. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 66, 14–22.
  11. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 65, 6–13.
  12. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 64, 31–36.
  13. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 66, 32–35.
  14. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 66, 27–31.
  15. P. Arnold Magyar (OFM): Das ehemalige Augustinerkloster von Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Heft 35. Eisenstadt 1973, S. 66, 32–35.
  16. a b Unsere Basilika. In: stadtpfarreguessing.at. Stadtpfarre Güssing, abgerufen am 14. September 2022.
  17. a b Michael Floiger: Güssing. In: atlas-burgenland.at. Michael Floiger, abgerufen am 14. September 2022.
  18. Vämberi Gusztäv: Reformation und Gegenreformation in Ungarn - Beziehungen des Clusius zu Batthyány. In: Burgenländisches Landesmuseum (Hrsg.): Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 54. Eisenstadt 1974, S. 42, 29–31.

Koordinaten: 47° 3′ 34,7″ N, 16° 19′ 25,6″ O